Grabunhold – Frostheim (Review)

Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Grabunhold – Frostheim

🧿 Kurzfazit
Frostheim ist ein starkes zweites Album von Grabunhold: mittelalterlich geprägter Black Metal mit viel Frost, Pathos, Melodie und deutscher Kante. Die Band bleibt ihrem „neuen alten“ Klang treu, wirkt aber dynamischer, griffiger und kompositorisch sicherer als zuvor. Nicht jede Passage ist ein brennender Fackelzug, aber das Gesamtbild ragt wie eine verschneite Festungsmauer vor uns auf.

🎯 Für wen?
Für Schwarzhörer, die Black Metal gern mit Burgen, Tolkien-Nebel, alten Schwertern, frostigen Melodien und klarer Second-Wave-Verwurzelung hören. Wer Summoning zu getragen, rohen Keller-Black-Metal zu eng und modernen Hochglanz-Black-Metal zu seelenarm findet, könnte hier sehr glücklich werden.

🎧 Wie klingt das?
Wie eine deutsche Black-Metal-Band, die im Ruhrgebiet probt, aber innerlich längst durch verschneite Pässe nach Angmar marschiert. Grabunhold verbinden kalte Gitarren, heroische Melodiebögen, treibende Drums und mittelalterliche Atmosphäre zu einem Klang, der bewusst alt wirkt, aber nicht verstaubt. Das ist kein primitives Gekreische aus dem Keller, aber auch kein symphonischer Prunkbau. Frostheim steht zwischen Schwert, Schnee und Schwarzmetall — melodisch, bissig und erstaunlich bildstark.

🎼 Highlights
Der Tod wohnt in Carn Dûm, Der Mondturm, In Mordor, wo die Schatten drohn, Eärnurs Verderben

⛔ Nichts für dich, wenn…
du bei Black Metal nur totale Rohheit, komplette Raserei oder streng moderne Produktion akzeptierst. Frostheim liebt alte Formen, große Melodien und finstere Fantasy-Bilder. Wer bei Namen wie Carn Dûm, Mordor oder Eärnur sofort allergisch den Kuttenkragen hochzieht, wird hier vermutlich keine friedliche Winterwanderung erleben.

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🏔️ Grabunhold – Frostheim: Warum Carn Dûm eigentlich im Ruhrpott liegt

Grabunhold komponieren keine Songs. Sie mauern gewaltige Wehrtürme auf frostklirrendem Grund.

Auf Frostheim klingt Black Metal deshalb auch nicht wie modernes Extrem-Metal-Geschoss, sondern wie eine alte Karte, die man in einer Burgruine findet: fleckig, froststarr, mit Drachen in den Ecken und einem sehr deutlichen Hinweis darauf, dass man den nördlichen Pass nach Einbruch der Dunkelheit besser nicht nimmt.

Das zweite Album der Dortmunder führt genau dorthin, wo Grabunhold am stärksten sind: in eine Welt aus alten Mauern, kalten Gipfeln, Tolkien-Schatten, mittelalterlichem Pathos und jener Sorte Black Metal, die lieber Fackeln an Burgtoren entzündet, als sich in modernen Studiotricks zu verlieren.

Frostheim ist dabei kein radikaler Umbau nach Heldentod. Eher eine Verfeinerung. Der Stahl ist derselbe, aber schärfer gezogen. Die Mauern stehen noch, doch diesmal fallen die Schatten länger und bedrohlicher aus. Und irgendwo zwischen Carn Dûm, Mordor und dem Pott entsteht eine ziemlich überzeugende Antwort auf die Frage, wie mittelalterlicher Black Metal 2026 klingen darf, ohne zur reinen Kostümprobe zu werden.

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🎧 Was erwartet dich?

Genre(s): Black Metal, Medieval Black Metal, Pagan Black Metal, Melodic Black Metal.

Vergleichbar mit: einem frostigen Burggang zwischen Second-Wave-Black-Metal, Tolkien-Krypta und deutscher Schwertromantik, bei dem irgendwo im Hintergrund ein finsterer Rabe auf einem vereisten Turm sehr schlechte Nachrichten verkündet.

Klangfarbe: Frostheim klingt kalt, klar, melodisch und druckvoll. Die Gitarren schneiden, ohne dünn zu wirken; die Drums treiben zuverlässig nach vorn, und die Produktion gibt der Band genug Raum, um mittelalterliche Stimmung aufzubauen, ohne die Songs in Nebel zu ertränken. Die Platte lebt stark von ihrer Bildkraft: Man hört hier nicht nur Riffs, man sieht Mauern, Türme, verschneite Täler und ferne Feuer.

🔥 Highlights

Der Tod wohnt in Carn Dûm ist als Opener fast schon eine Standortbestimmung. Der Titel allein macht klar: Grabunhold betreten dieses Album nicht durch die Seitentür, sondern durch ein frostverkrustetes Tor mit sehr schlechter Fackelbeleuchtung. Musikalisch funktioniert der Song als großer Auftakt, weil er die wichtigsten Stärken der Band bündelt: kalte Melodik, energisches Riffing, erzählerische Atmosphäre und diesen ernst gemeinten Fantasy-Gestus, der bei schlechteren Bands sofort albern wirken würde. Hier geschieht das nicht, denn Grabunhold glauben hörbar an ihre eigene Welt. Und genau deshalb funktioniert sie eben auch.

Der Mondturm ist einer jener Songs, bei denen die Band ihre mittelalterliche Seite besonders gut in die Melodieführung legt. Das Stück wirkt nicht einfach nur schwarzmetallisch, sondern tatsächlich architektonisch ausgeklügelt: Man hat das Gefühl, eine Treppe hinaufzusteigen, vorbei an kaltem Stein, schmalen Fenstern und einem Himmel, der mehr Drohung als Landschaft ist. Der Song zeigt, dass Frostheim nicht nur von Tempo und Kälte lebt. Grabunhold können Atmosphäre formen, ohne den metallischen Kern zu verlieren. Das ist wichtig, weil diese Art von Black Metal schnell in reiner Kulisse enden kann. Hier bleibt die Klinge spürbar.

In Mordor, wo die Schatten drohn ist natürlich der Titel, bei dem jeder Fantasykosmos-Wächter kurz den Helm richtet. So etwas kann großartig werden oder unfreiwillig nach Rollenspielabend im Jugendzentrum klingen. Grabunhold landen klar auf der richtigen Seite. Der Song trägt den Tolkien-Bezug nicht als Gimmick vor sich her, sondern verwandelt ihn in eine kompakte, finstere Black-Metal-Miniatur. Das Stück ist kürzer als viele andere Momente des Albums, wirkt aber genau dadurch fokussiert. Keine ausufernde Saga, kein überdehnter Marsch: eher ein schneller Blick in ein Land, in dem man nicht wohnen möchte, es sei denn, man hat eine sehr robuste Beziehung zu Asche.

Eärnurs Verderben ist mit über acht Minuten der große Schlussstein des Albums. Hier darf Frostheim noch einmal wachsen, atmen und die eigene Welt ausbreiten. Der Song wirkt wie der letzte Gang durch eine gefallene Halle: langsamer, größer, tragischer. Gerade als Finale ist das stark gesetzt. Grabunhold schließen nicht mit einem schnellen Hieb, sondern mit einem langen Schatten. Das passt zu einem Album, das seine besten Momente nicht im bloßen Angriff findet, sondern in der Verbindung aus Melodie, Mythos und Kälte.

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🎨 Artwork

Das Cover von Frostheim sieht aus wie ein alter Schwarzweiß-Holzschnitt, den jemand in einer verlassenen Gebirgsfestung unter einer Steinplatte gefunden hat. Im Zentrum steht eine verschneite Berglandschaft: Zinnen, Gipfel, Wolken, ein weiter Blick in eine frostige Welt. Unten führen Pfade, Zelte, Speere und dunkle Formen durch den Schnee, während eine rabenhafte Gestalt wie ein Bote aus einer alten Sage im Bild steht. Oben thront das verschnörkelte Grabunhold-Logo, flankiert von ornamentalen, fast dämonischen Ecken. Darunter der Titel Frostheim wie eine Inschrift auf einem Tor.

Das ist kein modernes Coverdesign, das um Aufmerksamkeit bettelt. Es wirkt bewusst alt, überladen, märchenhaft und schwarzmetallisch. Genau darin liegt seine Stärke. Frostheim sieht aus wie ein Reich, nicht wie ein Produkt. Und es passt perfekt zur Musik. Grabunhold schreiben keine urbanen Nachtstücke, sondern Frostmärsche, Turmsagen und Schattenlieder. Dieses Cover zeigt genau den Raum, in dem diese Songs wohnen: hoch oben, tief verschneit, halb Tolkien, halb deutscher Black-Metal-Winter.

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🪦 Besondere Momente

Wenn Dortmund nach Angmar driftet

Der schönste Reiz von Grabunhold liegt in dieser eigenartigen Verschiebung: Eine deutsche Band nimmt Tolkien-Bilder, mittelalterliche Klangfarben und klassischen Black Metal, ohne daraus bloße Fan-Kulisse zu machen. Frostheim klingt nicht wie Verkleidung, sondern nach echter Überzeugung.

Melodien wie Buntglas im Schneesturm

Die Gitarren sind auf diesem Album nicht nur Riffwerkzeug, sondern Bildträger. Viele Melodien haben etwas Feierliches, fast Sakrales, bleiben aber scharf genug, um nicht in reiner Romantik zu versinken. Das gibt Frostheim seine spannendsten Momente.

Die Produktion trägt Rüstung

Der Sound ist klarer und kräftiger, als man bei rein nostalgischem Black Metal erwarten könnte. Trotzdem wirkt er nicht glattgebügelt. Die Produktion hat Druck, aber auch die nötige Kälte. Genau diese Mischung lässt die Platte moderner wirken, ohne ihren alten Geist zu verraten.

Fantasy ohne Augenzwinkern

Das ist wichtig: Grabunhold meinen das, was sie da zu Gehör bringen, vollkommen ernst. Kein ironisches Tolkien-Kabarett, kein winkender Zauberhut, keine halbherzige Dungeon-Deko. Frostheim funktioniert, weil die Band ihre Bilder mit voller Hingabe ausspielt. Das hört man diesem Album zu jeder Zeit an.

Der Schluss gehört dem Schatten

Eärnurs Verderben ist als Finale ein Statement. Lang, tragisch, groß angelegt. Hier zeigt sich, dass Grabunhold nicht nur einzelne starke Motive haben, sondern auch ein Album dramatisch schließen können. Sehr beeindruckend.

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📜 Hintergrund

Grabunhold stammen aus Dortmund und stehen für eine selten gewordene Spielart des deutschen Black Metal: mittelalterlich geprägt, melodisch, frostig und deutlich von Fantasy- und Tolkien-Bildern durchzogen. Schon mit ihrem Debüt Heldentod machte sich die Band einen Namen, weil sie nicht einfach alten Black Metal nachspielte, sondern daraus eine eigene Burgen-, Dungeon- und Sagenwelt formte. Frostheim ist das zweite Album von Grabunhold und erscheint am 5. Juni 2026 über Iron Bonehead Productions. Fünf Jahre nach Heldentod kehrt die Band mit acht Songs und einer Spielzeit von knapp 41 Minuten zurück.

Grabunhold agieren auf Frostheim als kompaktes Trio: Irrwycht übernimmt Gitarre und Gesang, Morgoth den Bass, Olog Hai das Schlagzeug. Diese Dreierbesetzung passt erstaunlich gut zum Sound der Band: schlank genug, um bissig zu bleiben, aber groß genug im Klang, um ganze Türme aus Frost, Stein und Schwarzmetall zu errichten.

Stilistisch bleibt Grabunhold dem eigenen Ansatz treu: klassischer Black Metal, mittelalterliche Melodik, nordische Kälte, deutsches Pathos und Fantasy-Bezüge, die diesmal besonders offen in der Trackliste stehen. Titel wie Der Tod wohnt in Carn Dûm, In Mordor, wo die Schatten drohn und Eärnurs Verderben machen keinen Hehl daraus, welche Tore hier geöffnet werden.

Gerade deshalb passt Frostheim so stark zu Grabunhold. Die Band verändert ihren Kern nicht, aber sie schärft ihn. Die Songs wirken dynamischer, die Atmosphäre klarer, die Produktion kräftiger. Aus dem alten Burggemäuer wird kein Neubau, eher eine Festung, deren Fackeln endlich wieder brennen.

🪓 Fazit: Der Frost zeigt seine Zähne

Frostheim ist ein Paradebeispiel dafür, wie ein zweites Album beschaffen sein sollte. Nach Heldentod hätte die Band leicht in der eigenen Nische festfrieren können: ein bisschen Mittelalter, ein bisschen Tolkien, ein bisschen deutscher Black Metal, fertig ist die Burgtapete. Aber Frostheim wirkt nicht wie Tapete. Es wirkt wie solides Mauerwerk.

Die Platte hat Substanz, Atmosphäre und Wiedererkennungswert. Der Tod wohnt in Carn Dûm öffnet das Tor mit Nachdruck, Der Mondturm zeigt die melodische Stärke der Band, In Mordor, wo die Schatten drohn beweist, dass offene Tolkien-Bezüge nicht peinlich sein müssen, und Eärnurs Verderben setzt einen langen, würdigen Schlusspunkt.

Natürlich ist das alles sehr speziell. Wer mit Fantasy im Black Metal nichts anfangen kann, wird hier vermutlich schon bei der Trackliste das Schwert einpacken und Richtung Ausgang reiten. Aber für genau diese Verbindung aus Mythos, Frost und schwarzem Stahl ist Frostheim ein starkes Werk.

Grabunhold erfinden den Black Metal nicht neu. Das ist auch nicht ihr musikalischer Fokus. Sie öffnen stattdessen ein uraltes Tor. Dahinter liegt spürbarer Frost. Und irgendwo, weit hinten am Horizont, brennt Carn Dûm.

Albumcover von Funebrarum – Beckoning The Void Of Eternal Silence: Verschneite, blau getönte Waldlandschaft mit hohen dunklen Nadelbäumen, Felsen und einem schmalen Pfad durch tiefen Schnee. Oben steht das schwarze, eisig verzierte Funebrarum-Logo, unten klein der Albumtitel Beckoning The Void Of Eternal Silence in weißer Schrift.
Künstler:Grabunhold
Albumtitel:Frostheim
Erscheinungsdatum:5. Juni 2026
Genre:Black Metal / Medieval Black Metal / Melodic Black Metal
Label:Iron Bonehead Productions
Spielzeit:ca. 41 Minuten

📺 Offizielles Video

📺 Offizielles Video

Offizielles Video zu „Grambergs Fluch“Grabunhold zeigen auf Frostheim, wie mittelalterlicher Black Metal klingt, wenn Dortmund nach Carn Dûm blickt.

🎼 Trackliste:

Der Tod wohnt in Carn Dûm
Grambergs Fluch
Der Mondturm
Rerirs blauer Schatten
Über Grat und kalten Gipfel
Schreckenszauber
In Mordor, wo die Schatten drohn
Eärnurs Verderben

👥 Besetzung

Irrwycht: Gitarre / Gesang
Morgoth: Bass
Olog Hai: Schlagzeug

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