Riverflame – Lunar Crusades (Review)

Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Riverflame – Lunar Crusades

🧿 Kurzfazit
Lunar Crusades ist ein starkes Debüt zwischen melodischem Black Metal, mittelalterlicher Atmosphäre und heroischer Fantasy-Schlagseite. Sehr eingängig, sehr liebevoll gebaut, oft packend, aber auf Dauer vielleicht etwas zu sehr in seinen eigenen Glanz verliebt.

🎯 Für wen?
Für Fans, die Stormkeep, Summoning, Dissection oder generell melodischen Black Metal mit epischer Erzählhaltung mögen. Wer Burgen, Drachen, Mondnächte und peitschende Riffs lieber ernsthaft als ironisch serviert bekommt, ist hier goldrichtig.

🎧 Wie klingt das?
Wie ein Fantasy-Feldzug auf Schnellspultaste. Harte, flirrende Gitarren, hymnische Leads, mittelalterlich angehauchte Keyboards, viel Vorwärtsdrang und eine Produktion, die eher nach frostigem Abenteuer als nach dumpfer Höhle klingt. Das Album ist deutlich melodischer und erzählerischer als orthodoxer Black Metal und viel zu farbig, um als bloße Genreprimitivübung durchzugehen.

💿 Highlights
Riverflame, Where Dragons Once Ruled, Through Mistlands Of Unearthly Worlds, Before The Eternal Night

⛔ Nichts für dich, wenn…
du bei heroischem Black Metal sofort Ausschlag bekommst oder nur dann zufrieden bist, wenn alles nach nassem Keller, Lehm und Hass klingt. Riverflame wollen nichts einfrieren. Sie wollen maximal glänzen.

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‪‪🌙 Riverflame – Lunar Crusades: Bis zum Mond und noch viel weiter

Riverflame veröffentlichen mit Lunar Crusades ihr Debütalbum. Die Platte erscheint am 24. April 2026 über Code666 / Aural Music, umfasst fünf Songs und stammt von einem 2024 gegründeten Quartett mit Verbindungen zu Hail Spirit Noir, Ponte del Diavolo und Owls. Die Besetzung: Haris an Gitarre und Synths, Abro am Bass, Romain Nobileau am Mikrofon und Hakon Freyr Gustafsson am Schlagzeug. Gemixt und gemastert wurde das Album von Dimitris Douvras, das Artwork stammt von Mars Triumph.

Das offizielle Eigenbild ist maximal klar: epischer mittelalterlicher Black Metal mit neoklassischen Arrangements, irgendwo zwischen Stormkeep, Summoning und Dissection. Genau diese Mischung prägt das Album über seine gesamte Laufzeit. Lunar Crusades will keine kalte Kellerplatte sein und schon gar kein primitiver Schwarzmetall-Rumpelritt. Das hier ist großes Fantasykino mit wehenden Bannern, Burgruinen, Mondlicht und scharf gezogenem Tremolo. Das macht oft richtig Spaß. Es bringt aber auch ein kleines Problem mit: Wo alles ständig zum Leuchten gebracht wird, droht irgendwann der Zaubertrick dahinter sichtbar zu werden.

🎧 Was erwartet dich?

Genre(s): Melodic Black Metal, Symphonic Black Metal, Epic Medieval Black Metal
Vergleichbar mit: Stormkeep mit etwas mehr Märchenlicht, Summoning auf direkterem Kurs, Dissection als melodischer Ferngeist im Hintergrund, dazu ein Hauch von neoklassischer Theaterluft.
Klangfarbe: Riverflame klingen nach blauem Frosthimmel, goldenen Bannern und Feuern in der Ferne. Die Riffs tragen viel Bewegung in sich, die Leads setzen sofort Bilder frei, und die Synths geben dem Ganzen genau den richtigen Schimmer zwischen Burgfantasie und Schlachtfeldpathos. Lunar Crusades ist kein schmutziger Black-Metal-Ritus, sondern ein bewusst episches Album, das mit Atmosphäre arbeitet wie andere Bands mit rostigen Nägeln.

Highlights

Riverflame
Der Opener macht in acht Minuten fast alles richtig, was dieses Album später auszeichnet. Erst wird eine Bühne gebaut, dann reitet das Ding los. Man hört sofort, dass hier keine Anfänger mit Plastikschwertern herumfuchteln. Die Band hat Gespür für Dramaturgie, für Spannungsaufbau und für Melodien, die heroisch wirken, ohne gleich ins Kirmesartige zu kippen. Gerade der Einstieg zeigt, wie gut Riverflame diese Mischung aus Black Metal und Fantasy-Großbild beherrschen.

Where Dragons Once Ruled
Der Songtitel ist natürlich eine Steilvorlage, aber die Band versemmelt sie nicht. Das Stück drückt, hebt ab und wirbelt gleichzeitig genug Details auf, um nicht bloß als Genre-Dienstleistung durchzugehen. Gerade hier funktioniert das ganze mittelalterlich-epische Konzept besonders gut, weil die Melodien nicht nur hübsch sind, sondern wirklich Zug entwickeln. Dass das Stück als früher Vorab-Track gewählt wurde, ist völlig logisch.

Through Mistlands Of Unearthly Worlds
Der längste Mittelteil des Albums ist auch der Punkt, an dem Lunar Crusades am stärksten nach eigener Welt klingt. Hier darf die Platte atmen, treiben, beschwören und galoppieren. Das Stück zeigt zugleich die größte Stärke und die größte kleine Schwäche des Albums: Es ist sofort packend, aber auch so offen auf Wirkung gebaut, dass man sich fragt, wie viel davon in sechs Monaten noch denselben Zauber entfaltet.

Before The Eternal Night
Ein starker Closer, weil er die Platte nicht einfach auslaufen lässt, sondern noch einmal alles bündelt: Pathos, Tempo, melodische Weite und dieses fast triumphale Dunkel, das Riverflame am besten können. Der Song klingt wie der Abspann zu einem Feldzug, der eigentlich noch einen zweiten Teil bekommen soll. Genau so etwas braucht ein Album wie dieses als finalen Schlag.


🎨 Artwork

Das Cover von Lunar Crusades liefert den Inhalt praktisch schon beim ersten Blick frei Haus mit. Ein gepanzerter Reiter jagt durch eine nächtliche Gebirgslandschaft, links lodert eine Burg oder Festung, darüber spannt sich ein tiefblauer Himmel, und das Logo thront wie ein vergoldeter Wappenschriftzug über allem. Das ist nicht subtil. Es will es auch gar nicht sein.

Und genau deshalb passt es hervorragend. Riverflame haben kein Interesse an moderner Ambivalenz oder spröder Kunstverweigerung. Diese Platte will Fantasy, Heroik und Schwarzmetall zusammenziehen, ohne ständig nervös zu fragen, ob das vielleicht zu viel des Guten sein könnte. Die ehrlichere Kritik ist daher nicht, dass das Cover zu groß denkt. Sondern eher, dass die Musik manchmal ähnlich nah an der eigenen Selbsterhöhung entlangläuft. Wenn das funktioniert, ist es herrlich. Wenn nicht, liegt der Käsewürfel schon bedrohlich nah am Rand. Aber meistens bleibt Lunar Crusades auf der richtigen Seite.


🪦 Besondere Momente

Das Entscheidende an Lunar Crusades ist die Mischung aus sofortigem Reiz und handwerklicher Souveränität. Die Platte besteht nur aus fünf Stücken, aber fast alle sind Langformen mit genug Raum für Umschwünge, Soli, Stimmungswechsel und diese bewusst erzählerische Struktur, die aus Songs eher Kapitel macht. Gerade das hebt Riverflame von bloßer Retro-Spielerei ab.

Gleichzeitig liegt hier auch der kleine Haken. Das Album öffnet sich schnell. Es ist sehr melodisch, sehr zugänglich und sehr darauf aus, sofort Bilder im Kopf auszulösen. Das ist ein Vorteil, gerade im Debüt. Es könnte aber auch bedeuten, dass die Langzeitwirkung etwas geringer ausfällt als der erste Begeisterungsschub. Anders gesagt: Lunar Crusades gewinnt den Hörer schnell, allerdings wird dieser Effekt nicht bei jedem gleich lange anhalten.

📜 Hintergrund

Riverflame wurden 2024 gegründet und setzen sich aus Musikern zusammen, die bereits aus stilistisch recht unterschiedlichen Projekten bekannt sind. Gerade deshalb wirkt das Debüt nicht wie eine rohe Probeidee, sondern erstaunlich zielgenau. Die Band weiß ziemlich präzise, welchen Film sie drehen will: episch, melodisch, mittelalterlich angehaucht, aber immer noch im Black Metal verankert.

Dass Dimitris Douvras den Mix und das Mastering übernommen hat, hilft dem Album zusätzlich. Die Produktion trägt die Melodien, ohne sie weichzuspülen, und lässt den Songs genug Luft, damit die vielen schimmernden Details nicht zu bloßem Hintergrundtapetenglanz werden. Mars Triumphs Coverarbeit stützt diese Ausrichtung perfekt. Alles an dieser Platte signalisiert: Hier soll eine Welt entstehen, keine einmalige Pappkulisse.

🪓 Fazit: Banner, Klinge und der leichte Hang zur Selbstverzauberung

Lunar Crusades ist ein sehr gelungenes Debüt. Riverflame schaffen es, mittelalterliche Romantik, melodischen Black Metal und heroische Erzählhaltung so zusammenzuführen, dass daraus mehr wird als bloße Genre-Kulisse. Die Songs haben Bewegung, das Album hat Atmosphäre, und die Platte weiß sehr genau, welchen Ton sie treffen will.

Ganz makellos ist das aber nicht. Dafür geht manches zu leicht auf. Ein bisschen mehr Widerhaken, ein bisschen mehr Dreck, ein bisschen mehr Reibung hätten dem Ganzen stellenweise gutgetan. So bleibt Lunar Crusades manchmal näher an prachtvoller Genreverehrung als an echter Überwältigung.

Aber selbst das ist am Ende eher ein Qualitätsproblem der luxuriösen Sorte. Denn diese Platte scheitert nicht an Ideenarmut, sondern höchstens daran, dass sie ihren Charme so offen zeigt, dass man ihn irgendwann zu gut versteht. Für ein Debüt ist das trotzdem sehr stark.

Albumcover von Riverflame – Lunar Crusades: Ein gepanzerter Reiter auf dunklem Pferd jagt durch eine nächtliche Berglandschaft; links lodert eine Burg oder Festung in warmem Orange, darüber stehen das goldene Bandlogo und der Titel vor tiefblauem Himmel.
Künstler:Riverflame
Albumtitel:Lunar Crusades
Erscheinungsdatum:24. April 2026
Genre:Melodic Black Metal, Symphonic Black Metal, Epic Medieval Black Metal
Label:Code666 / Aural Music
Spielzeit:ca. 39 Minuten

Trackliste:

Riverflame
Where Dragons Once Ruled
Lunar Crusades
Through Mistlands Of Unearthly Worlds
Before The Eternal Night

🎬 Full Album Premiere

Komplette Album-Premiere zu Lunar Crusades – ein schneller Weg in die mondhelle Fantasy-Burg von Riverflame. Bereitgestellt über den YouTube-Kanal Black Metal Promotion:

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