Kid Rock und der Steuerzahlerhubschrauber der Freiheit

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Kid Rock und der Steuerzahlerhubschrauber der Freiheit

🌎 Ein sehr persönlicher Brief aus dem patriotischen Tiefflugkorridor, wo Armeehubschrauber offenbar nur dann teuer sind, wenn nicht zufällig ein befreundeter Rock-Darsteller darin sitzt.

Gegen 09:30 Uhr vibrierte plötzlich unser Briefkasten.

Nicht digital. Nicht akustisch. Physisch. Erst roch es nach Benzin, dann nach Grillsoße, dann nach einem jener Auftritte, bei denen drei Gitarrenakkorde genügen müssen, um einem die gesamte Zivilisation zu erklären.

Zwischen zwei zerknitterten Werbeflyern für Grillanzünder lag ein Umschlag aus Tarnpapier. Darauf klebte ein Aufkleber mit Adler, Flammen, Bierdose und der handschriftlichen Notiz: OPEN THIS FOR FREEDOM, BROTHER.

Im Inneren fanden wir ein Schreiben, offenbar verfasst von Kid Rock, bürgerlich Robert Ritchie, Beruf: musikalischer Nationalpark der amerikanischen Selbstüberschätzung. Anlass war seine jüngste Ausfahrt mit Pete Hegseth in Armeehubschraubern, die nach allem, was wir verstanden haben, natürlich keine Spritztour war, sondern ein streng patriotischer Beitrag zur Luftverteidigung des eigenen Egos.


Kid-Rock-artiger Rock-Patriot mit Sonnenbrille, Sternenbanner-Hut und goldenem Hubschrauber-Zepter steht in einem Militärhangar vor Armeehubschraubern, während hinter ihm ein ernster Offizier wie ein Zeremonienmeister wirkt.

✉️ Der Brief

„Ein Hubschrauber, der nicht wenigstens einmal einen berühmten Patrioten herumfliegt, ist im Grunde nur Bürokratie mit Rotoren.“
– Aus einer Airforce Werbebroschüre zum Thema Freedom, Fuel and Friendship

An die voll neidischen Schreibtischleute vom Fantasykosmos,

ich weiß genau, was ihr jetzt wieder sagt.

„Warum fliegt Kid Rock in Armeehubschraubern herum?“
„Warum kostet das Steuergeld?“
„Warum sitzt ein Mann, dessen größte kulturelle Errungenschaft darin bestand, Sweet Home Alabama in eine Sonnenbrandhymne für Tankstellenparkplätze umzubauen, plötzlich in Militärgerät?“

Und dazu sage ich: Genau wegen Leuten wie euch braucht Amerika Hubschrauber.

Ihr versteht Freiheit nicht. Ihr denkt, Freiheit sei ein Konzept. Ein Verfassungsding. Ein Museumssatz mit alten Herren, Federkielen und schlechten Perücken. Falsch. Freiheit ist, wenn ein Patriot mit Sonnenbrille in einen Apache steigt und dabei nicht fragt, wer die Rechnung bezahlt, weil das Wort Rechnung selbst schon total unamerikanisch klingt.

Steuerzahler? Bruder, Steuerzahler sind nicht dazu da, Fragen zu stellen. Steuerzahler sind dazu da, dass Freiheit laut genug rotiert.

Ich war da nicht privat unterwegs. Ich war da als Symbol. Als akustische Flagge. Als Mann, der dem einfachen Volk zeigt: Ja, auch du kannst in einem Kampfhubschrauber sitzen, wenn du lange genug so tust, als sei ein mittelmäßiger Song von 2008 ein Beitrag zur nationalen Seele.

Pete versteht das. Pete sieht einen Helikopter nicht und denkt: Einsatzplanung, Wartungskosten, militärische Zweckbindung. Pete denkt: Da passt ein Freund rein.

Und das ist Führung.

Früher hatten Könige Falken. Heute haben Patrioten Apache. So entwickelt sich Kultur. Jeder Fortschritt beginnt damit, dass jemand ein sehr teures Ding nimmt und sagt: „Wäre doch schade, wenn wir damit nicht kurz Eindruck machen.“

Jetzt kommen natürlich die üblichen Kalifornien-Leute und fragen, warum der Staat für meinen Rundflug zahlen soll. Gavin irgendwas. Gouverneur von veganem Nebel und moralischer Sonnencreme. Diese Leute hassen Amerika nicht, weil sie es nicht mögen. Sie hassen Amerika, weil sie innerlich wissen, dass sie beim Einsteigen in einen Kampfhubschrauber erst einen Antrag ausfüllen würden.

Das unterscheidet uns.

Wir handeln.

Ihr diskutiert.

Wir heben ab.

Ihr rechnet.

Wir machen Rotorengeräusch.

Natürlich war das auch eine Veranstaltung. Alles ist eine Veranstaltung, wenn man es patriotisch genug meint. Der 250. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung? Perfekt. Was könnte diesen Anlass besser ehren als ein Mann mit Cowboyhut, ein Verteidigungsminister und Militärgerät, das ungefähr so viel kostet wie eine Kleinstadt mit Stadion und Traumaambulanz?

Die Gründerväter hätten das gewollt. Wahrscheinlich. Vielleicht nicht Jefferson, der war kompliziert. Aber irgendeiner von denen hätte bestimmt gesagt: „Gib dem Rockmann den zweiten Sitz, das Volk braucht Hoffnung.“

Außerdem unterstütze ich die Truppen.

Und Unterstützung heißt nicht nur, irgendwo aufzutreten, laut „USA“ zu rufen und danach in einen Privatjet zu steigen. Unterstützung heißt auch, den Soldaten zu zeigen, dass ihre Maschinen nicht nur für Krieg, Training oder Verteidigungszwecke da sind, sondern auch für den moralischen Aufbau berühmter Freunde der Regierung.

Manche nennen das Vetternwirtschaft. Ich nenne es Kameradschaft mit besserem Soundtrack.

Und ja, da war schon diese Sache in Kentucky, als ein paar Militärpiloten mit Hubschraubern bei meinem Anwesen auftauchten und ein bisschen in der Luft standen. Meine Güte. Früher nannte man so etwas Nachbarschaftspflege. Heute nennt man es Untersuchung. Dann kam Pete und sagte sinngemäß: Lasst die Jungs in Ruhe.

Warum?

Weil Pete versteht, dass Amerika nicht durch Dienstvorschriften groß wurde. Amerika wurde groß durch Männer, die Dinge taten und danach jemanden fanden, der erklärte, warum es eigentlich Dienst war.

Das ist Geschichte.

Das ist Rock.

Das ist Militärlogik mit Feuerwerk.

Ihr fragt euch: Hat Kid Rock irgendeine Qualifikation, in einem Kampfhubschrauber zu sitzen?

Ja.

Ich bin Kid Rock, Bro.

Das ist keine Antwort. Das ist ein Rang.

Wenn ein Land seine Symbole nicht mehr fliegen lässt, dann fliegen irgendwann nur noch die Formulare. Wollt ihr das? Ein Himmel voller Formulare? Ein Pentagon, in dem jeder Treibstoffliter erst durch ein Komitee muss, bevor ein Patriot kurz den Daumen hebt und „hell yeah“ sagt?

Nicht mit mir.

Ich habe Amerika besungen, bebrüllt, besoffen umarmt und gelegentlich mit so viel musikalischem Restmaterial tapeziert, dass selbst alte Southern-Rock-Riffs um Beistand bitten mussten. Dafür schuldet mir dieses Land keinen Hubschrauber. Aber es versteht, warum einer passt.

Denn am Ende geht es nicht um mich. Es geht um das Gefühl, dass jemand da draußen noch bereit ist, absolut sinnlos laut zu sein, wenn die Bürokraten leise nicken wollen.

Es geht um Freiheit.

Es geht um Freundschaft.

Es geht um Maschinen, die so teuer sind, dass man sie nicht einfach herumstehen lassen sollte.

Mit rotierendem Respekt
Kid Rock
Patriotischer Beiflieger
Rock’n’Roll-Reservist ohne Rang
und Ehrenkommandant der Kostenstelle „Bro, Trust Me“

🪶 Kommentar der Redaktion:

Der Brief hatte die geistige Flugbahn einer leeren Bierdose, die aus einem fahrenden Pick-up geworfen wird und unterwegs beschließt, Verfassungsgeschichte zu erklären.

Bemerkenswert ist weniger, dass Kid Rock sich als Symbol nationaler Größe begreift. Das ist inzwischen Teil seiner öffentlichen Geräuschkulisse. Bemerkenswert ist die Selbstverständlichkeit, mit der hier Freundschaft, Militärgerät, Steuergeld und patriotisches Theater zu einer einzigen rotierenden Ausrede verschmelzen.

Aus einem Armeehubschrauber wird ein PR-Requisit. Aus einem Popmusiker ein angeblicher Truppenfreund im zweiten Sitz. Aus einer staatlichen Ressource ein fliegender Männerabend mit Pressefoto. Und wer fragt, warum das alles nötig war, bekommt zur Antwort vermutlich irgendetwas mit Freiheit, Truppenunterstützung und einem Gitarrenriff, das schon beim ersten Mal nicht ganz unschuldig war. So sieht Macht aus, wenn sie keine Argumente mehr braucht, sondern nur noch Rotorblätter.

Episches Fantasy-Banner im Stil von Gandalf: Ein weißbärtiger Zauberer blockiert mit erhobenem Stab den Weg und ruft ‚Du kannst nicht vorbei!‘. Darunter der Zusatz: ‚Es sei denn, du abonnierst unseren Newsletter!‘. Rechts unten ein glühender, magischer Button mit der Aufschrift: ‚Lass mich rein, du Narr!
Sepia-Banner: Verfallenes Haus im Hintergrund, vorne Grabhold und Crowbah mit Koffer. Links die Überschrift „Crowbah & Grabhold: Finstere Faxen!“, rechts ein gerolltes Ribbon mit „JETZT LESEN!“.

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