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Lumen Ad Mortem – A Grave Ascent
🧿 Kurzfazit
A Grave Ascent ist melodischer Black Metal mit enormer räumlicher Wirkung: kalt, wütend und von jener finsteren Erhabenheit getragen, die nicht nach Plastikschnee riecht.
🎯 Für wen?
Für Hörer von Emperor, Woods of Desolation, Pestilential Shadows und Wolves in the Throne Room, sofern orchestrale Größe willkommen ist, aber die Gitarren weiterhin Zähne haben sollen.
🎧 Wie klingt das?
Scharfe Tremologitarren, drängende Rhythmik, tiefe Bassbewegungen, kehlige Raserei und Synthesizer, die wie schlechtes Wetter über dem Geschehen hängen.
🎼 Highlights
Ghost Gums, And What Is Yet to Lose
⛔ Nichts für dich, wenn…
du bei atmosphärischem Black Metal erst zufrieden bist, wenn der Synthesizer allein eine mittelgroße Kathedrale beschallt.
🌑 Lumen Ad Mortem – A Grave Ascent: Unter diesen Geisterbäumen wartet kein Gott
Australien besitzt bekanntermaßen keine norwegischen Fjorde, allerdings braucht dortiger Black Metal offenbar auch keine. Ein uralter Kontinent, verbrannte Erde, weiße Geisterbäume und Landschaften, in denen der Mensch wie eine vorübergehende Fehlkalkulation wirkt, reichen wohl vollkommen als perfekter Hintergrund.
Lumen Ad Mortem kommen aus Adelaide und machen auf ihrem zweiten Album genau dort weiter, wo viele Genrevertreter vorsichtshalber die Schneekanone einschalten. A Grave Ascent ist bitterkalter, melodischer Black Metal, zieht seine Bilder aber aus australischem Boden. Verlust, Tod, Widerstand und eine Natur, die schon sehr lange ohne uns ausgekommen ist, bilden das gedankliche Fundament.
Musikalisch verbindet das Quartett rasende Tremololäufe und Blastbeats mit schweren Prozessionen, dunklen Synthesizern und einer Orchestrierung, die Atmosphäre schafft, ohne das Album zum Down-Under-Burgtheater mit Nietenarmband umzubauen. Das Ergebnis klingt groß, bleibt aber stets gefährlich. Schönheit darf hinein, muss vorher allerdings sämtliches Blingbling abgeben.
🎧 Was erwartet dich?
Genre(s): Melodic Black Metal, Atmospheric Black Metal, Symphonic Black Metal
Vergleichbar mit: Emperor für die orchestrale Angriffslust, Woods of Desolation für die australische Melancholie, Pestilential Shadows für Dunkelheit und Schwere sowie Wolves in the Throne Room für jene Momente, in denen Landschaft beinahe selbst zum Instrument wird.
Klangfarbe: Die Produktion hält bemerkenswert gut das Gleichgewicht zwischen Rohheit und Lesbarkeit. Aaron Tucks Gitarren dürfen schneiden, Rory Amoys Schlagzeug besitzt Gewicht und Beweglichkeit, während Morris Ewings’ Bass nicht unter dem üblichen Geröll verschwindet. Gregor Pikls Stimme sitzt als tiefer, angegriffener Widerstand mitten im Geschehen.
Keyboards und Orchestrierung vergrößern die Musik, ohne sie zuzukleistern. Gerade die langsameren Passagen gewinnen dadurch eine beinahe zeremonielle Schwere. Nicht jede melodische Wendung ist vollkommen neu, doch Lumen Ad Mortem setzen ihre bekannten Mittel mit Überzeugung und einem klar erkennbaren eigenen Bildraum ein.
🔥 Highlights
Ghost Gums ist der Song, in dem Herkunft und Musik am stärksten ineinandergreifen. Die namensgebenden Eukalyptusbäume erscheinen nicht als idyllische Naturkulisse, sondern als bleiche, verdrehte Gestalten über dunklem Wasser. Amoy treibt das Stück mit brutaler Präzision voran, während Gitarren und Synthesizer eine Landschaft entstehen lassen, die zugleich weit und beklemmend wirkt. Australiens Natur bekommt hier keinen Reiseführer, sondern Fangzähne.
And What Is Yet to Lose nimmt sich über zehn Minuten Zeit und rechtfertigt davon fast jede Sekunde. Aus einem filmisch bedrückenden Beginn wächst ein Finale, das Raserei, Trauer und trotzige Größe zusammenführt. Die Band steigert sich kontrolliert, lässt Motive wiederkehren und verwandelt den Abschluss in eine lange Auseinandersetzung mit der Frage, was einem noch genommen werden kann, wenn der Verlust bereits zum Lebensraum geworden ist.
🎨 Artwork
Das Cover trägt den Titel Le Devourer und stammt von Leoncio Harmur. Rostrot, Schwarz und verbranntes Orange fließen ineinander, als würde sich eine Gestalt gleichzeitig aus Rauch, Feuer und Erde bilden und wieder darin auflösen. Klare Konturen verweigert das Bild beinahe vollständig.
Das ist für uns auch der Grund, warum es funktioniert. Wo viele Black-Metal-Cover jede Rune, jeden Schädel und jede Burgruine ordnungsgemäß zur Inventur antreten lassen, setzt dieses Motiv auf Verschlingen und Auflösung. Der Betrachter sucht nach einer Form und merkt dabei, dass er längst mitten in ihr steht. Das filigrane Logo wirkt darüber wie etwas, das in den Rauch eingeritzt wurde.
🪦 Besondere Momente
Wenn Raserei plötzlich Gewicht bekommt
Mehrfach bremsen Lumen Ad Mortem aus voller Geschwindigkeit in schwere, beinahe zeremonielle Passagen ab. Diese Wechsel wirken nicht wie angeklebte Dynamik, sondern wie ein Boden, der unter dem laufenden Hörer nachgibt.
Der Bass darf aus dem Keller
Morris Ewings’ Bass ist nicht nur tieffrequente Anwesenheitsbestätigung. Er tritt hörbar zwischen Gitarren und Schlagzeug hervor, verstärkt die schleppenden Bewegungen und gibt der Produktion eine ungewöhnlich körperliche Tiefe.
Orchestrierung ohne Samtumhang
Die Keyboards vergrößern den Raum, übernehmen aber nie die Herrschaft. Statt künstlicher Palastpracht entstehen Schatten, Ferne und eine unterschwellige Bedrohung. Angenehm wenig Kostümverleih, erstaunlich viel Wirkung.
Die Landschaft hört mit
Besonders stark wird das Album dort, wo seine australischen Bilder direkt in die Atmosphäre einziehen. Feuer, bleiche Bäume, dunkles Wasser und uralte Erde sind nicht bloß Textmotive, sondern bestimmen Temperatur und Bewegung der Musik.
Kein versöhnlicher Ausgang
Das Album endet nicht mit einem großen Sieg, sondern mit weiterwirkender Unruhe. Die letzten Minuten lösen den aufgebauten Druck nicht auf. Sie lassen ihn stehen, als hätte die Musik den Raum verlassen, aber ihre Dunkelheit vergessen.
📜 Hintergrund
Lumen Ad Mortem kommen aus Adelaide und wurden 2019 in Adelaide von Gitarrist und Komponist Aaron Tuck sowie Sänger Gregor Pikl ins Leben gerufen. Ihr Ziel war traditioneller Black Metal, bei dem Songaufbau und Atmosphäre wichtiger sind als bloße Geschwindigkeit. Der Bandname lässt sich sinngemäß als „das sterbende Licht“ verstehen.
Nach einem Demo erschien 2023 über Bitter Loss Records das Debüt Upon the Edge of Darkness. Mit Matt „Skitz“ Sanders am Schlagzeug verband die Band klassische Black-Metal-Schärfe mit zurückhaltender Orchestrierung und langen, sorgfältig entwickelten Kompositionen.
Für A Grave Ascent wurde die Besetzung um Bassist Morris Ewings und Schlagzeuger Rory Amoy erweitert. Produziert wurde das Album von Patrick Pages Oliver und der Band, den Mix übernahm Oliver bei Blood Wolf Productions, das Mastering stammt von Owen Gillett. Das zweite Album wirkt schwerer, stärker im australischen Motivkreis verankert und rhythmisch beweglicher als sein Vorgänger.
🪓 Fazit: Der Kontinent braucht keinen Winter
A Grave Ascent erfindet melodischen Black Metal definitiv nicht neu. Tremololäufe, Blastbeats, finstere Synthesizer und ausgedehnte Spannungsbögen gehören seit Jahrzehnten zur Grundausstattung. Entscheidend ist allerdings, was Lumen Ad Mortem daraus bauen.
Ihre Musik schaut nicht sehnsüchtig nach Skandinavien. Sie blickt auf einen eigenen Kontinent, auf Feuer, bleiche Bäume, uralte Erde und eine Zeitdimension, in der menschliche Dramen kaum mehr als kurze Geräusche sind. Dadurch bekommt die bekannte musikalische Sprache einen eigenen Geruch, eine andere Temperatur und vor allem glaubwürdige Bilder.
A Grave Ascent ist konzentrierter, schwerer und emotional deutlich drückender als das Debüt. Die Platte kann rasen, doch ihre stärksten Augenblicke entstehen, wenn sie das Tempo senkt und die Dunkelheit nicht mehr angreift, sondern langsam über uns schließt. Ein starker zweiter Schritt nach oben, wobei oben in diesem Fall offenbar nur das nächste Grab wartet.

| Künstler: | Lumen Ad Mortem |
| Albumtitel: | A Grave Ascent |
| Erscheinungsdatum: | 19. Juni 2026 |
| Genre: | Melodic Black Metal, Atmospheric Black Metal |
| Label: | Hypnotic Dirge Records |
| Spielzeit: | ca. 41 Minuten |
🎬 Offizieller Song
„Ghost Gums“ führt unter die bleichen Äste australischer Geistereukalypten und verbindet rasenden Black Metal mit einer Landschaft, die keinen Menschen braucht, um bedrohlich zu wirken.
🎼 Trackliste:
What Was Lost – 02:06
The Departed – 07:10
I Never Ceded – 05:23
Ghost Gums – 04:50
A Grave Ascent – 06:02
A Stone Shall Come to Rest – 05:46
And What Is Yet to Lose – 10:13
👥 Besetzung
Gregor Pikl – Gesang
Aaron Tuck – Gitarren, Keyboards, Orchestrierung
Morris Ewings – Bass
Rory Amoy – Schlagzeug, Percussion
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