Cnoc an Tursa – A Cry for the Slain (Review)

Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Cnoc an Tursa – A Cry for the Slain

🧿 Kurzfazit
A Cry for the Slain ist eine sehr starke Rückkehr: melodisch, würdevoll, schwarzmetallisch und tief in schottischer Mythologie verwurzelt. Nicht jeder Song trifft gleich hart, aber das Niveau ist hoch und die Atmosphäre oft wahrhaft prächtig.

🎯 Für wen?
Für Hörer von Saor, Winterfylleth, Panopticon, Stormkeep oder den folkigeren, erzählerischeren Rändern des Black Metal. Wer Musik mag, die Landschaft, Geschichte und Verlust nicht nur behauptet, sondern wirklich spüren lässt, ist hier richtig.

🎧 Wie klingt das?
Wie kalter Wind über Moor und Stein, mit weitem Hall, peitschenden Tremolos, klagenden Melodien und immer wieder diesem eigentümlichen Wechsel aus Trauer und Aufbegehren. Das Album ist weniger neblig-träumerisch als The Forty Five, aber auch mehrdimensionaler, was den Soud hörbar weiterentwickelt.

💿 Highlights
The Caoineag, Baobhan Sith, Am Fear Liath Mòr, Alba in My Heart

⛔ Nichts für dich, wenn…
du bei Folk im Black Metal sofort an Kitschalarm denkst oder nur dann zufrieden bist, wenn alles nach Keller, Dreck und Menschenhass klingt. Cnoc an Tursa wollen hier nicht verwesen. Sie wollen erinnern.

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‪‪🌕 Cnoc an TursaA Cry for the Slain: Tiefste Highland-Trauer mit erhobenem Haupt

Cnoc an Tursa sind nach neun Jahren Pause zurück, und schon das ist bei dieser Band keine kleine Randnotiz. Nach The Giants of Auld und The Forty Five kommt A Cry for the Slain nicht wie ein hastig aus dem Moor gezogener Nachzügler daher, sondern wie das Werk einer Band, die sehr genau weiß, was sie an ihrer eigenen Sprache bewahren und was sie wieder schärfer zuspitzen will. Offiziell sprechen sie selbst von einer Rückkehr zu ihren Wurzeln: gitarrenbetonter, mit mehr Folk-Elementen in Musik und Texten, getragen von schottischer Geschichte, Folklore und Landschaft. Genau das hört man diesem Album auch an.

Und das Schöne daran ist: A Cry for the Slain versucht nicht, sich mit billiger „Celtic“-Kulisse interessant zu machen. Das hier ist kein Dudelsack-Freizeitpark mit Frostlack. Cnoc an Tursa bauen aus Black Metal, Folk-Melodien, Trauer, Stolz und mythologischer Erdung eine Platte, die groß und leidenschaftlich klingt, ohne in bloße Dekoration abzugleiten. Jedenfalls fast immer.

🎧 Was erwartet dich?

Genre(s): Black Metal, Folk Metal, Atmospheric Black Metal
Vergleichbar mit: Saor ohne dessen breites Post-Black-Ausgreifen, Winterfylleth mit stärkerer mythischer Aufladung, Panopticon ohne amerikanische Rauheit, dazu eine Spur klassischer melodischer Black-Metal-Würde.
Klangfarbe: Diese Platte klingt nach Fels, Wasser, Mondlicht und altem Schmerz. Die Gitarren tragen viel Pathos, ohne weich zu werden, das Schlagzeug hält die Stücke lebendig, und die harschen Vocals reißen immer wieder den Boden unter den melodischen Passagen auf. Dazu kommen Chöre, Frauenstimme und folkige Linien, die nicht wirken wie Touristenrequisiten, sondern wie Teil einer wirklichen Erzählwelt.

Highlights

The Caoineag
Schon der Titel verweist auf die Highland-Banshee, und der Song macht daraus genau das Richtige: keinen bloßen Sagenstempel, sondern eine klagende, majestätische Beschwörung. Die Bandcamp-Beschreibung betont die Figur ausdrücklich als Todesbotin, die an kalten Wasserfällen und dunklen Seen ihre Klagelieder singt. Musikalisch ist das Stück eines der stärksten des Albums, weil es Trauer, Weite und Angriffskraft gleichermaßen in sich trägt.

Baobhan Sith
Hier zeigt die Band besonders schön, wie gut sie Dynamik und Atmosphäre beherrscht. Die Blutgier der Gestalt, auf die der Titel anspielt, wird nicht plump vertont, sondern in eine Mischung aus Anziehung und Bedrohung übersetzt. Genau solche Songs machen A Cry for the Slain stark: nicht bloß episch, sondern mit innerem Zug. Die Frauenstimme auf dem Album ist laut Metal Archives auf drei Songs vertreten; gerade in solchen Momenten bekommt die Platte zusätzliche Tiefe.

Am Fear Liath Mòr
Der „Big Grey Man“ der Cairngorms ist als Sujet natürlich Gold, und Cnoc an Tursa vergeigen das nicht. Der Song trägt etwas Unheimliches, fast Windschiefes in sich, während die melodischen Leads gleichzeitig seltsam aufreißend wirken. Das Stück gehört zu den Momenten, in denen die Band besonders deutlich zeigt, dass Mythologie hier nicht Dekor ist, sondern Antrieb. Auch das offizielle Begleitmaterial hebt gerade diesen Track als geisterhaften Gang durch die Bergpässe hervor.

Alba in My Heart
Die erste Single ist gewissermaßen das emotionale Zentrum der Platte: eine Liebeserklärung an Schottland, aber keine patriotische Bierbanknummer. Die offiziellen Texte nennen das Stück ausdrücklich ein Gelöbnis an die Heimat, getragen von aufwühlenden Melodien und rollenden Rhythmen. Genau deshalb funktioniert der Song: Er klingt nicht einschmeichelnd, sondern ernsthaft und aufrichtig. Dass es dafür auch ein offizielles Video gibt, passt gut.


🎨 Artwork

Das Cover von A Cry for the Slain wurde von Olga Kann geschaffen und ist genau die Sorte großer Geste, die bei dieser Art Album entweder herrlich funktioniert oder komplett abstürzt. Eine verhüllte Gestalt kniet unter riesigem Mond zwischen Schädeln und Bergen, den Mund wie zur Klage geöffnet, mit Totenschädel in den Händen. Das ist nicht subtil. Aber es passt.

Denn Cnoc an Tursa machen hier keine trockene Black-Metal-Studie, sondern Musik, die den alten Schmerz groß malen will. Das Cover sagt genau das: Klage, Mythos, Landschaft, Tod, Würde. Natürlich steht die Band damit dicht am Abgrund zum allzu Offensichtlichen. Aber weil die Musik den Gestus meist trägt, kippt das Bild nicht ins Lächerliche. Es bleibt auf der richtigen Seite der Schwelle: ernst, pathetisch, aber nicht leer.


🪦 Besondere Momente

Die Beschreibung der Band ist eigentlich gar nicht weit weg von der Wahrheit: Hier treffen Trauer und Trotz, Mysterium und Angst, Stolz und Leidenschaft aufeinander. Dazu kommen konkrete Bezüge zu schottischer Folklore wie der Caoineag, der Cailleach, dem Am Fear Liath Mòr und den Nine Maidens of Dundee. Gerade das macht A Cry for the Slain so überzeugend. Diese Platte tut nicht nur so, als wäre sie „heritage black metal“. Sie hat tatsächlich etwas zu erzählen.

Dass die Band nach so langer Pause eher auf Verdichtung als auf Neuerfindung setzt, ist aus unserer Sicht klug. Mehr Gitarrenfokus, wieder stärkere Folk-Elemente, weniger bloßes Schweben. Das macht das Album griffiger und oft unmittelbarer als The Forty Five. Gleichzeitig bleibt genug Wehmut und Weite erhalten, damit es nicht zu bloßem Highland-Galopp verkommt.

Ein kleiner Einwand bleibt aber: Address to the Devil fällt etwas ab. Nicht weil der Song schlecht wäre, sondern weil er neben den stärkeren Stücken weniger zwingend wirkt und die Platte kurz an Spannung verliert. Das ist kein tiefer Riss, eher eine kleine Delle in einem sonst sehr geschlossenen Album.

📜 Hintergrund

Cnoc an Tursa wurden 2006 in Falkirk gegründet; ihr Name bedeutet „Hill of the Standing Stone“ auf Schottisch-Gälisch. Die Band verhandelt seit jeher Themen wie schottische Geschichte und Dichtung und hat sich damit eine eigene Nische zwischen Folk und Black Metal geschaffen. A Cry for the Slain ist ihr erstes Album seit The Forty Five und wirkt wie eine bewusste Zusammenführung früherer Stärken: die direktere Wucht von The Giants of Auld und die wehmütigere Tiefe des Nachfolgers.

Auch produktionstechnisch ist das sauber gelöst. Das Mastering von Jaime Gómez Arellano gibt dem Album die nötige Tiefe und Schärfe, ohne die Musik zu glätten, und Olga Kanns Cover trägt den erzählerischen Charakter visuell stark mit. Formatspezifisch veröffentlicht Apocalyptic Witchcraft Recordings die Platte nicht nur digital, sondern auch auf CD, Vinyl und Kassette.

🪓 Fazit: Die Klage hallt, und sie hat Gewicht

A Cry for the Slain ist genau die Sorte Rückkehr, auf die man nach neun Jahren hoffen darf: kein nostalgischer Schatten, kein müder Pflichtgang, sondern ein Album mit echtem Atem. Cnoc an Tursa klingen hier nicht modern um jeden Preis, nicht kalkuliert roh und auch nicht folkloristisch kitschig. Sie klingen überzeugt.

Die besten Stücke des Albums verbinden Black-Metal-Biss mit Landschaft, Mythos und echter innerer Bewegung. Gerade The Caoineag, Baobhan Sith, Am Fear Liath Mòr und Alba in My Heart tragen die Platte sehr weit. Dass nicht jede Minute das gleiche Niveau hält, geschenkt. Bei einem Album, das so viel Atmosphäre und Pathos mobilisiert, ist ein kleiner Spannungsverlust im hinteren Drittel absolut verkraftbar.

Entscheidend ist etwas anderes: A Cry for the Slain fühlt sich nicht wie Folklore zum Anziehen an, sondern wie Musik, die aus einer Landschaft und einer Erinnerungskultur heraus geschrieben wurde. Das macht sie größer als viele andere Alben in diesem Feld, die zwar ähnliche Zutaten haben, aber deutlich weniger Seele.

Albumcover von Cnoc an Tursa – A Cry for the Slain: Eine schwarz verhüllte Gestalt kniet in einer kargen Berglandschaft unter einem riesigen Vollmond, den Mund zur Klage geöffnet und einen Schädel in den Armen haltend; weitere Schädel liegen im Vordergrund, dunkle Wolken und schroffe Gipfel rahmen die Szene.
Künstler:Cnoc an Tursa
Albumtitel:A Cry for the Slain
Erscheinungsdatum:24. April 2026
Genre:Black Metal, Folk Metal, Atmospheric Black Metal
Label:Apocalyptic Witchcraft Recordings
Spielzeit:ca. 44 Minuten

Trackliste:

Na Fir Ghorma
The Caoineag
Cailleach and The Guardians of the Seven Stones
Baobhan Sith
Am Fear Liath Mòr
Alba in My Heart
Address to the Devil
The Nine Maidens of Dundee

🎬 Offizielles Video

Offizielles Video zu Alba in My Heart – eine stolze, wehmütige Hymne aus dem Herzen von Cnoc an Tursa. Bereitgestellt über den YouTube-Kanal Apocalyptic Witchcraft:

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