Ein Mückenstich, tausend Jahre Manuskript: Chronoscript sperrt uns kostenlos in die Geschichte einer Vampirin
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Das Manuskript zieht seinen Lektor hinein
📰 Was ist los?
Chronoscript: The Endless End hat seine erste kostenlose Steam-Demo erhalten. Sie zeigt den Spieleinstieg, die Verbindung aus dreidimensionalem Herrenhaus und handgezeichneten 2D-Manuskriptwelten sowie anschließend eine freischaltbare Boss Challenge; deutsche Texte werden unterstützt.
🐛 Was denken wir?
Ein Lektor, eine tausendjährige Vampirautorin und ein Manuskript, das zur betretbaren Spielwelt wird, reichen schon für einen ungewöhnlich starken Indie-Haken. Dass ausgerechnet eine Mücke den ganzen Albtraum in Gang setzt, beweist zudem, dass Fantasy manchmal gar kein Drache braucht, um das Leben eines Menschen nachhaltig zu ruinieren.
🦟 Ein Mückenstich, tausend Jahre Manuskript: Chronoscript sperrt uns kostenlos in die Geschichte einer Vampirin
Ein Lektor reist in ein abgelegenes Herrenhaus, um einer geheimnisvollen Autorin bei ihrem Manuskript zu helfen. Für eine Fantasygeschichte wäre das bereits eine ausreichend verdächtige Stellenausschreibung. Chronoscript: The Endless End setzt allerdings noch einen drauf: Bevor überhaupt jemand dramatisch die Tür verriegeln kann, wird der Mann von einer Mücke gestochen und verliert das Bewusstsein.

© SHUEISHA / SHUEISHA GAMES, Developed by DeskWorks
Danach steckt er innerhalb des Manuskripts einer tausend Jahre alten Vampirautorin fest. Genau diesen Einstieg können PC-Spieler ab sofort selbst ausprobieren, denn Shueisha Games und Entwickler DeskWorks haben die erste öffentliche Steam-Demo zu Chronoscript: The Endless End veröffentlicht. Sie ist kostenlos, unterstützt deutsche Texte und führt vom Beginn des Spiels bis zur ersten Begegnung mit Vampirin Viola S Chambers.
📖 Das Herrenhaus besteht aus Geschichten
Die wichtigste Idee von Chronoscript steckt in seinen beiden miteinander verbundenen Welten. Das Anwesen der Vampirin wird dreidimensional dargestellt und ist voller Manuskriptseiten, während sich innerhalb dieser Seiten handgezeichnete zweidimensionale Welten öffnen. Der Lektor springt damit buchstäblich zwischen dem Haus einer Autorin und den Geschichten herum, die sie dort seit Jahrhunderten geschrieben hat.
Diese Manuskripte decken verschiedene Zeiten und Orte ab, denn Viola hat während ihres tausendjährigen Lebens Geschichten aus unterschiedlichsten Epochen gesammelt. Dort warten die sogenannten Ruined, verzerrte Wiederkehrer von Menschen, die in der wirklichen Welt grausam gestorben sind. Durch Erkundung und Kämpfe erschließt der Spieler neue Fähigkeiten, taucht in Tintenseen ein und versucht allmählich herauszufinden, weshalb die endlose Geschichte ihrer Autorin keinen Abschluss mehr findet.
📖 Willkommen im Manuskript ohne Schlusspunkt
Der offizielle Demo-Trailer zu Chronoscript: The Endless End zeigt den Wechsel zwischen dem dreidimensionalen Herrenhaus und den handgezeichneten Manuskriptwelten, erste Kämpfe und die eigenwillige Feder-und-Tinte-Optik. Tausend Jahre Schreibarbeit wären vermutlich leichter zu korrigieren, wenn das Manuskript seine Lektoren nicht verschlucken würde.
Das ist für ein Metroidvania beziehungsweise Erkundungs-Actionspiel ein ausgesprochen hübscher erzählerischer Kniff. Neue Gebiete sind hier keine beliebigen biomechanischen Türen mit anderer Farbe, sondern weitere Seiten eines Manuskripts, dessen Besitzerin offenbar seit ungefähr zehn Jahrhunderten Schwierigkeiten mit dem letzten Kapitel hat. Jeder Lektor kennt mindestens einen vergleichbaren Fall. Die Laufzeit ist meistens nur kürzer.
⚔️ Nach dem Ende der Demo wartet erst der Boss
Die kostenlose Fassung zeigt bereits Erkundung und Kampf und lässt den Spieler bis zur Begegnung mit Viola gelangen. Damit hört das Paket allerdings noch nicht auf. Wer diesen Abschnitt abschließt, schaltet Extra: Boss Challenge Battle frei, einen separaten Kampf gegen einen stärkeren Gegner, bei dem zusätzliche Skills verfügbar sind.
Gerade das ist für einen frühen Eindruck sinnvoll. Chronoscript lebt optisch stark von seinem Stil, muss als Action-Adventure am Ende aber auch zeigen, ob Bewegung, Treffergefühl und Bosskämpfe tragen. Die zweidimensionalen Bereiche sind vollständig mit Feder und Tinte gezeichnet und werden Bild für Bild animiert, wodurch Figuren und Gegner bereits in Screenshots einen bemerkenswert eigenwilligen, leicht unangenehmen Ausdruck besitzen.
Die Mischung erinnert dabei weniger an klassische Hochglanz-Fantasy als an ein altes illustriertes Buch, das nachts beschlossen hat, seine Bewohner aus den Seiten herauszulassen. Für eine Geschichte über eine Vampirin, die seit tausend Jahren an demselben Manuskript sitzt, ist das ziemlich genau die richtige Form von Unbehagen.
🎼 Bayonetta trifft Chrono Trigger – zumindest hinter den Kulissen
Auch die beteiligten Namen sind für ein vergleichsweise kleines Projekt bemerkenswert. Mari Shimazaki arbeitet am Character Design; zu ihren bekanntesten Arbeiten gehören die Bayonetta-Reihe und Ōkami. Die Musik stammt von Yasunori Mitsuda, dessen Lebenslauf unter anderem Chrono Trigger, Chrono Cross, Xenogears und Beiträge zur Xenoblade Chronicles-Reihe enthält.
Entwickler DeskWorks selbst ist dagegen ein kleines Team, das sich ausdrücklich auf ungewöhnliche visuelle Stile und Erkundungs-Actionspiele konzentriert. Für Chronoscript treffen diese beiden Ambitionen ziemlich offensichtlich zusammen: Die handgezeichneten Seiten sollen nicht bloß hübsch aussehen, sondern sind die eigentliche Struktur der Spielwelt.
Die Vollversion soll im Herbst 2026 für PlayStation 5 und PC erscheinen. Bis dahin lässt sich die erste größere Kostprobe kostenlos auf Steam spielen – inklusive deutscher Texte und Boss Challenge.
Die einzige offene Frage bleibt damit, ob der Lektor Violas tausendjähriges Manuskript tatsächlich zu Ende bringen kann.
Nach dem Einstieg dürfte sein erster Änderungsvorschlag vermutlich lauten: Mücken raus.




