
Monolord – Neverending
🧿 Kurzfazit
Neverending ist ein starkes, erstaunlich variables Stoner-Doom-Album, auf dem Monolord ihre tonnenschwere Grundform nicht verlassen, aber deutlich verfeinern. Kürzere Songs, mehr Dynamik, mehr emotionale Schattierungen, weniger bloßes Riffkreisen: Die Schweden klingen fokussierter, mutiger und lebendiger als früher. Nicht jeder Einstieg sitzt sofort, aber ab dem Moment, in dem das Album wirklich öffnet, wird daraus ein gewaltiger, klug gebauter Schwergewichtsritt.
🎯 Für wen?
Für Fans, die Monolord nicht nur als Riffwalze schätzen, sondern als Band, die Stoner Doom, Sludge, psychedelische Weite und melancholischen Druck zusammenbringen kann. Wer Pallbearer, Sleep, Windhand, YOB, Neurosis und natürlich die stärkeren späten Monolord-Alben mag, findet hier sehr viel Substanz.
🎧 Wie klingt das?
Wie ein Stoner-Doom-Trio, das beschlossen hat, die eigene Schwere nicht mehr nur auszubreiten, sondern gezielt einzusetzen. Neverending ist massiv, aber nicht träge. Die Riffs stehen breit im Raum, der Bass drückt wie ein zweiter Boden, die Drums bleiben trocken und körperlich, und Thomas Jägers Gesang bringt wieder diese eigentümliche Mischung aus Melancholie, Distanz und innerem Glimmen mit. Der entscheidende Unterschied liegt in der Verdichtung. Viele Songs sind kürzer, direkter und klarer geführt als früher. Monolord walzen nicht weniger, sie walzen aber präziser.
🎼 Highlights
Inside A Collider, Oozing Wound, Invisible, It’s Neverending
⛔ Nichts für dich, wenn…
du Stoner Doom nur als endloses Riffmantra hören willst. Neverending ist zwar schwer, aber deutlich beweglicher als das alte Klischee vom endlosen Verstärkernebel. Hier wird gestrafft, gebrochen, variiert und emotional stärker ausgeleuchtet. Wer nur maximale Wiederholung sucht, könnte sich bei der neu gewonnenen Songdisziplin fast erschrecken.
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🐘 Monolord – Neverending: Der Koloss lernt tanzen, ohne leichter zu werden
Monolord waren ja nie die Band für die kleinen Gesten. Wenn das Trio aus Göteborg nur einen Verstärker anschaut, bekommt vermutlich irgendwo ein Fundament bereits einen Zitteranfall. Früher bedeutete das vor allem: Riff an, Nebel hoch, Walze los. Schwer, breit, langsam, hypnotisch — Stoner Doom als eher geologischer Vorgang.
Aber Neverending ist nicht einfach nur der nächste große Brocken im Steinbruch. Dieses sechste Album klingt eher wie der Moment, in dem ein Monolith plötzlich Schatten wirft, die man vorher bei all dem Gedröhne nicht wahrgenommen hat. Oh yeah, die Schweden bleiben schwer. Natürlich bleiben sie das. Alles andere wäre bei Monolord ungefähr so glaubwürdig wie ein Einhorn im Steuerseminar. Aber sie sind 2026 eben auch nicht mehr nur die Band, die ein Riff so lange auf den Boden drückt, bis darunter Öl austritt.
Sie schreiben Songs. Kompakter, variabler, emotionaler. Manchmal auch wütender. Gelegentlich sogar erstaunlich verletzlich. Und gerade deshalb wirkt Neverending so stark: Es ist kein Rückzug aus der Heaviness, sondern eine bessere Nutzung ihrer mächtigen Masse.
Der Koloss steht noch. Aber diesmal beginnt er sich zu bewegen.
🎧 Was erwartet dich?
Genre(s): Stoner Doom, Doom Metal, Sludge, Psychedelic Rock.
Vergleichbar mit: einem schwedischen Riffkoloss, der durch eine schwarze Brandung stapft, dabei aber plötzlich nicht nur Steine zertritt, sondern ganze Stimmungsräume öffnet.
Klangfarbe: Neverending klingt gewaltig, trocken, schwer und zugleich erstaunlich atmend. Die Verzerrung steht nicht als graue Wand vor den Songs, sondern bewegt sich mit ihnen. Bass und Gitarre schieben wie tektonische Platten, während das Schlagzeug klare Schneisen durch den Druck schlägt. Darüber liegt ein Gesang, der nicht schreit, um sich zu behaupten, sondern gerade durch seine Melancholie tiefer einsinkt.
🔥 Highlights
Inside A Collider ist der Moment, in dem Neverending endgültig unter die Haut geht. Nach dem rockigeren Beginn öffnet sich hier plötzlich ein deutlich größerer Raum. Acht Minuten sind für Monolord kein Exzess, sondern vertrautes Gelände, doch diesmal wirkt die Länge nicht wie ein Ritual der Wiederholung, sondern wie ein langsames Absinken in eine andere Schwerkraft. Der Song erinnert in seiner elegischen Breite tatsächlich an jene doomige Melancholie, die auch Pallbearer groß machen kann, bleibt aber klar Monolord: schwerer, erdiger, dunkler im Fundament. Hier zeigt sich, wie stark die Band geworden ist, wenn sie nicht nur drückt, sondern Spannung aufbaut. Inside A Collider ist kein Riffblock. Es ist ein eigenes Schwerefeld.
Oozing Wound bringt die bedrückendere Seite des Albums nach vorne. Schon der Titel klingt nach etwas, das nicht heilen will, und der Song trägt genau dieses Gefühl: zäh, dunkel, unangenehm körperlich. Hier wird die Heaviness nicht als Triumph ausgespielt, sondern als Belastung. Gerade deshalb funktioniert das Stück so gut. Monolord müssen nicht schneller oder brutaler werden, um härter zu wirken. Sie lassen den Sound sickern, drücken, ziehen. Das ist Doom nicht als Pose, sondern als Zustand. Ein Song wie ein Raum, in dem der Sauerstoff langsam schwerer wird.
Invisible ist einer der emotional stärksten Momente der Platte. Hier zeigt sich besonders schön, wie gut Monolord inzwischen mit innerer Dynamik arbeiten. Bass und Gitarre wirken nicht einfach parallel geschichtet, sondern sprechen miteinander: Druck, Antwort, Rückzug, erneuter Schub. Der Song hat diese melancholische Langsamkeit, die bei schwächeren Bands schnell zur Sitzübung wird. Bei Monolord entsteht daraus ein großer, dunkler Sog. Nicht spektakulär im billigen Sinn, aber enorm wirksam. Invisible ist der Beweis, dass diese Band längst nicht mehr nur über Gewicht funktioniert, sondern über Gefühl innerhalb des Gewichts.
It’s Neverending ist der überraschende Schlussstein. Dass hier Jörgen Sandström brüllt, verschiebt die Platte plötzlich deutlich Richtung Sludge und gibt dem Finale eine andere Farbe. Der Einstieg wirkt fast wie ein Bruch, ein harter Schnitt nach dem elegischeren Material davor. Aber genau dieser Bruch macht den Song interessant. Nach kurzer Irritation findet das Stück seinen Platz und wächst zu einer wuchtigen Klimax. Monolord zeigen hier, dass sie ihr Publikum nicht nur beruhigend mit bekannten Riffwellen tragen wollen. Sie können auch stoßen, kratzen, schieben und den Vorhang mit rauerer Hand herunterreißen. Als Finale ist das mutig und am Ende absolut überzeugend.
🎨 Artwork
Das Cover von Neverending sieht aus, als habe jemand ein Doom-Album nicht gemalt, sondern aus einer düsteren Traumsequenz herausgekratzt. Ein dunkler Hintergrund, links das rote Monolord-Logo, darunter der Albumtitel. Rechts steht eine vogelhafte, verhüllte Gestalt mit hellem Kopf und langem Stab, halb Tier, halb Priester, halb Fährmann aus einem sumpfigen Zwischenreich. Über ihr hängt eine große, fleischig rote Form, irgendwo zwischen Flügel, Wunde, Rauch und verwittertem Tuch. Unten brandet kaltes Blau gegen Schwarz.
Das Bild ist viel weniger klassisch stonerhaft, als man erwarten könnte. Keine Wüsten, keine Bongs, keine Sonnenuntergangs-Karawane aus Verstärkern. Stattdessen etwas Offenes, Bedrohliches, fast Mythisches. Es wirkt wie eine Szene kurz vor einer Überfahrt: jemand wartet, etwas ruft, der Horizont ist nicht mehr sicher. Gerade deshalb passt das Artwork hervorragend zu Neverending. Dieses Album ist kein reines Riff-Fest. Es hat Schwere, ja. Aber es hat auch Bewegung, Zwischenräume, dunkle Symbolik und eine seltsame Traurigkeit, die über bloße Stoner-Doom-Ästhetik hinausgeht.
Das Cover sagt nicht: Hier kommt der nächste Verstärkerberg.
Es sagt: Da draußen steht etwas. Und es will bleiben.
🪦 Besondere Momente
Die Kürze ist kein Rückzug
Fünf der acht Songs bleiben unter fünf Minuten. Für Monolord ist das fast schon eine kleine Revolution im eigenen Maßstab. Aber die kürzeren Formen schwächen die Band nicht. Im Gegenteil: Sie zwingen die Riffs zu mehr Aussage, die Arrangements zu mehr Ziel und die Songs zu klareren Konturen.
Silvia Massy gibt der Schwere Luft
Der Sound ist ein großer Pluspunkt. Die Produktion wirkt massiv, aber nicht zugeschüttet. Gitarren und Bass haben Volumen, das Schlagzeug bleibt trocken und präsent, und der Gesang wird nicht vom Riffbeton verschluckt. Diese Balance macht Neverending so wirkungsvoll.
Der alte Nebel lichtet sich
Frühe Monolord-Alben hatten ihre eigene Wucht, aber auch eine gewisse Vorhersehbarkeit. Neverending zeigt eine Band, die gelernt hat, dass weniger Wiederholung nicht weniger Wirkung bedeutet. Das Album ist variabler, aber dabei nicht zerfasert.
Melancholie als Motor
Die stärksten Momente entstehen dort, wo Monolord ihre Schwere emotional aufladen. Inside A Collider und Invisible sind keine bloßen Doom-Trümmer. Sie tragen echten Weltschmerz, ohne in Kitsch zu kippen.
Der Sludge-Einschnitt sitzt
It’s Neverending überrascht mit Jörgen Sandström am Mikrofon und einer raueren Gangart. Das hätte wie ein Fremdkörper wirken können. Tut es kurz. Dann wird daraus ein spannender Schlussakzent, der das Album nicht bequem auslaufen lässt.
📜 Hintergrund
Monolord stammen aus Göteborg und gehören seit ihrer Gründung 2013 zu den wichtigsten europäischen Schwergewichten im modernen Stoner Doom. Das Trio hat sich mit massiven Riffs, psychedelischer Tiefe, tonnenschwerem Bass und einer auffallend melancholischen Gesangslinie einen festen Platz zwischen Doom, Sludge und Stoner Rock erspielt. Besonders interessant ist dabei die Entwicklung: Aus einer anfangs stark repetitiven Riffmaschine wurde Schritt für Schritt eine Band mit immer klarerem Songwriting.
Neverending ist das sechste Studioalbum von Monolord und erscheint am 29. Mai 2026 über Relapse Records. Fünf Jahre nach Your Time To Shine und drei Jahre nach der EP It’s All The Same meldet sich das Trio mit acht Songs zurück. Die Besetzung bleibt klassisch kompakt: Thomas Jäger übernimmt Gesang und Gitarre, Mika Häkki den Bass und Esben Willems das Schlagzeug. Als Gast ist auf It’s Neverending Jörgen Sandström zu hören, bekannt unter anderem durch Entombed, The Project Hate MCMXCIX und Firespawn.
Produziert wurde das Album von Silvia Massy, deren Sound entscheidend zur Wirkung beiträgt: brachial, dynamisch, klar genug für Details, schwer genug für den Einschlag. Genau diese Mischung macht Neverending zu einem Album, das nicht nur laut wirkt, sondern räumlich und emotional beeindruckt.
🪓 Fazit: Der Verstärkerberg hat gelernt, Schatten zu werfen
Sie werden besser. Das ist der entscheidende Punkt. Mehr Verzerrung, mehr Länge, mehr Riffmasse — all das wäre für diese Band der einfache Weg gewesen. Stattdessen konzentrieren die Schweden ihre Stärken. Sie schreiben kompakter, variieren stärker, lassen mehr emotionale Temperatur zu und zeigen, dass Doom nicht automatisch größer wird, wenn man ihn nur länger zieht.
Der Anfang mit Iodine und You Bastard ist gut, aber noch nicht der eigentliche Triumph. Der kommt ab Inside A Collider, wenn das Album seinen inneren Raum öffnet. Von dort an wächst Neverending zu einer Platte, die Heaviness nicht bloß behauptet, sondern gestaltet. Oozing Wound drückt wie eine offene Stelle unter schwarzem Verband, Invisible zeigt die reifere, tiefere Seite der Band, und It’s Neverending setzt am Ende einen rauen, überraschend sludgegetränkten Schlussakzent.
Natürlich bleibt das ein Album für Menschen, die schwere Musik nicht nur hören, sondern tief in ihr wohnen wollen. Wer bei Doom nach zwei Minuten nervös auf die Uhr schaut, wird auch hier keinen neuen Lebensentwurf finden. Aber wer wissen will, wie eine Band nach dreizehn Jahren gemeinsamer Entwicklung immer noch wachsen kann, bekommt mit Neverending eine ziemlich überzeugende Antwort.
Monolord sind 2026 weit entfernt von Stoner-Doom-Klischees.
Kein träger Riffnebel, kein Selbstzitat und kein bloßes Weiterwalzen. Dieses Album kennt sein eigenes Gewicht und bewegt es mit verblüffender Präzision.
Der Koloss ist nicht endlos gewaltig, aber er hinterlässt eine weithin sichtbare Spur.

| Künstler: | Monolord |
| Albumtitel: | Neverending |
| Erscheinungsdatum: | 29. Mai 2026 |
| Genre: | Stoner Doom / Doom Metal / Sludge / Psychedelic Rock |
| Label: | Relapse Records |
| Spielzeit: | ca. 43 Minuten |
📺 Offizielles Audio
Offizielles Audio zu „It’s Neverending“ – Monolord holen sich mit Jörgen Sandström zusätzliche Sludge-Schwere ins Finale von Neverending und lassen den Koloss noch einmal rauer durch den Nebel stapfen.
🎼 Trackliste:
Iodine
You Bastard
Inside A Collider
Crystal Bridge
Oozing Wound
The Masque
Invisible
It’s Neverending
👥 Besetzung:
Thomas Jäger: Gesang / Gitarre
Mika Häkki: Bass
Esben Willems: Schlagzeug
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