
Yoth Iria – Gone with the Devil
🧿 Kurzfazit
Gone with the Devil ist hellenischer Black Metal mit Heavy-Metal-Glanz, okkulter Wärme und deutlich mehr Eingängigkeit als früher. Nicht jeder Moment trifft gleich tief, aber wenn Yoth Iria ihre melodische Seite mit altem griechischem Feuer verbinden, brennt das Album überzeugend.
🎯 Für wen?
Dunkelherzen, die Black Metal nicht nur als frostige Raserei verstehen, sondern auch als okkulten, warmen, melodischen und bisweilen fast klassischen Heavy-Metal-Ritus. Wer Rotting Christ, Varathron, Necromantia, Sakis Tolis, Melechesh oder melodischere Black-Metal-Spielarten mag, sollte hier definitiv ein Ohr riskieren.
🎧 Wie klingt das?
Warmer, melodischer, hellenisch geprägter Black Metal mit Heavy-Metal-Leads, epischen Refrainstrukturen, okkulten Chören, Midtempo-Wucht, Blastbeats, orientalisch angehauchten Schatten und einer Produktion, die nicht nach Kellerloch klingt, sondern nach brennendem Tempelhof.
💿 Highlights
The Blind Eye of Antichrist, I, Totem, Blessed Be He Who Enters
⛔ Nichts für dich, wenn…
du Black Metal immer dann magst, wenn er komplett kalt, roh und abweisend bleibt. Gone with the Devil öffnet die Tore weit. Da kommt nicht nur Finsternis heraus, sondern auch Melodie, Pathos und ein ziemlich selbstbewusster Heavy-Metal-Hüftschwung.
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🔥 Yoth Iria – Gone with the Devil: Hellenischer Black Metal im brennenden Mantel
Yoth Iria dürften die meisten kennen, die gelegentlich ein wenig im griechischen Black Metal herumtreiben. Hier stößt man früher oder später auf diesen Namen – und sehr wahrscheinlich auch auf Jim Mutilator, der als ehemaliges Mitglied von Rotting Christ und Varathron ohnehin wie ein alter, finsterer Grenzstein in dieser Szene steht.
Mit Gone with the Devil legen Yoth Iria nun ihr drittes Album vor, und ja: Diese Platte klingt anders als ihre Vorgänger. Zugänglicher. Breiter. An manchen Stellen fast schon erstaunlich offenherzig. Der alte hellenische Kern ist noch da, aber er trägt diesmal weniger Ruß im Gesicht und mehr Gold auf den Schultern.
Das kann man verdächtig finden. Oder interessant. Denn Gone with the Devil ist kein Album, das den Hörer in einen kalten Wald zerrt und dort mit Orthodoxie bewirft. Es klingt eher wie ein dämonischer Triumphzug durch eine antike Stadt bei Nacht: Feuer an den Mauern, Chöre aus den Tempeln, schwere Riffs auf den Stufen, irgendwo ein bockbeiniger Herrscher mit zu gutem Selbstbewusstsein. Diese Platte will nicht nur dunkel sein; sie will wirken. Und genau darin liegt ihre Stärke, aber auch eine gewisse Gefahr.
🎧 Was erwartet dich?
Genre(s): Hellenic Black Metal, Melodic Black Metal, Heavy Metal, okkulter Black Metal, mit Folk-, Gothic- und Epic-Metal-Anteilen.
Vergleichbar mit: einem nächtlichen Tempelritual, bei dem Rotting Christ den Altar aufgebaut haben, Varathron die Fackeln halten und plötzlich jemand beschließt, dass ein paar klassische Heavy-Metal-Leads dem Sound keineswegs schaden.
Klangfarbe: Gone with the Devil klingt warm, dunkel und auffällig klar. Die Gitarren sind nicht so sehr eisige Klingen, sondern eher glühende Bronze. Die Drums treiben, ohne alles niederzuwalzen. Die Vocals von HE sitzen weit vorn im Geschehen, rau, beschwörend, gelegentlich fast erzählerisch. Dazu kommen Chöre, melodische Leads und dieses typisch griechische Gefühl, dass Black Metal nicht zwingend aus Schnee, sondern auch aus Stein, Feuer, Erde und uralten Göttern bestehen kann.
✨ Highlights
The Blind Eye of Antichrist
The Blind Eye of Antichrist ist der Song, in dem Yoth Iria am deutlichsten zeigen, warum man diese Band nicht vorschnell als weichgespült abhaken sollte. Hier sitzt der hellenische Kern noch tief im Fleisch. Die Gitarren tragen diese warme, finstere Melodik, die man aus der griechischen Schule kennt: weniger nordischer Schneesturm, mehr schwarzer Rauch über antikem Stein.
Der Song lebt stark von seiner Atmosphäre. Die Chöre und die beschwörende Anlage geben dem Stück eine ritualhafte Kraft, während das Riffing genug Biss behält, um nicht in bloßem Pathos zu versinken. Gerade diese Mischung aus Zugänglichkeit und okkulter Schwere funktioniert hervorragend. Das Stück wirkt wie ein Blick in einen Tempel, dessen Türen eigentlich seit Jahrhunderten verschlossen sein sollten. Drinnen brennt noch Licht. Nicht freundlich. Aber es spendet wenigstens eine Art Helligkeit.
I, Totem
I, Totem gehört zu den Songs, in denen die modernere, direktere Seite des Albums am besten aufgeht. Hier sind die Gitarren schärfer, die Dynamik greift exakt, und die Band wirkt weniger wie eine Hüterin alter Flammen, sondern eher wie ein Kult, der gerade beschlossen hat, seine Botschaft mit größerer Verstärkeranlage zu verbreiten.
Das Stück hat Druck, Bewegung und einen klaren Aufbau. Die Melodien sind eingängig, aber nicht banal. Die Härte ist vorhanden, ohne den Song in reiner Aggression zu ersticken. Gerade die Gitarrenarbeit von Nikolas Perlepe und Naberius zeigt hier, wie gut Yoth Iria klassische Metal-Harmonien mit schwarzerer Textur verbinden können. Wenn Gone with the Devil eine neue Tür aufstößt, dann ist I, Totem einer der Momente, in denen dahinter tatsächlich etwas Interessantes steht. Nicht der alte Keller. Eher eine Halle voller Masken, Feuer und schlecht gelaunter Götzen.
Lethe
Blessed Be He Who Enters ist mit seiner kürzeren Spielzeit einer der kompakteren Songs des Albums, aber genau das tut ihm gut. Hier zeigt sich, dass Yoth Iria Eingängigkeit nicht zwingend mit Substanzverlust bezahlen müssen. Der Song kommt schneller auf den Punkt, hält die Spannung enger und besitzt diese Art von okkulter Feierlichkeit, die sofort hängenbleibt. Die Nummer hat fast etwas Prozessionales. Man sieht die Szene vor sich: schwarze Fahnen, roter Himmel, Gestalten vor einem Tor, das besser geschlossen geblieben wäre. Die Band arbeitet hier mit klaren Linien, aber auch mit genug Schatten an den Rändern.
Besonders stark ist der Kontrast aus hymnischer Anlage und finsterer Grundierung. Das Stück könnte live sehr gut funktionieren, ohne deshalb wie bloßes Bühnenfutter zu wirken. Es ist zugänglich, ja. Aber es kniet nicht vor der Zugänglichkeit nieder. Es öffnet die Tür. Und dahinter ist es nicht hell.
🎨 Artwork
Das Cover von Gone with the Devil ist herrlich direkt. Kein subtiler Nebel, kein schemenhaftes Symbol, kein minimalistisches Schwarz auf Schwarz. Hier steht ein weißhaariger, gehörnter Dämonenfürst mit Stab mitten in einer infernalischen Landschaft, während hinter ihm eine gewaltige finstere Gestalt mit Hörnerkrone aufragt. Links und rechts ziehen sich dornenartige, knöcherne Formen wie ein höllischer Korridor in die Tiefe. Alles ist rot, schwarz, bedrohlich und völlig unmissverständlich. Das ist kein Cover, das fragt, ob man vielleicht kurz über Ambivalenzen sprechen möchte.
Es sagt: Der Teufel ist da. Die Tore sind offen. Bitte nicht auf den Teppich bluten. Die Bildsprache passt erstaunlich gut zum Album, gerade weil sie denselben Spagat zeigt: Gone with the Devil ist finster, aber nicht verborgen. Es will gesehen werden. Es trägt seine Dämonik nicht als kaum lesbares Untergrundsymbol, sondern als großes, fast comicartig episches Höllenpanorama. Der weiße Körper der zentralen Figur leuchtet vor dem roten Hintergrund wie ein verdammter Hohepriester, während die riesige Schattenmacht dahinter das Ganze in Richtung Mythos schiebt.
Natürlich ist das nicht subtil. Aber Yoth Iria machen hier auch kein Album über leise Zweifel beim Kräutertee. Titel, Musik und Artwork gehen denselben Weg: okkulter Metal mit Pose, Feuer und antikem Unterwelt-Theater. Man könnte sagen: Dieses Cover ist zu viel. Man kann aber auch sagen: Genau deshalb merkt man es sich.
🪦 Besondere Momente
Die hellenische Wärme bleibt der Trumpf:
Auch wenn Gone with the Devil zugänglicher ausfällt, bleibt diese typisch griechische Farbtemperatur erhalten. Die Musik klingt nicht frostig, sondern glühend. Das macht Yoth Iria weiterhin unterscheidbar.
Jim Mutilator ist mehr als ein Name im Pflichtblock:
Sein Hintergrund bei Rotting Christ und Varathron ist nicht bloße Szene-Fußnote. Man hört diesem Album an, dass hier jemand mit tiefem Verständnis für die griechische Tradition am Werk ist. Die Bassarbeit drängt sich nicht auf, aber sie gibt dem Material Erdung und Gewicht.
Die Gitarren tragen das Album:
Nikolas Perlepe und Naberius liefern melodische Leads, schwere Riffs und jene warmen Harmonien, die verhindern, dass die Platte in generischer Modern-Metal-Glätte landet. Gerade in den stärkeren Songs liegt viel Charakter in den Gitarren.
Die Produktion ist klar, aber nicht steril:
Der Mix von Lawrence Mackrory gibt der Platte Raum und Druck. Die Vocals stehen prominent, die Drums haben Präsenz, die Gitarren könnten stellenweise noch etwas weiter vorn stehen, aber insgesamt klingt Gone with the Devil groß, offen und kraftvoll.
Der Mittelteil schwankt etwas:
Nicht jeder Song besitzt dieselbe Tiefe. Einige Passagen wirken stärker auf Eingängigkeit gebaut als auf Atmosphäre. Das ist kein Absturz, aber es nimmt dem Album stellenweise jene zwingende okkulte Gravitation, die frühere Yoth Iria-Momente so stark gemacht hat.
📜 Hintergrund
Yoth Iria wurden 2019 in Athen gegründet und stehen seit Beginn in enger Verbindung zur griechischen Black-Metal-Tradition. Besonders Jim Mutilator bringt hier eine historische Schwere mit, die sich nicht künstlich herstellen lässt: Rotting Christ, Varathron, hellenischer Black Metal: das sind keine dekorativen Referenzen, sondern echte Blutlinien der Szene. Nach der EP Under His Sway und den Alben As the Flame Withers sowie Blazing Inferno folgt mit Gone with the Devil nun das dritte vollständige Album der Band. Die offizielle Tracklist führt zehn Songs, darunter Dare to Rebel, Woven Spells of a Demon, The Blind Eye of Antichrist, I, Totem, Blessed Be He Who Enters und Harut, Government, Fallen.
Interessant ist auch der Anspruch, den die Band mit diesem Album formuliert: Laut Promo-Aussage ging es darum, die Direktheit von Blazing Inferno, die Psychedelik von As the Flame Withers und klassische Merkmale griechischen Black Metals mit neuen Klangfarben zu verbinden. Genau das hört man der Platte an – selbst dort, wo man über das Ergebnis streiten kann. Denn Gone with the Devil ist kein reines Traditionsalbum. Es ist eine Öffnung. Mehr Melodie, mehr Struktur, mehr große Geste, mehr direkter Zugriff. Für Puristen kann das nach Verlust klingen. Für uns klingt es eher nach einer Band, die ihre schwarzen Wurzeln nicht abschneidet, aber die Äste weiter in Richtung Bühne wachsen lässt.
🪓 Fazit: Mit dem Teufel gehen heißt nicht automatisch über ihn stolpern
Gone with the Devil ist nicht das finsterste, roheste oder zwingend gefährlichste Album, das Yoth Iria hätten machen können. Dafür ist es zu offen, zu melodisch, manchmal zu sehr auf Wirkung bedacht. Wer die Band vor allem wegen ihres älteren, stärker okkulten Hellenic-Black-Metal-Sogs liebt, wird hier vielleicht gelegentlich die Stirn in Falten legen.
Aber dieses Album als bloßen Ausverkauf abzutun, greift zu kurz.
Denn Yoth Iria verlieren ihre Identität nicht. Sie verschieben sie. Weg vom rein unterirdischen Ritual, hin zu einer größeren, helleren, theatralischeren Form von Dunkelheit. Das klappt nicht in jedem Song gleich gut, aber die besten Momente sind stark genug, um den Weg zu rechtfertigen.
The Blind Eye of Antichrist brennt mit alter griechischer Schwärze. I, Totem zeigt, wie gut die modernere Härte funktionieren kann. Blessed Be He Who Enters beweist, dass Eingängigkeit und okkulte Atmosphäre keine Todfeinde sein müssen.
Gone with the Devil ist also kein perfektes Album.
Aber es ist lebendig, es hat Farbe und es besitzt eine Menge Feuer. Dazu kommt der alte hellenische Geruch nach Stein, Schwefel, Weihrauch und Auflehnung. Vielleicht gehen Yoth Iria hier tatsächlich mit dem Teufel. Aber sie gehen dabei nicht verloren.

| Künstler: | Yoth Iria |
| Albumtitel: | Gone with the Devil |
| Erscheinungsdatum: | 8. Mai 2026 |
| Genre: | Hellenic Black Metal / Melodic Black Metal |
| Label: | Metal Blade Records |
| Spielzeit: | ca. 44 Minuten |
Trackliste:
Dare to Rebel
Woven Spells of a Demon
The Blind Eye of Antichrist
I, Totem
3am
Give ’Em My Beautiful Hell
Once in a Blue Moon
Blessed Be He Who Enters
The End of the Known Civilization
Harut, Government, Fallen
📺 Offizielles Video
Offizielles Video zu „The Blind Eye of Antichrist“ – Yoth Iria verbinden hellenischen Black Metal, okkulte Chöre und brennende Heavy-Metal-Melodik zu einem der stärksten Momente von Gone with the Devil.
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