
Gozu – Gozu VI
🧿 Kurzfazit
Gozu VI ist ein starkes, erdig groovendes Stoner-Grunge-Doom-Rock-Album mit sattem Fuzz, großen Hooks, rauer Seele und genügend Schräglage, um nicht in gemütlicher Riff-Routine zu versacken.
🎯 Für wen?
Für Fans, die bei schweren Gitarren nicht sofort nach Extremmetal schreien, sondern auch Schweiß, Groove, Melodie und leicht angebrannte Siebziger-Luft zu schätzen wissen. Wer Clutch, Soundgarden, Alice in Chains, Orange Goblin, Corrosion of Conformity, Queens of the Stone Age und doomigeres Fuzz-Geröll mag, kann hier schon mal ein breites, schmieriges Grinsen aufsetzen.
🎧 Wie klingt das?
Wie eine ölverschmierte Mischung aus Stoner Rock, Grunge, Doom und Heavy Rock: dicke Gitarren, rollender Bass, massive Drums, starke Gesangslinien und Songs, die mal direkt losbrettern, mal schwerer schleppen und dabei immer nach echter Band klingen und nicht nach Baukasten. Keine Retro-Deko, sondern handgemachter Kram von Leuten, die wissen, wie man ein Riff nicht nur runterschrammelt, sondern anwirft wie einen alten, rostigen Propeller.
💿 Highlights
Corinthian Leatherface, Midnight Express, Banacek
⛔ Nichts für dich, wenn…
du Gitarren nur magst, wenn sie klinisch glänzen, mathematisch zerkleinert werden oder möglichst wenig nach Menschen riechen. Gozu VI ist körperlich, warm, dreckig im besten Sinn und trägt seine Rock-DNA nicht als Zitat, sondern als Arbeitskleidung.
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🐐 Gozu – Gozu VI: Wo die Riffs noch nach Werkstatt riechen
Es gibt ja mittlerweile viele Bands, die klingen, als hätte man im Studio lange über Soundästhetik, Marktpositionierung und Zielgruppenwirkung gesprochen. Bei Gozu braucht man sich da keine Sorgen zu machen. Hier klingt es eher so, als hätte jemand die Tür einer alten Werkstatt aufgetreten, drei Verstärker aus dem Winterschlaf geprügelt und danach gefragt, ob der halb volle Kaffeebecher von letzter Woche noch wem gehört, bevor man die Schmiere runterkippt.
Gozu VI ist genau so eine Platte: schwer, warm, knarzig, leicht verbeult und mit diesem herrlichen Gefühl, dass hier zwar alle sehr genau wissen, was sie tun, aber niemand den Fehler begeht, es zu sauber aussehen zu lassen. Das sechste Album der Bostoner ist Stoner Rock, ja. Fuzz Rock auch. Grunge liegt im Ölfilm. Doom hängt wie Staub in den Ecken. Und manchmal wirkt das Ganze, als hätten Soundgarden, Clutch, Alice in Chains und ein betrunkener Wüstendämon gemeinsam beschlossen, einen runtergekommenen Gebrauchtwagen mit viel zu großem Motorblock durch ein schroffes Riff-Gebirge zu jagen.
🎧 Was erwartet dich?
Genre(s): Stoner Rock, Fuzz Rock, Heavy Rock, Grunge, Doom Rock
Vergleichbar mit: einer staubigen Probebude hinter einer Autowerkstatt, in der plötzlich jemand einen Verstärker aufdreht und der Boden merkt, dass er heute nicht mehr gerade bleiben muss.
Klangfarbe: Gozu VI klingt warm, dick und satt. Die Gitarren haben diesen breiten Fuzz-Druck, der nicht einfach nur laut ist, sondern körperlich wirkt. Der Bass steht darunter wie ein alter Motorblock, die Drums treiben trocken und kräftig, und über allem liegt dieser Gesang, der genug Rock-Soul mitbringt, um die schweren Riffs nicht nur zu tragen, sondern ihnen echte Kontur zu geben.
Das Album hat dabei zwei Gesichter, die gut miteinander auskommen: die nach vorn schiebende, groovende Seite und die langsamere, doomigere, emotional schwerere Seite. Gerade dieser Wechsel macht die Platte stärker, als eine reine Vollgas-Riffparade es wäre. Gozu können rollen, aber sie können auch drücken. Und wenn sie drücken, dann nicht mit übertriebenem Pathos, sondern mit ordentlich Gewicht.
✨ Highlights
Corinthian Leatherface ist der Song, bei dem man nicht lange herumdeuten muss. Das Riff steht im Raum wie ein verchromter Amboss mit Sonnenbrille. Es ist fett, frech, trocken und sofort da. Kein höfliches Intro, kein Heranwinken, keine Vorwarnung. Der Song kommt rein, stellt die Stiefel auf den Tisch und macht klar, dass Gozu VI nicht für Hintergrundbeschallung gebaut wurde. Stark ist daran vor allem, wie lässig das Stück seine Wucht organisiert. Das ist kein stumpfer Riff-Block, sondern ein groovender, atmender Rocksong mit Muskelmasse. Die Band wirkt hier nicht bemüht heavy, sondern selbstverständlich schwer. Genau darin liegt der Unterschied zwischen Pose und Präsenz.
Midnight Express zeigt die doomigere, langsamere, seelisch angekratzte Seite des Albums. Hier geht es nicht nur darum, den Verstärker aufzureißen und das Bier kaltzustellen. Der Song hat Tiefe, Stimmung und diesen leicht nächtlichen Zug, der hervorragend zu Gozu passt. Alles wirkt gedehnter, dunkler, schwerer, ohne in bleierne Trägheit zu fallen. Gerade in diesen Momenten merkt man, wie gut die Band ihre Grunge-Wurzeln in den Fuzz-Sound einarbeitet. Die Melancholie wirkt nicht aufgesetzt. Sie sitzt zwischen den Akkorden, im Gesang, in der Art, wie die Gitarren nicht nur schieben, sondern nachglühen. Midnight Express ist kein Stimmungsbruch, sondern der Beweis, dass Gozu auch dann stark sind, wenn sie das Tempo herausnehmen.
Banacek ist der trockene Groove-Haken der Platte. Ein Song, der sofort verstanden hat, dass gute Rockmusik nicht ständig riesig tun muss, um groß zu wirken. Hier greift alles ineinander: Riff, Rhythmus, Gesang, Schub. Das Stück hat diesen leicht schrägen, selbstbewussten Gang, der bei Gozu besonders gut funktioniert. Nicht protzig, nicht glatt, sondern verlässlich cool auf eine Weise, die man nicht programmieren kann. Das ist der Track, bei dem man merkt, wie viel Meisterhandwerk in dieser scheinbar lockeren Musik steckt. Jeder kann ein Riff wiederholen. Gozu wissen, wie man es so setzt, dass es Gewicht bekommt, Luft behält und trotzdem hängen bleibt.
🎨 Artwork
Das Cover von Gozu VI sieht aus, als hätte jemand einen Dämonenschädel, eine Wüstenvision und ein altes Siebdruckposter in denselben heißen Ofen geschoben. Im Zentrum steht ein gewaltiger Ziegenschädel mit gekrümmten Hörnern, um den rote Blitzlinien zucken wie elektrische Risse in einer staubigen Felsenwelt. Die Farbpalette aus Türkis, Rot, Schwarz und Sandgelb wirkt rau, grafisch und angenehm unmodern.
Das Bild passt hervorragend zur Musik. Es ist nicht düster im klassischen Metal-Sinn, nicht okkult bis zur Unlesbarkeit und auch nicht bloß hübsch retro. Es hat diesen Comic-haften, fast posterartigen Wumms, der sofort nach Fuzz, Hitze, Straße und schlecht gewarteter Endstufe aussieht. Der Ziegenkopf ist dabei kein dekoratives Maskottchen, sondern eher der heilige Schutzpatron aller Verstärker, die schon einmal zu lange in einer Garage standen und trotzdem noch besser klangen als jede digitale Simulation.
Besonders stark ist der rote Blitz, der sich über Schädel und Hörner zieht. Das wirkt wie das visuelle Gegenstück zu diesen Riffs: nicht fein, nicht filigran, sondern direkt in die Oberfläche gebrannt.
🪦 Besondere Momente
Das Riff darf wieder Körper haben
Auf Gozu VI geht es nicht um Gitarren als technische Vorführung. Es geht um Gitarren als physische Erscheinung. Die besten Riffs wirken nicht geschrieben, sondern angeschoben. Man spürt ihr Gewicht, ihre Reibung, ihre Wärme. Genau das macht die Platte so angenehm greifbar.
Die langsameren Songs tragen das Album
Die doomigeren Momente sind keine Bremse, sondern Rückgrat. Sie geben der Platte Tiefe und verhindern, dass der starke Groove irgendwann zur bloßen Gewohnheit wird. Gozu nutzen Schwere nicht als Dekoration, sondern als Stimmungsraum.
Der Gesang macht aus Riffs Songs
Viele Stoner-Platten haben gute Gitarren und vergessen darüber die Stimme. Hier nicht. Die Gesangslinien geben dem Material Charakter, Melodie und diesen leicht souligen Rock-Schmerz, der besonders in den langsameren Passagen viel ausmacht.
Die Produktion klingt nach echter Band, nicht nach Werkbank-Plugin
Das Album hat Druck, aber keine sterile Politur. Man hört Holz, Raum, Luft, Saiten, Verstärker. Dieser Sound ist wichtig, weil die Musik sonst ihre Glaubwürdigkeit verlieren würde. Gozu VI braucht keine Hochglanzkarosserie. Es braucht Motorgeräusch.
Die Songtitel haben Kneipenfaust und Filmregal
Corinthian Leatherface, Killer Khan, They Did Know Karate, Corvette Summer – diese Titel tragen denselben Humor wie die Musik: leicht daneben, sehr bildhaft, irgendwo zwischen Videothek, Wrestling, B-Movie und Riff-Kult. Das macht die Platte sympathisch, ohne sie albern werden zu lassen.
📜 Hintergrund
Gozu stammen aus Boston und haben sich über die Jahre einen starken Ruf als Stoner/Fuzz-Rock-Band mit deutlich mehr Substanz als bloßem Riff-Dauerfeuer erspielt. Auf Gozu VI treten sie als Quartett an: Marc Gaffney an Gesang und Gitarre, Joseph Grotto am Bass, Doug Sherman an der Leadgitarre und Seth Botos am Schlagzeug.
Das Album erscheint über Blacklight Media / Metal Blade Records und umfasst acht Songs. Nach Remedy von 2023 wirkt Gozu VI wie eine Platte, die nicht versucht, die Band neu zu erfinden, sondern ihre Stärken konsequenter freilegt: kräftige Riffs, starke Hooks, doomigere Schatten, Grunge-Untergrund und eine sehr robuste Vorstellung davon, wie Heavy Rock klingen sollte, wenn er nicht im Museum, sondern in einem Raum mit schlechter Belüftung entsteht.
Der schöne Punkt daran: Gozu machen keinen Retro-Rock als Stilübung. Sie klingen nicht wie Leute, die alte Platten nachstellen wollen. Sie klingen wie eine Band, die diese Sprache einfach spricht, weil sie in ihr am besten fluchen, lachen, leiden und losfahren kann.
🪓 Fazit: Der Ziegenkopf nickt, die Werkstatt bebt
Gozu VI ist keine Platte, die den schweren Rock neu vermisst. Sie muss das auch nicht. Ihre Stärke liegt nicht im theoretischen Wagnis, sondern in der Ausführung: gute Songs, starke Riffs, klare Dynamik, viel Gefühl, genug Schmutz und eine Band, die nie so klingt, als würde sie nur Dienst nach Vorschrift machen. Natürlich ist das kein Album für Leute, die jeden Monat nach der großen Revolution im Gitarrensound suchen. Gozu arbeiten mit vertrauten Zutaten. Aber sie würzen sie mit echter Spielfreude, Schwere, Humor und einer angenehm knarzigen Eigenart. Gerade dadurch funktioniert Gozu VI so gut: Es will nicht mehr sein, als es ist, aber gerade das ist es dann auch mit Nachdruck.
Die besten Momente sitzen sofort. Corinthian Leatherface hat das Riff. Midnight Express hat die doomige Seele. Banacek hat den Groove. Und drumherum stehen genug starke Schultern, damit das Album nicht auf drei Pfeilern wackelt. Das ist Heavy Rock mit Staub auf den Boxen, Öl an den Fingern und einem Ziegenschädel über der Werkbank.
Wie man hier bei uns sagt: Dat Dingen läuft.

| Künstler: | Gozu |
| Albumtitel: | Gozu VI |
| Erscheinungsdatum: | 15. Mai 2026 |
| Genre: | Stoner Rock / Fuzz Rock / Heavy Rock / Doom Rock |
| Label: | Blacklight Media / Metal Blade Records |
| Spielzeit: | ca. 47 Minuten |
🎼 Trackliste:
Corinthian Leatherface
Midnight Express
Killer Khan
Corner Lariat
Banacek
They Did Know Karate
Gimme the Lute
Corvette Summer
👥 Besetzung
Marc Gaffney: Gesang, Gitarre
Joseph Grotto: Bass
Doug Sherman: Leadgitarre
Seth Botos: Schlagzeug
📺 Offizielles Video
Offizielles Video zu „Corinthian Leatherface“ – Gozu werfen auf Gozu VI den Fuzz-Motor an und zeigen gleich zum Auftakt, warum dieses Album nach Werkstatt, Staub, Groove und sehr schweren Gitarren riecht.
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