Der Fall Albert Riera: Wenn der Fußballgott auf die Besessenen trifft

🔍 Suche im Fantasykosmos

Spüre verborgene Pfade auf, entdecke neue Werke oder durchstöbere das Archiv uralter Artikel. Ein Wort genügt – und der Kosmos öffnet sich.


Der Fall Albert Riera: Wenn der Fußballgott auf die Besessenen trifft

🌎 Ein sehr dringendes Schreiben aus dem Presseraum der heiligen Kabine, wo jede Nachfrage nach Unruhe bereits als fortgeschrittener Dämonenbefall gilt.

Um 15:29 Uhr begann unser Redaktionsball zu glühen.

Er lag seit Monaten unbeachtet auf dem Regal zwischen zwei Mooslingsbriefen, einer Mahnung aus dem Orakelarchiv und einem halb zerknitterten Aufkleber mit der Aufschrift „Kein Zirkus, nur Weltuntergang“. Zuerst bebte er nur leicht. Dann rollte er von selbst über den Tisch, blieb genau vor dem Drucker liegen und fing an, aus allen Nähten weißes Stadionlicht zu verlieren.

Kurz darauf sprang der Drucker an.

Weder langsam noch bürotypisch ungehalten, sondern mit jenem aggressiven Surren, das sonst nur Geräte entwickeln, die gerade eine Wahrheit ausspucken, obwohl niemand danach gefragt hat.

Der Brief kam auf Vereinspapier, roch nach Rasen, Schweiß, Pressedruck und heiliger Kränkung. Oben stand in Großbuchstaben: DAS IST KEIN ZIRKUS.

Absender: Albert Riera, Trainer, Wahrheitsverteidiger, Kabinenexorzist und Mann, der offenkundig beschlossen hat, Gerüchte nicht zu dementieren, sondern auszutreiben.


Albert Riera als wütender Fußball-Exorzist in einem düsteren Presseraum, vor ihm Mikrofone, aus denen schwarzer Gerüchterauch steigt, während im Hintergrund schemenhafte Journalisten mit leuchtenden Augen sitzen.

✉️ Der Brief

„Die Lüge betritt den Presseraum leise. Die Wahrheit kommt im Trainingsanzug und verlangt drei Punkte.“
– Aus dem Trainingshandbuch Kabine, Konjunktiv und andere Dämonen

An die Schreiber der verdrehten Welten,

ich weiß, was ihr denkt.

Ihr sitzt dort in euren kleinen Zimmern, mit euren kleinen Federn, euren kleinen Meinungen, euren kleinen Gerüchten, und ihr riecht Rauch, wo nur Dampf vom Training ist. Ihr seht Schatten, wo nur Spieler sind. Ihr hört Flüstern, wo nur Arbeit ist.

Aber ich sage euch: Nein.

Nein.

NEIN.

Das ist kein Zirkus.

Hört ihr mich?

Kein Zirkus.

Ein Zirkus hat Tiere, Manege, Zuckerwatte, Männer mit Hut und Menschen, die applaudieren, weil jemand durch einen Reifen springt. Wir haben einen Fußballverein. Einen professionellen Fußballverein. Einen Verein mit Kabine, mit Training, mit Plan, mit Ziel, mit Spielern, die laufen, kämpfen, atmen, leiden und nicht jeden Morgen aufstehen, damit irgendein Gerüchtepriester im Mediengewand seinen kleinen Rauchaltar anzündet.

Ihr sagt: Es gibt Spannungen.

Ich sage: Es gibt Muskeln.

Ihr sagt: Es gibt Probleme.

Ich sage: Es gibt Arbeit.

Ihr sagt: Burkardt.

Ich sage: Lüge.

Ihr sagt: komische Situation.

Ich sage: Wo? Zeigt sie mir. Bringt sie her. Legt sie auf diesen Tisch. Ich will sie sehen. Ich will ihr in die Augen schauen. Ich will wissen, ob sie laufen kann, ob sie Zweikämpfe gewinnt, ob sie am Samstag gegen den HSV drei Punkte holt.

Kann sie das nicht?

Dann ist sie keine Situation.

Dann ist sie Gift.

Und ich akzeptiere kein Gift.

Ich akzeptiere keine Lügen.

Ich akzeptiere keine kleinen Sätze, die aus dunklen Ecken kriechen und plötzlich so tun, als wären sie Wahrheit. Wahrheit hat Beine. Wahrheit geht auf den Platz. Wahrheit schwitzt. Wahrheit macht Sprints. Wahrheit verliert nicht den Ball, nur weil jemand im Presseraum „intern“ flüstert.

Ihr wollt Interna?

Hier ist ein Internum: Wir trainieren.

Noch eins: Wir sprechen.

Noch eins: Wir wollen gewinnen.

Noch eins: Jeder Spieler wird alles geben, bis zu meinem letzten Tag. Mein letzter Tag! Versteht ihr diese Worte überhaupt? Ihr schreibt sie auf, aber ihr hört sie nicht. Ihr hört nur Drama. Ihr hört nur Zwist. Ihr hört nur das Kratzen eurer eigenen Erwartung an der Tür.

Ich bin nicht hier als Marionette.

Ich bin nicht hier, damit jemand an Fäden zieht und sagt: Jetzt lächle. Jetzt rede ruhig. Jetzt bestätige ein bisschen Krise, damit der Text besser läuft.

Nein.

Ich schneide die Fäden durch.

Ich nehme eure Fäden, eure Gerüchte, eure angeblichen Informationen, eure halb gekochten Kabinengespenster, ich werfe sie auf den Boden, und dann treten wir darüber hinweg Richtung HSV.

Denn wir haben drei Endspiele.

Drei.

Nicht drei Gesprächstermine. Nicht drei Deutungsräume. Nicht drei hübsche Gelegenheiten für Stimmungsberichte aus dem Umfeld.

Drei Endspiele.

Und ein Endspiel fragt nicht, ob die Atmosphäre „komisch“ ist. Ein Endspiel fragt: Wer läuft? Wer brennt? Wer bleibt stehen, wenn der Wind von vorn kommt? Wer hält die Linie, wenn alle anderen anfangen, die Tabelle wie ein Totentuch zu falten?

Ihr redet von Druck.

Gut.

Druck ist da.

Druck ist Fußball.

Druck ist nicht schlecht. Druck macht aus elf Männern entweder eine Mannschaft oder einen Haufen Ausreden. Ich will keine Ausreden. Ich will keine Schauspieler. Ich will keine kleinen beleidigten Geister, die durch die Kabine schweben und sagen: Vielleicht ist die Stimmung nicht ideal.

Die Stimmung ist Arbeit.

Die Atmosphäre ist Arbeit.

Respekt ist Arbeit.

Europa ist Arbeit.

Und wer das nicht versteht, soll nicht von der Eintracht sprechen, als wäre sie ein brennender Wagen auf einem Jahrmarkt.

Unsere Fans verdienen Wahrheit.

Nicht Geruch.

Nicht Nebel.

Nicht dieses kleine, süße, gefährliche Vielleicht, mit dem man alles vergiften kann, ohne Verantwortung zu übernehmen. Vielleicht ist da ein Problem. Vielleicht ist da ein Bruch. Vielleicht ist da ein Spieler unzufrieden. Vielleicht ist da ein Trainer isoliert.

Vielleicht, vielleicht, vielleicht.

Das ist keine Information.

Das ist ein Dämon mit Konjunktiv.

Und ich sage euch: Raus.

Raus aus dem Presseraum.

Raus aus der Kabine.

Raus aus den Köpfen.

Raus aus dem Verein.

Ich habe euch gesehen, ihr kleinen Gerüchte. Ihr hängt an den Mikrofonen. Ihr sitzt zwischen den Kameras. Ihr kriecht in Überschriften. Ihr tragt Presseausweise aus Rauch. Ihr wollt, dass wir uns mit euch beschäftigen, während der HSV kommt.

Aber der HSV kommt wirklich.

Die Tabelle ist wirklich.

Freiburg ist wirklich.

Rang sieben ist wirklich.

Die letzten Spiele sind wirklich.

Der Ball ist wirklich.

Das Tor ist wirklich.

Der Rest? Der Rest muss erst beweisen, dass er mehr ist als Gift.

Und wenn jemand sagt: Trainer, beruhigen Sie sich.

Warum?

Warum soll die Lüge ruhig sein dürfen und die Wahrheit höflich?

Warum darf Gift leise tropfen, aber ich soll freundlich nicken?

Warum darf jemand schreiben, bei uns sei Zirkus, und ich soll dann auftreten wie der Mann, der Eintrittskarten kontrolliert?

Nein.

Ich bin nicht der Mann an der Tür.

Ich bin der Mann, der die Manege abbrennt, damit darunter wieder Rasen sichtbar wird.

Ihr wollt eine Schlagzeile?

Nehmt diese:

Wir sind da.

Wir arbeiten.

Wir lügen nicht.

Wir sind kein Zirkus.

Und wenn ihr trotzdem Clowns sucht, schaut nicht in unsere Kabine.

Mit allerheiligster Wut
Albert Riera
Trainer der letzten drei Endspiele
Exorzist des Gerüchtekonjunktivs
und nicht Marionette

🪶 Kommentar der Redaktion:

Der Brief traf uns wie eine Grätsche ein unsichtbares Adverb.

Er war keine Stellungnahme, sondern eine Austreibung. Jede Nachfrage wurde darin zum Dämon, jedes Gerücht zum Giftwesen, jede journalistische Unschärfe zur metaphysischen Attacke auf die Kabine. Riera schrieb nicht, als wolle er Ruhe erzeugen. Er schrieb, als habe die Ruhe sich bereits verdächtig gemacht.

Dabei liegt der Reiz dieses Falls genau in der Überdrehung. Ein Trainer unter Druck hat jedes Recht, sich gegen erfundene Konflikte zu wehren. Aber im Fußball verwandelt sich der Satz „Es gibt keinen Zirkus“ zuverlässig in den Moment, in dem irgendwo im Hintergrund die Kapelle einsetzt, der Dompteur stolpert und drei Männer mit Mikrofonen anfangen, nervös zu lächeln.

Seit der Lektüre wissen wir jedenfalls: Der Gerüchtekonjunktiv ist ein Dämon. Er trägt keinen Schwanz, keine Hörner und keine Mistgabel. Er beginnt einfach mit „angeblich“.

Episches Fantasy-Banner im Stil von Gandalf: Ein weißbärtiger Zauberer blockiert mit erhobenem Stab den Weg und ruft ‚Du kannst nicht vorbei!‘. Darunter der Zusatz: ‚Es sei denn, du abonnierst unseren Newsletter!‘. Rechts unten ein glühender, magischer Button mit der Aufschrift: ‚Lass mich rein, du Narr!
Banner für daa Daily Meme mit Boney Jones dem Geisterpiraten.

Mehr Fantastisches für dich?

Außerdem ziemlich lesenswert: