Mausoleum Gate – Space, Rituals And Magick (Review)

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🪐 Mausoleum Gate – Space, Rituals And Magick: Kosmischer Ritualkeller mit Orgel und Dauerwelle

Acht Jahre nichts und dann so ein Brett: Mausoleum Gate tauchen mit Space, Rituals And Magick wieder aus dem finsteren Kuopio-Proberaum auf und tun so, als wäre seit 1979 schlicht keine Zeit vergangen. Neues Line-up, neuer Sänger, mehr Keyboards, aber dieselbe Grundidee. Hier spielt eine Band, die Retro nicht als Pose versteht, sondern als Heimat. Heavy Metal mit Räucherstäbchen, Sternenkarte und Hammond.

Ja klar: Der Albumtitel mit dem obligatorischen Magick k schreit zwar nach Jugendzimmer-Altar und abgegriffener Crowley-Ausgabe, trotzdem passt er perfekt. Mausoleum Gate machen genau das, was der Schriftzug verspricht: Space, Rituale und eine Menge Magie im Altbaukeller.

🎧 Was erwartet dich?

  • Genre: Heavy Metal mit Proto Metal Seele, 70er Hard Rock, Doom und einer ordentlichen Schippe Prog Rock
  • Vergleichbar mit: Okkulter Deep Purple Verschnitt im Gemeindezentrum, Uriah Heep auf Weltraumkurztrip, frühe NWOBHM Bands, die heimlich Tull und Magnum bei Kerzenschein hören.
  • Klangfarbe: Warme, analoge Produktion, Twin Gitarren, die eher Geschichten erzählen als sägen, und Keyboards, die einmal quer durch den Vintage-Flohmarkt wandern. Mellotron, Hammond, Moog, Synths, alles sitzt fest im Mix und trägt nicht nur Deko bei. Darüber Jarno Saarinen, ein Sänger mit markanter, leicht kauziger Stimme, die zwischen beschwörendem Priester, Classic-Metal-Erzähler und sympathischem Kneipenpropheten pendelt. Die Songs sind lang genug, um sich zu entfalten, aber kurz genug, um nicht in zur Jam-Band-Nabelschau zu werden.

Highlights

  • Sacred Be Thy Throne – Fast wie ein kleines Album im Album. Am Anfang treibender Proto Metal, der direkt an die Wurzeln des Genres erinnert, dann ein folkig balladeskes Zwischenspiel und später schwere Doom Figuren, Orgelstöße, proggige Keyboards und ein Refrain, der eher wie eine Liturgie wirkt als wie eine Hook. Sacred Be Thy Throne zeigt, wie gut Mausoleum Gate Spannungsbögen bauen, ohne sich im Gefrickel zu verlieren. Wenn man nur einen Song braucht, um zu verstehen, worum es hier geht, dann diesen.
  • Shine The Night – Hier schaltet die Band das Neon an. Shine The Night ist der heimliche Ohrwurm der Platte, melodisch viel näher an klassischem AOR als an finsterem Ritual. Achtziger Keyboard-Sounds, zweistimmige Gitarrenläufe, ein Refrain, der mit maximaler Pathos-Kurve durch den Raum segelt. Trotzdem bleibt der Song charmant kauzig und kippt nicht in Zuckerguss. Wer sich sonst schwer tut mit Retro Metal, könnte genau hier hängenbleiben.
  • Witches Circle – Zum Abschluss betreten wir den Hexenkreis. Über acht Minuten, in denen die Band alle prog-rockigen und psychedelischen Vorlieben bündelt. Flötige und jazzige Anklänge, sinfonische Keyboard-Wellen, schamanische Rhythmen, dramatische Melodielinien. Zwischendurch wirken Gitarren und Keys, als hätten sich Jethro Tull, Black Widow und Uriah Heep in einem abgelegenen Studio verabredet. Dazu gesprochene Passagen und ein Finale, das eher wie der Abspann eines vergessenen Achtziger Fantasyfilms klingt. Mutiger Schlusspunkt, der das Album konsequent als Ritual abschließt.

🪦 Besondere Momente

  • Die Keyboards sind der heimliche Boss: Viele Retro Bands schmieren die Orgel nur als obligatorische Nostalgie-Schicht aufs Riff. Mausoleum Gate lassen Wicked Ischanius freie Bahn. Ob Mellotron-Teppiche, Hammond-Salven oder kosmische Synth Spiralen, die Keys tragen die Songs genauso stark wie die Gitarren, besonders in Lucifer Shrine und im Titeltrack. Man hört, dass hier jemand die Siebziger Plattensammlung nicht nur besitzt, sondern studiert hat.
  • Sänger mit Charakter statt Plastikheld: Jarno Saarinen klingt nicht nach glattgebügeltem Power Metal Frontmann, sondern nach jemandem, der zu viele Nächte zwischen alten Platten und Kerzenwachs verbracht hat. Mal heldisch, mal nasal, mal bewusst schräg, oft viel Ozzy, aber immer ausdrucksstark. Gerade in den epischen Stücken sorgt diese Stimme dafür, dass der ganze Ritualkram glaubwürdig bleibt.
  • Retro ohne Nostalgie-Kater: Space, Rituals And Magick klingt, als hätte jemand eine verschollene Kassette aus dem elterlichen Dachboden gezogen, nur ohne diesen dumpfen Überspielhall. Die Produktion ist warm, dynamisch und erstaunlich differenziert. Gitarren, Keys und Gesang haben Platz, die Drums drücken ohne alles plattzuwalzen. Nostalgie ja, Staub nein.
  • Titel, die direkt aus dem Rollenspiel-Regelwerk stammen: Vision Divine, Sacred Be Thy Throne, Witches Circle, dazu der Albumname mit magick k. Das riecht nach Achtziger Jugendzimmer, Fanzine-Anzeigen und Kugelschreiber-Pentagramm im Matheheft. Man kann das albern finden, aber es passt perfekt zur Musik und ist im Gegensatz zu mancher Plastik-Fantasy heute so ehrlich, dass es schon wieder sympathisch ist.

📜 Hintergrund

Mausoleum Gate wurden 2008 in Kuopio gegründet und haben sich von Anfang an dem Heavy Metal der späten Siebziger und frühen Achtziger verschrieben. Das selbstbetitelte Debüt und Into A Dark Divinity etablierten sie als Kulttipp für alle, die lieber obskure NWOBHM Singles jagen als Spotify Playlisten sortieren.

Für Space, Rituals And Magick hat sich das Line up spürbar verschoben. Gitarrist Count L.F und Drummer Oskari Räsänen halten weiterhin den Kern zusammen, Wicked Ischanius ist vom Bass an die Keyboards gewechselt. Neu dabei sind Jarno Saarinen am Mikro, Jari Kourunen an der zweiten Gitarre und Jarno Koskell am Bass. Die neuen Leute bringen mehr Prog Flair, mehr Melodie und deutlich mehr Mut für große Arrangements mit, ohne den ursprünglichen Sound zu verwässern.

Nach acht Jahren Pause ist Space, Rituals And Magick damit das klassische Notorious Third Album, allerdings im positiven Sinn. Man hört, dass die Songs Zeit hatten, zu wachsen, und dass die Band nicht versucht, Trends hinterherzulaufen. Stattdessen wird die eigene Nische radikal vertieft: kultiger Heavy Metal mit kosmischem Horizont und viel Liebe zum Detail.

🪓 Fazit

Space, Rituals And Magick ist kein Nebenbei-Album. Die sechs Songs wollen bewusst gehört werden, idealerweise mit Licht aus und Gehirn an. Wer nur schnelle Hooks für die nächste Autofahrt sucht, landet hier an der falschen Ausfahrt.

Wer allerdings Spaß daran hat, wenn Heavy Metal nach vergessenen Vinylregalen, Räucherstäbchen und spätabendlichen Jam Sessions klingt, dürfte hier sehr glücklich werden. Mausoleum Gate verbinden epische Songstrukturen, Vintage-Keyboards und charakterstarken Gesang zu einem Ritual, das gleichzeitig vertraut und eigenständig wirkt. Ein abgefahrener Ritualflug durch den Achtziger Kosmos, liebevoll gebaut, kauzig, manchmal cheesy, aber immer mit Herz. Kein Retro-Baukasten, sondern eine echte Zeitreise.

Mausoleum Gate Space Rituals And Magick Albumcover mit blauem kosmischen Portal, gelb rotem Energiering und violetter embryoähnlicher Gestalt im Zentrum, flankiert von blauen Schlangenformen mit weißen Energiestrahlen
Künstler:Mausoleum Gate
Albumtitel:Space, Rituals And Magick
Erscheinungsdatum:14. November 2025
Genre:Heavy Metal, Hard Rock, Proto Metal, Prog Rock
Label:Cruz Del Sur Music
Spielzeit:ca. 38 Minuten

Vision Divine
Lucifer Shrine
Sacred Be Thy Throne
Shine The Night
Space, Rituals And Magick
Witches Circle

🎬 Offizielles Video

Offizielles Visualizer Video zu „Space, Rituals And Magick“
Kosmischer Heavy Metal Ritt durch Sternennebel und Ritualsymbolik
Direkt vom offiziellen Cruz Del Sur Music YouTube Kanal

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