
A Forest of Stars – Stack Overflow In Corpse Pile Interface
🧿 Kurzfazit
Stack Overflow In Corpse Pile Interface ist Avantgarde Black Metal als psychedelisches Leichen-Cabaret: wütend, bunt, melancholisch, theatralisch, lang, wild und erstaunlich zugänglich für ein Album, das klingt, als habe ein viktorianischer Gentlemen’s Club den Weltuntergang als Konzeptkunst losgetreten.
🎯 Für wen?
Für offene Geister, die Black Metal nicht nur als Raserei, sondern als schräges Gesamtkunstwerk lieben: Geige, Spoken Word, Doom-Schwere, psychedelische Farben, kranke Poesie, plötzliche Schönheit und ein Sänger, der klingt, als würde er gerade einer ganzen Zivilisation die Rechnung überreichen.
🎧 Wie klingt das?
Avantgardistischer Black Metal mit Doom-Massivität, psychedelischem Art-Rock, viktorianischer Theatralik, folkigen Einschüben, Blastbeats, melancholischer Geige, weiblichem Gesang und einem Frontmann, der zwischen Prediger, Ankläger, Kabarettist und Wahnsinnsarchivar pendelt.
💿 Highlights
Ascension of the Clowns, Roots Circle Usurpers, Not Drinking Water
⛔ Nichts für dich, wenn…
du Black Metal nur dann erträgst, wenn er geradeaus durch den Wald rennt und unterwegs keine Gedichte, Clowns, Serverfehler, Leichenberge oder Geige einsammelt. Stack Overflow In Corpse Pile Interface ist kein Sprint. Es ist ein taumelnder Festumzug durch eine Gesellschaft, die längst verwest, aber dabei noch immer fleißig sinnlose Formulare ausfüllt.
🔍 Suche im Fantasykosmos
Spüre verborgene Pfade auf, entdecke neue Werke oder durchstöbere das Archiv uralter Artikel. Ein Wort genügt – und der Kosmos öffnet sich.
🌀 A Forest of Stars – Stack Overflow In Corpse Pile Interface: Der Leichenhaufen lädt zum Systemabsturz
A Forest of Stars waren nie eine Band für Leute, die Black Metal gern ordentlich beschriftet, kniefrei sortiert und mit beiliegender Bedienungsanleitung serviert bekommen. Diese Briten haben aus dem Genre schon früh eine Art viktorianisches Irrenhaus mit Sternenhimmel gebaut: Geige im Salon, Blastbeat im Keller, Gift im Tee, Proklamation am offenen Fenster und irgendwo hinter der Tapete kratzt ein Gedanke, der besser dort geblieben wäre.
Nun heißt das neue Album Stack Overflow In Corpse Pile Interface.
Natürlich heißt es so. Wie auch sonst?
Andere Bands nennen ihr Album Eternal Darkness, Blood Moon Ritual oder The Forgotten Empire. A Forest of Stars klingen, als hätten sie einen sterbenden Computer, einen poetischen Totengräber und einen viktorianischen Anarchisten drei Tage lang in denselben Raum gesperrt. Am Ende lag dieser Titel auf dem Tisch, rauchte leicht und verlangte höflich nach einem doppelten Absinth.
Nach acht Jahren Pause seit Grave Mounds And Grave Mistakes ist die Frage nicht, ob diese Band immer noch so merkwürdig ist. Die Frage ist, ob sie ihre Merkwürdigkeit noch in Songs bändigen kann.
Die Antwort lautet: Ja. Glücklicherweise.
Aber bändigen heißt hier nicht zähmen. Eher: Man setzt dem Wahnsinn einen Zylinder auf, gibt ihm eine Geige in die Hand und lässt ihn durch eine brennende Serverfarm tanzen.
🎧 Was erwartet dich?
Genre(s): Avantgarde Black Metal, Psychedelic Black Metal, Progressive Black Metal, Doom Metal, Dark Folk, Art Rock, experimenteller Extreme Metal.
Vergleichbar mit: einem viktorianischen Varieté im Endstadium, einem Black-Metal-Orchester, das in einem Datenzentrum voller Leichen spielt, und einem wütenden Dichter, der den Weltuntergang nicht beweint, sondern protokolliert, anklagt und gelegentlich mit violetter Farbe bewirft.
Klangfarbe: Stack Overflow In Corpse Pile Interface klingt wie ein grell bemalter Schädel, der unter Gaslicht eine Rede über den moralischen Bankrott der Gegenwart hält. Die Gitarren können rasen, sie können drücken, sie können schaben, aber sie sind selten allein. Um sie herum kriechen Geige, weiblicher Gesang, psychedelische Farbflecken, doomige Schwere, spoken-word-artige Ausbrüche und Melodien, die schöner sind, als sie in diesem Albtraum eigentlich sein dürften.
Die Band wirkt dabei zugänglicher als früher, aber keineswegs zahm. Das ist wichtig. Viele Avantgarde-Bands werden irgendwann glatter, weil sie merken, dass Hörer nicht gern mit einem Stuhl beworfen werden. A Forest of Stars machen etwas Besseres: Sie lassen die Songs melodischer atmen, behalten aber das Gift im Blut. Die langen Stücke haben mehr Licht, mehr Stimme, mehr melancholische Führungslinien. Gleichzeitig bleibt alles krumm genug, um jederzeit in einen völlig anderen Raum zu kippen.
✨ Highlights
Ascension of the Clowns
Schon der Titel ist perfekt. Ascension of the Clowns klingt nicht nach lustiger Zirkusnummer, sondern nach einer Gesellschaft, in der die Clowns längst die Kommandozentrale übernommen haben und nun feierlich die letzten Schrauben aus der Realität drehen. Musikalisch ist der Opener ein idealer Einstieg in dieses Album, weil er sofort zeigt, wie A Forest of Stars im Jahr 2026 arbeiten: nicht als reine Black-Metal-Band, nicht als bloßes Avantgarde-Projekt, nicht als nostalgisches Kuriositätenkabinett, sondern als eigenwillige Maschine aus Wut, Melancholie und bizarrer Schönheit. Die Gitarren schieben und taumeln, die Rhythmik bleibt beweglich, die Geige setzt diese typische traurige Leuchtspur, und Mister Curse steht im Zentrum wie ein Zeremonienmeister, der seine Gäste nicht begrüßt, sondern verflucht.
Stark ist vor allem, dass der Song trotz seiner Länge nicht zerfällt. Er wirkt episodisch, aber nicht zufällig. Die Band lässt Melodien aufblühen, kippt sie wieder an, baut Druck auf, zieht sich zurück, öffnet neue Farbräume und bleibt dabei immer erkennbar sie selbst. Das ist ein Auftakt wie eine bemalte Falltür. Man tritt darauf. Sie trägt. Zumindest kurz.
Roots Circle Usurpers
Roots Circle Usurpers ist vielleicht der eleganteste Zugang zu diesem Album. Hier greifen die schönen und die kranken Elemente besonders gut ineinander. Die Geige hat Raum, die Melodien tragen weiter, die weiblichen Stimmen öffnen den Song, ohne ihn weichzuzeichnen. Gleichzeitig bleibt darunter dieses dunkle, wühlende Fundament, das alles wieder in Erde, Wut und organischen Zerfall zurückholt. Der Song besitzt etwas Kreisendes. Nicht im Sinne von stumpfer Wiederholung, sondern wie ein Ritual, das seine Bewegung immer weiter ausdehnt. Wurzeln, Kreise, Usurpatoren: Schon der Titel klingt nach Naturmystik, politischer Verrottung und einem sehr schlechten Treffen im Wald. Genau diese Mischung macht den Reiz aus.
Hier hört man besonders deutlich, warum A Forest of Stars so schwer nachzuahmen sind. Viele Bands können schräg sein. Viele können hart sein. Viele können Geige in Metal einbauen. Aber diese spezifische Balance aus britischer Exzentrik, echter Melancholie, theatralischem Zorn und kompositorischer Kontrolle ist selten. Roots Circle Usurpers wirkt nicht wie ein Song, der eine Stimmung illustriert. Er wächst. Und irgendwann merkt man mit Schrecken, dass man schon mitten im Wurzelwerk steht.
Not Drinking Water
Das Finale Not Drinking Water ist mit seiner monumentalen Länge der eigentliche Prüfstein des Albums. Über fünfzehn Minuten sind im Metal immer gefährlich. Entweder man baut eine Kathedrale, oder man stellt nur sehr viele Möbel in einen zu dunklen Raum.
A Forest of Stars bauen hier keine makellose Kathedrale. Sie bauen etwas Interessanteres: ein schiefes, feuchtes, psychedelisches Endzeitgebäude, in dem aus jeder Leitung etwas anderes tropft. Der Song hat diese späte Album-Schwere, die nicht nur vom Tempo kommt, sondern vom Gefühl, dass alles Vorherige nun in einem großen, giftigen Becken zusammenläuft. Die Schönheit ist noch da, aber sie wirkt müder. Die Wut ist noch da, aber sie hat sich tiefer eingegraben. Die Band zieht die letzten Fäden nicht mit triumphalem Finale zusammen, sondern mit einer Mischung aus Erschöpfung, Trotz und grotesker Größe. Als würde jemand am Ende des Festes feststellen, dass nicht der Wein vergiftet war, sondern der Brunnen.
Not Drinking Water ist nicht der eingängigste Song der Platte. Aber als Schlusswort ist er stark. Ein Album mit diesem Titel darf nicht sauber enden. Es muss auslaufen. Und das passiert hier.
🎨 Artwork
Das Cover von Stack Overflow In Corpse Pile Interface sieht aus, als hätte jemand einen Totenschädel, eine Qualle, ein Kinderbild, ein Fieberthermometer und einen sehr schlechten Traum in denselben Farbtopf geworfen. Im Zentrum steht eine groteske, violett-pinke Gestalt mit riesigem, rundem Kopf, angedeuteten Augenwirbeln und einem Körper, der nach unten hin zu zerfließen scheint. Dahinter kreisen Rot, Schwarz, Grün und Blau wie ein psychedelischer Wirbel, der nicht dekorativ, sondern leicht bedrohlich wirkt. Das ist kein klassisches Black-Metal-Cover. Kein Wald. Kein Schnee. Kein Totenkopf in würdevoller Schwarz-Weiß-Strenge. Stattdessen: grelle Farbe, krumme Linien, kindlich wirkende Formen, körperlicher Zerfall und eine fast naive Hässlichkeit, die sofort wieder interessant wird, weil sie so entschieden gegen jede edle Dunkelästhetik arbeitet.
Gerade deshalb passt es perfekt. A Forest of Stars waren nie eine Band, die Finsternis nur schwarz anmalt. Ihre Welt ist bunt, aber krank. Verspielt, aber vergiftet. Komisch, aber nicht harmlos. Dieses Artwork zeigt genau das: ein Wesen, das zugleich Cartoon, Kadaver, Halluzination und Systemfehler sein könnte. Der Albumtitel steht links schief und weiß im Bild, als hätte ihn jemand während eines Stromausfalls an die Wand gekritzelt.
Man kann das Cover fast hören: Violine aus dem Nebenraum, ein kaputter Rechner, Gelächter unter Wasser, eine Stimme, die sich gerade warmredet, bevor sie den gesamten Betrieb moralisch abwickelt. Für ein Album namens Stack Overflow In Corpse Pile Interface ist das nicht nur passend. Es ist geradezu erschreckend logisch.
🪦 Besondere Momente
Der Wahnsinn ist zugänglicher geworden, aber nicht kleiner:
Die Songs wirken melodischer, teilweise sogar fast einladend. Doch wer glaubt, die Band habe ihre Exzentrik entschärft, sollte nur ein paar Minuten warten. Die Tür bleibt offen, aber dahinter steht immer noch jemand mit sehr seltsamen Augen und einer viel zu großen Geige.
Katheryne bleibt der schönste Gegenzauber:
Die Violine und die weiblichen Gesangspassagen sind kein Zierrat. Sie sind das emotionale Gegengewicht zu Curse, zur Gitarrenwucht, zum bitteren Theater. Ohne diese Schönheit wäre das Album nur Anklage. Mit ihr wird es wahrhaftig zur Tragödie.
Mister Curse ist weiterhin ein Ereignis:
Es gibt Sänger, es gibt Frontmänner, und dann gibt es diese Art von Stimme, die klingt, als würde jemand nicht performen, sondern gerade öffentlich zerfallen. Sein Vortrag trägt die Platte nicht allein, aber er macht sie unverwechselbar.
Die Band versteht lange Songs:
Sechs Stücke, über siebzig Minuten, das kann leicht nach Überdehnung klingen. Hier wirkt es meistens wie notwendige Ausbreitung. Die Songs brauchen Platz, weil sie nicht nur Riffs beleuchten, sondern Zustände. Sie bauen Szenen und innere Kulissen.
Die Platte ist wütend, aber nicht platt:
Das ist kein simpler „Alles ist schlecht“-Metal. Die Wut wirkt poetisch, politisch, psychologisch und grotesk zugleich. Gerade diese Mischung verhindert, dass das Album zur Predigt wird. Es bleibt Kunst. Schiefe, grelle, herrlich überfordernde Kunst.
📜 Hintergrund
A Forest of Stars stammen aus West Yorkshire beziehungsweise Leeds und haben sich seit ihrem Debüt The Corpse of Rebirth eine der eigenständigsten Nischen im britischen Extreme Metal geschaffen. Die Band selbst wird offiziell als Ausdruck eines sehr eigenen „British Black Metal“ beschrieben: tief in britischer Musiktradition verwurzelt, aber weit weg von norwegischer Orthodoxie oder reinem Folk-Black-Metal-Konservatismus. Nach Grave Mounds And Grave Mistakes von 2018 erscheint mit Stack Overflow In Corpse Pile Interface nun das sechste Vollalbum der Band. Die lange Pause war offenbar keine bloße Funkstille: Laut offizieller Albuminformation verwarf die Band sogar ein bereits fertiges Album und begann noch einmal neu. Das passt so gut zu A Forest of Stars, dass man es kaum erfinden könnte.
Der Sound wird offiziell unter Black Metal, Metal, Ambient und Psychedelic eingeordnet; außerdem hebt die Albuminformation besonders den rezitativen Vortrag von Curse und die Violine von Katheryne, Queen of the Ghosts hervor. Genau dort liegt auch der Kern: Diese Band ist nicht einfach hart, nicht einfach schräg, nicht einfach melancholisch. Sie ist ein System aus Gegensätzen, das nur deshalb nicht auseinanderfliegt, weil alle Beteiligten offenbar sehr genau wissen, wie viel Chaos sie gerade noch kontrollieren können. Auch visuell bleibt die Band ihrem Ansatz treu. Die Deluxe-Version erscheint mit zusätzlichem Material, darunter die EP Ticket To Writhe, während andere Editionen Poster, Inserts und aufwendigere Gestaltungselemente bieten. Die limitierte Box wird unter anderem mit einem Betrachtungsröhren-Bausatz, handbemaltem Original-Artwork von Curse und geprägtem Siegel verkauft.
Kurz: Stack Overflow In Corpse Pile Interface ist nicht nur ein Albumtitel, sondern Programm. Hier kollabiert kein Computer in steriler Umgebung. Hier stürzt eine ganze Kultur ab, während im Hintergrund jemand Geige spielt und ein bemalter Kopf aus dem Interface glotzt.
🪓 Fazit: Ein Systemabsturz mit Geige, Zorn und sehr schönen Farben
Stack Overflow In Corpse Pile Interface ist kein bequemes Album. Natürlich nicht. Es ist lang, exzentrisch, theatralisch, überladen, manchmal absichtlich schief und immer ein bisschen zu lebendig an Stellen, an denen normale Musik längst tot umgefallen wäre.
Aber genau deshalb funktioniert es.
A Forest of Stars liefern hier kein Comeback, das nur alte Stärken noch einmal ausstellt. Sie bauen ein Album, das den eigenen Stil reifer, melodischer und zugleich weiterhin herrlich unangepasst in die Gegenwart zieht. Die Platte ist zugänglicher als manche frühere Eskalation, aber sie hat ihren Stachel behalten. Sie singt schöner, aber sie beißt noch. Sie hat mehr Farbe, aber keine freundlichere Welt. Die besten Momente entstehen dort, wo alles gleichzeitig wahr ist: die Geige traurig, die Gitarren schwer, die Stimme wütend, die Melodie schön, der Titel absurd, der Untergrund schwarz und die gesamte Szene so eigenartig britisch, dass man fast Tee servieren möchte, bis man merkt, dass in der Kanne etwas Seltsames schwimmt.
Stack Overflow In Corpse Pile Interface ist Avantgarde Black Metal für eine Gegenwart, die selbst klingt wie ein falsch konfiguriertes Leichenverwaltungssystem.
Ein groteskes Cabaret.
Ein violetter Schädeltraum.
Ein wütendes Kunstwerk mit kaputtem Betriebssystem.
Und ja: Für schräge Schwarzmetallherzen ist das ein Feiertag.

| Künstler: | A Forest of Stars |
| Albumtitel: | Stack Overflow In Corpse Pile Interface |
| Erscheinungsdatum: | 8. Mai 2026 |
| Genre: | Avantgarde Black Metal / Psychedelic Black Metal / Progressive Black Metal |
| Label: | Prophecy Productions |
| Spielzeit: | ca. 73 Minuten |
Trackliste:
Ascension of the Clowns
Street Level Vertigo
Mechanically Separated Logic
Roots Circle Usurpers
Sway, Draped In Vague
Not Drinking Water
📺 Offizielles Video
Offizielles Lyric-Video zu „Roots Circle Usurpers“ – A Forest of Stars verbinden psychedelische Bildwelten, wuchernde Melancholie und britischen Avantgarde-Black-Metal zu einem grellen Ritual zwischen Wurzelwerk und Systemverfall.
Mehr Album-Reviews für dich?
Dieses Review war für dich cool und du würdest gerne mehr lesen? Reviews aus sämtlichen Spielarten der Fantasy Musik findest du auf unserer Fantasy Alben Seite.






