
Tyrannus – Mournhold
🧿 Kurzfazit
Mournhold ist ein scharfes, konzentriertes und atmosphärisch starkes Zweitwerk zwischen Death-Thrash, Black Metal, 80er-Riffkultur und finsterem Weltbau. Tyrannus klingen aggressiv, aber nicht stumpf; episch, aber nicht aufgeblasen; roh genug für den Untergrund und präzise genug, um wirklich zu treffen.
🎯 Für wen?
Perfekt für Fans, die bei Satyricon, frühem Enslaved, Aura Noir, Necrophobic, Skeletonwitch, Dødheimsgard-Schatten und schwarzem Thrash nicht sofort nach stilistischer Reinheit rufen. Wer Metal mag, der zugleich nach Klinge, Ruine, Sternenstaub und sehr schlechter Laune riecht, darf hier ohne Karte losmarschieren.
🎧 Wie klingt das?
Rasend, riffbetont, düster und erstaunlich räumlich. Die Gitarren schneiden und treiben, das Schlagzeug prügelt mit klarer Linie, der Bass gibt dem Material Körper, und die Synths öffnen im Hintergrund immer wieder Abgründe, ohne die Songs in Nebel zu ersäufen. Mournhold klingt nicht wie eine Black-Thrash-Band mit Deko-Atmosphäre. Es klingt wie eine extreme Metal-Band, die verstanden hat, dass Angriff und Weltaufbau einander nicht ausschließen.
💿 Highlights
Violent Inheritance, Reignfall, Mournhold
⛔ Nichts für dich, wenn…
du extremen Metal entweder komplett roh oder komplett sauber sortiert brauchst. Mournhold lebt von Übergängen: Thrash-Schub in Black-Metal-Kälte, atmosphärische Passagen in Prügelattacken, melodische Linien in zackige Gewalt. Wer nur eine einzige Geschmacksrichtung im Kelch duldet, wird hier vermutlich spätestens beim dritten Schluck fluchen.
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🏰 Tyrannus – Mournhold: Thrash aus der violetten Festung
Manche Alben kommen nicht aus dem Studio. Sie wirken eher, als hätte jemand eine verfluchte Festung im Purpurnebel gefunden, das Tor aufgebrochen und dahinter sieben rostige Maschinen entdeckt, die seit Jahrhunderten nur darauf warten, endlich wieder Menschen zu zermahlen.
Tyrannus klingen auf Mournhold genau so.
Die schottische Band begann einst mit death-thrashigem Black Metal und hat diesen Ansatz auf ihrem zweiten Album nicht etwa zivilisiert, sondern geschärft. Mournhold ist aggressiver, klarer, größer und ungemütlicher als ein bloßer Untergrund-Prügelbrocken. Hier wird nicht einfach nur gerast. Hier wird gebaut. Zitadellen aus Riffs. Brücken aus Blastbeats. Türme aus violettem Rauch. Und darunter arbeitet diese alte Thrash-Maschine, die nie besonders viel vom guten Benehmen hielt.
Das Album verbindet 80er-Thrash, Black Metal, Death-Metal-Schub, atmosphärische Weite und gelegentliche post-punkige Schatten zu einer Platte, die zugleich direkt und fremdartig wirkt. Sie will dir nicht nur die Fresse polieren. Sie will dabei auch noch eine Welt errichten, in der nach der Politur niemand mehr freiwillig wohnen möchte.
Kurz gesagt: Tyrannus liefern hier keinen netten Ausflug in den UK-Underground.
Sie öffnen das Tor zur violetten Festung.
Und dahinter wird fieberhaft gearbeitet.
🎧 Was erwartet dich?
Genre(s): Blackened Thrash Metal, Death-Thrash, Atmospheric Black Metal, Extreme Metal.
Vergleichbar mit: einem Feldzug durch eine purpurne Albtraumlandschaft, in der jeder Turm ein Riff ausspuckt und jede Brücke vermutlich aus Knochen gebaut wurde, aber immerhin sehr stabil wirkt.
Klangfarbe: Mournhold klingt violett, scharfkantig und deutlich schweflig. Die Produktion hat genug Druck, damit die Thrash- und Death-Metal-Anteile wirklich schieben, lässt aber auch genügend Raum für Atmosphäre. Das ist wichtig, weil die Platte nicht nur über Geschwindigkeit funktioniert. Sie braucht diese Weite, dieses seltsame Leuchten hinter den Riffs, dieses Gefühl, dass hinter jedem Song noch eine sehr eigenartige Landschaft liegt.
Die Gitarrenarbeit ist der Motor. Mal rasend, mal schneidend, mal melodischer, aber fast immer mit klarer Richtung. Darüber liegt eine Stimme, die nicht nur bellt, sondern herrscht. Kein großer Theatermonolog, kein Fantasy-Erzähler im Umhang. Eher ein Befehl von einer Mauer, hinter der bereits die nächsten Katapulte geladen werden.
✨ Highlights
Violent Inheritance ist als Opener genau der richtige Tritt gegen das Burgtor. Der Song trägt schon im Titel das zentrale Versprechen der Platte: Gewalt ist hier kein Zufall, sondern Erbe. Musikalisch feuern Tyrannus sofort aus mehreren Rohren. Thrash-Riffs, schwarzmetallische Schärfe, Wechsel im Tempo, klare Attacke. Das Stück macht nicht lange Hofknicks vor der Atmosphäre, sondern reißt sie direkt mit in den Angriff. Stark ist daran, dass Tyrannus von Beginn an nicht nach bloßer Raserei klingen. Violent Inheritance hat Struktur, Bewegung und ein Gefühl für Dramaturgie. Der Song stellt die Platte nicht nur vor. Er rammt ihr Banner in den Boden.
Reignfall ist der Moment, in dem Mournhold besonders schön zeigt, wie gut diese Mischung aus Härte und Bildkraft funktioniert. Schon der Titel ist ein kleines Wortspiel aus Herrschaft und Sturz, und musikalisch passt das hervorragend: Der Song wirkt wie ein brennender Thronsaal, in dem noch jemand versucht, Würde zu bewahren, während draußen bereits die Mauern reißen. Hier greifen die melodischeren und atmosphärischeren Anteile stärker, ohne den metallischen Kern zu schwächen. Tyrannus können Geschwindigkeit, aber sie wissen auch, wann ein Riff stehen muss, wann ein Motiv nachhallen darf, wann ein Song nicht einfach weiterprügeln, sondern größer werden sollte.
Mournhold ist als Titeltrack der naheliegende Kern des Albums. Hier verdichtet sich die ganze Idee: Festung, Trauer, Gewalt, Atmosphäre, Marsch. Das Stück hat mehr Gewicht, mehr Raum, mehr Blick in die Tiefe. Es klingt weniger wie ein einzelner Angriff und mehr wie der Ort, an dem alle Angriffe enden. Besonders überzeugend ist, dass Tyrannus den Titeltrack nicht künstlich monumental aufblasen. Er bleibt bissig, bleibt gefährlich, bleibt in Bewegung. Aber er trägt diese zusätzliche Schwere, die man bei einem Albumtitel braucht. Mournhold ist kein Schild an der Tür. Es ist der Raum dahinter.
🎨 Artwork
Das Cover von Mournhold ist ein kleines Fest für alle, die ihre Fantasy gern giftig, fremd und leicht infektiös mögen. Eine violette Höllenlandschaft breitet sich aus: rote Felsformationen, spitze Türme, schwebende Brocken, schwarze Tentakel, ein runenartiger Rahmen und im Hintergrund ein Himmel, der aussieht, als hätte jemand einen Zaubertrank über eine alte Weltenkarte gekippt.
Das Bild wirkt nicht wie klassische Drachen-und-Ritter-Fantasy. Eher wie eine kosmisch angefaulte Festungswelt aus einem verschollenen Sword-and-Sorcery-Comic, den man besser nicht vor dem Einschlafen liest. Die roten Felsen sehen aus, als würden sie wachsen. Die Tentakel wirken nicht wie Monsterdeko, sondern wie die eigentliche Vegetation dieses Ortes. Und irgendwo dort oben steht Mournhold, nicht als Zuflucht, sondern als Drohung aus Stein.
Perfekt ist dabei die Farbgebung. Dieses Purpur, Rot und Schwarz gibt dem Album sofort eine eigene Aura. Nicht frostig, nicht höllisch-orange, nicht nordisch-grau. Sondern seltsam, außerweltlich, fiebrig. Genau so klingt die Platte in ihren besten Momenten: nicht einfach böse, sondern bewohnt von etwas, das seine eigene Geografie mitbringt.
🪦 Besondere Momente
Die Riffs tragen Rüstung
Auf Mournhold klingen die Gitarren nicht wie einzelne, lose Attacken, sondern wie bewaffnete Einheiten. Viele Riffs haben klare Kontur, marschieren nach vorn und lassen trotzdem Platz für Atmosphäre. Das macht den Unterschied zwischen Chaos und Feldzug.
Atmosphäre ohne Weihrauchschwäche
Die Synths und räumlichen Elemente geben dem Album Tiefe, ohne es weichzuzeichnen. Tyrannus nutzen Atmosphäre nicht als Nebelmaschine, sondern als Architektur. Sie bauen Räume, in denen die Gewalt besser hallt.
Der Thrash hat schwarze Ränder
Die 80er-Thrash-Anteile sind deutlich spürbar, aber sie treten nicht als Retro-Zitat auf. Sie werden von Black- und Death-Metal-Kälte angefressen. Dadurch bekommt Mournhold diesen schönen Effekt: vertraute Energie, fremder Geschmack.
Die Platte bleibt kompakt
Sieben Songs, gut vierzig Minuten. Genau richtig. Tyrannus überdehnen ihre Welt nicht. Sie führen hinein, zeigen genug Ruinen, lassen ein paar Türme einstürzen und ziehen wieder ab, bevor aus Atmosphäre wabbelige Tapete wird.
Der Untergrund klingt hier nicht klein
Das ist vielleicht der wichtigste Punkt. Mournhold hat Untergrund-DNA, klingt aber nicht begrenzt. Die Songs greifen größer aus, die Produktion gibt ihnen Raum, und das Artwork tut den Rest. Man hat das Gefühl, eine Band zu hören, die nicht nur Songs schreibt, sondern an einem Reich baut.
📜 Hintergrund
Tyrannus stammen aus dem britischen Metal-Underground und traten 2018 auf den Plan. Ihr Debüt Unslayable setzte bereits auf eine Mischung aus Death, Thrash und Black Metal. Mit Mournhold wirkt diese Formel nun deutlich geschärft. Die Band erweitert ihren Klang um atmosphärische Black-Metal-Anteile, 80er-Thrash-Energie und dunklere, teils post-punkige Schattierungen.
Aufgenommen, produziert und gemischt wurde das Album von Scott McLean in den Neon Fable Studios in Edinburgh. Das Mastering übernahm Brad Boatright bei Audiosiege. Das Cover und das Tyrannus-Logo stammen von Fabian Van Beek alias Hagiophobic. Diese Kombination passt: Mournhold klingt druckvoll und klar, aber nicht glatt; visuell wie musikalisch hat das Album eine eigene, scharf gezeichnete Unterwelt.
Zur Aufnahmebesetzung gehören Callum John Cant an Leadgesang und Gitarre, Alistair Harley am Bass, zusätzlichen Gitarren und Backing Vocals, Richard Codling an Gitarre und Backing Vocals, Alasdair Dunn am Schlagzeug und Backing Vocals sowie Scott McLean an Keyboards und Synthesizern.
🪓 Fazit: Die Festung fällt nicht. Sie schlägt zurück.
Mournhold ist ein starkes zweites Album, weil Tyrannus hier genau den richtigen Schritt machen: größer denken, ohne die eigene Aggression zu verwässern. Die Band wirkt fokussierter, atmosphärischer und souveräner als auf einem bloßen Riff-Gewitter zu erwarten wäre. Gleichzeitig bleibt die Platte bissig genug, um nicht im epischen Anspruch zu versinken.
Natürlich ist Mournhold kein leicht zugängliches Album. Es knirscht, sticht, hetzt, öffnet plötzlich Räume und schlägt sie wieder zu. Aber gerade das macht seinen Reiz aus. Diese Musik hat nicht nur Druck, sondern Topografie. Man hört sich nicht einfach durch sieben Songs. Man bewegt sich durch eine feindliche Landschaft.
Am Ende bleibt der Eindruck einer Band, die ihren perfekten Platz gefunden hat: irgendwo zwischen schwarzem Thrash, todesmetallischer Härte, atmosphärischer Finsternis und violetter Fantasy-Apokalypse. Tyrannus müssen nicht mehr nur beweisen, dass sie hart klingen können. Auf Mournhold zeigen sie, dass sie aus Härte eine ganze Welt bauen können.
Und diese Welt ist kein schöner Ort. Was ein Glück.

| Künstler: | Tyrannus |
| Albumtitel: | Mournhold |
| Erscheinungsdatum: | 15. Mai 2026 |
| Genre: | Blackened Thrash Metal / Death-Thrash / Atmospheric Black Metal |
| Label: | True Cult Records |
| Spielzeit: | ca. 40 Minuten |
🎼 Trackliste:
Violent Inheritance
Orbus Non Suffict
Seizing Stars
Flesh Eternal
Reignfall
Mournhold
Back To Grey
👥 Besetzung
Callum John Cant: Leadgesang, Gitarre
Alistair Harley: Bass, zusätzliche Gitarren, Backing Vocals
Richard Codling: Gitarre, Backing Vocals
Alasdair Dunn: Schlagzeug, Backing Vocals
Scott McLean: Keyboards, Synthesizer
📺 Offizielles Musikvideo
Offizielles Musikvideo zu „Flesh Eternal“ – Tyrannus öffnen auf Mournhold eine weitere Kammer ihrer violetten Festung: Blackened Thrash, Death-Metal-Druck und atmosphärische Finsternis mit scharfem Untergrund-Biss.
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