Vargrav – Dimension: Daemonium (Review)

Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Vargrav – Dimension: Daemonium

🧿 Kurzfazit
Ein starkes, dichtes Symphonic-Black-Metal-Album, das den alten Glanz des Genres nicht restauriert, sondern mit Ernst und Gefühl weiterträgt. Nicht revolutionär, aber verdammt überzeugend.

🎯 Für wen?
Schwarzmaler, die Emperor, Obtained Enslavement, Limbonic Art oder auch das große Sternenkino von Covenant lieben, aber keine Lust auf billige Zirkus-Effekte haben.

🎧 Wie klingt das?
Kalte Riffs, weit aufgespannte Keyboard-Flächen, grimmes Keifen, epische Dramaturgie und ein permanenter Sog zwischen Kosmos und Gruft. Groß, frostig, finster und erstaunlich straff für nur gut 42 Minuten.

💿 Highlights
Ablaze upon the Nocturnal Realms, Moonfrost Storms, Unveil the Enslavement of Lunar Prophecies

⛔ Nichts für dich, wenn…
du bei Symphonic Black Metal sofort allergisch wirst, sobald Keyboards nicht mehr bloß als Hintergrundtapete agieren, sondern sich zu echten Mitregenten der Finsternis aufschwingen.

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‪‪💀 Vargrav – Dimension: Daemonium: Soundtrack für einen Kosmos mit Gefrierbrand

Vargrav kommen aus Hyvinkää in Finnland, existieren seit 2015 und legen mit Dimension: Daemonium ihr viertes Studioalbum vor. Die Platte erscheint am 17. April 2026 über Werewolf Records, läuft gute 42 Minuten und umfasst acht Stücke. Gegenüber dem deutlich breiter aufgestellten Vorgänger ist das Projekt diesmal wieder auf das Duo V-KhaoZ und Werwolf zusammengeschrumpft; V-KhaoZ übernimmt auf dem Album alle Instrumente, Werwolf den Gesang. Gemischt und gemastert wurde das Ganze von Trollhorn im Trollhouse Audio, aufgenommen wurde im Frühjahr 2025.

Das Entscheidende ist aber: Dimension: Daemonium klingt nicht wie die verzweifelte Jagd nach alten Glanz, sondern wie eine Band, die ihre Koordinaten längst gefunden hat. Die frühen Emperor stehen natürlich als Geister im Raum, und zwar nicht bloß mit einem halben Fuß, sondern mit wallendem Mantel, Eisnebel und einem Stapel Sternenkarten. Aber Vargrav machen daraus kein Cosplay für Schwarzmetall-Romantiker. Sie nehmen diese Sprache auf und sprechen sie mit genug Überzeugung, Pathos und Nachtluft, dass am Ende kein Denkmal, sondern ein funktionierendes Album steht.

🎧 Was erwartet dich?

Genre(s): Symphonic Black Metal
Vergleichbar mit: frühe Emperor ohne Pflicht zur Anbetung, Obtained Enslavement mit mehr Eiskristallen im Blickfeld, Limbonic Art in einer etwas disziplinierteren Umlaufbahn.
Klangfarbe: Klingt wie eine sternenhelle Winternacht über einer Ruinenfestung, in der jemand beschlossen hat, den Himmel gleich mit auszulöschen. Die Keyboards tragen viel, aber sie verkleistern nichts. Sie geben den Songs Höhe, Raum und diesen geisterhaften Glanz, den gutes symphonisches Schwarzmetall eben braucht. Darunter arbeiten die Gitarren eher mit Strahlkraft als mit bloßer Sägefläche, und der Gesang hält die Sache schön bösartig, rau und herrschaftlich zusammen. Insgesamt ist das kein Sound, der kriecht, sondern eine Klangwelt, die sich vor uns auftürmt.

Highlights

Ablaze upon the Nocturnal Realms
Nach dem Intro macht der erste eigentliche Song sofort klar, worauf dieses Album hinauswill: nicht auf vorsichtiges Antesten, sondern auf majestätische Durchdringung. Die Nummer bündelt vieles, was Vargrav stark macht: eisige Melodieführung, getragenes Pathos, Chor-Anmutung und eine Dramaturgie, die groß denkt, ohne dabei in prahlerische Leere zu fallen. Gerade die zusätzlichen Vocals von Miitri Aaltonen geben dem Stück einen Hauch sakraler Unruhe.

Moonfrost Storms
Wenn man einen Song braucht, um einem Außenstehenden zu erklären, warum diese Platte funktioniert, dann vermutlich diesen. Schon der Titel ist blanker Frost-Kitsch in Bestform, und die Musik liefert exakt das, was er verspricht: Sturm, Weite, Glanz und jene Art von heroischer Nachtstimmung, die man im Symphonic Black Metal entweder ernsthaft liebt oder besser gleich meidet. Dass der Track früh als Preview-Song veröffentlicht wurde, ergibt Sinn: Er trägt den Kern des Albums ziemlich überzeugend nach außen.

Unveil the Enslavement of Lunar Prophecies
Allein dieser Titel klingt schon, als hätte jemand eine komplette Gruftbibliothek verschluckt. Zum Glück hält der Song das Niveau. Als Abschluss ist das Stück genau richtig: groß, feierlich, dunkel, mit genug epischer Wucht, um nicht einfach nur auszuklingen, sondern das ganze Album noch einmal in eine letzte, mondkalte Umlaufbahn zu heben. Solche Finale entscheiden oft darüber, ob eine Platte bloß gute Einzelteile hat oder als Ganzes in Erinnerung bleibt. Hier bleibt sie.


🎨 Artwork

Das Cover ist herrlich schlicht und genau deshalb wirkungsvoll. Ein grün leuchtender, kosmischer Nebelraum, darüber das weiße, filigrane Bandlogo wie eine geisterhafte Kathedrale, darunter der Albumtitel in klassischer Schrift. Mehr braucht es nicht. Das Bild schreit nicht nach Aufmerksamkeit, es zieht sie an. Vor allem dieses giftige Smaragdgrün funktioniert hervorragend: nicht warm, nicht mystisch im Esoterik-Sinn, sondern fremd, kalt und leicht unheilvoll. Es sieht aus, als hätte jemand die Aurora Borealis in einen dämonischen Parallelraum umgeleitet. Für ein Album mit diesem Titel ist das nahezu ideal.


🪦 Besondere Momente

Der eigentliche Trumpf von Dimension: Daemonium ist seine Disziplin. Die Platte ist groß, aber nicht aufgeblasen. Das ist in diesem Genre alles andere als selbstverständlich. Viele Alben dieser Machart klingen, als hätten sich ihre Schöpfer in der eigenen Sternenhalle verlaufen und würden dann 68 Minuten lang denselben Kronleuchter bestaunen. Vargrav halten die Laufzeit bei unter einer Dreiviertelstunde und bewahren damit ein Maß an Straffheit, das der Wirkung enorm auf die Sprünge hilft.

Dazu kommt, dass die Rückkehr zur Duo-Form dem Material eher nützt als schadet. Laut Label setzt das Album die kosmische Bewegung des Vorgängers fort, nur eben in konzentrierterer Form. Ja, das hört man durchaus. Die Songs wirken nicht schmaler, sondern fokussierter. Keine unnötigen Verästelungen, keine dekorative Überladung, keine plumpe Bombast-Pflicht. Stattdessen: Stringenz, Frost und ein Gespür dafür, wann aus Atmosphäre wirklich Spannung wird.

📜 Hintergrund

Vargrav haben sich in den letzten Jahren still, aber beharrlich zu einer festen Größe im symphonischen Schwarzmetall hochgearbeitet. Nach Netherstorm von 2018, Reign in Supreme Darkness von 2019 und The Nighthold von 2023 ist Dimension: Daemonium das vierte Vollalbum. Der Weg ist dabei klar lesbar: von der anfänglichen Verbeugung vor den alten Großtaten des Genres hin zu einem eigenen, sofort erkennbaren Klangraum, in dem Kosmos, Nacht und Größe nicht wie Stichworte wirken, sondern wie Grundtemperatur.

Spannend ist auch, dass das Album offiziell als Fortsetzung des kosmischen Schubs des Vorgängers beschrieben wird. Das passt, weil The Nighthold schon stärker ins Filmische und Weiträumige ging, während Dimension: Daemonium diese Idee wieder enger, frostiger und dämonischer bündelt. Kein Bruch also, eher eine Nachschärfung. Genau so sollten Bands dieses Kalibers vorgehen: nicht die Landkarte neu zeichnen, sondern die dunklen Gebiete darauf tiefer färben.

🪓 Fazit: Mehr Würgegriff als Offenbarung

Dimension: Daemonium erfindet den Symphonic Black Metal nicht neu. Zum Glück nicht. Das Genre hat schon genug Leute erlebt, die mit großen Worten von Neuerfindung sprachen und am Ende doch nur Operettenruß auf alte Kulissen gepustet haben. Vargrav machen etwas Besseres: Sie erinnern daran, warum diese Form von Schwarzmetall überhaupt einmal so faszinierend war. Das Album ist frostig, theatralisch und groß genug für alle, die ihre Finsternis lieber unter einem nächtlichen Firmament als im muffigen Kellerschacht erleben. Es hat Melodie, ohne weich zu werden, Pathos, ohne peinlich zu kippen, und Atmosphäre, ohne in bloße Tapete zu zerfallen. Vor allem aber klingt es nach Überzeugung. Nicht nach Pflichtübung, nicht nach Zitatenkiste, nicht nach Karneval in Corpsepaint.

Für uns ist das deshalb ein ziemlich klares Urteil: Vargrav liefern hier kein bloß ordentliches Genre-Album, sondern eine der Platten, an denen sich 2026 zeigen dürfte, dass symphonischer Schwarzmetall noch immer würdevoll, finster und groß klingen kann, ohne gleich zur historischen Reenactment-Gruppe zu motieren.

Albumcover Vargrav – Dimension: Daemonium: grün leuchtender kosmischer Nebel über dunkler Landschaft, oben ein weißes, filigranes Black-Metal-Logo, unten der Albumtitel in klassischer Schrift.
Künstler:Vargrav
Albumtitel:Dimension: Daemonium
Erscheinungsdatum:17. April 2026
Genre:Symphonic Black Metal
Label:Werewolf Records
Spielzeit:ca. 42 Minuten

Trackliste:

Intro (Thy Daemonium)
Ablaze upon the Nocturnal Realms
Moonfrost Storms
Dragons of Nightmare
The Gates of My Dimension
Bleeding Galaxies
Starlight Chalice
Unveil the Enslavement of Lunar Prophecies

🎬 Offizieller Stream

Offizieller Full Album Stream zu „Dimension: Daemonium“ – frostiger, kosmischer Symphonic Black Metal zwischen Sternensturm, Dämonentor und nächtlicher Größe. Bereitgestellt vom offiziellen Werwolf-Channel auf YouTube:

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