Disney+ will den Fantasy-Thron mit Young-Adult-Hochzeitspolitik erobern

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Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

The Ring & The Crown: Der böse Game Of Thrones Killer?

📰 Was ist los?
Disney+ entwickelt eine Serienadaption von Melissa de la Cruz’ Young-Adult-Fantasyroman The Ring & The Crown. Die Geschichte spielt in einer alternativen Artus-Monarchie mit Magie, höfischer Politik und arrangierten Ehen. Showrunner sind Aaron Harberts und Gretchen J. Berg (Reign, Revenge), produziert wird unter anderem mit The Gotham Group. Seit der Ankündigung 2022 befindet sich das Projekt in Entwicklung, ein Starttermin oder Cast wurde bis heute nicht verkündet.

🐛 Was denken wir?
Die Schlagzeile vom „Game of Thrones Thronfolger“ ist mehr Hoffnung als Analyse. The Ring & The Crown klingt nach einer opulenten, magischen Hof-Soap mit YA-Schwerpunkt – ein Genre, das bei Disney+ gut aufgehoben ist, aber automatisch weniger bissig sein wird als Westeros. Wenn die Serie ihre eigenen Stärken ausspielt und nicht krampfhaft Thrones imitiert, kann sie trotzdem ein stabiles Fantasy-Publikum finden. Aber wer wirklich hofft, hier die nächste Rote Hochzeit zu sehen, sollte seine Erwartungen im königlichen Hofbrunnen versenken.

👑 Disney+ will den Fantasy-Thron mit Young-Adult-Hochzeitspolitik erobern

„Könnte Game of Thrones vom Fantasy-Thron stoßen“ ist ungefähr die artigste Formulierung für: Disney+ hätte gern auch mal eine richtig große Fantasy-Serie. Aktuell soll das der Roman The Ring & The Crown von Melissa de la Cruz richten, der seit 2022 als Serienprojekt in Entwicklung ist – ohne Cast, ohne Starttermin, aber schon mit Thronanspruch in der Überschrift.

Die Vorlage spielt in einer alternativen Artus-Monarchie, in der Magie und Politik Hand in Hand gehen. Prinzessin Marie-Victoria muss zwecks Frieden verheiratet werden, ihre beste Freundin Aelwyn Myrddyn ist die uneheliche Tochter von Merlin und wird in den Dienst der Krone gezwungen. Drumherum: London Season, höfische Bälle, Intrigen, arrangierte Ehen, heimliche Romanzen, etwas Gewalt und ein Hauch Sex, der aber brav im Young-Adult-Rahmen bleibt.

Kurzfassung: Hofintrige, Magie, viele Kleider. Aber ist das automatisch „das neue Game of Thrones“?


🏰 Thronanspruch mit Sicherheitsgurt

Die Serienfassung entsteht bei 20th Television für Disney+, geschrieben von Aaron Harberts und Gretchen J. Berg, die schon an Reign, Revenge, Roswell und Star Trek: Discovery gearbeitet haben. Produziert wird unter anderem mit der Gotham Group, die auch bei Percy Jackson and the Olympians mitmischt.

Der Pitch klingt auf dem Papier tatsächlich wie „Game of Thrones light“:

  • mehrere Perspektiven in Adelshäusern
  • arrangierte Ehen als Machtinstrument
  • Magierin mit Merlin-Stammbaum
  • Intrigen, Verrat, ein bisschen Blut

Nur eben eingebettet in ein YA-Gerüst, das klar macht: Brutalität ja, aber bitte ohne HBO-Schockfaktor. Sexuelle Gewalt wird laut Vorlage angeschnitten, aber deutlich entschärft, und der Ton bleibt eher romantisch-dramatisch als schonungslos nihilistisch.

Das ist nicht automatisch schlecht – aber es ist etwas völlig anderes, als die Marketing-Schlagzeile suggeriert. Wer erwartet, dass Disney+ uns plötzlich die nächste Rote Hochzeit vor den Latz knallt, wird sehr wahrscheinlich mit Ballkleidern, höfischem Gezicke und viel Gefühl abgeholt.


🐉 Was „Game of Thrones“ wirklich schwer kopierbar macht

Der reflexhafte „Thronfolger“-Reflex hat inzwischen Tradition: The Witcher, Rings of Power, Wheel of Time, House of the Dragon – irgendwer musste immer „das neue Game of Thrones“ sein. Am Ende haben sich fast alle besseren Fantasy-Serien genau dann emanzipiert, wenn sie den Vergleich ignoriert haben.

Was GoT so schwer reproduzierbar macht, sind nicht nur Drachen und Intrigen, sondern:

  • die brutale Konsequenz bei Figurenentscheidungen
  • der fast schon historischen Zynismus des Weltbildes
  • und ein Timing, das in seinen besten Staffeln gnadenlos war

Eine Disney+-Produktion, die auf YA-Romanze, höfische Soap und breite Zielgruppe zielt, kann das gar nicht leisten, ohne sich mit der eigenen Marke anzulegen. Und das muss sie auch nicht. Aber genau deshalb ist die Thron-Metapher so unglücklich: Sie verspricht eine Härte, die der Stoff gar nicht liefern soll.


📺 Realistische Erwartung: mehr „Reign“ als „Red Wedding“

Wenn man die Namen der Beteiligten anschaut, ergibt sich ein viel ehrlicheres Bild. Harberts und Berg kommen aus Serien wie Reign und Revenge, also aus dem Fach „melodramatische Hochglanzintrige“, weniger aus der Schule „Ritter hacken sich bei Sturm die Gesichter weg“.

Die offiziellen Statements sprechen von einem „romantic, action-packed, supernatural soap with seasons and seasons of stories“. Das ist im Grunde das Genre-Etikett schon im Satz: übernatürliche Seifenoper.

Mit anderen Worten: The Ring & The Crown hat durchaus Chancen, eine langlebige, hübsch ausgestattete Fantasy-Serie zu werden, die Hofklatsch, Magie und Politik verbindet. Sie hat aber ungefähr so viel mit Game of Thrones zu tun wie ein opulentes Kostümdrama mit einem mittelalterlichen Bürgerkriegsdrama. Beides Fantasy, beide mit Kronen – völlig unterschiedliche Schlagzahl.


🎯 Fantasykosmos-Fazit

Wird die Disney+-Adaption von The Ring & The Crown „Game of Thrones vom Thron stoßen“? Fast sicher nicht. Dafür zielt sie auf eine andere Altersgruppe, eine andere Tonlage und eine andere Art von Eskalation.

Spannend kann das Projekt trotzdem werden: Wenn Harberts und Berg den Mut haben, die Young-Adult-Vorlage nicht weichzuzeichnen, sondern höfische Gewalt und Machtmissbrauch im Rahmen des Formats klar anzusprechen, könnte hier eine Art Artus-Variante von Reign mit Magie entstehen, eine Serie, die eher mit Kostümen, Dialogen und Beziehungschaos punktet als mit Schockmomenten.

Der Thronvergleich taugt also höchstens als Marketing-Schlagzeile. Realistischer ist: The Ring & The Crown versucht, in eine Lücke zu stoßen, die gerade niemand so richtig besetzt – hochwertige YA-Hofintrigen mit Fantasy-Flair. Ob das am Ende eher Kronjuwel oder Diadem aus dem Merch-Regal wird, entscheidet nicht der Schatten von Westeros, sondern Drehbuch, Besetzung und der Mut, die Serie eigenständig zu halten.

Episches Fantasy-Banner im Stil von Gandalf: Ein weißbärtiger Zauberer blockiert mit erhobenem Stab den Weg und ruft ‚Du kannst nicht vorbei!‘. Darunter der Zusatz: ‚Es sei denn, du abonnierst unseren Newsletter!‘. Rechts unten ein glühender, magischer Button mit der Aufschrift: ‚Lass mich rein, du Narr!
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