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Ruins Of Beverast – Tempelschlaf
🧿 Kurzfazit
Tempelschlaf ist ein wuchtiger, aber erstaunlich zerklüfteter Brocken aus Blackened-Doom, der großartige Einzelmomente anbietet und sie dann in Übergängen und Songstrukturen wieder zerredet.
🎯 Für wen?
Für Hörer, die Exuvia und The Thule Grimoires schon im Schlaf sezieren, ihre Extreme mit Geduld erkunden und im Chaos lieber graben als mitnicken. Wer einfach eine neue Dosis „atmospheric blackened doom“ zum Durchlaufenlassen sucht, wird hier öfter aus dem Fluss geworfen.
🎧 Wie klingt das?
Verhallte Cleangitarren, wabernde Bassfundamente, rituelle Gesänge, harsche Screams und immer wieder plötzliche Ausbrüche in klassischeren Black Metal, darüber ein Drum-Sound, der Becken und Toms nach vorne schiebt und den Mix bewusst unkomfortabel macht. Dazu kommen psychedelische Schichten und „transzendentale“ Zwischenspiele, die sich nicht immer organisch einfügen wollen.
💿 Highlights
Tempelschlaf, Cathedral Of Bleeding Statues, Last Theatre Of The Sea
⚠️ Nichts für dich, wenn…
du bei 10-Minuten-Songs eine klare Dramaturgie erwartest, mit ruppigen Stilbrüchen wenig anfangen kannst oder The Ruins Of Beverast eher für ihre hypnotische Kohärenz als für Experimente liebst.
🛕 The Ruins Of Beverast – Tempelschlaf: Wenn der Albtraum im eigenen Labyrinth stecken bleibt
The Ruins Of Beverast sind seit Jahren so etwas wie die Privatkathedrale von Alexander von Meilenwald, ein Ein-Mann-Orchester für apokalyptische Visionen zwischen Black-Metal-Auszehrung und Doom-Metal-Gewicht. Tempelschlaf, das siebte Album und Nachfolger von The Thule Grimoires, verspricht erneut „sonische Morbidität“ und den Klang eines Lebensraums in der Dämmerung seiner Existenz. Zumindest will man uns das so erzählen.
In der Praxis wirkt dieses Mal allerdings vieles weniger wie ein stringentes Ritual und mehr wie das dazugehörige Probenprotokoll.
🎧 Was erwartet dich?
- Genre(s): Atmospheric Blackened Doom, Ritual-Black-Metal mit Doom-Metal-Schwere
- Vergleichbar mit: Frühe The Ruins Of Beverast, ein weniger fokussiertes Exuvia, dazu eine Spur psychedelischer Absurdität, bei der man sich fragt, ob jemand heimlich an den Reglern gedreht hat.
- Klangfarbe: Breiter, wuchtiger Low-End-Teppich, darüber Gitarren, die zwischen säurekaltem Black-Metal-Sägen und verhallter Doom-Melancholie pendeln. Die Drums knallen trocken und cymballastig, die Vocals wechseln vom Grabesgrowl zum beschwörenden Bariton und wieder zurück, während Synths und Geräuschflächen wie Nebel ins Bild kriechen.
✨ Highlights
Tempelschlaf
Der Titeltrack ist mit knapp zehn Minuten das Manifest des Albums und zugleich seine Warnung. Die Bestandteile sind klassisch Beverast: rituelle Einleitung, schief schimmernde Clean-Gitarren, zähe Doom-Riffs, harsche Ausbrüche. Nur springt der Song so sprunghaft zwischen diesen Ebenen, dass aus der geplanten Trance eher ein Fiebertraum aus Fragmenten wird. Wenn das Gitarrensolo am Ende einsetzt, wirkt es mehr wie ein Fremdkörper als wie ein Höhepunkt. Faszinierend, aber auch sehr anstrengend.
Cathedral Of Bleeding Statues
Hier zeigt sich, wie stark Tempelschlaf sein könnte, wenn die Kompositionen mehr Atem bekämen. Ein tribal angelegtes Tom-Pattern trägt den Einstieg, dann wächst ein bedächtiger Doom-Song, der Dynamik ernst nimmt. Verschiedene Gesangsstile werden nicht gegeneinander geschnitten, sondern aufeinander aufgebaut. Über sechs Minuten entsteht eine echte Kathedralenwirkung, die dem Titel gerecht wird.
Last Theatre Of The Sea
Spät im Album taucht plötzlich die Erinnerung auf, wie sich ein wirklicher Spannungsbogen anfühlt. Eine akustische Gitarre öffnet die Bühne, dann schieben sich Drums und Riffs langsam nach vorne. Die Intensität nimmt zu, kippt aber nicht in Chaos, sondern wird wieder zurückgenommen. Der Song wirkt wie ein Stück, das sein Reiseziel begriffen hat und nicht alle fünfzig Sekunden die Richtung ändert.
🎨 Artwork
Predigt in Öl: Tempelschlaf sieht aus, als hätte jemand ein barockes Altarbild mit einer Black-Metal-Visionsskizze übermalt: links und rechts wuchern säulenartige Wurzelpfeiler, dazwischen ein Tempelraum, in dem eine verhüllte Gestalt vor einer pechschwarzen Sonnenfinsternis thront, über ihr eine sich windende Schlange als Heiligenschein-Ersatz. Davor liegen Kerzenleuchter und eine am Boden ausgestreckte Figur, halb Opfer, halb Schlafwandler, als hätte der „Tempelschlaf“ den Körper schon abgelegt, während der Geist noch irgendwo zwischen Himmel, Finsternis und Reptilienkult hängt. Das ist überladen, sakral und angenehm ungesund und trifft damit die angepeilte Stimmung des Albums deutlich besser als dessen sprunghafte Songs.
🪦 Besondere Momente (Für Die-Hard-Fans)
Zerhackte Ritualdramaturgie: Mehrere Songs brechen ihre eigene Atmosphäre ab, kaum dass sie steht. Statt tranceartiger Entwicklung gibt es Collagen-Effekt, als hätte jemand spannende Songskizzen in einer DAW aneinander geklebt und die Übergänge vergessen.
„Transzendente“ Einschübe: Stücke wie Alpha Fluids oder Babel, You Scarlet Queen! starten stark, driften dann in langgezogene, vermeintlich spirituelle Passagen ab, in denen Black-Metal-Raserei, Effektsounds und beschwörende Vocals übereinanderliegen, ohne im Ohr zu einer Vision zusammenzuwachsen.
Becken-Dominanz im Mix: Gerade in den schnelleren Momenten frisst das Schlagzeug mit seinen Beckenflächen viel Raum, sodass die eigentlich spannenden Gitarrenfiguren eher unter der Oberfläche pulsieren, als wirklich zu tragen.
Rituelle Déjà-vus: Die schamanisch anmutenden Chants erinnern in Farbe und Funktion deutlich an Exuvia, wirken dieses Mal aber weniger zwingend in den Kontext eingebettet, eher wie ein wiederverwendetes Tool, das nicht genau weiß, in welchem Stück es gerade arbeitet.
🪓 Fazit
The Ruins Of Beverast existieren seit 2003 und stehen sinnbildlich für einen sehr eigenen Entwurf von Blackened Doom, der sich nie mit Genre-Schubladen zufriedengibt. Frühwerke wie Unlock The Shrine oder Foulest Semen Of A Sheltered Elite haben das Projekt als Einzelgänger zwischen sakralem Wahnsinn und erdschwerem Doom etabliert.
Mit Exuvia wurde die rituelle, tribal geprägte Seite radikal ausgebaut, The Thule Grimoires setzte stärker auf weiträumige, fast progressive Kompositionen. Tempelschlaf knüpft klanglich an diese Phase an, ist aber kompakter angelegt: sieben Songs, knapp unter einer Stunde. Produziert wurde das Album erneut im Church Of Sound Studio, gemastert von V. Santura, was den typischen, massiven Klang erklärt.
Gerade deshalb fällt die strukturelle Unentschlossenheit so auf. Wo frühere Alben trotz Überlänge eine deutliche innere Logik hatten, wirkt Tempelschlaf eher wie ein Streitgespräch zwischen verschiedenen Beverast-Phasen, bei dem niemand das letzte Wort bekommt.
Tempelschlaf ist kein Absturz, aber auch kein neuer Meilenstein im Beverast-Kosmos. Die zweite Albumhälfte zeigt, dass Alexander von Meilenwald nach wie vor große, dunkle Erzählungen bauen kann, wenn er Songdramaturgie und Sounddesign in die gleiche Richtung marschieren lässt.
Die erste Hälfte dagegen stolpert zu oft über den eigenen Anspruch, möglichst viele Facetten gleichzeitig abzubilden. Wer bereit ist, sich durch die brüchigen Collagen zu arbeiten, findet im letzten Drittel starke Momente, die an die Klasse früherer Werke erinnern.
Empfehlung: Für langjährige Beverast-Jünger mit hoher Toleranz für stilistische Schlenker durchaus hörenspflichtig. Alle anderen sollten lieber mit Exuvia oder The Thule Grimoires beginnen und entscheiden, ob sie danach Lust auf dieses bewusst widerspenstige Kapitel haben.

| Künstler: | The Ruins Of Beverast |
| Albumtitel: | Tempelschlaf |
| Erscheinungsdatum: | 9. Januar 2026 |
| Genre: | Atmospheric Blackened Doom / Black Metal |
| Label: | Ván Records |
| Spielzeit: | ca. 59 Minuten |
Tempelschlaf
Day Of The Poacher
Cathedral Of Bleeding Statues
Alpha Fluids
Babel, You Scarlet Queen!
Last Theatre Of The Sea
The Carrion Cocoon
🎬 Offizielles Video
Offizieller Full-Album-Stream zu „Tempelschlaf“ – ein rund einstündiger Abstieg in das rituelle Doom- und Black-Metal-Universum von The Ruins Of Beverast. Bereitgestellt vom offiziellen Ván-Records-Channel auf YouTube:
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