Möhrkvlth – Gwenojennoù An Ankounac’h (Review)

Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Möhrkvlth – Gwenojennoù An Ankounac’h

🧿 Kurzfazit
Gwenojennoù An Ankounac’h ist bretonischer Black Metal als Landschaftserinnerung: melancholisch, druckvoll, neblig und deutlich stärker im regionalen Ausdruck als im üblichen Wald-und-Winter-Baukasten.

🎯 Für wen?
Für Hörer, die Atmospheric Black Metal, Pagan Black Metal und dunkle Regionalmythologie mögen, aber keine gemütliche Fantasy-Lagerfeuerromantik suchen. Wer Saor-Weite, französische Schwärze und bretonische Erdung spannend findet, sollte hier den Mantel enger ziehen.

🎧 Wie klingt das?
Schnelle Black-Metal-Fundamente, melancholische Gitarrenlinien, gelegentliche Chöre und eine Atmosphäre aus kalter Landschaft, altem Stein und nasser Erde. Mehr Nebelweg als Katakombe, mehr Erinnerung als Satanstheater.

💿 Highlights
Dindan Gouloù Ar C’hroajoù Mein, Va C’heriadenn, Aux Songes De L’Hiver

⛔ Nichts für dich, wenn…
du Black Metal nur als reine Raserei ohne Landschaft, Pathos und melancholische Weite konsumieren möchtest.

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‪‪🌫️ Möhrkvlth – Gwenojennoù An Ankounac’h: Nebelwege der Bretagne

Möhrkvlth klingen nicht wie eine Band, die Black Metal als hübsch gefrorene Postkarte versteht. Hier steht niemand mit Kunstschnee im Wald und wartet auf den nächsten Fototermin. Gwenojennoù An Ankounac’h führt tiefer: in die Bretagne, auf alte Feldwege, an steinerne Kreuze, unter kahle Bäume und in eine Form von Erinnerung, die nicht wärmt, sondern langsam verblasst.

Der Titel bedeutet sinngemäß „Pfade des Vergessens“, und genau dort liegt die Stärke dieses zweiten Albums. Möhrkvlth machen keinen bloßen Natur-Black-Metal, der sich mit Nebel, Ästen und melancholischem Blick aus dem Fenster begnügt. Diese Musik klingt nach Landschaft als Gedächtnisraum: Krieg, Winter, ländliche Härte, verlassene Menschen, alte Sprache, alte Schuld.

Das ist atmosphärischer Pagan Black Metal, aber nicht als folkloristischer Kostümabend. Eher als Gang durch eine Gegend, in der jedes Kreuz, jeder Baum und jeder nasse Feldweg noch etwas weiß, das die Gegenwart längst verdrängt hat.

🎧 Was erwartet dich?

Genre(s): Atmospheric Black Metal, Pagan Black Metal, französischer Black Metal, bretonisch geprägter Black Metal
Vergleichbar mit: Saor ohne Hochland-Kitsch, französischem Pagan Black Metal mit kälterer Kante, skandinavischer Raserei in bretonischem Nebel und einer Prise Metal Noir Québécois im Schatten.
Klangfarbe: Gwenojennoù An Ankounac’h klingt wie ein verwaschener Wintermorgen auf einem alten Landweg. Die Gitarren treiben schnell, bleiben aber melodisch verwurzelt, die Vocals schneiden rau durch den Nebel, und die Chöre wirken nicht dekorativ, sondern wie Stimmen aus einer Erinnerung, die nicht vollständig verschwinden will.

Highlights

Dindan Gouloù Ar C’hroajoù Mein
Der Opener setzt sofort den Rahmen: lang, druckvoll, atmosphärisch dicht. Dindan Gouloù Ar C’hroajoù Mein beginnt nicht als bloßes Intro in den Nebel, sondern als vollwertiger Gang über steinigen Grund. Die Gitarren bauen schnell ein weites, kaltes Feld auf, während die Vocals mit rauer Dringlichkeit hineinbrechen. Besonders gelungen ist der Spagat zwischen Aggression und Landschaftsgefühl. Der Song rennt nicht blind los. Er trägt Bilder mit sich: Wegkreuze, Dämmerung, nasse Erde, das unruhige Licht über verlassenen Feldern. Genau so muss atmosphärischer Black Metal funktionieren: nicht nur schön traurig, sondern mit Schmutz an den Stiefeln.

Va C’heriadenn

Va C’heriadenn ist einer der emotional stärksten Momente des Albums. Der Titel bedeutet „mein Dorf“ beziehungsweise „mein Heimatort“, und diese lokale Verankerung hört man. Hier geht es nicht um abstrakte Naturromantik, sondern um einen Ort, der verloren gehen kann: durch Zeit, Krieg, Vergessen, Wegzug oder bloß durch das langsame Verstummen seiner Menschen. Musikalisch öffnet sich der Song weiter als der Opener. Die Melodien bekommen mehr Raum, die Atmosphäre wird epischer, aber nie kitschig. Möhrkvlth zeigen hier, dass sie nicht nur Black-Metal-Druck beherrschen, sondern auch diesen eigentümlichen Schmerz, der entsteht, wenn Heimat nicht warm, sondern brüchig klingt.

Aux Songes De L’Hiver
Das Finale trägt den Winter bereits im Titel und wirkt wie der folgerichtige Schlusspunkt. Aux Songes De L’Hiver ist kein triumphaler Abschluss, sondern ein letzter Blick in die Kälte. Die Musik zieht noch einmal weit auf, ohne die dunkle Grundierung zu verlieren. Hier verdichtet sich die Idee des Albums am klarsten: Erinnerung als Traum, Winter als Zustand, Vergessen als langsamer Schneefall über alten Spuren. Der Song wirkt groß, aber nicht aufgeblasen. Er lässt das Album nicht explodieren, sondern ausklingen wie ein Weg, der hinter einer Biegung im Nebel verschwindet.


🎨 Artwork

Das Cover von Gwenojennoù An Ankounac’h ist fast schon unverschämt passend. Kein Schädel, kein Dämon, kein Blutaltar. Stattdessen eine gemäldeartige Landschaft: ein heller, frostiger Weg, kahle Bäume, ein dunkler Waldrand, rechts ein altes steinernes Kreuz, darüber ein fahler Himmel zwischen Morgenlicht und Winterdunst. Gerade diese Zurückhaltung ist stark. Das Bild verkauft keinen Black-Metal-Schock, sondern einen Zustand. Es zeigt einen Ort, an dem Erinnerung in der Landschaft sitzt. Der Weg führt nicht spektakulär in die Hölle, sondern einfach weiter: vorbei an alten Bäumen, an einem Kreuz, an einem Horizont, der mehr verschluckt als verspricht.

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Die warme Helligkeit links und die dunkle Baumwand rechts geben dem Cover eine schöne Spannung. Es wirkt nicht rein finster, sondern wie ein Moment zwischen Trost und Bedrohung. Das passt hervorragend zur Musik: Möhrkvlth arbeiten nicht nur mit Schwärze, sondern auch mit bleichem Licht. Mit Schönheit, die nicht rettet. Mit Natur, die nicht freundlich ist. Das weiße Logo oben links fügt sich fast geisterhaft ins Bild ein. Es dominiert nicht, sondern hängt über der Szene wie Raureif. Dieses Artwork schreit nicht. Es wartet. Und manchmal ist genau das deutlich unheimlicher.


🪦 Besondere Momente

Recueillement als Atemzug:
Das kurze dritte Stück ist kein Füllmaterial, sondern eine notwendige Schwelle. Nach den langen ersten beiden Songs senkt sich hier kurz der Blick. Ein Moment der Sammlung, bevor die zweite Albumhälfte wieder tiefer in die Kälte führt.

Añjela Duval als kultureller Anker:
Dass ein Textbezug zur bretonischen Dichterin Añjela Duval auftaucht, ist mehr als ein hübscher Bildungshaken. Duval steht für Sprache, ländliche Welt, Verlust und bretonische Identität. Genau diese Themen liegen auch unter der Musik. Dadurch gewinnt das Album an Gewicht, ohne museal zu werden.

Die Chöre sitzen richtig:
Bei Pagan Black Metal können Chöre schnell unangenehm nach Dorfmittelalter mit Metstand klingen. Möhrkvlth umgehen diese Falle. Die Stimmen wirken eher wie ferne Erinnerungsschichten, nicht wie Trinkhorn-Dekoration.

Der Winter ist hier kein Effekt:
Viele Black-Metal-Alben benutzen Kälte als Standardrequisite. Gwenojennoù An Ankounac’h macht daraus einen seelischen Zustand. Winter bedeutet hier nicht nur Frost, sondern Stillstand, Verblassen und das lange Ausharren vor dem Vergessen.

📜 Hintergrund

Möhrkvlth (spricht sich ungefähr wie Mohr Kült) wurden 2014 in Finistère in der Bretagne gegründet. Schon diese Herkunft ist wichtig, denn die Band klingt nicht wie ein beliebiges Black-Metal-Projekt mit austauschbarer Naturkulisse. Finistère, der westliche Rand Frankreichs, bringt eine eigene Schwere mit: Küste, Land, Wind, keltische Spuren, Sprache, Geschichte und das Gefühl, am Ende eines Weges zu stehen. Nach Demo, Split und dem Debüt A-dreñv Ar Vrumenn von 2018 kehren Möhrkvlth nun mit erneuerter Besetzung zurück. Gründer Grégory Person bleibt als zentraler Fixpunkt erhalten, während das neue Line-up den Klang breiter und geschlossener wirken lässt. Die Musik behält ihre Fundamente, wirkt aber entschlossener, dichter und stärker auf Atmosphäre geformt.

Der Einflussbereich ist klar: skandinavischer Black Metal, französischer Pagan Black Metal und Metal Noir Québécois. Doch Gwenojennoù An Ankounac’h wirkt nicht wie ein Zitatarchiv. Die Band baut daraus eine eigene bretonische Variante: schnell genug für Härte, melodisch genug für Weite, erdig genug für Glaubwürdigkeit. Mit Antiq steht zudem ein Label dahinter, das genau für solche Konzepte prädestiniert ist: Musik, Bildsprache, Objekt und Haltung sollen zusammenfallen. Bei diesem Album funktioniert das auffallend gut. Cover, Sprache, Themen und Klang zeigen in dieselbe Richtung. Nicht jeder Release braucht ein komplettes ästhetisches Konzept. Dieser hier profitiert enorm davon.

Düsterer Fantasy-Werbebanner für den fiktiven Energydrink „BLACK RUNE“. Rechts sitzt ein muskulöser Orkkrieger in abgenutzter Leder- und Metallrüstung in einem rauchigen Kriegslager, hält eine schwarze Getränkedose mit Runenzeichen und stützt sich neben einer großen Streitaxt ab. Links steht in großer schwarzer und roter Serifenschrift der Slogan: „BLACK RUNE verleiht Schädel.“

🪓 Fazit: Wo Wege verschwinden, beginnt Erinnerung

Gwenojennoù An Ankounac’h ist ein starkes zweites Album, weil es seine Atmosphäre nicht nur behauptet, sondern trägt. Möhrkvlth liefern keine Revolution des Black Metal, aber eine überzeugende regionale Ausformung. Das ist wichtiger, als es klingt. Gerade in einem Genre, das sich gern in bekannten Bildern einrichtet, zählt jede Band, die nicht bloß Wald, Frost und Ruine nachmalt, sondern aus eigener Landschaft spricht.

Natürlich gibt es Momente, in denen die langen Stücke noch etwas schärfer zugespitzt sein könnten. Nicht jede Passage trifft sofort ins Mark. Manchmal vertraut die Band sehr auf den Sog der Stimmung. Doch meistens geht diese Rechnung auf, weil die Melodien stark genug sind und die Atmosphäre nicht hohl klingt.

Die besten Momente des Albums entstehen dort, wo Geschwindigkeit, Melancholie und regionale Verwurzelung zusammenfinden. Dann wirkt Gwenojennoù An Ankounac’h wie ein dunkler Gang durch eine Landschaft, die ihre Toten nicht laut beklagt, sondern im Nebel behält.

Das ist kein Black Metal für die bloße Pose. Es ist Musik über Erinnerung, Vergessen und die Orte dazwischen. Möhrkvlth führen uns auf diese Pfade. Und am Ende ist man nicht ganz sicher, ob man wieder zurückgefunden hat.

Albumcover von Möhrkvlth – Gwenojennoù An Ankounac’h: Gemäldeartige Winterlandschaft mit hellem Feldweg, kahlen Bäumen und einem alten steinernen Kreuz am rechten Bildrand. Der fahle Himmel und der dunkle Waldrand erzeugen eine neblige, melancholische Atmosphäre zwischen ländlicher Erinnerung, Kälte und Vergessen.
Künstler:Möhrkvlth
Albumtitel:Gwenojennoù An Ankounac’h
Erscheinungsdatum:5. Mai 2026
Genre:Atmospheric Black Metal / Pagan Black Metal
Label:Antiq
Spielzeit:ca. 44 Minuten

Trackliste:

Dindan Gouloù Ar C’hroajoù Mein
Va C’heriadenn
Recueillement
Pour Une Couronne De Chrysanthème
Noz Ar Re Grouget
Aux Songes De L’Hiver

📺 Full-Album-Premiere

Full-Album-Premiere zu „Gwenojennoù An Ankounac’h“ – Möhrkvlth führen ihren bretonischen Atmospheric Black Metal über Nebelwege, alte Steine und winterliche Erinnerungsschichten. Bereitgestellt vom etablierten Black Metal Promotion-YouTube-Kanal.

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