Vortex Sutra – Noumenon (Review)

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Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Vortex Sutra – Noumenon

🧿 Kurzfazit
Noumenon ist ein instrumentales Progressive-Rock- und Metal-Album als philosophischer Klangkörper. Vortex Sutra verbinden Bassdrang, Synth-Landschaften, harte Riffkanten, Tastenarbeit und symphonisch gedachte Langform zu vier Bewegungen, die eher erkundet als konsumiert werden wollen. Anspruchsvoll, verspielt, eigenwillig und deutlich lebendiger, als der Kant-Bezug zunächst vermuten lässt.

🎯 Für wen?
Für offene Hörer, die bei Progressive Rock nicht sofort an sterile Fingerübungen denken, sondern an Abenteuer. Wer Yes, Tool, Gong, King Gizzard And The Lizard Wizard, Pink Floyd, 70er-Elektronik, Fusion-Jazz und härtere moderne Prog-Strukturen nicht als Gegensätze, sondern als mögliche Nachbarn versteht, findet hier reichlich Stoff.

🎧 Wie klingt das?
Wie eine Denkmaschine mit Bassantrieb. Vortex Sutra klingen auf Noumenon instrumental, weit, nervös, farbig und ständig in Bewegung. Der Bass ist kein Fundament im Hintergrund, sondern oft der eigentliche Motor. Die Keys und Synths bauen Räume, kippen Licht hinein, ziehen Wände weg und lassen die Stücke zwischen Prog Rock, Metal, Elektronik und kosmischem Kopfkino pendeln.

🎼 Highlights
Noumenon 1, Noumenon 3.1, Noumenon 4.1

⛔ Nichts für dich, wenn…
für dich klare Strophe-Refrain-Strukturen, Gesang als Führungslinie oder kompakte Songs Trumpf sind. Noumenon will nicht flott einparken. Es kreist, driftet, schraubt, biegt ab und verlangt Lust am offenen Verlauf.

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🌀 Vortex Sutra – Noumenon: Prog Metal jenseits der Wahrnehmungsgrenze

Kant im Maschinenraum? Klingt zugegebenermaßen komisch, aber irgendwie fühlt sich dieses Album ein bisschen so an. Klar, ein Albumtitel, der nach Philosophie klingt, ist im Progressive Rock erst einmal kein Schock. Dieses Genre hat seit Jahrzehnten ein inniges Verhältnis zu Denkgebäuden, Sternenkarten, Mellotron-Nebel und langen Stücken mit großen Absichten. Vortex Sutra gehen trotzdem anders an die Sache heran. Noumenon wirkt nicht wie ein vertonter Seminarzettel, sondern wie ein Instrumentenraum, in dem jemand eine abstrakte Idee so lange unter Strom setzt, bis sie anfängt zu leuchten.

Der Begriff selbst stammt aus der Philosophie: das Ding an sich, also das, was unabhängig von unserer Wahrnehmung existiert. Was wir hören, sehen, fühlen und benennen, ist nur die Oberfläche. Dahinter liegt etwas, das sich uns entzieht. Genau daraus macht Denes Poszmik ein instrumentales Progressive-Rock- und Metal-Album in vier Bewegungen. Kein Sänger erklärt uns den Sinn. Kein Refrain fasst präzise zusammen, was man bequem mit nach Hause nehmen kann. Die Musik selbst muss sprechen. Und die spricht ziemlich viel.

Noumenon ist kein Songalbum im klassischen Sinn. Es ist eher ein bewegliches Klangobjekt: Bassläufe, Synth-Flächen, harte Riffkanten, Tastenfiguren, rhythmische Haken, plötzlich aufblühende Farben und diese eigenartige Mischung aus Kontrolle und Staunen. Manchmal klingt das, als würden Tool, Yes, Gong, King Gizzard And The Lizard Wizard und ein verschollener 70er-Jahre-Laborant gemeinsam an einer Maschine bauen, deren Zweck niemand ganz versteht, die aber sehr beunruhigend surrt.

Das Cover passt dazu fast beängstigend gut. Aleksandr Rodchenkos Non-Objective Painting no. 80 (Black on Black) von 1918 zeigt keine Landschaft, keine Figur, keine Erzählung. Nur Form, Fläche, Dunkelheit, Krümmung, Kante. Ein Bild, das nichts erklärt und gerade dadurch Fragen stellt. Vortex Sutra liefern dazu die Musik: abstrakt, aber nicht kalt; kopflastig, aber nicht blutleer; verwinkelt, aber überraschend lebendig.

Das ist Prog Metal für Leute, die nicht nur wissen wollen, wohin ein Stück geht, sondern warum es unterwegs plötzlich die Treppe in der Wand nimmt, die vorher definitiv nicht dort war.

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🎧 Was erwartet dich?

Genre(s): Instrumental Progressive Rock, Progressive Metal, Experimental Rock, Electronica

Vergleichbar mit: Yes für die große Prog-Ambition, Tool für die körperliche Rhythmusspannung, King Gizzard And The Lizard Wizard für den Entdeckerdrang, Gong für kosmischen Schalk, Pink Floyd für weite Klangräume und frühe Elektronik dort, wo Synths nicht schmücken, sondern die Wahrnehmung verschieben.

Klangfarbe: Noumenon klingt nicht dunkel im klassischen Sinn, sondern eher schattiert. Schwarz, Grau, Metall, warmer Strom, matte Reflexe. Die Gitarren bringen Härte hinein, doch sie dominieren nicht ständig. Viel wichtiger ist das Zusammenspiel aus Bass, Drums, Keys und Synths. Der Bass pulst, federt, drückt und nimmt oft mehr Raum ein, als man es von vielen Metal-Produktionen gewohnt ist.

Die Synths legen keine Tapete aus. Sie verändern das Zimmer. Mal öffnen sie kosmische Weite, mal treiben sie die Musik in ein fast elektronisches Flimmern, mal wirken sie wie Lichtkanten auf einer abstrakten Fläche. Die Drums halten das Ganze in Bewegung, ohne es in reinen Druck zu verwandeln. Dadurch bekommt das Album eine seltsame Mischung aus Körper und Kopf: Man denkt mit, aber der Fuß bleibt nicht unbeteiligt.

Auffällig ist natürlich die Form. Vier Bewegungen statt gewöhnlicher Songs und das hört man. Noumenon arbeitet mit langen Bögen, Übergängen, Perspektivwechseln und wiederkehrender Bewegung. Die Musik will nicht auf den Punkt kommen, weil der Punkt hier gar nicht das Ziel ist. Sie will zeigen, wie viele Wege um einen Punkt herumführen können.

🔥 Highlights: Drei Bewegungen durch das Unfassbare

Noumenon 1 ist kein Einstieg, der dem Hörer die Hand reicht. Das Stück stellt den Raum auf, schaltet Maschinen ein und lässt uns erst einmal begreifen, dass hier andere Größenordnungen gelten. Mit seinen rund neunzehn Minuten wirkt es wie eine lange Öffnung: Basslinien setzen Impulse, Synths breiten sich aus, rhythmische Bewegungen ziehen an, und immer wieder tauchen harte Kanten aus dem Klangfeld auf. Das Faszinierende daran ist die Geduld. Vortex Sutra werfen nicht wahllos Ideen in den Raum, sondern lassen sie miteinander arbeiten. Hier geht es nicht darum, einen Hook zu platzieren und weiterzuziehen. Noumenon 1 baut eine Wahrnehmungssituation. Man hört hinein, verliert kurz die Orientierung, findet einen Puls, folgt ihm, wird wieder abgelenkt und merkt irgendwann, dass genau diese Bewegung das Stück zusammenhält.

Noumenon 3.1 ist der Abschnitt, in dem das Album besonders stark mit Leichtigkeit und Spannung spielt. Die Musik wirkt beweglicher, fast springender, ohne harmlos zu werden. Tastentöne, Bassfiguren und rhythmische Akzente prallen aufeinander, lösen sich, schließen sich wieder zusammen. Das Stück hat etwas von einem Raum, dessen Wände auf Rollen stehen. Hier zeigt sich auch, warum der philosophische Titel mehr ist als ein hübscher Aufkleber. Noumenon 3.1 scheint ständig zu fragen, ob wir gerade wirklich hören, was da ist, oder nur dem Muster folgen, das unser Kopf daraus machen will. Ist das verspielt? Bedrohlich? Befreiend? Überdreht? Wahrscheinlich alles zugleich. Gerade diese Uneindeutigkeit macht den Abschnitt so stark.

Noumenon 4.1 übernimmt die Rolle des großen Schlussraums. Nicht als Finale mit Feuerwerk, sondern als Versuch, die vielen Farben, Linien und Bewegungen vorher noch einmal in eine größere Form zu bringen. Hier wirkt Noumenon am ehesten wie ein Architekturstück: Säulen aus Bass, Lichtbänder aus Synth, Tastenfiguren wie Treppen, dazu immer wieder metallische Verstrebungen. Der Abschluss ist wichtig, weil er dem Album keinen einfachen Ausweg schenkt. Keine große Antwort, kein philosophischer Stempel, keine bequeme Auflösung. Vortex Sutra lassen die Musik weiterdenken. Noumenon 4.1 fühlt sich dadurch nicht wie das Ende einer These an, sondern wie der Moment, in dem man aus einem Raum tritt und merkt, dass der nächste bereits offensteht.

Ein grimmiger Oger versucht, ein Schwert aus einem Stein zu ziehen, während kleine Waldtiere neugierig und furchtlos zuschauen.

🎨 Artwork

Das Cover von Noumenon ist radikal im besten Sinn. Keine Figur. Kein Monster. Kein kosmisches Panorama. Kein technisches Prog-Wimmelbild mit Planeten, Treppen und Augen im Nebel. Stattdessen eine abstrakte Komposition aus Schwarz, Grau, Kreisform, Kante und Fläche. Aleksandr Rodchenkos Non-Objective Painting no. 80 (Black on Black) wirkt wie ein Bild, das sich jeder eindeutigen Lesart verweigert und dadurch perfekt zum Albumtitel passt.

Die große dunkle Form zieht den Blick in eine Bewegung, die gleichzeitig kreist und blockiert. Man meint, Tiefe zu sehen, obwohl die Fläche flach bleibt. Man meint, ein Symbol zu erkennen, obwohl es sich nicht festlegen lässt. Genau darin liegt die Verbindung zur Musik: Noumenon arbeitet ebenfalls mit Formen, die Bedeutung andeuten, aber nicht festnageln.

Besonders stark ist die Zurückhaltung. Für ein Progressive-Metal-Album wäre der einfache Weg ein buntes kosmisches Spektakel gewesen. Vortex Sutra wählen das Gegenteil: Abstraktion, Reibung, Reduktion. Das Cover sagt nicht: Schau, wie groß unsere Fantasie ist. Es fragt eher: Was glaubst du eigentlich zu sehen? Und damit ist es beinahe das perfekte Gesicht für ein Album über das, was hinter der Wahrnehmung liegt.

🪦 Besondere Momente

Der Bass als Hauptfigur

Viele instrumentale Prog-Alben stellen die Gitarre ins Zentrum. Noumenon funktioniert anders. Der Bass ist hier kein tragender Schatten, sondern eine handelnde Kraft. Er schiebt, tänzelt, drückt, führt, widerspricht und bringt die Stücke immer wieder zurück in den Körper.

Synths ohne Nostalgie-Pflicht

Die elektronischen Flächen wirken nicht wie Retro-Dekor. Sie sind kein bloßes Nicken in Richtung 70er-Jahre. Sie machen Räume auf, verschieben Stimmungen und sorgen dafür, dass das Album nicht in klassischer Prog-Metal-Muskelspannung stecken bleibt.

Anspruch mit Puls

Ja klar, das Album ist eindeutig verkopft, aber dabei nicht trocken. Genau das rettet es vor dem akademischen Abgrund. Vortex Sutra denken viel, aber die Musik bleibt in Bewegung. Sie schwitzt, federt, stolpert, tanzt manchmal fast und erinnert daran, dass auch abstrakte Ideen einen Groove haben können.

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📜 Hintergrund

Vortex Sutra ist das Projekt von Denes Poszmik, einem in Ungarn geborenen und in Schottland lebenden Musiker. Auf Noumenon übernimmt er sämtliche Instrumente und Klangbausteine selbst. Nach Glimpse Into The Transcendental ist Noumenon das zweite Album des Projekts.

Der Titel bezieht sich auf den philosophischen Begriff des Noumenons: das Ding an sich, also eine Wirklichkeit, die unabhängig von unserer Wahrnehmung existiert. Diese Idee prägt auch die Struktur des Albums. Statt klassischer Songs besteht Noumenon aus vier Bewegungen, die wie Abschnitte einer instrumentalen Symphonie gedacht sind.

Das Album erscheint am 27. Juni 2026 über Hallucigenia Records auf CD und digital. Das Cover verwendet Aleksandr Rodchenkos Gemälde Non-Objective Painting no. 80 (Black on Black) aus dem Jahr 1918. Stilistisch bewegt sich Vortex Sutra zwischen instrumentalem Progressive Rock, Progressive Metal, elektronischen Texturen, harten Riffmomenten und freier Klangforschung.

🧠 Fazit: Am Rand des Begreifbaren kann es erstaunlich laut sein

Noumenon ist kein Album, das sich sofort einordnen lässt. Genau darin liegt auch sein besonderer Reiz. Vortex Sutra liefern keine bloße Prog-Leistungsschau, sondern ein Werk, das seine eigene Form sucht und dabei erfreulich wenig Angst vor Umwegen hat. Die Musik darf groß sein, kann gerne schräg stehen, soll wohl auch überladen wirken, um dann plötzlich leicht zu werden und am Ende wieder in härtere Strukturen kippen.

Oh ja, das kann fordern. Nicht jeder Übergang sitzt wie eine Einladung. Nicht alle Gedanken werden sofort belohnt. Manchmal scheint das Album lieber den nächsten Raum zu öffnen, als den aktuellen sauber auszuleuchten. Aber gerade das passt zu seinem Thema. Wer das Unfassbare vertonen will, sollte nicht klingen wie ein Möbelplan.

Stark ist vor allem, dass Denes Poszmik seine vielen Einflüsse nicht bloß aufreiht. Tool, Yes, Gong, King Gizzard, Elektronik, Fusion, Metal – das alles könnte schnell wie eine überfüllte Plattensammlung klingen. Auf Noumenon wird daraus aber ein eigener Bewegungsapparat. Nicht immer schlank, nicht immer bequem, aber lebendig.

Und vielleicht ist genau die schönste Idee an diesem Album: Ein Werk über das, was jenseits der Wahrnehmung liegt, überzeugt ausgerechnet durch seine körperlichsten Momente. Durch Bass, Rhythmus, Druck und Klangfarben, die nicht erklärt werden wollen.

Am Ende versteht man Noumenon wahrscheinlich nicht vollständig. Aber immerhin: Man war drin.

Albumcover von Vortex Sutra – Noumenon: Abstraktes dunkles Cover auf Basis von Aleksandr Rodchenkos Non-Objective Painting no. 80 (Black on Black). Zu sehen sind schwarze und graue geometrische Kreis- und Keilformen mit rauer Textur. Links unten stehen Bandname und Albumtitel.
Künstler:Vortex Sutra
Albumtitel:Noumenon
Erscheinungsdatum:27. Juni 2026
Genre:Instrumental Progressive Rock / Progressive Metal / Electronica
Label:Hallucigenia Records
Spielzeit:ca. 42 Minuten

🎬 Offizielles Video

Offizieller Visualiser zu „Noumenon 1“ – der erste lange Blick in Vortex Sutras neues Album Noumenon, irgendwo zwischen Progressive Metal, Synth-Flächen und philosophischem Kopfkino. Bereitgestellt vom lambbroadway-Channel auf YouTube:

🎼 Trackliste:

Noumenon 1 – 18:52
Noumenon 2.1 – 6:09
Noumenon 3.1 – 6:44
Noumenon 4.1 – 10:30

👥 Besetzung

Denes Poszmik – alle Instrumente

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