Ravenspell – Obsidian King (Review)

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Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Ravenspell – Obsidian King

🧿 Kurzfazit
Obsidian King ist ein erstaunlich treffsicheres Debüt zwischen Speed Metal, klassischem Heavy Metal und frühem Power-Metal-Galopp. Nicht jede Ecke sitzt perfekt, aber die Platte hat genug Schwung, Wucht und altehrliche Haken, um sich sofort festzusetzen.

🎯 Für wen?
Für Leute, die frühe Blind Guardian, Helloween, Judas Priest mit Painkiller-Nachglühen und generell europäisch aufgeladene 80er-Metal-Energie lieben, aber keinen Bock auf Hochglanz-Sterilität haben.

🎧 Wie klingt das?
Scharfe Riffs, flotte Galopps, kernige Leads, ein Sänger mit klassischem Metallcharisma und genau dem richtigen Schuss Kratzigkeit. Dazu ein organischer Sound, der nach echter Band, echtem Raum und echtem Schweiß riecht.

💿 Highlights
God The Watcher, Warriors 9 to 5, Attila

⚠️ Nichts für dich, wenn…
du Heavy Metal nur dann ernst nimmst, wenn er modern geschniegelt, ultrahart oder komplett ironiefrei grimassiert.


‪‪🐦‍⬛ Ravenspell – Obsidian King: Kanadischer Jungstahl mit Rabenkrone

Ravenspell kommen nicht als schüchterne Schülerband ins Klassenzimmer geschlurft, sondern treten mit einem Debüt an, das vom ersten Riff an klarstellt: Hier will niemand nett „an die Achtzigern anknüpfen“. Obsidian King erscheint am 12. März 2026 über Fighter Records, umfasst zehn Songs und ist die erste volle Kampfansage einer Band aus Québec City, deren personelle Wurzeln tief in andere lokale Metal-Projekte hineinreichen.

Und das hört man. Diese Platte klingt nicht wie eine vorsichtige Visitenkarte, sondern wie eine Truppe, die alte Speed- und Heavy-Metal-Tugenden nicht restauriert, sondern mit Anlauf in die Gegenwart schleudert. Wir reden hier also nicht über Retro als Museumsführung, sondern über ein Debüt, das zeigt, wie sehr man die Erfolgsformel der klassischen Metal-Alben verstanden hat: Riffs zuerst, Refrains gleich dahinter, und dazwischen genau genug Pathos, um den Himmel mal eben mit anzuzünden.

🎧 Was erwartet dich?

Genre(s): Speed Metal, Heavy Metal, mit deutlicher Power-Metal-Ader
Vergleichbar mit: frühe Blind Guardian auf noch etwas roherer Straße, Helloween ohne Kürbis-Klamauk, Judas Priest in Stahlhelm und mit leichtem Doom-Schatten im Gepäck
Klangfarbe: Das Album lebt von genau jener Mischung, die schnell albern werden kann und hier erstaunlich souverän funktioniert: flirrende Riffs, klassischer Metal-Galopp, hymnische Refrains und ein Gesang, der eher trägt als posiert. Wir hören hier kein klinisch zusammengeschobenes Retro-Produkt, sondern bewusst einen Sound, hörbar den Eindruck einer echten Band einfängt. David Lizotte hat Mix und Mastering übernommen, und genau das Ergebnis hören wir: genug Kante, genug Luft, genug Körnung, damit diese Songs nicht geschniegelt, sondern lebendig wirken.

Highlights

God The Watcher
Ein Opener, der gar nicht lange verhandelt, ob wir jetzt bitte aufmerksam sein möchten. Die Gitarren kommen sofort mit scharfer Klinge, der Gesang setzt klassisch hoch und selbstbewusst an, und schon nach kurzer Zeit steht fest: Ravenspell haben verstanden, dass ein Debüt nicht höflich um Sympathie bitten darf. Das Stück hat diese frühe 80er-Metal-Nervosität, die alles nach Vorwärtsbewegung klingen lässt, ohne hektisch zu wirken. Ein Auftakt wie ein erhobener Streitkolben.

Warriors 9 to 5
Allein der Titel ist schon ein kleiner Triumph. Inhaltlich schiebt der Song das Schlachtfeld in den Arbeitstag, musikalisch ist er eine wunderbar direkte Mischung aus Galopp, Druck und Mitgröl-Refrain. Dazu kommt eine dieser Hooklines, die gerade deshalb funktioniert, weil sie nicht geschniegelt geschniegelt geschniegelt „groß“ wirken will. Wir hören hier eine Band, die Spaß an martialischer Übertreibung hat und klug genug ist, daraus einen echten Song statt nur ein cooles T-Shirt-Motiv zu bauen. Der Titel erschien bereits 2025 als eigenständige Single und wirkt im Albumkontext immer noch wie einer der klarsten Treffer.

Attila
Natürlich endet so ein Album nicht mit Understatement, sondern mit einem epischen Schlusskoloss über den „Scourge of God“. Und zum Glück funktioniert das. Attila nimmt sich fast acht Minuten Zeit, öffnet den Raum, lässt Tempo zu und beweist, dass Ravenspell nicht nur schnelle Stahlriffs können, sondern auch Dramaturgie. Da schimmert etwas Doom hinein, etwas Pathos, etwas weiträumiger Power-Metal-Geist. Genau so darf ein Finale klingen: groß genug, um den Vorhang zu schließen, aber nicht so aufgeblasen, dass alles vorherige Material rückwirkend wie Warm-up aussieht.


🎨 Artwork

Das Cover von Obsidian King ist herrlich aus der Zeit gefallen und genau deshalb genau richtig. Unter dunklen Gewölben sehen wir links eine schwarze, gekauerte, dämonische Gestalt mit ausgebreiteten Flügeln, rechts eine geisterhafte, fast schon entrückte Figur auf einem steinernen Sitz oder Sarkophag. Dazwischen steht eine einzelne Säule wie ein Trennstrich zwischen Verdammnis und Vision, zwischen Höllenloch und Fiebertraum. Alles ist in dunkles Violett, Schwarz und kaltes Nachtblau getaucht, also in genau jene Palette, die sagt: Hier wird nichts modern-minimalistisch aufgeräumt, hier wird Theater gespielt.

Darüber thront der Bandname in großem, altmetallischem Schriftzug, darunter der Albumtitel in gesetzter Kapitalenschönheit. Das Bild wirkt nicht wie ein austauschbares Streaming-Thumbnail, sondern wie das Cover einer Platte, die wirklich in der Tradition steht, dass Musik auch nach Türmen, Schatten, Zauberei und schlechten Entscheidungen im Kerzenschein aussehen darf. Carl Lavoie hat das Artwork gestaltet, und es passt sehr gut zu einer Band, die musikalisch ebenfalls lieber Atmosphäre baut, als geschniegelt geschniegelt geschniegelt nach Trends zu schielen.


🪦 Besondere Momente

Eine neue Band, aber kein Anfängergeruch
Ravenspell sind zwar als Band neu auf der Bühne, doch die Musiker kommen laut Bandarchiv aus dem Umfeld von Beholder, Gourdin Clouté und Sainte Croix. Das erklärt ziemlich gut, warum Obsidian King nicht wie eine unsichere Erstarbeit klingt, sondern wie ein Debüt mit vorhandenem Handwerk, klarer Genreprägung und ziemlich stabiler Zielgenauigkeit.

Der Sound will ausdrücklich nach Band klingen
Das ist ein kleiner, aber wichtiger Punkt: Laut Labelumfeld wurde bewusst ein Klangbild gesucht, das die Energie einer echten Band „in voller Fahrt“ einfängt. Das kann bei Trad-Metal schnell nach Ausrede für Mumpf klingen. Hier klappt es, weil Mix und Mastering nicht auf Retro-Nebel setzen, sondern auf organische Direktheit. Das Album klingt roh genug für Glaubwürdigkeit und sauber genug, um die Gitarrenarbeit wirklich wirken zu lassen.

Raben, Dunkelheit, Totenbücher und Weltuntergänge
Die Texte zeigen, dass Ravenspell nicht auf realistische Küchenlyrik setzen. God The Watcher arbeitet mit göttlicher Vergeltung, Book of the Dead winkt unverhohlen dem Necronomicon zu, Obsidian Wing baut gleich eine komplette „Black Feather Legion“ um den titelgebenden Rabenherrscher herum, und Hellstorm lässt Armageddon regnen. Das ist natürlich alles latent drüber. Aber genau dieses dröhnende Fantasydrama gibt der Platte ihre Farbe. Hier wird nicht so getan, als seien Mythos und Metal im Pärchen peinlich. Hier werden sie mit sehr viel Freude verheiratet.

📜 Hintergrund

Ravenspell kommen aus Québec City in Kanada und stehen aktuell bei Fighter Records unter Vertrag. Obsidian King ist ihr Debütalbum, erscheint in CD-, LP-, Kassette- und Digitalformaten, und die LP läuft als limitierte 12″-Edition. Das ist kein gigantischer Major-Aufschlag, sondern eher genau die Art von Veröffentlichung, wie sie im aktuellen Underground-Metal oft am glaubwürdigsten wirkt: mit klarer Zielgruppe, echter Szeneanbindung und ohne künstlich aufgeblasenen Hype.

Bandhistorisch ist interessant, dass vor dem Album bereits die Single Warriors 9 to 5 im September 2025 erschien. Das wirkt rückblickend wie ein sinnvoller Vorposten, weil der Song das Profil der Band ziemlich gut bündelt: Speed-Metal-Schub, klassische Heavy-Metal-Hook und lyrische Freude an kriegerischer Überhöhung. Mit Obsidian King wird daraus nun ein vollständigeres Bild: weniger „erste Fingerübung“, mehr „erste richtige Platte einer Truppe, die genau weiß, was sie im Schilde führt“.

🪓 Fazit

Obsidian King ist genau die Art Debüt, die wir uns von einer neuen Trad-Metal-Band wünschen: nicht steril geschniegelt, nicht peinlich nostalgieverliebt, aber hörbar von den richtigen Platten erzogen. Ravenspell verstehen die Grundlagen dieses Sounds, und sie haben genug Melodiegefühl, genug Spielfreude und genug Drama im Blut, um daraus etwas zu machen, das nicht bloß „für Freunde der alten Schule“ funktioniert, sondern tatsächlich hängenbleibt.

Ist das schon der ganz große neue Klassiker? Nein. Dafür gibt es noch Momente, in denen die Platte eher ganz ok als zwingend wirkt. Aber genau darin liegt auch der Charme: Wir hören hier kein Endprodukt, sondern den sehr überzeugenden ersten Aufschlag einer Band, die ziemlich genau weiß, in welche Türme sie noch hineinwachsen will. Und das reicht uns völlig, um Obsidian King ziemlich gut zu finden.

Albumcover Ravenspell – Obsidian King: düsteres Fantasy-Gemälde mit schwarzer geflügelter Gestalt links, geisterhafter Figur rechts auf einem steinernen Sitz, dazwischen eine Säule unter dunklen violett-schwarzen Gewölben.
Künstler:Ravenspell
Albumtitel:Obsidian King
Erscheinungsdatum:12. März 2026
Genre:Speed Metal, Heavy Metal
Label:Fighter Records
Spielzeit:ca. 40 Minuten

Trackliste:

God the Watcher
Onwards We March
Book of the Dead
Warriors 9 to 5
Obsidian Wing
Hellstorm
Raise Hell
Relentless
Battleaxe Apocalypse
Attila

🎬 Offizielles Video

Offizielles Musikvideo zu „God the Watcher“ – ein stählerner Auftakt zwischen Himmelsgericht, Rabenfinsternis und frühem Speed-Metal-Glanz. Bereitgestellt vom offiziellen Fighter Records-Channel auf YouTube:

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