
All Them Witches – House Of Mirrors
🧿 Kurzfazit
House Of Mirrors ist ein starkes, eigenwilliges und angenehm unpoliertes Album zwischen Psychedelic Rock, Heavy Blues, Stoner-Groove und nächtlicher Americana. All Them Witches setzen nicht auf Retro-Geste oder Comeback-Pathos, sondern auf Bandchemie, Raum, Dynamik und jenen verschobenen Blick, der aus einem Rockalbum plötzlich ein rotes Spiegelkabinett macht.
🎯 Für wen?
Für Fans, die Stoner Rock nicht nur als Riff-Fitnessprogramm verstehen, sondern als Zustand: staubig, hypnotisch, bluesig, leicht neben der Spur und immer so, als könnte der nächste Jam entweder in einen Kellerclub oder in eine Wüste führen.
🎧 Wie klingt das?
Wie eine Band, die nachts in Nashville ein altes Studio betritt, die Spiegel mit rotem Licht anstrahlt und dann merkt, dass der Raum zurückspielt. All Them Witches verbinden auf House Of Mirrors schwere Grooves, bluesige Gitarren, psychedelische Dehnung und trockene Rock-Direktheit. Die Songs wirken nicht überladen, sondern atmend. Mal rollen sie langsam an, mal hängen sie sich in eine Figur und lassen sie kreisen, bis aus einem simplen Motiv plötzlich ein kleiner Rausch entsteht.
🎼 Highlights
Red Rocking Chair, Starting Line, Saturn Song
⛔ Nichts für dich, wenn…
du klare Refrain-Architektur, Stadionrock-Gesten oder kurze Songs mit sofortiger Pointe brauchst. House Of Mirrors lebt von Stimmung, Zusammenspiel und diesem leicht verschobenen Moment, in dem ein Groove länger bleibt, als es der gesunde Menschenverstand empfehlen würde.
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🧙🏻♀️ All Them Witches – House Of Mirrors: Wenn der Stoner Rock sein eigenes Spiegelbild nicht mehr erkennt
House Of Mirrors klingt nicht wie ein Comeback, das breitbeinig durch die Tür marschiert und erst einmal Bier auf den Verstärker stellt. Dieses Album taucht im roten Licht auf, schaut kurz in den Spiegel und merkt dann, dass dort nicht nur eine Band zurückstarrt, sondern mehrere Versionen derselben Unruhe.
All Them Witches waren nie eine Band für saubere Genre-Regale. Zu bluesig für reinen Stoner Rock, zu krautig für klassischen Hardrock, zu hypnotisch für bloßen Jam, zu geerdet für Psychedelic-Nebel ohne Bodenhaftung. Ihre Musik lebt davon, dass sie sich genau dort bewegt, wo andere Bands längst ein Schild aufstellen würden: Hier endet der Song. Bitte gehen Sie weiter.
Auf House Of Mirrors gehen sie nicht weiter. Sie bleiben stehen. Sie lassen den Groove kreisen, die Gitarren glimmen, den Bass knarzen, das Schlagzeug trocken arbeiten und den Gesang durch diesen staubigen Zwischenraum wandern, in dem Blues, Psychedelic Rock und Stoner-Schwere nicht miteinander konkurrieren, sondern sich gegenseitig misstrauisch beäugen.
Das Entscheidende: All Them Witches klingen hier nicht wie eine Band, die nach Jahren Pause ihre alte Magie neu beweisen muss. Hier hört man Musiker, die genau wissen, dass Magie nur funktioniert, wenn man sie nicht erklärt. House Of Mirrors ist kein lautes Rückkehrschild. Es ist ein Spiegelkabinett mit Verstärkern, Rotlicht, Schatten und einem ziemlich eigenwilligen moralischen Kompass.
Und ja: Der Stoner Rock erkennt sein Spiegelbild hier tatsächlich nicht mehr ganz. Aber er nickt ihm trotzdem zu.
🎧 Was erwartet dich?
Genre(s): Psychedelic Rock, Stoner Rock, Heavy Blues, Alternative Rock.
Vergleichbar mit: einem verrauchten Proberaum, in dem Queens Of The Stone Age den Lichtschalter suchen, The Black Angels die Spiegel schief hängen und ein alter Blues-Geist im Nebenraum behauptet, er habe höchstpersönlich den Bass erfunden.
Klangfarbe: House Of Mirrors klingt rot, trocken, staubig und leicht verwischt. Die Platte hat keinen Hochglanz, sondern Tiefe. Der Bass schiebt, die Gitarren flackern, die Drums halten den Boden fest, während die Songs langsam an den Wänden hochwandern. Der Sound wirkt live, warm und körperlich, aber nicht nostalgisch eingemottet. All Them Witches klingen wie eine Band, die ihre Vergangenheit kennt, aber keine Lust hat, sie in Glas zu legen.
🔥 Highlights
Red Rocking Chair ist der perfekte Einstieg, weil der Song sofort klarmacht, dass All Them Witches nicht hetzen. Das Stück nimmt sich Raum, lehnt sich zurück, setzt den Groove tief an und lässt aus wenigen Bewegungen eine eigene Schwerkraft entstehen. Hier geht es nicht darum, möglichst schnell zu beeindrucken. Es geht darum, den Hörer in einen Kreislauf zu ziehen, aus dem man erst wieder herausfindet, wenn der Song längst entschieden hat, dass er genug gesagt hat. Gerade diese Geduld macht Red Rocking Chair so stark. Die Band beherrscht das Laut-Leise-Spiel nicht als Effekt, sondern als Körpergefühl. Wenn die Musik zurückgeht, wird sie nicht leer. Wenn sie anschiebt, wird sie nicht plump. Alles bleibt in Bewegung, aber nie nervös. Ein Opener wie ein alter Schaukelstuhl auf einer Veranda, unter der etwas seltsam kratzt.
Starting Line ist der direkte Griff in den Maschinenraum der Platte. Der Song groovt, federt, drückt und zeigt, wie sehr House Of Mirrors von Bandchemie lebt. Hier klingt nichts wie ein am Bildschirm zusammengeklebter Rockentwurf. Das ist Musik, die aus Blicken, Pausen, kleinen Verschiebungen und diesem schwer zu fassenden Moment entsteht, in dem vier Leute gleichzeitig wissen, wann sie Platz lassen müssen. Der Song hat Zug, ohne seine Coolness auszustellen. All Them Witches spielen hier nicht auf maximale Pose, sondern auf innere Spannung. Die Gitarren sprechen in halben Sätzen, der Rhythmus hält den Puls, und der Gesang steht mittendrin wie jemand, der den Startpunkt längst überschritten hat, aber trotzdem noch einmal zurückschaut.
Saturn Song ist der Schluss, der nicht einfach abschließt, sondern den Raum noch einmal anders beleuchtet. Wo andere Bands am Ende groß aufdrehen würden, lassen All Them Witches lieber den Nachhall arbeiten. Der Song hat etwas Schwebendes, Ferneres, fast Kosmisches, ohne den Boden unter den Füßen komplett aufzugeben. Als Finale funktioniert Saturn Song, weil er das Album nicht auflöst. Er lässt es auslaufen, als würde das Spiegelbild noch einen Moment länger im Raum bleiben, nachdem die Band schon gegangen ist. Das passt hervorragend zu House Of Mirrors: Dieses Album sucht keine letzte Antwort. Es dreht den Kopf nur ein wenig zur Seite und wartet, ob dort noch eine zweite Version derselben Frage steht.
🎨 Artwork
Das Cover von House Of Mirrors wirkt wie ein Gesicht, das nicht mehr sicher ist, ob es noch ein Gesicht ist. Alles ist rot verschmiert, dunkel getönt, verwischt, halb verborgen. Man erkennt Konturen, Augen, Mund, vielleicht eine Person, vielleicht mehrere Schichten derselben Person. Das Bild sieht nicht nach klassischem Rockcover aus, nicht nach Bandpose, nicht nach Wüste, Verstärker, Lederjacke oder Zigarettenmythos. Es sieht eher aus wie ein psychisches Nachbild: etwas, das zu lange in rotem Licht stand und nun im Spiegel hängen geblieben ist.
Genau deshalb passt es so gut zum Albumtitel. House Of Mirrors meint hier kein Jahrmarkt-Spiegelkabinett mit albernen Verzerrungen, sondern einen Raum, in dem Identität unscharf wird. Das Cover hat etwas Unruhiges, fast Geisterhaftes. Der Blick ist da, aber nicht greifbar. Die Person ist da, aber nicht stabil. Der Stoner Rock schaut hier nicht in den Spiegel und findet sich lässig. Er schaut hinein und erkennt, wie stark er sich verändert hat.
🪦 Besondere Momente
Die Rückkehr ohne Rückkehrgeste
All Them Witches machen auf House Of Mirrors nicht den Fehler, die lange Album-Pause mit künstlichem Spektakel zu überbrüllen. Die Platte wirkt selbstbewusst, weil sie sich nicht ständig selbst ankündigt. Sie ist einfach da, legt den Groove auf den Tisch und wartet, bis der Raum reagiert.
Der Groove als Kompass
Die besten Momente entstehen, wenn die Band einer Bewegung vertraut. Nicht jeder Song braucht einen großen Refrain, wenn Bass, Schlagzeug und Gitarren genug eigene Sprache entwickeln. House Of Mirrors versteht Groove nicht als Hintergrund, sondern als Erzählform.
Psychedelic ohne Nebelwerfer
Das Album ist psychedelisch gestimmt, aber nicht verwaschen. All Them Witches verlieren sich nicht in Klangtapete, sondern behalten die Konturen. Gerade dadurch funktionieren die schrägeren, schwebenderen und verschobenen Momente besser.
Blues mit Schatten
Unter der ganzen Stoner- und Psych-Schicht liegt weiterhin dieser bluesige Kern. Nicht als Retro-Zitat, sondern als Haltung: trocken, geerdet, leicht angekratzt und immer mit dem Gefühl, dass ein guter Ton mehr sagen kann als drei dekorative Soli.
📜 Hintergrund
All Them Witches kommen aus Nashville und gehören seit Jahren zu den eigenwilligsten Bands im weiten Feld zwischen Psychedelic Rock, Heavy Blues, Stoner Rock und Jam-orientierter Rockmusik. Ihr Reiz liegt nicht in sauberer Genre-Zugehörigkeit, sondern in diesem schwer kopierbaren Zusammenspiel aus Groove, Atmosphäre, Reduktion und kontrolliertem Kontrollverlust.
House Of Mirrors erscheint am 29. Mai 2026 via BMG und ist das siebte Studioalbum der Band. Aufgenommen wurde die Platte im Blackbird Studio in Nashville mit Produzent Eddie Spear, der bereits bei Sleeping Through The War mit der Band gearbeitet hatte. Die Aufnahmen entstanden nach intensiver Vorbereitung in kurzer Zeit, was man dem Album anhört: Es wirkt nicht spontan hingeworfen, sondern wie ein bewusst vorbereiteter Live-Moment.
Inhaltlich kreist House Of Mirrors um Erwartungen, zugeschriebene Rollen, Aufbruch, Identität und die Frage, wie man seinen eigenen Weg findet, wenn die Welt einem längst ein paar Masken hingelegt hat. Genau deshalb passt der Titel so gut. Dieses Album ist kein Spiegel, der einfach zeigt, was da ist. Es zeigt, was sich verschiebt, sobald man zu lange hineinschaut.
🪓 Fazit: Der Blues steht im roten Licht und blinzelt nicht
House Of Mirrors ist kein Album, das seine Stärke aus großen Überraschungen zieht. Es gewinnt, weil All Them Witches genau wissen, was sie können, und trotzdem nicht klingen, als würden sie nur ihr eigenes Handbuch nachspielen. Die Band lässt Raum. Sie vertraut dem Groove. Sie lässt die Songs atmen, statt sie mit Ideen vollzustellen. Das klingt leichter, als es ist. Viele Bands aus diesem Umfeld verwechseln Länge mit Tiefe, Sound mit Substanz oder Vintage-Geschmack mit Seele. All Them Witches laufen auf House Of Mirrors nicht in diese Falle. Die Platte hat Atmosphäre, aber auch Muskeln. Sie hat Psychedelic, aber auch Boden. Sie hat Spiegel, aber keinen Narzissmus.
Am stärksten ist das Album dort, wo es nicht versucht, ein Ereignis zu sein. Red Rocking Chair zieht den Hörer langsam hinein. Starting Line zeigt die Band als atmendes Kollektiv. Saturn Song lässt den Schluss offen genug, damit der Nachhall nicht sofort verschwindet. Das sind keine Songs, die um Aufmerksamkeit betteln. Sie setzen sich daneben, zünden das rote Licht an und warten, bis man merkt, dass der Raum plötzlich anders aussieht.
Nicht alles auf House Of Mirrors will sofort greifen. Manche Stücke wirken eher wie Gänge zwischen den großen Räumen, manche Ideen brauchen Geduld, manche Grooves entfalten sich erst, wenn man aufhört, nach der direkten Pointe zu suchen. Aber genau das gehört zu dieser Band. All Them Witches sind nicht deshalb gut, weil sie jeden Hörer sofort abholen. Sie sind gut, weil sie ihren eigenen Weg weitergehen, auch wenn der zwischendurch durch ein Spiegelkabinett führt.
House Of Mirrors ist damit ein starkes, reifes und erstaunlich lässiges Album. Keinesfalls laut als Rückkehr, sondern tief als Zustand.

| Künstler: | All Them Witches |
| Albumtitel: | House Of Mirrors |
| Erscheinungsdatum: | 29. Mai 2026 |
| Genre: | Psychedelic Rock / Stoner Rock / Heavy Blues / Alternative Rock |
| Label: | BMG |
| Spielzeit: | ca. 58 Minuten |
🎬 Offizieller Visualizer
Der offizielle Visualizer zu Starting Line zeigt den vielleicht direktesten Zugang zu House Of Mirrors: ein schwer groovender, psychedelisch schimmernder Rockmoment, in dem All Them Witches ihre Bandchemie nicht ausstellen, sondern einfach laufen lassen.
🎼 Trackliste:
Red Rocking Chair
Culling Line
Aethernet
Hold Up, Say What?
Go-Getter
Starting Line
Turn On The Light
Angel On The Wayside
The Welterweight
Saturn Song
👥 Besetzung:
Charles Michael Parks, Jr. – Gesang / Bass
Ben McLeod – Gitarre
Allan Van Cleave – Keyboard
Christian Powers – Schlagzeug
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