Guilt Trip – Armour Of Angels (Review)

Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Guilt Trip – Armour Of Angels

🧿 Kurzfazit
Armour Of Angels ist moderner UK-Hardcore mit Metallkante, viel Druck und ein paar vorsichtigen Ausbrüchen aus der eigenen Kampfhaltung. Die Platte gewinnt nicht durch Überraschung, sondern durch Wucht, Präzision und die Fähigkeit, aus simplen Mitteln großen Bewegungsdrang zu machen.

🎯 Für wen?
Für alle, die Malevolence, Terror, Hatebreed, Kublai Khan TX und Gridiron nicht als Stilregal, sondern als Trainingsplan verstehen. Hier wird nicht gefächert, hier wird geschoben.

🎧 Wie klingt das?
Trockenes Schlagzeug, breite Gitarren, harte Stopps, kurze Zündschnüre. Dazu Vocals zwischen Straßenpredigt und Abrisskommando, gelegentlich aufgebrochen durch cleanere Linien, die eher Risse im Beton sind als hübsche Fenster.

🎼 Highlights
Blood Atonement, Veins, No Love Lost

⛔ Nichts für dich, wenn…
du bei Hardcore vor allem Wendungen, Exzentrik oder lange atmosphärische Seitengänge suchst.

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🪽 Guilt Trip – Armour Of Angels: Heilig wird hier gar nichts

Der erste Eindruck ist kein Bild, keine Pose, kein großer Gedanke. Es ist ein Stoß in den Brustkorb. Guilt Trip spielen auf Armour Of Angels Musik, die nicht lange erklärt, warum es sie gibt. Sie zählt an, reißt den Raum auf und überlässt dem Körper die Entscheidung, ob er ausweicht oder mitgeht. Diese Band kommt aus dem Hardcore, trägt aber längst genug Metall im Gebiss, um nicht mehr nach Kellerprobe, sondern nach Festivalbühne mit Sicherheitsgraben zu klingen. Genau dort liegt die Spannung dieses Albums: Es will roh bleiben und größer werden. Es will schwitzen und glänzen. Es will Pit und Panorama.

Das klappt erstaunlich oft, weil Guilt Trip ihre Kernkompetenz nicht verraten. Die Riffs sind kurz angebunden, die Grooves gehen direkt in die Beine, die Stimme klingt, als würde sie jedes Wort gegen eine Wand drücken. Gleichzeitig hat Armour Of Angels mehr melodische Öffnungen, mehr Übergänge, mehr Albumdenken als bloße Setlist-Munition. Aus der reinen Prügelmechanik wird dadurch zwar keine Neuerfindung, aber ein Album, das seine Schultern sichtbar breiter macht.

Nicht jeder neue Muskel sitzt perfekt. Einige Songs marschieren so eng nebeneinander, dass man zwischendurch die Markierungen auf dem Boden vermisst. Aber wenn diese Platte trifft, dann nicht höflich. Dann knackt es.

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🎧 Was erwartet dich?

Genre(s): Metallic Hardcore, UK Hardcore, Crossover, Metalcore, Groove Metal

Vergleichbar mit: Malevolence ohne breitbeinigen Southern-Schwenk, Terror mit moderner Metal-Produktion, Hatebreed im strafferen Gewand und einem kurzen Crossover-Blick Richtung P.O.D., sobald Resurrected die Tür auftritt.

Klangfarbe: Armour Of Angels klingt nicht dreckig im nostalgischen Sinn. Das ist kein muffiger Proberaum, keine Tapedeck-Romantik, kein liebevoller Rost. Die Platte ist sauber gebaut, aber nicht steril. Die Gitarren drücken wie Betonplatten auf Hydraulik, die Drums knallen ohne Schnörkel, und der Bass sorgt dafür, dass der Boden nicht nur bebt, sondern kurz überlegt, ob er kündigt.

Die Produktion gibt den Songs Raum genug, damit die Riffs groß wirken, hält sie aber kurz an der Leine. Gerade dadurch funktioniert der Groove: nichts verläuft, nichts zerfasert, alles bleibt auf Schlagdistanz. Die melodischeren Momente öffnen das Material, ohne es weich zu machen. Es sind keine großen Refrain-Laternen, sondern kurze Lichtschlitze in einer sehr stabilen Wand.

🔥 Highlights

Blood Atonement kommt mit dem passenden Gewicht für diesen Titel. Der Song trägt keine lange Einleitung vor sich her, sondern geht direkt in den Konflikt. Besonders stark ist hier der Übergang in den nächsten Abschnitt des Albums: Guilt Trip denken nicht nur in Einzelnummern, sondern in Bewegungen. Das Stück wirkt wie ein Antritt: kompakt, schwer, entschlossen, mit genug innerer Spannung, um mehr zu sein als bloß der nächste Pit-Auslöser.

Veins ist der Song, bei dem die Platte am deutlichsten zeigt, was sie jenseits der bekannten Faust kann. Hier wird der Druck nicht einfach erhöht, sondern umgelenkt. Die cleaneren Passagen bringen tatsächlich Kontrast, ohne dem Song die Zähne zu ziehen. Der Aufbau hat mehr Atem als vieles andere auf dem Album, und gerade dadurch fühlt sich die spätere Härte verdienter an. Kein Stilbruch, eher ein Blick durch eine angeknackste Tür.

No Love Lost ist der kurze, direkte Beweis, warum Guilt Trip live so gefährlich wirken dürften. Die Nummer verschwendet kaum Bewegung, setzt ihre Haken früh und hält das Tempo eng. Es ist kein Song, der sich vorstellt. Er steht plötzlich da, hat schon die Jacke ausgezogen und fragt nur noch, wer angefangen hat.

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🎨 Artwork

Das Cover von Armour Of Angels zeigt eine geflügelte Gestalt mit Speer, die sich in ein infernalisches Gewühl aus Körpern, Feuer, Rauch und Dämonen stürzt. Das Motiv arbeitet mit einer fast kirchlichen Dramatik: oben Licht, unten Qual, dazwischen ein bewaffneter Engel, der weniger erlösen als durchgreifen möchte. Das passt zur Platte, weil Guilt Trip ihre Hardcore-Direktheit hier mit einer größeren Symbolsprache aufladen. Die Songtitel sprechen von Schuld, Gott, Bannern, Adern, Engeln und Auferstehung. Das Cover übersetzt diese Begriffe nicht subtil, sondern frontal. Es malt keine Zwischentöne, es hisst eine Standarte.

Optisch ist das weit weg von Understatement. Die Komposition wirkt wie ein altes Schlachtgemälde, das in einem Merch-Stand aufgewacht ist. Gerade dieser Überschuss macht Sinn. Guilt Trip klingen auf Armour Of Angels nicht wie eine Band, die in kleinen Gesten denkt. Sie denken in Aufprall, Verdichtung und gemeinsamer Bewegung. Das Cover gibt dieser Musik ein mythologisches Schlachtfeld, obwohl ihre eigentliche Heimat weiterhin der schwitzende Boden vor der Bühne bleibt.

🪦 Besondere Momente

Der Crossover-Moment mit Fremdkörpergefühl:
Resurrected mit Sonny Sandoval ist der auffälligste Abzweig. Die Idee ist nachvollziehbar: Guilt Trip öffnen ihre Hardcore-Metal-Maschine für einen Rap-Rock-Schatten und geben dem Album eine andere Farbe. Ganz organisch wirkt das nicht immer. Live dürfte der Song zünden, auf Platte steht er etwas breiter grinsend im Raum als der Rest.

Mehr Gesang, weniger Kapitulation:
Die cleaneren Stimmen sind keine weichgespülte Flucht ins Radio. Sie funktionieren am besten, wenn sie die Härte nicht ersetzen, sondern dagegen reiben. Veins zeigt, wie das gehen kann: kurz Luft holen, dann wieder hinein in den Druck.

Intermission als notwendiger Sauerstoff:
Der Zwischenhalt nach No Love Lost ist keine große Kunstgeste, aber eine kluge Pause. Bei einem Album, das so konstant körperlich arbeitet, ist ein kurzer Leerlauf kein Luxus, sondern Schadensbegrenzung für die Nackenmuskulatur.

Die religiöse Sprache als Kampfbemalung:
Blood Atonement, Cut From God, Angel Eyes, The Banner Of Heaven: Die Platte benutzt Glaubensbilder nicht als Predigt, sondern als Verstärker. Schuld und Erlösung werden hier nicht verhandelt, sondern in Riffs übersetzt.

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📜 Hintergrund

Guilt Trip stammen aus Manchester und gehören zu den Bands, die den britischen Hardcore der letzten Jahre international sichtbarer gemacht haben. Ihr Sound war nie besonders kompliziert, aber genau darin liegt seine Stärke: harte Riffs, klare Ansagen, metallischer Zug und genug Groove, damit aus Aggression Bewegung wird.

Nach früheren Veröffentlichungen wie River Of Lies und Severance ist Armour Of Angels das dritte Album der Band und zugleich der große Schritt in den Roadrunner-Kontext. Das ist mehr als ein Labelwechsel auf dem Papier. Eine Band, die aus dem Hardcore kommt, bekommt hier plötzlich ein größeres Schaufenster, ohne ihren Kernsound komplett umzubauen.

Produziert wurde das Album von Guilt Trip selbst. Nolly Getgood und Robin Adams sorgen bei Mix, Engineering und Mastering dafür, dass die Platte modern, hart und kontrolliert klingt. Das Ergebnis ist keine rohe Demo-Energie, sondern ein professionell ausgeleuchteter Abriss. Man hört, dass diese Songs für größere Räume gebaut wurden, aber sie tragen immer noch Schmutz unter den Nägeln.

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🪓 Fazit: Der Schlag sitzt, auch wenn die Route bekannt ist

Armour Of Angels ist kein Album, das Guilt Trip neu erfindet. Es ist eher der Moment, in dem die Band ihre bekannten Werkzeuge schärfer sortiert, schwerer ausführt und mit etwas mehr Dramaturgie versieht. Das reicht für eine starke Platte, weil diese Werkzeuge funktionieren: Riff, Groove, Stimme, Stopp, Aufprall.

Die Schwäche liegt genau daneben. Über die komplette Strecke fehlt manchmal der nächste echte Bruch, der das Album aus seiner eigenen Schlagrichtung herausreißt. Einige Songs erledigen ihre Arbeit zuverlässig, ohne lange nachzuhallen. Wer bereits wusste, was Guilt Trip können, wird hier vor allem eine größere, sauberer produzierte und etwas reifere Version davon bekommen.

Aber das ist kein kleiner Befund. In einem Genre, in dem falsche Experimente schnell nach Kostümwechsel klingen, halten Guilt Trip ihre Identität fest und erweitern sie nur dort, wo es ihnen nützt. Armour Of Angels ist kein himmlischer Aufstieg. Es ist ein gut gezielter Sturzflug. Und unten wartet kein Licht. Da wartet der Pit.

Albumcover Guilt Trip – Armour Of Angels: Geflügelte Engelsfigur mit Speer stürzt aus hellem Himmel in eine feurige Höllenszene voller Dämonen, Rauch und kämpfender Körper.
Künstler:Guilt Trip
Albumtitel:Armour Of Angels
Erscheinungsdatum:5. Juni 2026
Genre:Metallic Hardcore, UK Hardcore, Crossover, Metalcore
Label:Roadrunner Records
Spielzeit:ca. 34 Minuten

🎬 Offizielles Video

Offizielles Musikvideo zu „No Love Lost“ – zweieinhalb Minuten kompakter Hardcore-Druck, trocken gezündet und ohne dekorative Fluchtwege. Bereitgestellt vom offiziellen Roadrunner Records-Channel auf YouTube:

🎼 Trackliste:

One By One – 03:48
Blood Atonement – 03:03
Cut From God – 02:46
Dirt – 02:39
Angel Eyes – 02:14
Veins – 02:59
No Love Lost – 02:30
Intermission – 01:14
Burn – 03:04
Suffer Me – 03:09
Resurrected feat. Sonny Sandoval – 02:51
The Banner Of Heaven – 03:59

👥 Besetzung

Jay Valentine – Gesang
Jak Maden – Gitarre
Sam Baker – Gitarre
Lily Kilcoyne – Bass
Tom Aimson – Schlagzeug

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