Duir – Catarsi (Review)

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Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Duir – Catarsi

🧿 Kurzfazit
Catarsi präsentiert sich als eindrucksvolles Atmospheric-Folk-Black-Metal-Album über Krieg, Verlust, Stolz, Verzweiflung und seelische Reinigung. Duir verbinden lange, melodisch getragene Black-Metal-Passagen mit Folk-Instrumenten, dramatischer Weite und einer historischen Schwere, die nie nach Kostüm klingt. Das Album wirkt wie ein verwundetes Feldtagebuch, das jemand nachts am Feuer vorliest, während am Horizont noch die Geschütze grollen.

🎯 Für wen?
Für geduldige Fans, die Black Metal nicht nur als Kälte, Raserei oder Ritual verstehen, sondern als Erzählform. Wer bei Ellende, Grima, Falls of Rauros, Saor, Panopticon, Furor Gallico oder Agalloch nicht sofort an Kopie, sondern an unterschiedliche Wege durch Landschaft, Schmerz und Erinnerung denkt, findet hier viel Stoff zum Versinken.

🎧 Wie klingt das?
Wie ein Soldatenlied, das im Schützengraben zu lange allein gelassen wurde. Duir klingen auf Catarsi weit, klagend, rau und zugleich erstaunlich geordnet. Die Gitarren ziehen lange Linien über karges Gelände, die Folk-Instrumente öffnen Fenster in eine ältere Welt, und der Gesang reißt diese Fenster immer wieder mit schwarzer Gewalt aus den Angeln. Das Album lebt nicht von plötzlicher Brutalität, sondern von Aufbau, Druck, Melodie und dem Gefühl, dass jeder Song einen weiteren inneren Verband löst.

🎼 Highlights
Manifesto, Impeto, Oltre l’alba

⛔ Nichts für dich, wenn…
du Black Metal vor allem kurz, hässlich, punkig oder vor allem zerstörerisch brauchst. Catarsi nimmt sich Zeit, baut Räume, erzählt in langen Bögen und verlangt die Bereitschaft, mit dieser Musik durch Schlamm, Nacht, Erinnerung und Morgenlicht zu gehen.

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🩸 Duir – Catarsi: Feldpost aus der Finsternis

Zuerst ist da kein Riff. Da ist einfach nur Erde. Trockene, aufgerissene, von Stiefeln zermahlene Erde. Ein grauer Horizont. Ein Pferd, das seine Last zu lange getragen hat. Eine Fahne, die nicht mehr weht, sondern blutet. Catarsi beginnt bereits auf seinem Cover wie eine Erinnerung, die sich weigert, Geschichte zu werden. Nicht der große Krieg als Denkmal steht hier im Zentrum, sondern der einzelne Mensch darin: klein, stolz, verängstigt, verloren zwischen Befehl und Zusammenbruch.

Duir machen daraus keinen metallischen Geschichtsunterricht und schon gar kein Pathos mit Uniformkragen. Dieses Album wirkt eher wie ein innerer Marsch durch ein zerstörtes Gelände, in dem jede Melodie noch weiß, wo früher ein Zuhause stand. Der Erste Weltkrieg ist auf Catarsi nicht Kulisse, sondern Druck auf der Brust. Er sitzt in den langen Songbögen, in den folkigen Linien, in den schwarzen Ausbrüchen, in jener seltsamen Mischung aus Würde und Verwüstung, die diese Platte trägt.

Gerade die Folk-Instrumente verändern dabei alles. Flöte, Dudelsack und Drehleier kommen nicht als Schmuckstücke aus der Vitrine, sondern als beschädigte Stimmen einer Welt, die vor dem Lärm einmal älter, langsamer und menschlicher war. Sie erzählen nicht von Flucht. Sie erinnern daran, was hier gerade verschwindet.

So wird Catarsi zu einem Album über Katharsis ohne Trostgarantie. Reinigung ja, aber nicht durch Licht. Eher durch Schlamm, Kälte, Erschöpfung und den Moment, in dem ein Mensch merkt, dass Überleben nicht dasselbe ist wie Heimkehr. Das ist der Punkt, an dem Duir stark werden: Sie schreiben keinen Soundtrack zum Krieg, sondern ein Requiem für das, was der Krieg im Menschen zurücklässt.

Schmaler Crowbah Banner mit Crowbah und Grabhold vor dunkler Comic Stadt.

🎧 Was erwartet dich?

Genre(s): Atmospheric Black Metal, Folk Black Metal, Melodic Black Metal

Vergleichbar mit: Ellende für die emotionale Wucht und den schmerzhaften Melodiefluss, Saor für die Verbindung aus Black Metal und Folk-Weite, Falls of Rauros für die naturhafte Melancholie, Panopticon für den historischen Unterton und Furor Gallico dort, wo Folk Metal nicht nach Festzelt, sondern nach alter Erde, Verlust und schwerem Atem klingt.

Klangfarbe: Catarsi klingt staubig, grau und wund. Nicht wie ein elegantes Kriegsdrama, sondern wie ein altes Frontfoto, das plötzlich Geräusche macht. Die Gitarren liegen breit über der Landschaft, oft melodisch, oft drängend, aber nie leicht. Sie tragen keine glänzende Heroik in sich, sondern eine müde, brennende Bewegung nach vorn.

Die Folk-Instrumente sind der große Schlüssel. Flöte, Dudelsack und Drehleier treten nicht als dekorative Mittelalter-Signale auf, sondern als Stimmen aus einer anderen Zeit. Sie klingen nach Dorf, Erinnerung, Ritual, Trauer und einem Leben, das irgendwo vor der Frontlinie einmal existiert haben muss. Dadurch bekommt das Album eine zusätzliche Härte: Nicht weil es lauter wird, sondern weil die menschlichen Spuren deutlicher hervortreten.

Duir arbeiten geduldig und setzen nicht auf permanente Explosion, sondern auf Entwicklung. Die Songs sind lang, teilweise fast erzählerisch gebaut, und sie scheuen sich nicht vor Wiederholung, Steigerung und langsamer Verdichtung. Catarsi will nicht schnell beeindrucken. Es will einen Weg gehen. Und dieser Weg führt nicht zum Sieg, sondern durch etwas hindurch, das man überleben kann, ohne heil daraus zurückzukehren.

🔥 Highlights: Drei Stücke aus dem Niemandsland

Manifesto ist mit gut zehn Minuten nicht nur der Auftakt, sondern eine Art Schwur unter bedrohlichem Himmel. Der Song öffnet Catarsi nicht mit einem kurzen Signal, sondern mit einem langen Eintritt in die Welt des Albums. Man spürt sofort, dass Duir hier keinen schnellen Zugriff suchen. Sie legen Gelände an: karg, weit, bedrohlich, durchzogen von melodischen Spuren, die eher an Erinnerung erinnern als an Hoffnung. Gerade als Einstieg ist Manifesto stark, weil das Stück den großen Atem des Albums erklärt, ohne ihn zu erklären. Die Musik wirkt wie ein Marsch, der sich innerlich auflöst. Aus Bewegung wird Zweifel, aus Pathos wird Müdigkeit, aus schwarzer Energie wird eine Form von Trauer, die nicht stillsitzen kann. Das ist kein Song, der eine Tür auftritt. Er öffnet langsam einen Graben und lässt uns schließlich hineinsehen.

Impeto trägt seinen Titel mit Recht. Das Stück hat Schub, Drang und eine deutlich dramatischere Spannung. Der Gastbeitrag von L.G. von Ellende passt deshalb nicht wie ein angehefteter Name auf dem Beipackzettel, sondern wie eine zusätzliche Narbe in der Stimme des Albums. Hier verdichtet sich das zentrale Gefühl von Catarsi: ein innerer Antrieb, der nicht mehr klar zwischen Mut, Verzweiflung und Flucht unterscheiden kann. Musikalisch zeigt Impeto besonders gut, wie Duir ihre Folk- und Black-Metal-Elemente nicht gegeneinander ausstellen, sondern ineinander verflechten. Die Melodik wirkt groß, aber nicht triumphal. Die Härte bricht nicht stumpf hinein, sondern schiebt sich wie eine dunkle Welle unter die Oberfläche. Das Stück hat Kraft, doch diese Kraft fühlt sich nicht frei an. Sie wirkt getrieben. Und genau das macht es so wirkungsvoll.

Oltre l’alba ist als Abschluss fast zwingend. Nach all der Nacht, dem Schlamm, dem inneren Zusammenbruch und dem langen Gang durch Erinnerungsfelder könnte ein Album wie dieses leicht in falscher Erlösung enden. Duir vermeiden das. Der Titel spricht vom Jenseits der Morgendämmerung, aber die Musik klingt nicht nach sauberem Licht. Eher nach einem Morgen, der kommt, obwohl niemand bereit ist. Mit fast zehn Minuten bekommt das Finale den Raum, den es braucht. Oltre l’alba wirkt wie ein letzter Blick über ein verwüstetes Feld, auf dem die Sonne nicht rettet, sondern sichtbar macht. Hier liegt die ganze Stärke von Catarsi: Die Platte kann Schönheit zulassen, ohne den Schmerz zu verraten. Sie kann sich öffnen, ohne bequem zu werden. Und sie kann enden, ohne so zu tun, als wäre damit etwas abgeschlossen.

Ein grimmiger Oger versucht, ein Schwert aus einem Stein zu ziehen, während kleine Waldtiere neugierig und furchtlos zuschauen.

🎨 Artwork

Ein kleines Meisterstück der falschen Ruhe ist definitiv das Cover des Albums. Auf den ersten Blick wirkt es wie eine historische Radierung: karge Landschaft, Berge im Hintergrund, ein Reiter auf einem erschöpften Pferd, tote oder gebrochene Körper am Boden, Figuren in langen Gewändern, ein fast gespenstischer Zug durch eine Welt, die mehr Erinnerung als Gegenwart ist. Dann zieht diese rote Fahne den Blick an sich. Sie schlängelt sich durch das Bild wie Blut, Rauch, Wunde und Wegweiser zugleich.

Gerade dieser rote Akzent macht das Cover so stark. Die restliche Darstellung bleibt staubig, grau, erdig, fast dokumentarisch in ihrer Strenge. Die Fahne dagegen lebt. Sie stört das Bild. Sie schneidet hinein. Sie ist Banner, Schlange, Flamme und offene Ader. Dadurch bekommt das Artwork eine Spannung, die perfekt zum Album passt: Geschichte als etwas scheinbar Abgeschlossenes, in dem noch immer etwas pulsiert.

Die Gestalten wirken nicht wie Helden. Eher wie Zeugen, Tote, Boten oder Erinnerungen, die sich nicht entscheiden können, ob sie noch menschlich sind. Das Pferd steht im Zentrum, aber auch ihm fehlt jede stolze Reiterpose. Alles an diesem Bild wirkt erschöpft, vernarbt, unterwegs und zugleich längst verurteilt. Das hier ist gewiss kein Cover über Krieg als Spektakel, so wie man es von einigen Mainstream-Metalbands kennt, sondern ein Kunstwerk über Krieg als Nachhall.

🪦 Besondere Momente

Folk ohne Lagerfeuer-Romantik

Der größte Gewinn von Catarsi liegt darin, dass Duir ihre Folk-Elemente ernst nehmen, ohne sie gemütlich zu machen. Flöte, Dudelsack und Drehleier öffnen keine Feierlandschaft, sondern Erinnerungsräume. Sie klingen nicht nach Tanz, sondern nach Herkunft. Nicht nach Flucht aus dem Krieg, sondern nach dem, was der Krieg verschluckt.

Geschichte als innerer Zustand

Das Album nutzt den Ersten Weltkrieg nicht als Kulisse für dekorativen Schlamm und alte Uniformen. Die historische Ebene wird seelisch übersetzt. Stolz, Angst, Verzweiflung, Erschöpfung und Vergessen werden nicht behauptet, sondern musikalisch getragen. Dadurch wirkt Catarsi weniger wie ein Konzeptalbum über ein Ereignis, sondern tatsächlich wie ein Album über den Menschen, der darin zerbricht.

Länge als Wunde

Die langen Songs sind kein Selbstzweck. Sie geben den Stücken Zeit, sich zu verändern, zu bluten und müde zu werden. Gerade Manifesto und Oltre l’alba brauchen diese Ausdehnung, weil ihre Wirkung nicht im schnellen Refrain liegt, sondern in der langsamen Verschiebung von Haltung zu Zustand.

Der rote Faden ist wirklich rot

Das Artwork liefert nicht nur ein schönes Bild, sondern ein Symbol, das durch das ganze Album zu laufen scheint. Diese rote Fahne, diese Wunde im Grau, entspricht der Musik: ein melodischer, menschlicher, schmerzhafter Strang, der sich durch Kälte, Gewalt und Erinnerung zieht.

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📜 Hintergrund

Duir wurden 2013 von MK gegründet. Der Bandname stammt aus dem Keltischen und bedeutet „Eiche“ – ein Symbol für Langlebigkeit, Standhaftigkeit und Weisheit. Nach dem Demo Tribe von 2014 und der EP Obsidio von 2018 führte der Weg der Band über zahlreiche Auftritte im italienischen und europäischen Umfeld hin zum ersten vollständigen Album T. S. N. R. I. – Impermanenza, das 2022 erschien.

Mit diesem Debüt schärften Duir ihren melodischen, atmosphärischen Folk-Black-Metal-Ansatz und verbanden ihn stärker mit existenziellen Themen, Vergänglichkeit und innerer Reflexion. In den folgenden Jahren spielte die Band unter anderem mit Ellende, Groza, Windrose, Gaerea, Grima, Ultar, Bloody Tyrant, Ponte del Diavolo, Darkend, Tsjuder und Seth.

Catarsi erscheint am 26. Juni 2026 über AOP Records und ist das zweite Album von Duir. Die Platte wurde von P.G. von Groza bei Ad Nauseam Sounds gemischt und gemastert. Auf Impeto ist L.G. von Ellende als Gast zu hören. Das Line-up besteht aus MK an Musik und Gitarre, Vox in Umbra an Gesang und Texten, Skryer an der Gitarre, TZ. an Flöte, Dudelsack und Drehleier sowie P. am Schlagzeug.

Inhaltlich folgt Catarsi einem jungen Soldaten im Ersten Weltkrieg. Zwischen Stolz, Verzweiflung und Vergessen entsteht ein Album über innere Reinigung, aber nicht im sanften Sinn. Diese Katharsis ist kein Lichtbad. Sie ist ein Gang durch Schlamm, Schuld und Erinnerung.

🕯️ Fazit: Wenn die Morgendämmerung keine Rettung verheißt

Catarsi ist ein Album, das seine Größe nicht aus Lautstärke und Aggression bezieht. Natürlich gibt es hier Wucht, Schreie, Druck und schwarze Gitarrenwände. Aber die eigentliche Kraft liegt in der Art, wie Duir diese Mittel zu einer Erzählung formen. Die Platte hat Atem. Sie birgt viel Geduld. Sie zeigt Bilder. Und sie besitzt ein Thema, das nicht nur Behauptungen aufstellt, sondern musikalisch durchlitten wird.

Besonders stark ist, dass Duir den Folk-Anteil nicht gegen den Black Metal ausspielen. Beides gehört zusammen. Die alten Instrumente geben der Härte einen menschlichen Schatten, während die Black-Metal-Passagen verhindern, dass aus Erinnerung bloße Nostalgie wird. So entsteht eine Musik, die gleichzeitig archaisch und historisch, persönlich und großflächig, schön und schwer auszuhalten wirkt.

Nicht jeder Moment will sofort greifen. Manche Passagen bauen langsam, manche Wege führen durch ähnliches Gelände, manche Melodien entfalten sich erst, wenn man ihnen Zeit gibt. Doch gerade das passt zu diesem Album. Catarsi ist keine Sammlung schneller Treffer. Es ist ein Marsch durch ein beschädigtes Inneres. Ein Album, das nicht fragt, ob man den Krieg verstanden hat, sondern ob man sein Echo aushält.

Am Ende bleibt keine heroische Klarheit. Kein sauberer Sieg. Keine Erlösung mit goldener Kante. Nur ein Morgen über zerfurchtem Boden. Und irgendwo darin ein Lied, das noch nicht weiß, ob es klagen oder vom Überleben berichten wird.

Albumcover von Duir – Catarsi: Zeichnerisches, grau-beiges Artwork mit karger Kriegslandschaft, Bergen im Hintergrund, einem Reiter auf einem Pferd, geisterhaften Figuren, liegenden Körpern am Boden und einer langen roten Fahne, die sich wie eine Wunde durch das Bild zieht. Oben links steht das Bandlogo, darunter der Albumtitel.
Künstler:Duir
Albumtitel:Catarsi
Erscheinungsdatum:26. Juni 2026
Genre:Atmospheric Black Metal / Folk Black Metal / Melodic Black Metal
Label:AOP Records
Spielzeit:ca. 46 Minuten

🎬 Offizielles Video

Offizielles Musikvideo zu „Di nessuno“ – ein düsterer Vorgeschmack auf Duirs neues Album Catarsi, geboren aus Schlamm, Niemandsland und den Geistern des Ersten Weltkriegs. Bereitgestellt vom offiziellen AOP Records-Channel auf YouTube:

🎼 Trackliste:

Manifesto – 10:02
Di nessuno – 6:54
Impeto – 7:59
Della notte – 4:38
Del giorno – 7:20
Oltre l’alba – 9:40

👥 Besetzung

MK – Musik / Gitarre
Vox in Umbra – Gesang / Texte
Skryer – Gitarre
TZ. – Flöte / Dudelsack / Drehleier
P. – Schlagzeug

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