d-you ab 2027: Deutschland steckt den Ausweis ins Handy – doch es gibt bessere Lösungen

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Deutschland digitalisiert ab dem 2. Januar 2027 eines der wichtigsten Dokumente überhaupt: den Personalausweis. Mit der neuen App d-you soll sich künftig ein digitaler Ausweis-Zwilling aufs Smartphone laden lassen. Später sollen weitere Nachweise wie der Führerschein folgen. Zum Start soll die Wallet unter anderem Altersnachweise ermöglichen, Verträge absichern, bei Banken funktionieren und bei rund 40 Anbietern eingesetzt werden können.

Das Bundesdigitalministerium verspricht höchste Sicherheitsstandards, verschlüsselte Daten und eine bequemere Identifizierung im Alltag. Der Name wurde ebenfalls erklärt: Das „d“ steht für Deutschland und digital, „you“ für den Nutzer.

Ok, originell wäre vermutlich anders, aber die schwierigste Frage ist damit eigentlich beantwortet. Die Zwischenreiche beobachten das Projekt trotzdem mit Verwunderung. Dort weiß man seit Jahrhunderten, dass man zur eindeutigen Identifizierung eines Menschen weder Plastik noch Smartphone oder eine App benötigt.

Man braucht nur eine ausreichend bescheuerte Methode, die niemand freiwillig zweimal durchlaufen will.

Ein kleines Auto steht auf einer scheinbar freien Wiesenfläche, während daneben ein Drache landet, ein magisches Portal im Boden leuchtet und ein Beamter mit einem langen Strafzettelblock wartet.
Deutschland setzt auf d-you. In den Zwischenreichen gilt der Bürgerstein weiterhin als besonders ausfallsicher, sofern man ihn tragen kann.

🪪 Fünf Identitätsnachweise, bei denen d-you plötzlich ziemlich vernünftig wirkt

🐸 Der amtliche Passmolch

In mehreren Städten erhält jeder Bürger bei der Anmeldung einen persönlichen Identitätsmolch. Das Tier lebt in einem kleinen Glas, trägt ein Siegel um den Hals und erkennt seinen Besitzer zuverlässig an Hautgeruch, Schweiß und einer weiteren Körpernote, über die das Innenministerium keinerlei Auskunft erteilt.

Bei einer Kontrolle steckt man einen Finger ins Glas. Leckt der Molch daran und bleibt ruhig, ist die Identität bestätigt. Quakt er zweimal, besteht Verdacht auf Urkundenfälschung. Beißt er zu, liegt meistens ein offener Strafzettel vor.

Das System gilt als außerordentlich fälschungssicher. Sein größter Nachteil ist die Gültigkeitsdauer: Ein Molch lebt etwa zwölf Jahre. Danach muss man mit dem alten Tier, zwei Lichtbildern und einem frischen Regenwurm persönlich beim Amt erscheinen.

🪨 Der Bürgerstein

Die Nimmermark setzt bis heute auf bewährte Analogtechnik. Jeder Einwohner bekommt mit 16 Jahren einen etwa elf Kilogramm schweren Basaltblock ausgehändigt, in den Name, Geburtsdatum, Wohnort und eine grobe Darstellung des Gesichts gemeißelt werden.

Der Vorteil liegt auf der Hand: Akkuprobleme gibt es nicht. Auch Identitätsdiebstahl ist selten. Wer einem anderen Menschen einen elf Kilogramm schweren Stein aus der Tasche ziehen kann, hat sich die neue Identität nach Auffassung der Behörden ohnehin hart erarbeitet.

Bei Reisen muss der Bürgerstein mitgeführt werden. Gasthäuser prüfen ihn beim Einchecken, Banken beim Vertragsabschluss und Schankwirte beim Ausschank hochprozentiger Getränke. Für Jugendliche existiert eine leichtere Version mit nur sieben Kilogramm, damit die Wirbelsäule ausreichend Zeit hat, sich auf das steinige Erwachsenenleben vorzubereiten.

Geht der Stein verloren, wird ein neuer angefertigt. Bearbeitungszeit: sechs Monate. Bis dahin gilt man als mineralisch ungeklärt.

👻 Der Vorfahrennachweis

Besonders traditionsbewusste Regionen sparen sich Dokumente vollständig und lassen die Identität durch einen verstorbenen Verwandten bestätigen. Bei Bedarf zeichnet der Beamte einen kleinen Kreis auf den Boden, entzündet drei Kerzen und ruft einen Vorfahren des Antragstellers herbei. Dieser muss lediglich erklären, ob die Person vor ihm tatsächlich zur Familie gehört.

Das Verfahren ist juristisch nahezu unangreifbar. Sozial allerdings schwierig. Denn Verstorbene betrachten die Gelegenheit häufig als willkommenen Anlass, Dinge anzusprechen, die eigentlich niemand beim Autokauf hören wollte.

»Ja, das ist mein Enkel Rolf-Kevin. Hat immer noch diese komische Frisur. Seine Mutter hat ihn gewarnt.« Die Identität gilt damit als bestätigt.

Der Gebrauchtwagenhändler weiß danach außerdem, warum deine erste Ehe gescheitert ist und dass du 1987 bei einer Klassenfahrt angeblich etwas mit einer Gardine gemacht hast. Der Datenschutzbeauftragte empfiehlt, nur wenig gesprächige Tote zu verwenden.

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🪱 Die amtliche Passmade

Muränische Behörden halten Fingerabdrücke für unnötig kompliziert. Jeder Bürger bekommt deshalb eine kleine Passmade, die bei der Geburt mit einer winzigen Menge Blut gefüttert wird und anschließend ausschließlich auf ihren Besitzer reagiert.

Zur Identifizierung legt man das Tier auf den Handrücken. Bleibt es liegen, bist du du. Rollt es sich zusammen, bist du möglicherweise jemand anderes. Versucht es, sich unter die Haut zu graben, gab es bei der letzten Aktualisierung ein Problem.

Das System funktioniert hervorragend, solange die Passmade nicht mit anderen amtlichen Maden verwechselt wird. 1823 führte eine falsche Lieferung dazu, dass 400 Einwohner vorübergehend als bereits verstorben oder noch nicht vollständig geboren geführt wurden.

Der Fehler fiel erst auf, als ein Bäcker seine Tochter verheiraten wollte und laut Melderegister plötzlich ein öffentlicher Brunnen war. Die Ehe wurde trotzdem genehmigt. Man wollte die Sache nicht noch komplizierter machen.

🪞 Das Wahrheitsspiegel-Verfahren

Die eleganteste Lösung verwendet überhaupt kein Dokument. Im Eingangsbereich jedes Amtes hängt ein großer schwarzer Spiegel. Wer davortritt, muss laut seinen Namen sagen. Sagt er die Wahrheit, erscheint sein normales Spiegelbild. Lügt er, erscheint ebenfalls sein normales Spiegelbild. Allerdings schüttelt es enttäuscht den Kopf.

Die Methode gilt als extrem zuverlässig und hat nebenbei sämtliche Behördengespräche deutlich verkürzt. Niemand möchte länger als unbedingt nötig mit einer reflektierenden Version seiner selbst diskutieren, die sichtbar besser über die eigenen Entscheidungen informiert ist.

Besonders gefürchtet ist die Zusatzfunktion „Persönliche Angaben vervollständigen“. Dann sagt der Spiegel Dinge wie: »Du wohnst seit 14 Jahren dort, hast den Keller aber nie angemeldet.« Oder: »Familienstand: kompliziert. Sehr kompliziert.« In besonders schweren Fällen schaut das Spiegelbild kurz hinter den Antragsteller und fragt: »Ist deine Frau eigentlich informiert?« Danach brechen viele Menschen den Behördengang freiwillig ab.

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🏆 Deutschland entscheidet sich überraschend für das Smartphone

Neben diesen Verfahren wirkt d-you plötzlich geradezu konservativ. Keine Tiere müssen gefüttert werden, niemand schleppt einen Basaltblock durch den Bahnhof und beim Abschluss eines Handyvertrags wird voraussichtlich kein verstorbener Großvater erscheinen, um ungefragt über deine Schulnoten zu reden.

Auch der Personalausweis auf dem Smartphone hat natürlich seine Tücken. Das Telefon kann verloren gehen, kaputtgehen oder genau dann noch zwei Prozent Akku besitzen, wenn man vor einem Schalter steht, der seit 1984 einmal täglich für 17 Minuten geöffnet ist. Dafür lässt es sich erheblich leichter in die Hosentasche stecken als ein Bürgerstein.

Die Zwischenreiche beobachten den deutschen Feldversuch deshalb aufmerksam. Sollte d-you funktionieren, denkt man bereits über eine Modernisierung nach. Der Passmolch könnte künftig Bluetooth bekommen. Die Passmade vielleicht NFC.

Und beim Bürgerstein prüft eine Arbeitsgruppe derzeit, ob man das Gewicht durch technische Innovation auf 10,8 Kilogramm senken kann. Die Beratungen laufen seit 1912.

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