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Muerto – Eclipsed Realms
🧿 Kurzfazit
Rohes, schweres Black-Doom-Album mit echter Atmosphäre und unangenehmem Sog. Kein großes Genre-Ereignis, aber ein finsteres, eigenwilliges Werk, das mehr über Stimmung als über brillante Kompositionssprünge funktioniert.
🎯 Für wen?
Wer zwischen Amenra, Emptiness, frühen Opera IX und dissonanterem Black Metal zu Hause ist, dürfte hier schneller andocken als Hörer klinisch polierter Prestige-Produktionen.
🎧 Wie klingt das?
Langsam, giftig, hallumspült und erstaunlich direkt. Die Platte lebt von hohlem Geschrei, schleppenden Rhythmen, rauen Black-Metal-Kanten und einer zweiten Hälfte, in der mehr Melodie, Clean-Gesang und post-metallische Weite durchs Gemäuer sickern.
💿 Highlights
Burning Shadows, Decay, Radiance
⛔ Nichts für dich, wenn…
du in diesem Bereich vor allem ausgefeilte Riff-Architektur, maximalen Detailreichtum im Mix und klare Songkonturen suchst.
💀 Muerto – Eclipsed Realms: Wenn die Songs vom Nebel gefressen werden
MUERTO kommen aus Mexiko, legen mit Eclipsed Realms ihr drittes Full-Length vor und sind inzwischen bei Transcending Obscurity Records gelandet. Die Platte erscheint am 17. April 2026, umfasst sechs Songs in knapp 36 Minuten und wird vom Label selbst als Mischung aus Black Metal mit Doom-, Post-Metal- und Avantgarde-Anteilen beschrieben. Das klingt erst einmal nach großem düsterem Baukasten. Die wichtigere Nachricht ist aber: Diese Band will gar nicht glänzen. Sie will drücken, würgen, zersetzen. Und genau darin liegt die Stärke dieser Platte, allerdings auch ihre Grenze.
🎧 Was erwartet dich?
Genre(s): Black Metal, Doom Metal, Post-Metal, mit avantgardistischen Schattierungen.
Vergleichbar mit: Amenra auf schwärzerer Spur, Emptiness mit mehr Erdreich unter den Fingernägeln, frühe Opera IX ohne Hexenzirkel-Romantik.
Klangfarbe: Das klingt wie ein kalter Raum, in dem der Bass im Beton hängt und die Stimme als Erstes an die Kehle geht. MUERTO bauen keine majestätischen Post-Black-Panoramen, sie legen eher eine schwarze, feuchte Decke über alles. Die Gitarren sägen, aber oft nicht frontal, sondern aus dem Dunst heraus. Das Schlagzeug hält das Ganze in Bewegung, ohne die Musik je wirklich zu befreien. Und wenn in den letzten beiden Songs plötzlich Clean-Gesang und mehr offene Melodik auftauchen, wirkt das nicht wie Erlösung, sondern nur wie ein weiterer Riss im Gemäuer.
✨ Highlights
Burning Shadows
Hier greift der Sound am besten ineinander. Der Song hat genug Druck, genug Rhythmus und genug Biss, um aus dem allgemeinen Nebelprofil klar hervorzutreten. Wo andere Stücke eher als Zustände funktionieren, hat Burning Shadows noch am ehesten das, was man altmodisch einen Zugriff nennen würde. Kein Hit natürlich – wir reden hier nicht über Cocktailmusik für den Gruftkeller –, aber einer der Momente, in denen die Band zeigt, dass sie ihre Schwere auch in Bewegung übersetzen kann.
Decay
Der vorletzte Song ist einer dieser Momente, in denen Eclipsed Realms endlich mehr will als bloß Druck und Düsternis. Clean-Vocals, ätherische Farben, ein etwas geöffneter Spannungsbogen: Das bringt Luft hinein, ohne die Finsternis zu verraten. Gerade weil die Platte davor oft auf denselben seelischen Würgegriff setzt, wirkt Decay wie eine notwendige Erweiterung. Noch nicht vollkommen souverän, aber genau die Art von Bruch, die das Album interessanter macht.
Radiance
Der Closer ist mit Abstand das Stück, das am klarsten in Richtung Post-Metal und doomiger Langatmigkeit kippt. Langsam, geisterhaft, mit unheilvollen Leads und diesem Gefühl, dass die Musik eher versinkt als endet. Wenn man der Platte einen Song zeigen müsste, um ihren Anspruch zu erklären, dann vermutlich diesen: weniger Angriff, mehr Nachhall, mehr Schattenarbeit. Zugleich zeigt Radiance aber auch sehr schön, woran Muerto noch arbeiten können. Sobald sie größer denken, wird es spannender – aber es wird eben auch sofort deutlich, dass da noch mehr ginge.
🎨 Artwork
Das Cover ist fast provokativ reduziert. Eine schwarze Fläche, darin ein großer, verdunkelter Himmelskörper, dessen weißer Rand wie eine ausfransende Eklipse glimmt. Aus dem oberen Bereich schießen feine, blitzartige Risse oder Adern herab, als würde hier nicht einfach ein Planet im Schatten stehen, sondern etwas langsam aufbrechen. Unten rechts sitzt der Albumtitel klein und grau, fast so, als wolle selbst die Typografie lieber im Halbdunkel bleiben. Das ist kein barockes Extreme-Metal-Gemälde, sondern Minimalismus mit Grabeskälte. Gerade deshalb funktioniert es gut: Das Bild verspricht nicht Größe, sondern Entzug. Und genau so klingt die Platte auch. Das Artwork stammt von Ricardo González.
🪦 Besondere Momente
Der auffälligste Kunstgriff von Eclipsed Realms ist zugleich seine größte Schwäche: Die Platte lebt stark von Penelope Matamoros’ Stimme. Das aggressive, hohle, hallige Schreien gibt den Songs eine sofortige Bosheit und hält die Spannung oben. Gleichzeitig sorgt diese starke vokale Dominanz dafür, dass die Instrumente nicht immer gleich scharf konturiert durchkommen. Das kann als gewollte Erstickungsästhetik gelesen werden, und oft funktioniert es auch genau so. Aber auf Albumlänge kostet es manchen Passagen etwas Eigenprofil.
Positiv fällt auf, dass die zweite Albumhälfte das starre Bild aufbricht. Wilderness wurde schon vorab als besonders sinister und eingängig hervorgehoben, und die letzten beiden Songs öffnen die Tür zu mehr Melodie, mehr Verletzlichkeit und mehr post-metallischem Raum. Das rettet die Platte davor, bloß ein einziger langer grauschwarzer Block zu werden. Nur: Aus einem guten Block wird dadurch noch kein Monolith.
📜 Hintergrund
Muerto stammen aus San Juan del Río in Querétaro und haben vor Eclipsed Realms bereits The Settling Fire upon Us von 2018 und Dust Fire Dust von 2023 veröffentlicht. Die aktuelle Besetzung besteht aus Penelope Matamoros an Gesang und Bass, Juan Mondragon an der Gitarre und Eddel Jared am Schlagzeug. Für das neue Album ist die Band erstmals bei Transcending Obscurity Records untergekommen. Das ist durchaus passend, weil der Sound genau in jene Ecke gehört, in der man rohe Extreme-Metal-Platten eher nach ihrem Bedrohungspotential als nach ihrer Massentauglichkeitspolitur beurteilt.
🪓 Fazit: Mehr Würgegriff als Offenbarung
Eclipsed Realms ist kein Album, das uns mit überragender Kompositionskunst aus den Socken schießt. Dafür sind manche Übergänge zu schlicht, manche Spannungsbögen zu ähnlich und manche Ideen noch zu sehr Skizze statt endgültiger Form. Aber die Platte hat etwas, das deutlich wichtiger ist als akademische Raffinesse: eine glaubhafte, unangenehme, dunkle Ausstrahlung. Diese Musik wirkt roh, direkt und in ihrer bedrückenden Trübheit erstaunlich glaubwürdig.
Genau deshalb bleibt am Ende ein positives, wenn auch nicht euphorisches Urteil. Muerto liefern hier keinen großen Wurf, aber ein starkes, eigenwilliges Drittwerk, das genug Bosheit, Atmosphäre und Entwicklung andeutet, um Lust auf den nächsten Schritt zu machen. Ein paar Stellschrauben bei Songschärfe und Durchhörbarkeit bleiben. Doch wer schwarze Musik lieber als langsam schließende Tür denn als permanentes Keller-Feuerwerk mag, wird hier einiges für sich entdecken.

| Künstler: | Muerto |
| Albumtitel: | Eclipsed Realms |
| Erscheinungsdatum: | 17. April 2026 |
| Genre: | Black Metal, Doom Metal, Post Metal |
| Label: | Transcending Obscurity Records |
| Spielzeit: | ca. 36 Minuten |
Trackliste:
Serpentine Echoes
Veil of Desolation
Burning Shadows
Wilderness
Decay
Radiance
🎬 Offizieller Stream
Offizieller Full Album Stream zu „Eclipsed Realms“ – schwarzer Nebel, schleppende Schwere und eine Platte, die lieber würgt als winkt. Bereitgestellt vom offiziellen Transcending Obscurity Records-Channel auf YouTube:
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