Venom – Into Oblivion (Review)

Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Venom – Into Oblivion

🧿 Kurzfazit
Into Oblivion ist kein spätes Meisterwerk, sondern eine solide Höllengarage mit Rentenanspruch: Venom tun, was Venom tun, mal mit echtem Biss, mal mit Songtitel-Generator, aber fast immer mit genug Schmutz unter den Fingernägeln.

🎯 Für wen?
Für Zeitgenossen, die Venom nicht als filigrane Kunstform erwarten, sondern als rumpelnde Institution zwischen Heavy Metal, Thrash, Punk-Dreck und schwarzer Legendenbildung. Wer bei Lay Down Your Soul sofort den alten Black Metal-Schatten hört, darf die Kutte schon mal vom Wäscheständer nehmen.

🎧 Wie klingt das?
Räudiger Heavy/Thrash-Metal mit Venom-DNA: einfache Riffs, grölbare Chorusse, Cronos zwischen Höllenprediger und Kneipenboss, dazu Rage und Dante als eingespielte Lärmverwaltung. Der Sound ist klarer als früher, aber immer noch weit genug von Hochglanz entfernt.

💿 Highlights
Into Oblivion, Lay Down Your Soul, As Above So Below, Kicked Outta Hell

⛔ Nichts für dich, wenn…
du von Venom 2026 Innovation, stilistische Eleganz oder Texte erwartest, bei denen niemand „Hell“, „Metal“, „Soul“, „War“ oder „Death“ auf einen Bierdeckel geschrieben hat.

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‪‪🐐 Venom – Into Oblivion: Satan trägt jetzt Lesebrille

Venom muss man 2026 niemandem mehr erklären. Diese Band ist längst nicht mehr nur eine Band, sondern ein rostiger Familienbetrieb für Höllenbedarf: Schwefel, Nieten, Lärm, Ziegenkopf, ein bisschen Satanismus aus der Dose und vorne am Tresen steht Cronos, der vermutlich auch dann noch „Black Metal!“ brüllt, wenn bei ihm jemand eigentlich nur den Stromzähler ablesen wollte.

Mit Into Oblivion erscheint nun das 16. Studioalbum der britischen Urväter, und die große Überraschung ist: Die große Überraschung bleibt natürlich aus. Venom erfinden sich nicht neu. Sie erfinden nicht einmal besonders viel um. Sie stellen den alten Kessel wieder auf die Flamme, kippen Motörhead-Schmiere, Thrash-Gewürz und Höllenkneipenpathos hinein und rühren mit dem abgebrochenen Ende eines Dreizacks um.

Das ist stellenweise erschreckend vorhersehbar. Und stellenweise erschreckend unterhaltsam.

🎧 Was erwartet dich?

Genre(s): Heavy Metal, Thrash Metal, Black ’n’ Roll, Proto-Black-Metal-Schmutz
Vergleichbar mit: Motörhead in der Höllenkneipe, Venom beim Klassentreffen mit sich selbst, frühe Thrash-Kante mit Ziegenkopfstempel und einem alten Verstärker, der seit 1982 nicht mehr richtig geerdet wurde.
Klangfarbe: Into Oblivion klingt wie eine frisch durchgelüftete Venom-Garage: dreckige Riffs, geradlinige Drums, Cronos’ unverwechselbares Organ und genug schwarzer Rock-’n’-Roll-Schweiß, damit niemand auf die Idee kommt, hier werde Altersmilde verhandelt.

Highlights

Into Oblivion
Der Titeltrack ist ein erstaunlich starker Start. Venom rumpeln nicht erst gemütlich in die Hölle hinab, sie reißen die Tür auf und zeigen, dass dieses Line-up noch Kraft im Kessel hat. Der Song ist thrashiger, direkter und frischer, als man nach all den Jahrzehnten zwingend erwarten müsste.

Rage liefert ein Riff, das genug Kante hat, um nicht bloß nostalgisch zu wirken, während Dante den Laden geradeaus nach vorn prügelt. Cronos klingt dabei nicht jung, natürlich nicht, aber wach. Und das ist bei Venom fast wichtiger. Hier bellt kein Denkmal, hier steht tatsächlich noch jemand im Raum.

Lay Down Your Soul
Lay Down Your Soul ist der offensichtliche Fanfutter-Song, und Venom wissen das selbst. Der Titel lehnt sich bewusst an die eigene Heiligen Schrift an, der Chorus will mitgegrölt werden, und alles daran riecht nach Festivalabend, Lederweste und Dosenbier im Staub.

Das kann man billig finden. Man kann aber auch anerkennen, dass Venom diese Nummer genau für ihr Volk gebaut haben. Nicht für Feuilletonisten mit Notizblock, sondern für Menschen, die bei einem einfachen Refrain die Faust hochnehmen und danach so tun, als sei das eine komplexe spirituelle Erfahrung gewesen.

As Above So Below
Hier zeigen Venom, dass sie immer noch ein Gespür für düstere Stimmung haben, wenn sie wollen. As Above So Below beginnt mit einem fiesen Intro, zieht dann ein starkes Hauptriff aus dem Keller und verbindet den alten Okkult-Kram mit einer angenehm bissigen Heavy-Metal-Kante.

Der Song ist einer der Momente, in denen Into Oblivion nicht nur wie Traditionspflege wirkt, sondern wie ein echtes Stück Venom-Gegenwart. Nicht revolutionär, nicht subtil, aber wirksam. Man hört kurz, warum diese Band nicht nur wegen ihrer Historie überlebt hat, sondern wegen dieses ganz eigenen Gemischs aus Primitivität, Drohung und Kneipenmagie.

Kicked Outta Hell
Kicked Outta Hell ist herrlich dämlich im besten Sinne. Schon die Grundidee, aus der Hölle geworfen zu werden, weil man selbst dort zu viel Ärger macht, ist so Venom, dass man sie der Band fast notariell zuschreiben müsste. Musikalisch geht die Nummer nach vorn, kurz angebunden, hart, live-tauglich.

Das ist kein Song für Leute, die bei Metal zuerst nach innerer Ambivalenz suchen. Das ist ein Song für den Moment, in dem der alte Höllenhund noch einmal über den Hof rennt, dabei drei Mülltonnen umwirft und danach so tut, als sei genau das der Plan gewesen.


🎨 Artwork

Das Cover von Into Oblivion ist Venom in Reinform: schwarzer Hintergrund, dämonischer Ziegenkopf, stechende Augen, spitze Ohren, ein fahles Kreuzsymbol auf der Stirn und darüber das metallisch gezackte Bandlogo. Unten steht der Albumtitel in feierlicher, fast schon okkulter Schlichtheit.

Natürlich ist das nicht subtil. Aber Subtilität war bei Venom noch nie der Türsteher. Das Motiv wirkt wie ein sehr alter Höllenfürst, der inzwischen nicht mehr aus der Unterwelt aufsteigt, sondern dort die Inventur macht. Gefährlich? Vielleicht. Kultig? Absolut. Ein bisschen so, als hätte Satan endlich eine ordentliche Beleuchtung für sein Passfoto bekommen.

Interessant ist die saubere, fast digitale Schärfe des Bildes. Die frühen Venom-Cover lebten von Schmutz, Gefahr und diesem Gefühl, dass jemand im Druckwerk versehentlich eine Dämonenakte geöffnet hat. Into Oblivion wirkt kontrollierter, glatter, mehr Denkmal als Schmierzettel. Das passt zum Album: Venom sind hier nicht mehr die Jugendlichen, die mit dem Feuerzeug an der Kirchenbank herumkokeln. Sie sind die alten Herren, die erklären, wo das Feuerzeug ursprünglich erfunden wurde.

Und ja, der Ziegenopa funktioniert. Er sieht böse aus, aber nicht so, als müsste man die Seite vor unvorbereiteten Besuchern verstecken. Eher wie ein sehr strenger Onkel aus der Unterwelt, der seit vierzig Jahren dieselbe Jacke trägt und immer noch behauptet, sie sei „neu“.


🪦 Besondere Momente

Der Opener überrascht positiv:
Into Oblivion macht gleich zu Beginn mehr Druck, als man der Platte im Vorfeld vielleicht zugetraut hätte. Das ist kein müdes Einlaufen, sondern ein ordentlicher Tritt gegen den Verstärker.

Die Selbstzitate sind Teil des Geschäfts:
Lay Down Your Soul winkt bewusst in Richtung Black Metal. Bei jeder anderen Band wäre das vielleicht peinlich. Bei Venom ist es fast Buchhaltung: Man führt die alte Höllenmarke fort, aktualisiert die Schriftart und kassiert den Chor zurück.

Rage und Dante tragen viel:
Cronos ist natürlich das Gesicht, die Stimme und das wandelnde Markenarchiv. Aber Rage und Dante sorgen dafür, dass Into Oblivion nicht wie ein Nostalgieauftritt auf halber Kraft klingt. Gerade die härteren, thrashigeren Momente profitieren von dieser eingespielten Direktheit.

Der Venom-Generator läuft nicht immer sauber:
Bei Titeln wie Metal Bloody Metal, Dogs Of War oder Unholy Mother merkt man schon, dass die Band im eigenen Vokabular wohnt wie andere Menschen in einem Reihenhaus. Das ist charmant, aber nicht immer frisch. Manchmal möchte man Cronos kurz einen neuen Zettel reichen.

📜 Hintergrund

Venom gehören zu den Bands, deren Bedeutung größer ist als jede einzelne spätere Platte. Ende der 70er in Newcastle entstanden, prägten sie mit Welcome To Hell und Black Metal eine ganze Extreme-Metal-Sprache: schneller, roher, frecher, böser und lauter als vieles, was vorher als „hart“ galt. Dass spätere Black-Metal-Bands aus dem Begriff ein eigenes, ernsteres und oft deutlich gefährlicheres Universum bauten, ändert nichts daran, dass Venom den Namen an die Wand gesprüht haben.

Die heutige Besetzung um Cronos, Gitarrist Rage und Schlagzeuger Dante ist inzwischen selbst eine Langzeitmaschine. Into Oblivion folgt auf Storm The Gates von 2018 und zeigt eine Band, die längst weiß, was von ihr erwartet wird. Niemand kommt hierher, um Ambient, Jazz oder empfindsame Selbstbefragung zu hören. Man kommt wegen Venom.

Und Venom liefern Venom. Hurra.

Das klingt wie Spott, ist aber keiner. Bei einer Band mit dieser Geschichte wäre ein verzweifeltes Modernisierungsalbum vermutlich viel peinlicher. Into Oblivion versucht nicht, 2026 den Zeitgeist zu gewinnen. Es stellt sich daneben, zieht die Lederjacke zurecht und ruft: „Wir waren vorher schon falsch.“

Dafür darf man sie mögen.

🪓 Fazit: Die Hölle hat wieder Kirmes

Into Oblivion ist kein essenzielles Venom-Album. Niemand wird künftig behaupten, ohne diese Platte könne man die Bandgeschichte nicht verstehen. Dafür sind die frühen Klassiker zu groß, zu dreckig, zu folgenreich. Und dafür ist auf Into Oblivion manches zu vertraut, zu formelhaft, zu sehr „Venom machen Venom-Sachen“.

Aber: Diese Platte hat mehr Leben, als mancher Spötter gehofft hätte.

Die besten Songs haben Wucht, Spielfreude und diesen alten, schwer ersetzbaren Venom-Charakter. Man hört eine Band, die sich nicht anbiedert und nicht entschuldigt. Cronos klingt weiterhin wie der Wirt einer Höllenkneipe, in der alle Getränke nach Batterieflüssigkeit schmecken. Rage riffelt mit erfreulicher Bissigkeit. Dante hält den Karren auf der Straße, auch wenn diese Straße vermutlich durch einen Friedhof führt.

Natürlich gibt es Füllmaterial. Natürlich gibt es Textzeilen, bei denen selbst ein 14-jähriger Kuttenanfänger kurz „ernsthaft?“ murmeln könnte. Aber Venom waren nie die Band für feine Zwischentöne. Sie waren immer dann gut, wenn sie den Unsinn mit solcher Überzeugung rausgehauen haben, dass daraus plötzlich Stil wurde.

Into Oblivion ist genau das: alter Unsinn mit neuem Druck, solide gezimmert, laut serviert und mit genug Höllenhumor, um nicht zur reinen Pflichtübung zu werden.

Satan trägt jetzt Lesebrille.

Aber er weiß immer noch, wo man den Verstärker aufdrehen muss.

Albumcover von Venom – Into Oblivion: Schwarzes Cover mit einem düsteren, grau beleuchteten Ziegenkopf-Dämon im Zentrum. Über dem Kopf steht das gezackte Venom-Logo, auf der Stirn der Figur ist ein schmales Kreuzsymbol zu sehen. Unten steht der Albumtitel Into Oblivion in weit gesetzten Buchstaben.
Künstler:Venom
Albumtitel:Into Oblivion
Erscheinungsdatum:1. Mai 2026
Genre:Heavy Metal / Thrash Metal
Label:Noise / BMG
Spielzeit:ca. 44 Minuten

Trackliste:

Into Oblivion
Lay Down Your Soul
Nevermore
Man & Beast
Death The Leveller
As Above So Below
Kicked Outta Hell
Legend
Live Loud
Metal Bloody Metal
Dogs Of War
Deathwitch
Unholy Mother

📺 Offizielles Video

Offizielles Musikvideo zu „Kicked Outta Hell“ – Venom lassen den alten Höllenhund noch einmal von der Leine: räudig, direkt und mit genau der Sorte Schwefelhumor, die diese Band seit Jahrzehnten am Leben hält. Bereitgestellt vom offiziellen Venom-YouTube-Kanal in Zusammenarbeit mit Noise Records.

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