
Hoc est Bellum – Filth Majesty
🧿 Kurzfazit
Filth Majesty präsentiert sich als rohes, bestialisches und bewusst hässliches Debüt zwischen Black Metal, Death Metal, War Metal und grindigem Untergrund-Krach. Hoc est Bellum liefern keine elegante Finsternis, sondern eine aggressive Dreckschleuder mit nuklearer Endzeitpose, Kellerproduktion, animalischer Energie und genug Gift im System, um den örtlichen Kirchenchor langfristig in den Krankenstand zu schicken.
🎯 Für wen?
Für Schwarzgesottene, die Beherit, Blasphemy, Profanatica, Repulsion, Teitanblood und frühen Bestial-Black/Death nicht als Musik zum Entspannen verstehen, sondern als akustischen Unfall mit kultischer Absicht. Wer bei „finnischer Black-Metal-Untergrund“ automatisch an Wald, Frost und ernste Mienen denkt, bekommt hier eher die Version mit Erbrochenem, Draht, Knochenstaub und defektem Verstärker.
🎧 Wie klingt das?
Wie ein War-Metal-Proberaum nach einem Kurzschluss im Exorzismusgerät. Die Songs rumpeln, knirschen, keifen und walzen sich durch ihr Material, ohne große Rücksicht auf Schönheit, Eleganz oder normale Nachbarschaftsverhältnisse. Die Gitarren sägen, die Drums prügeln, der Gesang klingt wie ein Gully, der schlechte Nachrichten überbringt, und zwischendurch sickern dunkle atmosphärische Passagen hinein, die nicht beruhigen, sondern eher ankündigen, dass gleich wieder jemand etwas sehr Unangenehmes mit einem Becken macht.
🎼 Highlights
Black Metal Terror, Nightside Necromancy, Serpent Of The Black Pit
⛔ Nichts für dich, wenn…
du Black Metal nur mit erhabenen Gebirgen, tragischen Synth-Flächen und poetischem Weltschmerz akzeptierst. Filth Majesty trägt keinen Samtumhang. Dieses Album kommt barfuß aus dem Schacht, hat Blut an der Stirn und hält sich für einen liturgischen Vorgang.
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☣️ Hoc est Bellum – Filth Majesty: Bestial Black Metal aus dem Schacht der schlechten Manieren
Filth Majesty klingt, als hätte jemand in einem finnischen Keller eine rostige Luke geöffnet, kurz hineingeleuchtet und dann entschieden, dass der Gestank eigentlich schon als Vorband reicht.
Hoc est Bellum treten mit ihrem Debüt nicht an, um Black Metal neu zu denken, feinsinnig auszuleuchten oder mit kulturhistorischer Noblesse in den Nebel zu schreiten. Diese Band kommt aus einer deutlich unhöflicheren Ecke. Hier wird nicht gewoben, hier wird geprügelt. Nicht beschworen, sondern ausgespuckt. Nicht groß philosophiert, sondern ein Lärmklumpen aus Bestial Black, Death Metal, War-Metal-Rumpeln und Grind-Galle auf den Tisch geworfen, bis der Tisch panisch kündigt.
Das Schöne daran: Wir müssen das gar nicht so ernst nehmen, wie es vermutlich gern ernst genommen werden möchte. Diese ganze nukleare Antichristen-Rhetorik, die überdrehten Pseudonyme, die kalkuliert geschmacklose Titelparade und das schwarzweiße Monster-Cover funktionieren am besten, wenn man sie nicht ehrfürchtig anstarrt, sondern als das liest, was hier tatsächlich Spaß macht: ein räudiger Untergrund-Ausbruch, der genau weiß, dass schlechte Manieren manchmal die ehrlichere Form von Stil sind.
Filth Majesty ist kein Album für große Differenzierung am Kamin. Es ist ein Sack voller rostiger Nägel, der eine Treppe hinunterfällt und unten noch „Mehr!“ brüllt. Und ja: Genau dafür kann man es durchaus mögen.
🎧 Was erwartet dich?
Genre(s): Bestial Black Metal, Blackened Death Metal, War Metal
Vergleichbar mit: einem kaputten Kelleraltar, auf dem Beherit die Sicherungen herausdrehen, Blasphemy das Licht frisst und Repulsion im Nebenraum eine Inventarliste der schlechten Entscheidungen führt.
Klangfarbe: Filth Majesty klingt schwarzweiß, staubtrocken, rostig und körperlich ungesund. Keine große Klanglandschaft, keine luftige Produktion, kein majestätischer Raum. Der Sound hat eher etwas von Beton, Schweiß, altem Kabelbrand und einem Verstärker, der längst hätte gemeldet werden müssen. Das ist aber kein Makel, sondern Teil des Reizes. Hoc est Bellum brauchen keine sterile Klarheit. Diese Musik lebt davon, dass sie schabt, drückt, scheppert und wie ein extrem seltsames Tier wirkt, das man nicht lange genug gefüttert hat.
🔥 Highlights
Black Metal Terror ist als Titel natürlich ungefähr so subtil wie ein Vorschlaghammer mit Namensschild. Aber genau deshalb funktioniert der Song im Kontext dieser Platte. Hier wird nicht lange erklärt, wohin die Reise geht. Hoc est Bellum treten an, reißen die Tür aus den Angeln und machen dann diesen bestialischen Krach, der weniger komponiert als ausgespien wirkt. Der Song ist wichtig, weil er den Grundton des Albums bündelt: primitiver Angriff, rumpelnde Härte, kratzige Raserei und eine fast komische Überzeugung in der eigenen Widerlichkeit. Das ist kein Stück, das durch Raffinesse glänzt. Es glänzt überhaupt nicht. Es tropft. Und manchmal ist genau das im Bestial Black Metal der Punkt.
Nightside Necromancy ist der aktuell greifbarste Einstieg und zugleich ein kurzer, giftiger Stich ins Zentrum der Band. Mit seiner knappen Laufzeit wirkt das Stück weniger wie ein ausformulierter Song als wie eine Beschwörung, die jemand aus Sicherheitsgründen abgebrochen hat. Vielleicht war das vernünftig. Vielleicht auch nicht. Gerade in dieser Kürze zeigt sich, was Hoc est Bellum gut können: Atmosphäre nicht als ausgedehnte Nebelwand, sondern als toxischen Film auf der Oberfläche. Das Stück schiebt sich schnell vorbei, hinterlässt aber genug Gestank, um zu zeigen, dass Filth Majesty mehr kann als nur blindes Geballer. Da sitzt ein dunkler, dreckiger Kern unter der Raserei.
Serpent Of The Black Pit ist der Titel, bei dem man schon vor dem ersten Ton weiß, dass hier niemand einen Preis für gepflegte Zurückhaltung abholen möchte. Der Song trägt diesen klassischen Bestial-Black-Charme: Grube, Schlange, Finsternis, alles sehr angenehm für Menschen, die auch defekte Abflussrohre für Ambient halten. Musikalisch funktioniert der Track als eine der stärkeren Albumstationen, weil die Band hier ihre räudige Energie mit einem klaren Bild verbindet. Die Schlange aus der schwarzen Grube ist keine feine Metapher, sondern genau die Art von übergroßem, hässlichem Symbol, das dieser Stil braucht. Hoc est Bellum wollen keine psychologische Tiefenschärfe. Sie wollen, dass etwas aus dem Loch kommt. Mission erfüllt.
🎨 Artwork
Das Cover von Filth Majesty sieht aus, als hätte ein sehr begabter Schüler im Biologieunterricht beschlossen, die Fledermaus, den Käfer, den Dämon und den örtlichen Bestatter in eine einzige Kreatur zu überführen. Schwarzweiß, roh, handgezeichnet, voller Krallen, Knochen, Membranflügel, Totenschädel und unangenehmer Körperlichkeit. Das zentrale Wesen wirkt wie eine Mischung aus Hölleninsekt, Nachtjäger und schlecht gelauntem Fanzine-Maskottchen. Es steht über Skeletten, als hätte es gerade die Frage beantwortet, warum im Wald keine Spaziergänger mehr verschwinden müssen: Sie liegen schon da.
Besonders stark ist, dass das Cover nicht versucht, schön zu sein. Es ist krude, dreckig, grotesk und vollkommen passend. Kein edles Schwarzmetall-Panorama, keine mystische Landschaft, kein ästhetischer Nebel. Nur Kreatur, Knochen, Logo und schlechte Absichten. Das Bild sagt nicht: Betritt die Finsternis. Es sagt: Fass hier bloß nichts an.
🪦 Besondere Momente
Die Pseudonyme als halbe Kunstform
Diese Bandnamen lesen sich, als hätte jemand einen Black-Metal-Namensgenerator in einem Ölfass angezündet. Genau das passt. Hoc est Bellum übertreiben so konsequent, dass aus Peinlichkeit wieder Stil wird. Man muss nur den Fehler vermeiden, davor andächtig zu knien.
Der Dreck bleibt Dreck
Filth Majesty versucht nicht, rohen Bestial Black/Death in ein modernes Klanggewand zu pressen. Die Platte lebt von ihrer Ruppigkeit. Sie will nicht makellos klingen. Sie will so klingen, als müsste man danach unbedingt lüften.
Atmosphäre ohne Schönmalerei
Zwischen der Prügelei öffnen sich dunkle, giftige Passagen. Nicht im Sinne großer epischer Breite, sondern eher wie ein modriger Luftzug aus einem Seitenraum. Diese Momente tun dem Album gut, weil sie dem Dauerangriff kleine Schattenränder geben.
Die richtige Dosis Lächerlichkeit
Bestial Black Metal funktioniert selten, wenn er sich selbst für Philosophie hält. Hoc est Bellum sind am stärksten, wenn man die ganze Überhöhung als Teil des Spektakels nimmt: Satan, Krieg, Kotze, nukleare Vernichtung, Monster-Cover, Kellerlärm. Das ist nicht fein. Und das soll es auch nicht sein.
📜 Hintergrund
Hoc est Bellum sind ein finnisches Trio aus dem Umfeld Helsinki/Turku und wurden 2022 gegründet. Nach Demo 2023 folgt mit Filth Majesty nun das erste vollständige Album. Die Band bewegt sich im Feld von Bestial Black Metal, Death Metal, War Metal und grindiger Untergrund-Aggression.
Aufgenommen wurde das Album im Waiting Room Recording Studio. Recording und Mix stammen von Mikael Neves, das Mastering übernahm Dan Lowndes im Resonance Sound Studio. Inhaltlich und ästhetisch setzt die Band auf nukleare Endzeit, satanische Kriegsrhetorik, primitive Gewalt und jene Sorte Untergrund-Pathos, bei der man nie ganz weiß, ob sie gleich einen Dämon ruft oder nur den Proberaumschlüssel verloren hat.
Die Besetzung tritt unter herrlich überdrehten Kampfnamen auf, dahinter stehen die Originalnamen Sakari Forsman, Jaakko Pilvi und Samuli Similä. Genau diese Mischung aus Ernst, Pose, Krach und Groteske macht Filth Majesty für uns interessant. Nicht, weil es ein elegantes Werk wäre. Sondern weil es sich mit Händen und Füßen weigert, das zu sein.
🪓 Fazit: Wenn der Keller zurückbrüllt
Filth Majesty ist kein Album, das man vorsichtig mit zwei Fingern aus der Hülle zieht. Man nimmt es eher mit einer Grillzange, legt es auf eine feuerfeste Unterlage und wartet, ob es zischt. Hoc est Bellum liefern mit ihrem Debüt keine neue Offenbarung des extremen Metal. Dafür ist der Stil zu klar verortet, die Referenzlinie zu offensichtlich und die eigene Rhetorik zu sehr im klassischen Bestial-Black/Death-Baukasten verwurzelt. Aber das muss hier auch nicht die Aufgabe sein. Diese Platte will nicht innovativ den Diskurs weiten. Sie will in den Diskurs treten, den Diskurs beißen und danach böse geifernd behaupten, der Diskurs habe angefangen.
Am besten funktioniert Filth Majesty, wenn die Band einfach loslegt: roh, hässlich, schnell, schmutzig, ohne große akademische Verrenkungen. Black Metal Terror liefert das Programm mit der Eleganz eines eingetretenen Blecheimers. Nightside Necromancy zeigt, dass auch kurze Stücke eine giftige Atmosphäre hinterlassen können. Serpent Of The Black Pit bringt das Monsterbild des Albums auf den Punkt: etwas kriecht aus der Tiefe, und niemand im Raum hat eine Versicherung, die das abdecken wird.
Natürlich ist das alles nicht fein. Sicherlich ist das stellenweise absurd. Und selbstverständlich wirkt diese satanisch-nukleare Kriegsprosa, als hätte jemand die Rückseite alter Extrem-Metal-Tapes in einem schlecht belüfteten Zimmer auswendig gelernt. Aber genau darin liegt der Charme, wenn man ihn nicht falsch liest. Hoc est Bellum sind kein Orchester der Hölle. Sie sind eher die kaputte Kellertür davor. Und diese Tür macht ordentlich Lärm.
Filth Majesty ist damit ein räudiges, kurzes, hässliches und ziemlich unterhaltsames Stück Bestial Black/Death. Kein Meisterwerk. Kein Denkmal. Kein heiliger Gral des Untergrunds. Eher ein angeschimmelter Becher aus Knochenimitat.
Aber manchmal trinkt der preisbewusste Dämon eben genau daraus.

| Künstler: | Hoc est Bellum |
| Albumtitel: | Filth Majesty |
| Erscheinungsdatum: | 26. Juni 2026 |
| Genre: | Bestial Black Metal / Blackened Death Metal / War Metal |
| Label: | Time To Kill Records |
| Spielzeit: | ca. 29 Minuten |
🎬 Offizielles Video
Das offizielle Video zu Vomit Black Ecstasy liefert den passenden Einstieg in Filth Majesty: kurzer, räudiger Bestial-Black/Death-Krach aus dem Schacht der schlechten Manieren, bei dem Hoc est Bellum nicht um Atmosphäre bitten, sondern sie mit rostigen Werkzeugen aus der Wand schlagen.
🎼 Trackliste:
The Desolator (Intro) / Deify, Degenerate
Black Metal Terror
Vomit Black Ecstasy
Passion Of The Antichrist
Blood Of The VVytches
Nightside Necromancy
Winds Of Decay
Serpent Of The Black Pit
The Goatborn Ones
Beast Ejaculate / Spiral Of Sodomy (Outro)
👥 Besetzung
Devouring Doommouth of Lunar Extinction and Nuclear Propaganda – Gesang / Bass
Rituäl Vömitist – Gitarre
R. Charon – Schlagzeug / Gesang
👥 Originalnamen
Jaakko Pilvi – Gesang / Bass
Samuli Similä – Gitarre
Sakari Forsman – Schlagzeug
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