Golgotha – Hubris (Review)

Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Golgotha – Hubris

🧿 Kurzfazit
Hubris ist ein solides bis gutes Doom/Death-Album mit starkem Fundament, glaubwürdiger Schwärze und einigen sehr gelungenen Momenten. Aber die Platte wiederholt ihre Reizmittel etwas zu treu und kommt über ihre eigene Gravitas nicht immer hinaus.

🎯 Für wen?
Für Fans, die My Dying Bride, Paradise Lost, Novembers Doom und melodischen Doom/Death mit klarer emotionaler Schlagseite mögen. Wer schwere Riffs, Grabstimmung und den Wechsel aus Growls und klaren Vocals sucht, bekommt hier genug Stoff.

🎧 Wie klingt das?
Langsam, düster, erdig, melancholisch. Die Musik arbeitet mit massiven Riffs, viel Tragik, klaren Spannungsbögen und einem deutlichen Wechselspiel zwischen harscher Schwere und verletzlicher Melodie. Das ist wirkungsvoll, aber nicht wahnsinnig variabel.

💿 Highlights
A Simple Life, Broken Toy, Too Late, Intolerance

⛔ Nichts für dich, wenn…
du von Doom/Death mehr stilistische Bewegung erwartest als kontrolliertes Leiden in verschiedenen Schattierungen. Hubris lebt von Stimmung, nicht von Überraschung.

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‪‪🔥 Golgotha – Hubris: Reichlich Glut, etwas zu wenig Bewegung

Die Spanier von Golgotha veröffentlichen mit Hubris bereits ihr siebtes Studioalbum. Die Platte erscheint am 24. April 2026 über Abstract Emotions und umfasst acht Tracks. Die Band aus Palma de Mallorca existiert seit 1992; die aktuelle Besetzung besteht aus Vicente J. Payá, Andrew Spinosa, María J. Lladó, Dan Garcia und Rafel Garcies. Produziert wurde Hubris von Davide Billia. Als Vorboten wurden A Simple Life und später Too Late ausgekoppelt.

Golgotha selbst bezeichnen Hubris als dunkleres, roheres und persönlicheres Kapitel nach Spreading The Wings Of Hope. Das ist als Richtung sofort plausibel: Die Platte setzt klar auf melancholischen Doom/Death, auf den Kontrast aus tiefen Growls und klaren Frauenstimmen, auf Schwere, Trauer und emotionale Verwundung statt auf erzählerische Fluchtwelten. Das Problem ist nur: Genau dieser Ansatz funktioniert hier nicht immer gleich gut. Hubris hat fraglos Gewicht, Atmosphäre und Würde, aber auch eine gewisse Starrheit. Die Platte drückt oft stark nach unten, bewegt sich dabei aber nicht immer weit genug nach vorn.

🎧 Was erwartet dich?

Genre(s): Melodic Doom/Death Metal, Doom Metal, Death/Doom
Vergleichbar mit: Paradise Lost, My Dying Bride, Novembers Doom, stellenweise auch mit der melodischeren Seite klassischer Death/Doom-Schule.
Klangfarbe: Ein Sound wie warmes Rostrot über kaltem Stein. Die Gitarren schleppen schwer, die Growls kommen tief und grabig, und über allem liegen immer wieder klare, verletzliche Gesangslinien, die dem Material etwas Menschliches geben sollen. Genau darin steckt der Kern von Hubris: nicht nur Finsternis, sondern Finsternis mit offener Wunde. Die Produktion von Davide Billia ist darauf ausgelegt, diese Mischung aus Wucht und Melancholie deutlich auszuleuchten.

Highlights

A Simple Life
Der Opener ist ein guter Einstieg, weil er die Platte sofort verständlich macht. Ein freier, fast schutzloser Beginn mit María J. Lladó, dann kippt der Song in schwere Doom/Death-Wucht. Das Stück hat Pathos, aber noch genug Spannungsaufbau, um nicht bloß auf der Stelle zu trauern. Gerade als Auftakt funktioniert das sehr gut. Die Band selbst stellt den Kontrast aus verletzlichem Einstieg und überrollender Schwere bewusst in den Mittelpunkt, und genau dort liegt die Stärke des Songs.

Broken Toy
Hier wird das Album substanziell erstmals greifbar. Die monströseren Vocals, die schleppenden Riffs und die spätere Öffnung in eine melancholischere Linie zeigen am besten, was Golgotha grundsätzlich können: Härte und Trauer so verschränken, dass keines von beidem bloß Dekoration bleibt. Broken Toy wirkt nicht elegant, aber glaubwürdig. Genau das braucht diese Art von Musik.

Too Late
Die zweite Vorab-Single ist vermutlich der stärkste Hinweis darauf, was Hubris sein will. Der Song erzählt vom vollständigen inneren und äußeren Verfall einer Figur, die zu spät begreift, was sie zerstört hat. Musikalisch setzt das Stück auf extrem schwere Riffs, atmosphärische Passagen und genau jene dynamischen Wechsel, die Golgotha über die Jahre offenbar verfeinert haben. Das ist nicht revolutionär, aber wirkungsvoll.

Intolerance
Der Schlusspunkt soll den Konflikt zwischen der Würde von Trauer und dem rohen Schmerz von Verlust bündeln. Das ist groß formuliert, aber als Idee nicht unpassend: Wenn Hubris am besten ist, klingt die Platte nicht nur traurig, sondern angegriffen. Intolerance wirkt deshalb wie ein sinnvoller Schlusssong für ein Album, das lieber Narben zeigt als Mythen zu bauen.


🎨 Artwork

Das Cover von Hubris ist nicht gerade ein Musterbeispiel für künstlerische Subtilität. Ein nackter, zusammengesunkener Körper, warmes Rotorange, floraler Untergrund, dunkle Schattenformen am Rand und oben das große Logo wie ein schwerer Metallrahmen über dem ganzen Leidensbild. Das hat etwas sehr deutlich Melodramatisches, fast schon späte Neunziger, frühe Zweitausender, irgendwo zwischen Gothic-Doom-Pathos und symbolischem Schmerzensposter.

Und genau das ist hier nicht einmal verkehrt. Das Cover verrät die Platte ziemlich ehrlich: Hubris will nicht kühl analysieren, sondern fühlen, brennen, leiden und das bitte sichtbar. Schön ist daran vor allem, dass Golgotha gar nicht erst so tun, als gehe es hier um Zurückhaltung. Weniger schön ist, dass die Musik diesen emotionalen Überdruck nicht immer gleich stark mit echten Höhepunkten füllt. Das Bild verspricht große innere Verwüstung. Die Platte liefert sie stellenweise, aber nicht durchgehend.


🪦 Besondere Momente

Der zentrale Reiz von Hubris ist die Spannung zwischen den zwei Gesichtshälften der Band: auf der einen Seite tiefe, massive Härte, auf der anderen klare, verletzliche Melodie. Genau dieses Wechselspiel beschreibt auch das offizielle Material immer wieder. Die Band spricht von echten biografischen Bruchstellen statt von fiktiven Geschichten, und das passt zum Charakter der Songs. Hubris will keine Fantasiewelt aufbauen, sondern emotionale Schäden in Musik verwandeln.

Der Haken liegt in der Repetition. Acht Songs bei 41 Minuten sind eigentlich ein kompaktes Format. Trotzdem entsteht der Eindruck, dass Hubris sein Modell etwas zu selten verlässt. Schweres Riff, tiefer Growl, melodische Öffnung, klare Stimme, wieder zurück in die Finsternis: Das ist ein funktionierender Mechanismus, aber auf Albumlänge nutzt er sich leicht ab. Gerade weil Golgotha das atmosphärisch überzeugend hinbekommen, fällt auf, dass mehr formale Abweichung der Platte gutgetan hätte.

📜 Hintergrund

Golgotha gehören zu den langlebigeren Namen des spanischen Doom/Death. Die Band wurde 1992 in Palma de Mallorca gegründet, legte mit Melancholy bereits 1995 los und veröffentlichte danach unter anderem Elemental Changes, New Life, Erasing the Past, Mors Diligentis und zuletzt Spreading The Wings Of Hope. Hubris ist also kein Debüt mit großem Gestus, sondern das Werk einer Band, die ihre Sprache längst gefunden hat.

Das ist Segen und Grenze zugleich. Man hört einerseits sofort, dass hier keine Anfänger am Werk sind. Die Platte weiß, wie sie Schwere aufbaut, wie sie Melancholie dosiert und wie sie die verschiedenen Stimmen gegeneinander stellt. Andererseits klingt Hubris auch wie ein Album einer Band, die ihr Idiom so gut beherrscht, dass sie es nicht mehr besonders oft infrage stellt. Wer genau das will, wird zufrieden sein. Wer nach echter Entwicklung sucht, dürfte etwas weniger euphorisch reagieren.

🪓 Fazit: Wo Schwere nicht gleichzeitig Größe bedeutet

Hubris ist kein Fehlgriff. Dafür ist die Platte viel zu souverän gebaut, atmosphärisch wirklich dicht und in ihren besten Momenten zu klar bei sich selbst. Golgotha liefern hier genau das, was man von einer erfahrenen Doom/Death-Band erwarten darf: Gewicht, Melancholie, Gravitas, Pathos und ein glaubwürdiges Gefühl für dunkle emotionale Räume.

Aber Hubris ist auch kein Album, das sich dauerhaft tief einbrennt. Dafür fehlt ihm etwas zu oft die entscheidende Zuspitzung. Manche Songs wirken mehr wie Variationen derselben Last als wie eigenständige Kapitel. Das ist bei dieser Musikrichtung kein Todesurteil, aber eben der Unterschied zwischen stark und wirklich zwingend.

Am besten ist die Platte dort, wo die Härte und die Melodie sich gegenseitig wirklich wundreiben, etwa in A Simple Life, Broken Toy oder Too Late. Schwächer wird sie dort, wo die Formel zu verlässlich arbeitet. Dann bleibt zwar durchaus Respekt, aber leider auch weniger Nachhall.

Albumcover von Golgotha – Hubris: In warmem Rotorange kauert eine nackte, zusammengesunkene Figur auf einem dunklen, blütenübersäten Untergrund; am Bildrand zeichnen sich düstere Schattenformen ab, darüber steht das große weiße Golgotha-Logo, unten der Albumtitel.
Künstler:Golgotha
Albumtitel:Hubris
Erscheinungsdatum:24. April 2026
Genre:Melodic Doom/Death Metal
Label:Abstract Emotions
Spielzeit:ca. 41 Minuten

Trackliste:

A Simple Life
The Weight of the Weak
Broken Toy
Empty Minds
Too Late
Blind
Fire in the Shadows
Intolerance

🎬 Offizielles Video

Vorab-Video zu Too Late – ein schwerer, düsterer Einblick in Hubris. Bereitgestellt über den Imperative PR-Kanal auf YouTube:

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