
August Burns Red – Season Of Surrender (Review)
🧿 Kurzfazit
Season Of Surrender ist ein starkes, wuchtiges und extrem präzise gebautes Metalcore-Album. August Burns Red verbinden technische Rasanz, kontrollierte Härte, melodische Lichtfenster, starke Gastbeiträge und ihre typische Rhythmus-Architektur zu einem Werk, das nicht revolutionär sein muss, weil es auf sehr hohem Niveau funktioniert.
🎯 Für wen?
Für Fans, die modernen Metalcore mit technischer Klasse, harten Breakdowns, progressiver Gitarrenarbeit und emotionaler Wucht mögen. Wer August Burns Red wegen Präzision, Energie und dieser Mischung aus Härte und Hoffnung schätzt, bekommt hier genau die richtige Dosis.
🎧 Wie klingt das?
Wie eine Maschine, die gelernt hat, dass Gefühle nicht stören, sondern den Einschlag genauer machen. August Burns Red spielen hier keinen weichgespülten Spätkarriere-Metalcore. Die Platte ist schnell, dicht, muskulös und oft gnadenlos präzise. Gleichzeitig lassen die Songs genug melodische und atmosphärische Fenster offen, damit der Druck nicht zur reinen Sportübung wird.
🎼 Highlights
Legions, Cerebral Malfunction, Forged By Failure
⛔ Nichts für dich, wenn…
du Metalcore nur mit großen Clean-Refrains, einfacher Dramaturgie und sofortiger Mitsingbarkeit konsumierst. Season Of Surrender ist technischer, härter und dichter gebaut. Diese Platte will dich nicht umarmen, bevor sie geprüft hat, ob du den Breakdown überlebst.
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🔴 August Burns Red – Season Of Surrender: Metalcore unter dem Baum der letzten Gegenwehr
Season Of Surrender klingt, als hätte jemand einen Baum mitten in ein Schlachtfeld gepflanzt und August Burns Red gebeten, daraus kein Symbol der Hoffnung zu machen, sondern ein Schlagzeugpattern. Dieses Album trägt einen Titel, der nach Nachgeben klingt. Nach Loslassen. Nach einer Jahreszeit, in der man die Waffen senkt, die Schultern fallen lässt und vielleicht endlich akzeptiert, dass nicht jeder Kampf durch noch mehr Härte gewonnen wird. Nur machen August Burns Red daraus natürlich keine sanfte Kapitulationsmesse. Diese Band ergibt sich nicht. Sie zerlegt den Begriff in elf Stücke, treibt ihn durch Breakdowns, Rhythmusfallen, technische Gitarrenarbeit und emotionale Druckkammern, bis aus Hingabe kein Rückzug mehr wird, sondern ein anderer Aggregatzustand von Widerstand.
Das Cover passt dazu erstaunlich gut. Ein kahler Baum, kreisrund ausgebreitet wie ein Nervensystem, vor warmem Herbstlicht, mit Vögeln in den Ästen und Wurzeln, die tief in einen seltsam bewegten Boden greifen. Das sieht nicht nach klassischem Metalcore-Alarm aus. Keine Betonwand, kein Feuerregen, kein Mensch mit geballter Faust im Gegenlicht. Stattdessen: Wachstum, Verlust, Verzweigung, Kreislauf. Ein Bild, das Ruhe verspricht, während die Musik darunter sehr deutlich erklärt, dass Ruhe bei August Burns Red meistens nur der Moment vor dem nächsten präzise berechneten Einschlag ist.
Musikalisch ist Season Of Surrender genau das, was diese Band im besten Fall sein kann: technisch brillant, wütend, kontrolliert, emotional zugänglich, aber nie billig aufgelöst. Die Songs wirken nicht wie eine Band, die nach über zwei Jahrzehnten noch einmal beweisen muss, dass sie spielen kann. Das ist längst geklärt. Interessanter ist, wie sicher August Burns Red inzwischen wissen, wann sie schneiden, wann sie schieben, wann sie atmen lassen und wann sie den Boden unter dem Hörer kurzzeitig in ein architektonisches Problem verwandeln. Season Of Surrender ist kein Album über das Aufgeben. Es ist vielmehr ein Album darüber, was übrig bleibt, wenn Aufgeben längst keine Option mehr ist.
🎧 Was erwartet dich?
Genre(s): Metalcore, Progressive Metalcore, Modern Metal
Vergleichbar mit: einem Uhrwerk aus Riffs, das in einer Herbstlandschaft explodiert, während Killswitch Engage aus der Ferne nicken, The Devil Wears Prada kurz den Sturm anblasen und irgendwo ein Schlagzeug beschließt, menschliche Grenzen für ein Gerücht zu halten.
Klangfarbe: Season Of Surrender klingt scharf, trocken, rhythmisch hellwach und emotional unter Spannung. Die Gitarren haben diesen typischen August Burns Red-Biss: technisch, präzise, beweglich, aber nie steril. Das Schlagzeug treibt die Platte mit chirurgischer Gewalt nach vorn, während der Bass das Fundament hält und die Vocals den Raum mit genug Druck füllen, damit auch die melodischeren Momente nicht nach Entlastungsübung wirken. Besonders stark ist die Balance. Die Band klingt weder müde noch verzweifelt modernisiert. Sie klingt wie eine Institution, die weiß, dass man sich nicht ständig neu erfinden muss, wenn man die eigene Sprache noch immer so scharf beherrscht.
🔥 Highlights
Legions ist der perfekte Auftakt, weil der Song keine Rampe baut, sondern direkt durch die Wand kommt. Der Gastbeitrag von Mike Hranica verschärft die ohnehin hohe Grundspannung und macht aus dem Einstieg ein massives Statement: Hier wird nicht langsam warmgelaufen, hier wird sofort gezündet. Der Song lebt von Tempo, Präzision und dieser kontrollierten Überforderung, die August Burns Red so meisterlich beherrschen. Riffs und Drums greifen ineinander, der Gesang drückt nach vorn, und der Breakdown am Ende wirkt nicht wie ein Pflichttermin, sondern wie die logische Entladung eines Stücks, das von Beginn an zu viel Strom im Körper hat.
Cerebral Malfunction ist der spannendste Bruch im Albumgefüge. Der Titel verspricht schon einen Kurzschluss im Kopf, und die Musik liefert genau das: hektische Riffarbeit, nervöse Energie, technische Verästelung und ein Gefühl, als würde das Gehirn versuchen, einen Circlepit in Echtzeit zu berechnen. Wichtig ist hier der Kontrast. Der Gastpart von Make Them Suffer bringt eine andere Farbe hinein, ohne den Song weichzuzeichnen. Gerade die ruhigere, klarere Passage sorgt dafür, dass die Rückkehr der Härte stärker wirkt. Cerebral Malfunction zeigt, dass August Burns Red auch 2026 nicht nur gut prügeln können, sondern Dramaturgie verstehen.
Forged By Failure ist das große Finale und trägt den vielleicht besten Titel der Platte. Aus Scheitern geschmiedet: Das ist genau jene Mischung aus Härte und Selbstüberwindung, die diese Band seit Jahren prägt. Mit fast sieben Minuten bekommt der Song genug Raum, um nicht einfach nur als Schlussbrett zu funktionieren. Der Aufbau ist langsamer, dunkler, cineastischer. Die Band lässt Atmosphäre zu, ohne den Druck zu verlieren. Wenn die härteren Passagen einsetzen, wirken sie nicht wie bloße Metalcore-Muskeln, sondern wie Ausbrüche aus einem inneren Prozess. Forged By Failure ist deshalb mehr als ein langer Abschluss. Es ist der Moment, in dem Season Of Surrender seinen Titel am stärksten versteht: Nicht als Niederlage, sondern als Umformung.
🎨 Artwork
Das Cover von Season Of Surrender wirkt auf den ersten Blick fast zu friedlich für ein August Burns Red-Album. Ein großer, blattloser Baum steht vor einem warmen Kreis aus Licht, seine Äste verzweigen sich fein und dicht, kleine schwarze Vögel sitzen darin, die Wurzeln greifen tief in einen ornamental bewegten Boden. Links oben stehen Bandname und Albumtitel in klarer, blockhafter Schrift.
Gerade dieser Kontrast macht das Bild stark. Der Baum ist nicht tot, aber entblößt. Er trägt keine Blätter, aber Struktur. Er wirkt verletzlich und stabil zugleich. Genau so funktioniert auch die Platte: viel Härte, viel Druck, aber darunter ein erstaunlich klares Gefühl für Form, Wachstum und innere Ordnung. Das Cover schreit nicht Metalcore. Es sagt eher: Hier steht etwas, das den Sturm schon kennt. Und dann beginnt die Musik auch schon damit, diesen Sturm sehr präzise nachzuliefern.
🪦 Besondere Momente
Die Präzision bleibt brutal
August Burns Red klingen auf Season Of Surrender weiterhin wie eine Band, die technische Komplexität nicht ausstellt, sondern in Energie übersetzt. Das ist entscheidend. Die Riffs sind anspruchsvoll, aber sie verlieren nie den Körper.
Gastbeiträge mit Funktion
Mike Hranica, Jamie Hails und Make Them Suffer wirken nicht wie angeklebte Namensschilder. Die Features geben den jeweiligen Songs zusätzliche Farbe und Dynamik, ohne den Kern von August Burns Red zu verwässern.
Härte mit emotionalem Zentrum
Die Platte ist hart, aber nicht leer. Themen wie innere Kämpfe, Befreiung, Scheitern, Heilung und Selbstbehauptung ziehen sich spürbar durch das Album. Das funktioniert, weil die Musik diese Spannung trägt und nicht nur behauptet.
📜 Hintergrund
August Burns Red stammen aus Lancaster, Pennsylvania, und gehören seit vielen Jahren zu den prägenden Konstanten des modernen Metalcore. Die Band wurde 2003 gegründet und hat sich mit technischer Gitarrenarbeit, komplexer Rhythmik, harten Breakdowns, progressiven Strukturen und dem Verzicht auf den üblichen Clean-Refrain-Autopiloten einen sehr eigenen Platz erspielt.
Zur aktuellen Besetzung gehören Jake Luhrs am Gesang, JB Brubaker und Brent Rambler an den Gitarren, Dustin Davidson am Bass sowie Matt Greiner am Schlagzeug.
Season Of Surrender erscheint am 5. Juni 2026 über Fearless Records und umfasst elf Songs. Neben der klassischen Bandwucht setzen August Burns Red auf gezielte Gastbeiträge: Mike Hranica ist bei Legions zu hören, Jamie Hails bei Sonic Salvation, und Make Them Suffer erweitern Cerebral Malfunction um eine zusätzliche dynamische Ebene.
🪓 Fazit: Der Baum biegt sich, aber er bricht nicht
Season Of Surrender ist ein Album, das den Status von August Burns Red nicht neu begründen muss. Diese Band ist längst etabliert. Die eigentliche Frage lautet eher: Brennt da noch etwas, oder verwaltet hier nur eine sehr gute Maschine ihr eigenes Erbe?
Die Antwort fällt ziemlich klar aus: Da brennt noch etwas.
Vielleicht nicht mehr mit dem wilden Entdeckungsfeuer einer jungen Band, die gerade ihre eigene Sprache findet. Aber mit der konzentrierten Hitze einer Formation, die sehr genau weiß, wo sie zuschlagen muss. Season Of Surrender ist nicht überraschend im billigen Sinn. Es reißt nicht alles um, färbt sich nicht plötzlich anders ein und sucht auch nicht verzweifelt nach einer neuen Zielgruppe. Stattdessen macht es etwas viel Wertvolleres: Es zeigt, dass August Burns Red ihre alte Stärke noch immer in frische Spannung übersetzen können.
Legions öffnet das Album wie ein Frontalangriff. Cerebral Malfunction bringt technische Unruhe und dynamische Kontraste zusammen. Forged By Failure setzt am Ende den schweren, cineastischen Schlussstein. Dazwischen liefern Stücke wie The Nameless, Den Of Thieves, Sonic Salvation und New Horizons genau jene Mischung aus Präzision, Druck und melodischem Auftrieb, die diese Band so zuverlässig stark macht.
Nicht jeder Song erfindet den Metalcore neu. Muss er auch nicht. Season Of Surrender lebt weniger von radikaler Veränderung als von Ausführung, Energie und Dramaturgie. Das Album ist wie der Baum auf dem Cover: nicht neu gepflanzt, nicht makellos, nicht dekorativ voll belaubt. Aber tief verwurzelt, weit verzweigt und noch immer stark genug, um gegen den nächsten Sturm nicht nur zu bestehen, sondern ihn in Bewegung zu verwandeln.
August Burns Red liefern damit ein wuchtiges, technisch brillantes und emotional starkes Album. Keine Kapitulation, sondern eher ein kontrolliertes Fallenlassen der alten Rüstung. Und darunter ist immer noch blanker Stahl.

| Künstler: | August Burns Red |
| Albumtitel: | Season Of Surrender |
| Erscheinungsdatum: | 5. Juni 2026 |
| Genre: | Metalcore / Progressive Metalcore / Modern Metal |
| Label: | Fearless Records |
| Spielzeit: | ca. 45 Minuten |
🎬 Offizielles Video
Das offizielle Video zu Behemoth zeigt August Burns Red genau dort, wo Season Of Surrender besonders stark ist: technische Metalcore-Präzision, emotionale Wucht, innere Kämpfe und dieser typische Druck, der nicht einfach nur hart sein will, sondern etwas aus dem Körper herausarbeitet.
🎼 Trackliste:
Legions feat. Mike Hranica – 4:18
The Nameless – 2:54
Behemoth – 3:39
Den Of Thieves – 4:12
Sonic Salvation feat. Jamie Hails – 4:14
Cerebral Malfunction feat. Make Them Suffer – 4:47
Tear Of The Clouds – 0:42
Whispers Like Splinters – 3:48
S.O.S. – 4:27
New Horizons – 5:03
Forged By Failure – 6:46
👥 Besetzung
Jake Luhrs – Gesang
JB Brubaker – Gitarre
Brent Rambler – Gitarre
Dustin Davidson – Bass
Matt Greiner – Schlagzeug
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