Darkthrone – Pre-Historic Metal (Review)

Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Darkthrone – Pre-Historic Metal

🧿 Kurzfazit
Pre-Historic Metal ist Darkthrone in spätester Urform: grob, knorrig, doomig, heavy, kauzig und mit genau jener unverschämten Würde ausgestattet, die nur Bands besitzen, denen seit vierzig Jahren herzlich egal ist, ob die Welt gerade etwas anderes von ihnen erwartet.

🎯 Für wen?
Für sehr sture Hörer, die Darkthrone nicht auf Transilvanian Hunger einfrieren, sondern den langen Weg über The Underground Resistance, Old Star, Eternal Hails, Astral Fortress und It Beckons Us All mitgegangen sind. Wer bei Hellhammer, früher Celtic Frost, altem Heavy Metal, rumpeligem Doom und norwegischer Kellerluft nicht sofort nach moderner Produktion ruft, darf eintreten.

🎧 Wie klingt das?
Roh, schwer, organisch und bewusst altertümlich. Die Gitarren drücken breit und trocken, die Drums stolpern nicht, sondern marschieren mit Höhlenlogik, und Nocturno Culto klingt weiterhin, als würde er Befehle aus einem Erdloch bellen.

💿 Highlights
They Found One Of My Graves, Pre-Historic Metal, Siberian Thaw, Eat Eat Eat Your Pride

⛔ Nichts für dich, wenn…
du von Darkthrone noch einmal reine Black-Metal-Eiseskälte, Hochgeschwindigkeitsraserei oder eine sauber produzierte Altersveredelung erwartest. Pre-Historic Metal trägt keine Abendgarderobe. Es kommt mit Mistgabel, Leder, Frost im Bart und schlechter Laune aus Prinzip.

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‪‪🦴 Darkthrone – Pre-Historic Metal: Faustkeile, Frost und finstere Riffkunde

Darkthrone sind längst keine Band mehr, die man an normalen Maßstäben misst. Andere Gruppen veröffentlichen Alben. Darkthrone schicken in regelmäßigen Abständen neue Gesteinsproben aus einem Keller, in dem seit Jahrzehnten niemand den Staub entfernt, weil der Staub inzwischen zur Besetzung gehört. Mit Pre-Historic Metal kehren Fenriz und Nocturno Culto nicht zurück zu irgendeinem früheren Punkt ihrer Geschichte. Sie gehen weiter zurück. Nicht in die Neunziger. Nicht in die Achtziger. Sondern dorthin, wo der erste Riff noch mit bloßen Händen aus dem Fels geschlagen wurde und jemand nach drei Akkorden beschloss, dass Zivilisation generell völlig überschätzt wird.

Das ist kein modernes Black-Metal-Album im engeren Sinn. Es ist auch kein reines Doom-Werk, kein Heavy-Metal-Retroprogramm und schon gar keine nostalgische Selbstbesichtigung. Pre-Historic Metal ist eher ein rauer Brocken aus all diesen Dingen: schwarz angebrannter Doom, alter Heavy Metal, primitive Thrash-Kanten, eine Spur Hardrock aus der Mottenkiste und diese typische Darkthrone-Sturheit, die immer klingt, als hätte jemand die Tür zum Proberaum von innen verriegelt und den Schlüssel gefressen.

FYI: Diese Platte will nicht elegant sein. Sie will nur überleben.

🎧 Was erwartet dich?

Genre(s): Black Doom Metal, Heavy Metal, Old School Metal, Proto-Thrash, Doom Metal, Spätphasen-Darkthrone.

Vergleichbar mit: einer norwegischen Holzhütte, in der Hellhammer, Celtic Frost, alte NWOBHM-Schatten und zwei sehr eigensinnige Männer ein Fass Bier öffnen, bevor jemand fragt, ob das Aufnahmegerät überhaupt läuft.

Schmaler Crowbah Banner mit Crowbah und Grabhold vor dunkler Comic Stadt.

Klangfarbe: Pre-Historic Metal klingt wie ein bewusst roher Raum, nicht wie ein Unfall. Die Produktion lässt genug Kontur, damit die Riffs greifen, verweigert aber jede moderne Glättung. Hier knarzt, schabt und drückt alles, als sei der Verstärker direkt an eine Felswand angeschlossen. Der Klang ist trocken, schwer und warm angerostet. Kein kalter Schneesturm der frühen Neunziger, sondern eher der Qualm eines Feuers, das unter nassem Holz trotzdem nicht ausgeht.

Highlights

They Found One Of My Graves ist als Einstieg ein kleines Wunder der schiefen Logik. Der Song trägt sofort diesen späten Darkthrone-Geruch: Keller, Grab, alte Bretter, ein bisschen Wahnsinn und irgendwo im Hintergrund eine psychedelische Spur, die wirkt, als hätte jemand einen vergessenen Siebziger-Jahre-Geist an den falschen Verstärker angeschlossen. Stark ist daran vor allem, wie selbstverständlich Darkthrone diese Dinge nebeneinanderstellen. Der Song will nicht erklären, warum Black Metal, Doom, Hardrock-Schatten und seltsame Tastenfarben gemeinsam in einem Raum stehen. Er macht einfach die Tür zu und lässt sie miteinander auskommen.

Pre-Historic Metal ist der programmatische Schlag auf den Stein. Kein langes Herantasten, kein vorsichtiges Ausloten, keine falsche Grandezza. Das Stück funktioniert über direkte Kraft: Riff, Druck, Stimme, alter Metallgeruch. Man hört sofort, warum der Albumtitel nicht nur ein Gag ist, sondern eine ästhetische Ansage. Das ist Musik, die nicht zurück in die Vergangenheit schaut, sondern so tut, als sei Gegenwart nur ein Gerücht. Der Song hat diesen trockenen Vorwärtsdrang, der bei Darkthrone nie wirklich sportlich wirkt. Eher wie ein bärtiger Mann, der mit einer Fackel durch ein Geröllfeld läuft und keine Fragen beantworten will.

Siberian Thaw bringt die doomige Seite der Platte besonders stark nach vorn. Der Track schiebt schwer, frostig und mit jener langsamen Beharrlichkeit, die Darkthrone in den letzten Jahren immer weiter kultiviert haben. Das ist kein Doom mit Kathedralenpathos, sondern Doom aus Holz, Stein, Rauch und einer Axt, die besser niemand erwähnen sollte. Gerade diese Schwere tut dem Album gut. Darkthrone müssen nicht mehr rasen, um gefährlich zu wirken. Sie können auch einfach stehen bleiben, ein Riff wiederholen und warten, bis der Boden nachgibt.

Eat Eat Eat Your Pride gehört zu den Stücken, bei denen schon der Titel nach verbeultem Bierkrug, schlechter Entscheidung und sehr guter Laune klingt. Musikalisch sitzt hier mehr Bewegung im Material, mehr alter Heavy-Metal-Schub, mehr rumpelnde Lust am Marschieren. Aber auch dieser Song bleibt nicht sauber. Er galoppiert an, tritt in eine Pfütze aus Doom und findet das offenbar völlig in Ordnung. Das ist einer der großen Reize dieser späten Bandphase: Darkthrone addieren ihre Einflüsse nicht wie Bausteine aus einem Lehrbuch. Sie werfen sie in dieselbe Grube, warten, bis etwas knurrt, und nennen es dann Song.

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🎨 Artwork

Das Cover von Pre-Historic Metal ist definitiv großartig, weil es fast beleidigend schlicht ist. Schwarzweiß. Leder. Nieten. Verdecktes Gesicht. Mistgabel. Bandlogo. Albumtitel. Mehr braucht diese Platte nicht. Es sieht aus wie ein Beweisfoto aus einem Keller, in dem Metal nicht inszeniert, sondern einfach sehr eigen praktiziert wird. Keine digitale Überwältigung, kein modernes Horrordesign, keine aufwendige Symbolik mit zwölf Ebenen. Nur ein Mensch, ein Werkzeug, ein Körper voller Metall und diese alte Frage: Kommt da jetzt Musik oder Ärger? Beides, natürlich.

Besonders schön ist die Mistgabel, weil sie den ganzen Albumtitel in ein einziges Bild übersetzt. Pre-Historic Metal sieht nicht aus, als hätte jemand eine Designagentur beauftragt. Es sieht aus, als hätte jemand gesagt: „Nimm das Ding da. Stell dich hin. Fertig.“ Genau diese Direktheit passt zur Musik. Sie ist absurd, ernst, komisch, finster und absolut Darkthrone.


🪦 Besondere Momente

Wenn die Mistgabel zum Taktstock wird

Das Covermotiv ist fast schon die geheime Spielanweisung des Albums: kein Glanz, kein Pathos, keine Veredelung. Darkthrone stehen hier mit einem Bein im Metal-Keller und mit dem anderen auf einem Acker, auf dem gerade ein sehr alter Verstärker ausgegraben wurde.

Der Doom kriecht, statt zu posieren

Die langsamen Passagen wirken stark, weil sie nicht nach großer Tragödie greifen. Sie drücken einfach. Darkthrone machen aus Schwere kein Drama, sondern eine körperliche Erfahrung: Holz, Stein, Rauch, Frost, Riff.

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Der alte Heavy Metal steht im Raum

Immer wieder blitzt auf, wie tief dieses Album im klassischen Heavy Metal steckt. Nicht als Zitatensammlung, sondern als Haltung: einfache Formen, klare Riffs, knorriger Vorwärtsdrang, kein Bedürfnis nach moderner Gefälligkeit.

Die Produktion lässt den Dreck drin

Der Sound ist roh, aber nicht kaputt. Man hört Kontur, Raum und Druck, ohne dass die Platte poliert wirkt. Genau diese Balance macht Pre-Historic Metal glaubwürdig: Es klingt alt, aber nicht achtlos.

Der Humor bleibt trocken wie altes Holz

Das Album nimmt seinen archaischen Gestus ernst, aber nie auf anbiedernd feierliche Art. Diese Mischung aus Sturheit, Kauzigkeit und sehr trockenem Witz ist 100 % Darkthrone-Gebiet. Man spürt: Die meinen das ernst. Aber sie wissen auch genau, wie absurd großartig das alles ist.

📜 Hintergrund

Darkthrone feiern 2026 vier Jahrzehnte seit der ersten Inkarnation als Black Death. Aus dieser frühen Form wurde eine der einflussreichsten norwegischen Metal-Bands überhaupt: erst Death Metal, dann Black-Metal-Legende, später Punk-, Crust-, Doom-, Heavy- und Old-School-Metal-Eigenbrötler mit zunehmend eigener musikalischer Grammatik.

Gerade deshalb ist Pre-Historic Metal kein Bruch. Es ist die logische Fortsetzung des Werks einer Band, die seit langer Zeit nicht mehr beweisen muss, dass sie Black Metal kann. Darkthrone sind inzwischen viel interessanter, weil sie ihren eigenen Begriff von Metal bauen: alt, rau, eigenwillig, manchmal fast albern, oft überraschend zwingend und immer gegen den Strich gebürstet.

Düsterer Fantasy-Werbebanner für den fiktiven Energydrink „BLACK RUNE“. Rechts sitzt ein muskulöser Orkkrieger in abgenutzter Leder- und Metallrüstung in einem rauchigen Kriegslager, hält eine schwarze Getränkedose mit Runenzeichen und stützt sich neben einer großen Streitaxt ab. Links steht in großer schwarzer und roter Serifenschrift der Slogan: „BLACK RUNE verleiht Schädel.“

Aufgenommen wurde das Album in den Chaka Khan Studios in Oslo. Die Produktion bleibt organisch, das Mastering gibt dem Material genug Körper, ohne die Kanten abzuschleifen. Genau das ist wichtig: Diese Musik darf nicht klingen, als sei sie durch eine moderne Metallwaschanlage gefahren. Sie braucht Schmutz, Raum und Widerstand.

Mit acht Songs und gut vierzig Minuten bleibt Pre-Historic Metal angenehm kompakt. Keine ausufernde Denkmalpflege, kein müdes Altersprotokoll. Eher ein weiterer Eintrag im sehr eigenen Spätwerk einer Band, die längst verstanden hat, dass Würde im Metal nicht aus Perfektion entsteht, sondern aus Haltung.

🪓 Fazit: Der Stein rollt nicht, er liegt mitten im Weg

Pre-Historic Metal ist kein Meisterwerk im klassischen Sinn. Dafür ist es zu störrisch, zu kauzig, zu sehr an der eigenen Höhlenwand interessiert. Aber genau darin liegt seine Kraft. Darkthrone machen hier nicht den Fehler, ihr Alter mit Größe verwechseln zu wollen. Sie treten nicht auf die große Bühne, breiten die Arme aus und verlangen Ehrfurcht.

Sie gehen in den Keller, und sie drehen den Verstärker auf. Dann spielen sie uns Metal, als sei das immer noch eine primitive Handlung gegen den Rest der Welt.

Das Album hat starke Momente, einige herrlich schroffe Riffs, einen sehr eigenen Humor und diese späte Darkthrone-Magie, bei der man nie ganz sicher ist, ob gerade großer Ernst, vollständige Verweigerung oder ein sehr trockenes Grinsen am Werk ist. Wahrscheinlich stimmt hier einfach alles zugleich.

Klaro, natürlich wird Pre-Historic Metal niemanden bekehren, der diese Band nur als historische Black-Metal-Ikone verstehen will. Wer den ewigen Frost von 1992 sucht, steht hier vor einer Hütte voller Doom-Rauch, Heavy-Metal-Geröll und alter Männerweisheit mit Rostgeschmack. Aber wer Darkthrone als das nimmt, was sie inzwischen sind, bekommt ein starkes Spätwerk-Album: roh, schwer, eigensinnig und auf eine beinahe rührende Weise unbeeindruckt vom Zustand der Welt.

Merke: Faustkeil schlägt Kristallvase.

Wir haben fertig.

Albumcover von Darkthrone – Pre-Historic Metal: Schwarzweißes Metal-Cover mit einer Person in Lederjacke und Nietenbesatz, deren Gesicht von der Hand und langen Haaren verdeckt wird. In der rechten Hand hält die Figur eine große schwarze Mistgabel. Oben steht das typische verzweigte Darkthrone-Logo, unten der Albumtitel Pre-Historic Metal in weißer Schrift. Das Bild wirkt roh, minimalistisch und archaisch.
Künstler:Darkthrone
Albumtitel:Pre-Historic Metal
Erscheinungsdatum:8. Mai 2026
Genre:Black Doom Metal / Heavy Metal / Old School Metal
Label:Peaceville Records
Spielzeit:ca. 41 Minuten

🎼 Trackliste:

They Found One Of My Graves
Pre-Historic Metal
Siberian Thaw
Deeply Rooted
The Dry Wells Of Hell
So I Marched To The Sunken Empire
Eat Eat Eat Your Pride
Eon 4

👥 Besetzung

Fenriz: Schlagzeug, Bass, Gesang
Nocturno Culto: Gitarre, Gesang, Bass

📺 Offizielles Lyric Video

Offizielles Lyric Video zu „They Found One Of My Graves“Darkthrone öffnen Pre-Historic Metal mit Grabesluft, Kellerkälte und diesem typischen Gefühl, dass hier niemand gekommen ist, um die Moderne zu umarmen.

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