Crimson Glory – Chasing The Hydra (Review)

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Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Crimson Glory – Chasing The Hydra

🧿 Kurzfazit
Ein überraschend starkes Comeback zwischen klassischem US-Prog-Metal, hymnischem Power-Zug und theatralischer Grandezza. Nicht jede Minute ist Goldstaub, aber die Platte wirkt lebendig, ambitioniert und erstaunlich hungrig.

🎯 Für wen?
Für Hörer, die Queensrÿche, Fates Warning und spätere Symphony X mögen, aber lieber Charakter als Plastikglanz hören. Ideal also, wenn du Pathos eher akzeptiert, wenn darunter echte Substanz arbeitet.

🎧 Wie klingt das?
Klar produzierte Gitarren, markante Leads, viel melodische Bewegung, dramatische Gesangsbögen und immer wieder diese leicht fremdländisch angehauchten Harmonien, die dem Album einen eigenen Reiz geben. Mehr Druck als früher, aber nie stumpf.

💿 Highlights
Redden The Sun, Broken Together, Angel In My Nightmare

⛔ Nichts für dich, wenn…
du beim Namen Crimson Glory zwanghaft nur Midnight hinterhertrauerst oder neuen Songs grundsätzlich erst dann vertraust, wenn sie exakt wie alte Erinnerungen klingen.


‪‪🐍 Crimson Glory – Chasing The Hydra: Rückkehr ohne Mottenkugeln

Crimson Glory sind eine dieser Bands, bei denen jedes neue Album automatisch eine historische Prüfung ablegen muss. Zu groß ist der alte Schatten, zu ikonisch sind die ersten beiden Releases, zu heikel ist jede Rückkehr, die nicht bloß Nostalgie-Diorama sein will. Chasing The Hydra ist das erste neue Studioalbum seit Astronomica von 1999, erscheint am 17. April 2026 über BraveWords Records und bringt die Band mit Ben Jackson, Jeff Lords und Dana Burnell sowie den später hinzugekommenen Travis Wills und Mark Borgmeyer in ihre neue Gegenwart.

Die gute Nachricht zuerst: Das hier ist kein peinliches Altmeistertreffen mit halb leerem Tank und vollgestopfter Legendenvitrine. Die noch bessere: Die Platte versucht gar nicht erst, 1988 zu spielen, sondern greift die alte US-Prog-Power-Metal-DNA auf und schiebt ihr eine modernere Schärfe unter die Rippen. Wir bekommen also keine sterile Wiederbelebung, sondern ein Comeback, das verstanden hat, dass Erbe allein noch keinen gescheiten Refrain ergibt.

🎧 Was erwartet dich?

Genre(s): Progressive Metal, Power Metal, Heavy Metal
Vergleichbar mit: Queensrÿche auf mehr Fantasie-Methan, Fates Warning mit stärkerem Refrain-Instinkt, Symphony X ohne den Hang zum Muskelshirt-Selbstzweck.
Klangfarbe: Diese Platte klingt wie gut polierter Stahl im Abendrot mit Saharastaub. Die Riffs tragen noch den klassischen US-Metal-Stolz in sich, aber die Produktion zieht das Material hörbar in die Gegenwart. Dazu kommt ein Gesang, der hoch hinaus will, ohne sich im bloßen Operettenwinken zu verlieren. Viel Melodie, viel Bewegung, genug Härte, um nicht als bloß edler Museumsbesuch durchzugehen.

Highlights

Redden The Sun
Der Opener macht genau das, was ein Comeback-Opener zwingend machen muss: Er tritt die Tür auf, ohne sofort mit dem Ahnenalbum auf das Publikum einzuprügeln. Die Gitarren drücken entschlossen, der Refrain sitzt, und in den Brücken schimmert dieses leicht exotische Kolorit durch, das den Song über reinen Standard-Prog hinaushebt. Vor allem aber klingt die Band hier, als wolle sie sich nicht höflich zurückschleichen, sondern noch einmal ein sehr ernstes Wörtchen mitreden.

Broken Together
Hier wird es größer, dunkler und emotionaler. Der Song lebt nicht von technischer Angeberei, sondern von Spannungsaufbau und Stimme. Travis Wills bekommt Raum, Gefühl und Drama, ohne ins peinliche Denkmal-Singen abzugleiten. Genau solche Stücke braucht ein Album wie dieses, weil sie zeigen, dass Crimson Glory nicht bloß Riffs und Historie haben, sondern auch Herz und Narben.

Angel In My Nightmare
Das ist der Song, in dem die Platte ihren klassischen Kern am deutlichsten ausstellt. Melodie, Pathos, schwere Gitarren, leicht unheimliche Aura, dazu genug Strukturwechsel, um nie in bloßer Retro-Gefälligkeit steckenzubleiben. Kein Wunder, dass BraveWords den Track früh als eigene Vorab-Veröffentlichung herausgestellt hat. Er bündelt vieles, was diese neue Phase tragen soll.


🎨 Artwork

Das Cover macht keinerlei Geheimnis daraus, was hier verkauft werden soll: Mythos, Feuer, Größe, siebenköpfiges Drama. Im Zentrum lodert eine geflügelte Hydra in einem rotgoldenen Mahlstrom, darunter ein fast übernatürlich leuchtender Kern, als hätte jemand den Begriff „Power-Metal-Cover“ in einen Zaubervulkan aus den 80ern geworfen und danach die besten Ergebnisse wieder herausgefischt. Das ist kein Minimalismus und kein Design für Leute, die gern beige Musik hören. Das ist Airbrush-Hydra-Theater mit voller Absicht, und genau deshalb passt es auch ausgezeichnet. Die Platte will nicht klein, modern-nüchtern oder verkopft hochpoliert wirken. Sie will glühen, so wie man das früher gemacht hat. Das schafft dieses Artwork ohne jede falsche Bescheidenheit.


🪦 Besondere Momente

Die eigentliche Stärke von Chasing The Hydra liegt darin, dass das Album seine Vergangenheit kennt, aber nicht unter ihr zusammenbricht. Natürlich hören wir überall Anklänge an die Bandgeschichte. Das wäre bei Crimson Glory auch ungefähr so vermeidbar wie Schuppen bei einer Hydra. Aber die Platte baut daraus keinen Reliquienschrein. Sie nimmt vertraute Gitarrenfarben, melodische Dramaturgie und diesen leicht mystischen Unterton und schiebt das Material in eine deutlich robustere, modernere Form.

Wichtig ist dabei vor allem Travis Wills. Seine Position ist nämlich beinahe unfair: Wer hier singt, steht automatisch neben einem Monument. Wills löst das Problem klug, weil er nicht den untoten Doppelgänger gibt, sondern den Songs Seele, Höhe und Theatralik verleiht, ohne dauernd um Erlaubnis aus dem Jenseits zu bitten. Genau dadurch funktioniert das Album. Nicht trotz der Vergangenheit, sondern weil es gar nicht erst zulässt, vor ihr zu knien. Wills ist seit 2023 Teil der Band, und Chasing The Hydra ist die erste volle Studioplatte in dieser Besetzung.

Dazu kommt ein angenehmer Umstand: Die Platte ist mit neun Songs und gut 48 Minuten lang genug, um Gewicht zu haben, aber kurz genug, um sich nicht im eigenen Erzählnebel zu verirren. Das ist gerade bei dieser Sorte Prog-Power-Metal ein echter Pluspunkt. Andere Bands hätten aus denselben Ideen locker 80 Minuten gemacht und uns dann erklärt, das müsse so, weil… Kunst eben. Crimson Glory gehen deutlich disziplinierter mit der Zeit ihrer Fans um.

📜 Hintergrund

Crimson Glory entstanden 1983 in Sarasota, Florida, und gehören zu den prägenden Namen des amerikanischen Progressive Metal. Die klassische Besetzung mit Midnight, Jon Drenning, Ben Jackson, Jeff Lords und Dana Burnell machte die Band in den Achtzigern zu einer Referenz zwischen Eleganz, Dramatik und maskierter Mystik. Dass von dieser Ära mit Jackson, Lords und Burnell noch immer drei tragende Figuren an Bord sind, verleiht dem neuen Album ein reales Fundament statt bloßer Marketing-Romantik.

Für Chasing The Hydra wurde die Band um Travis Wills am Mikrofon und Mark Borgmeyer an der Gitarre ergänzt. Der Titeltrack war schon 2024 live im Set, Chasing The Hydra erschien im Februar 2026 als erste offizielle Vorab-Veröffentlichung, danach folgten Angel In My Nightmare und zuletzt Beyond The Unknown vom offiziellen BraveWords-Channel. Das zeigt auch schön, wie die Band ihre Rückkehr aufgebaut hat: erst das Statement, dann die Melodie, dann der späte Haken für alle, die noch einen Ohrwurm brauchten.

🪓 Fazit: Kein maskiertes Opern-Wunder, aber ein verdammt starkes Lebenszeichen

Mit Chasing The Hydra will die Band keinesfalls ihre Vergangenheit ausradieren. Das wäre auch Unsinn. Aber es ist eine Platte, die endlich wieder zeigt, warum Crimson Glory einmal mehr waren als nur ein Name für Genre-Geschichtsbücher und Festival-Nostalgiker. Das Songwriting hat genug Klasse, die Gitarren genug Glanz, die Refrains genug Zug und der Gesang genug Format, um aus diesem Comeback etwas sehr Reales zu machen.

Nicht jeder Moment schlägt gleich hart ein. Ein paar Wendungen kennt man, manche Dramaturgie arbeitet mit bewusst vertrauten Mitteln, und das Album wird die ersten beiden Meisterwerke im kollektiven Metal-Himmel nicht einfach beiseiteschieben. Muss es aber auch nicht. Es reicht völlig, dass diese Platte nicht wie eine Pflichtübung klingt, sondern nach einer guten Band, die nach langer Pause immer noch etwas zu sagen hat.

Und das ist bei solchen Rückkehrern eben die eigentliche Prüfung: nicht ob wir automatisch wieder 1988 fühlen, sondern ob die neuen Songs heute tragen. Chasing The Hydra trägt. Mit Stolz, mit Feuer und mit deutlich mehr Klasse, als wir bei vielen späten Legendenalben zuletzt hören durften.

Albumcover Chasing The Hydra von Crimson Glory: eine glühende, geflügelte Hydra mit mehreren Köpfen schwebt in einem rotgoldenen Feuerstrudel über einem grell leuchtenden Kern, darüber das Bandlogo in goldener Schrift.
Künstler:Crimson Glory
Albumtitel:Chasing The Hydra
Erscheinungsdatum:17. April 2026
Genre:Progressive Metal, Power Metal, Heavy Metal
Label:BraveWords Records
Spielzeit:ca. 47 Minuten

Trackliste:

Redden The Sun
Chasing The Hydra
Broken Together
Angel In My Nightmare
Indelible Ashes
Beyond The Unknown
Armor Against Fate
Pearls Of Dust
Triskaideka

🎬 Offizielles Video

Offizieller Track-Stream zu „Beyond The Unknown“ – ein spätes Album-Signal zwischen melodischem Zug, düsterem Schimmer und klassischer Crimson-Größe. Bereitgestellt vom offiziellen BraveWords Records-Channel auf YouTube:

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