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Wenn Pokémon einen Opferaltar findet
📰 Was ist los?
In der aktuellen Indie-RPG-Welle sind mehrere neue oder frisch angespielte rundenbasierte Spiele aufgetaucht, die für Fantasy-Fans interessanter sind als der übliche Steam-Bodensatz. Besonders auffällig: Lost Totem Trajipon!, Dungeon of Calibris: Demon Orb, Instruments of Power und A Tale of Silent Depths.
🐛 Was denken wir?
Klar, das ist keine große Blockbuster-Nachricht, aber genau die Sorte Nischenfund, aus der wir gerne kleine Schmuckstücke machen. Diese Spiele wirken, als hätte jemand alte RPG-Mechaniken, okkulte Randnotizen und ein paar kaputte Fackeln in einen Beutel geworfen und kräftig geschüttelt.
🎮 Steam öffnet den Keller: Okkulte Monster, alte Dungeons und rundenbasierte Seltsamkeiten
Nicht jede Fantasy-News muss mit Drachen, Millionenbudget und einem Trailer beginnen, in dem jemand bedeutungsvoll auf einen Horizont starrt, der vermutlich von Unreal Engine 5 berechnet wurde. Manchmal reicht auch ein Blick in die dunkleren Ecken von Steam.

Dort krabbeln aktuell ein paar sehr eigene rundenbasierte Indie-RPGs aus den Fugen: ein okkulter Creature-Collector mit Opfermechanik, ein klassischer Dungeon-Crawler mit Karoschritt in die Finsternis, ein Magie-Baukasten für taktische Grübler und eine tauchende Arche, unter der Lovecraft vermutlich schon Handtücher ausgelegt hat.
Kurz gesagt: Die Indie-RPG-Woche kommt mit Krypta, Kellerstaub und ziemlich guten Ideen.
🐾 Lost Totem Trajipon!: Monsterfang für Leute mit zweifelhaften Hobbys
Der stärkste Fund heißt Lost Totem Trajipon! – und schon der Name klingt, als hätte sich ein Game-Boy-Modul nachts allein weitergespielt. Auf den ersten Blick sieht das nach Retro-Creature-Collector aus. Also: Monster finden, einsammeln, trainieren, kämpfen lassen. Auf den zweiten Blick wird es deutlich finsterer. Denn hier geht es nicht um knuddelige Taschenwesen, Freundschaftsbänder und Kinderzimmer-Euphorie, sondern um okkulte Mutanten, rundenbasierte Kämpfe, finsteren Humor und eine Opfermechanik.
Über 60 Kreaturen sollen sich fangen lassen. Gekämpft wird mit bis zu drei Minions gleichzeitig. Stirbt eines dieser Wesen, bleibt es nicht einfach kurz beleidigt im Inventar liegen. Der Tod hat Gewicht. Dazu kommt die Möglichkeit, Kreaturen zu opfern, um bestimmte Fähigkeiten weiterzugeben. Das ist natürlich moralisch ungefähr so stabil wie ein Goblin auf Rollschuhen. Spielerisch aber klingt es nach einer angenehm schrägen Variante des Creature-Collector-Prinzips. Pokémon, nur nachdem es drei Wochen in einem feuchten Keller lag und dort einen Vertrag mit einer sehr kleinen, sehr zweifelhaften Gottheit unterschrieben hat.
🕯️ Dungeon of Calibris: Demon Orb – Endlich wieder verlaufen wie 1992
Dungeon of Calibris: Demon Orb ist dagegen deutlich klassischer unterwegs. Hier wird nicht wild herumgekuschelt, gesammelt oder geopfert, sondern in bester alter Dungeon-Crawler-Manier durch Gänge marschiert, als wäre modernes Komfortdesign eine persönliche Beleidigung. First-Person-Perspektive. Rasterbewegung. Party-Aufbau. Versteckte Räume. Monster. Fallen. Dunkle Korridore. Vermutlich Türen, hinter denen garantiert nichts Gutes wartet.
Das Spiel greift bewusst die alte Schule der 80er- und 90er-RPGs auf. Also jene Zeit, in der Kartenzeichnen noch als Freizeitbeschäftigung galt und ein falscher Schritt im Dungeon weniger „kleiner Fehler“ als „ganzer Abend ruiniert“ bedeutete. Spannend ist zusätzlich der Hinweis, dass einige Artworks und Musikstücke mit KI-Werkzeugen erstellt wurden. Das muss man nicht sofort verdammen, sollte man aber erwähnen. Gerade bei einem nostalgischen Dungeon-Crawler stellt sich natürlich die Frage, ob KI-Ästhetik und handgemachte Oldschool-Sehnsucht wirklich im selben Kerker schlafen sollten.
Trotzdem: Als kleines Nischen-RPG hat Dungeon of Calibris: Demon Orb Charme. Nicht, weil es neu wirkt, sondern weil es so stolz alt wirkt.
🔥 Instruments of Power: Magie für Leute, die beim Zaubern Tabellen öffnen
Bei Instruments of Power wird es mechanisch spannender. Das Spiel ist noch nicht als Vollversion da, bietet aber eine Demo – und die Idee dahinter klingt nach taktischer Magie mit Basteldrang. Hier wird Magie nicht einfach als hübscher Feuerball aus dem Schnellmenü geworfen. Stattdessen sollen Zauber aus Elementen, Effekten und Platzierung entstehen. Feuer, Eis, Dornen, Blitz – alles wird Teil eines Systems, das auf dem Schlachtfeld geplant, kombiniert und weiterverwertet werden kann.
Das klingt nach einem RPG für Menschen, die beim Wort „Zauberbuch“ nicht an mystische Geheimnisse denken, sondern an eine sauber sortierte Werkzeugkiste. Und genau das ist interessant. Denn viele Fantasy-Spiele behandeln Magie immer noch wie farbige Munition. Instruments of Power scheint eher zu fragen: Was passiert, wenn Magie ein Handwerk ist? Wenn der Zauberer nicht einfach „Bumm“ sagt, sondern vorher das Schlachtfeld wie ein sehr nervöser Architekt vorbereitet?
Das könnte trocken werden. Oder richtig stark. Der Ansatz ist jedenfalls deutlich spannender als der nächste generische Feuerball mit Partikeleffekt.
🌊 A Tale of Silent Depths: Die Arche taucht ab und unten wartet der schlechte Gedanke
A Tale of Silent Depths ist vielleicht nicht lupenreine Fantasy, aber atmosphärisch nah genug am Abgrund, um hier mit hineinzugeraten. Die Grundidee: Eine mobile U-Boot-Arche bewegt sich durch eine postapokalyptische Wasserwelt. Es gibt Ruinen, Wracks, Piraten, rivalisierende Archen, Seeungeheuer und lovecraftsche Bedrohungen aus der Tiefe. Dazu kommen rundenbasierte taktische Kämpfe, Drohnen, Ressourcenknappheit, Erkundung, Crafting und Entscheidungen zwischen Handel, Piraterie und Archäologie.
Das ist im Kern eine schöne Mischung aus Endzeit, Tiefseemythos und taktischer Verwaltungspanik. Man kommandiert keine Heldengruppe durch den Elfenwald, sondern eine Arche durch ein Meer, das vermutlich seit Jahren schlechte Laune hat. Jeder Tauchgang kann Fund, Flucht oder Finale sein. Und irgendwo da unten schaut garantiert etwas zurück, das nie in ein Bestiarium wollte.
Fantasykosmos-tauglich ist das vor allem wegen der Atmosphäre: versunkene Welt, alte Geheimnisse, Ressourcenangst, Seeungeheuer, Ruinen. Das klingt weniger nach „Wir retten Atlantis“ und mehr nach „Atlantis war offenbar nur die erste Schadensmeldung“.
🧟 Vultures und Nitro Gen Omega: Nicht ganz Fantasy, aber nah genug am Wahnsinn
Am Rand dieser kleinen Auslese stehen noch zwei weitere Titel. Vultures – Scavengers of Death bewegt sich eher im Survival-Horror. Ruinenstadt, Infektion, knappe Ressourcen, rundenbasierte Kämpfe und der Charme alter 90er-Horror-Spiele. Für Fantasykosmos nur bedingt zentral, aber als kleiner Seitenblick brauchbar. Manchmal reicht schon eine verfallene Stadt, ein paar Untote und schlechte Entscheidungen, damit wir kurz die Augenbraue heben.
NITRO GEN OMEGA wiederum ist klar mehr Mecha als Fantasy. Anime-Riesenmaschinen, taktische Kämpfe, Crew, Missionen, viele Mech-Teile. Eigentlich nicht unser Kerngebiet. Aber als Kontrast zeigt es schön, wie breit die rundenbasierte Nische aktuell arbeitet: vom okkulten Monsteropfer über Dungeon-Karos bis zum sehr großen Blech mit Raketenproblemen.
🧭 Warum diese kleinen RPGs interessanter sind als sie aussehen
Natürlich wird keines dieser Spiele morgen den gesamten Fantasy-Markt umwerfen. Sehr wahrscheinlich wird kein Streamingdienst daraus eine Acht-Staffel-Serie mit überforderter Lore-Bibel machen. Aber genau darin liegt nach unserer Meinung der Reiz.
Die großen Produktionen sehen oft makellos aus und fühlen sich trotzdem an, als hätten zwölf Gremien jede schräge Idee vorher weichgekocht. Die kleinen Indie-RPGs dagegen stolpern manchmal sichtbar, aber sie wagen mehr. Sie kombinieren alte Systeme mit seltsamen Themen, schieben Genres ineinander und wirken dabei häufig wie Notizen aus einem Entwicklerkeller, in dem jemand zu viel Kaffee und zu viele Monsterhandbücher hatte.
Das ist nicht immer elegant, fühlt sich aber häufig quicklebendig an. Und in dieser Woche zeigt sich wieder: Rundenbasierte RPGs sind nicht tot. Sie haben sich nur in sehr viele kleine, eigensinnige Unterarten aufgespalten. Einige tragen Kapuze. Einige leben unter Wasser. Einige opfern niedliche Mutanten. Einige gehen immer noch Schritt für Schritt durch den Dungeon, weil diagonale Bewegung offenbar dekadent ist.
🪓 Karos, Kultisten und Kellerluft
Diese kleine Indie-Welle ist kein Erdbeben. Eher ein komisches Kratzen hinter der Wand. Aber manchmal sind genau diese Geräusche interessanter als der nächste orchestrale Blockbuster-Schrei. Lost Totem Trajipon! bringt okkulten Creature-Collector-Wahnsinn. Dungeon of Calibris: Demon Orb zündet die alte Dungeon-Fackel wieder an. Instruments of Power macht Magie zum taktischen Baukasten. A Tale of Silent Depths lässt die Arche tauchen und findet darunter erwartungsgemäß keine gute Nachricht.
Das reicht für eine schöne kleine Gaming-Auslese, denn nicht jede Woche braucht den einen großen Drachen. Manchmal genügt eine staubige Kiste im Keller, voll mit merkwürdigen Spielen.








