
King Potenaz – Arcane Desert Rituals Vol. 2
🧿 Kurzfazit
Arcane Desert Rituals Vol. 2 ist schwerer, breiter und noch stärker in seinem eigenen Wüstenkult angekommen als der Vorgänger. King Potenaz spielen Occult Stoner Doom wie eine langsame Prozession durch Sand, Rost, Schlangenatem und Verstärkerstaub.
🎯 Für wen?
Für Sandwürmer, die Black Sabbath, Sleep, Electric Wizard, Kyuss, Monster Magnet und eine kleine Prise Dungeon-Fantasy vertragen, ohne sofort nach ironischer Distanz zu verlangen.
🎧 Wie klingt das?
Fuzzgitarren wie erhitztes Gestein, Basslinien mit Kameltritt, Drums im Ritualmodus und Synths, die gelegentlich aus dem Hintergrund aufsteigen wie eine Fata Morgana mit schlechten Absichten.
🎼 Highlights
Sumerian Nights, Lord Of The Rust, A Crack In The Void (The Empty Hand pt. 2)
⛔ Nichts für dich, wenn…
du bei Songs über sieben Minuten sofort nervös wirst oder Doom nur akzeptierst, wenn er entweder komplett bierernst oder komplett bekifft herumstolpert.
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🐍 King Potenaz – Arcane Desert Rituals Vol. 2: Der Rostfürst hebt die Bong
Manchmal braucht Rockmusik keine Stadt, keine Straße, keinen Club und schon gar keine nüchterne Erklärung. Manchmal reicht eine Wüste, die es geografisch gar nicht geben muss, ein Ritter mit eigenartiger Flüssigkeitszufuhr, drei Totenschädel auf Stangen und ein Riff, das so breit im Sand liegt, dass ein Karawanenführer dafür Umleitungsschilder aufstellen müsste.
King Potenaz haben auf Arcane Desert Rituals Vol. 2 genau diese Sorte Musik gebaut. Vier Songs. Knapp sechsunddreißig Minuten. Keine Eile. Keine Zierlichkeit. Kein höflicher Versuch, den Hörer schon nach drei Minuten wieder in seine geregelten Verhältnisse zu entlassen. Das italienische Trio kommt aus Fasano, also nicht gerade aus Palm Desert, aber das ist hier erstaunlich egal. Diese Wüste ist kein Ort. Sie ist ein Zustand aus Fuzz, Okkult-Gemurmel, psychedelischem Staub und dem festen Willen, jedes Riff so lange anzustarren, bis es zurückstarrt.
Der Vorgänger Arcane Desert Rituals Vol. 1 hatte bereits den passenden Rahmen gesetzt: Ritual, Wüste, Doom, Schlange, Dunst. Vol. 2 zieht nun den Kreis enger und gleichzeitig weiter. Weniger Song-Sammlung, mehr Beschwörung in vier Stationen. Sumerian Nights öffnet das Tor zu alter Mythologie, Lord Of The Rust lässt einen Fantasy-Schurken aus verrostetem Blech durch den Staub stapfen, The Nothingness starrt in die kosmische Leere, und A Crack In The Void setzt die Reise der leeren Hand fort, als hätte jemand den Schlüssel zum Nichts unter einem Verstärker versteckt.
Das ist nicht subtil. Aber hey, Stoner Doom war doch auch noch nie dafür da, beim Abendempfang die Porzellantassen zu schonen, oder?
🎧 Was erwartet dich?
Genre(s): Occult Doom, Stoner Doom, Psychedelic Doom, Sludge Rock
Vergleichbar mit: Sleep wegen des langsamen Massivritts, Electric Wizard wegen der okkulten Dunstglocke, Kyuss wegen der Wüstenhitze, Monster Magnet wegen des kosmischen Schubs und Black Sabbath, weil jede vernünftige Riffreligion irgendwann dort ihre Kirchensteuer zahlt.
Klangfarbe: Arcane Desert Rituals Vol. 2 klingt trocken, schwer und leicht halluziniert. Die Gitarren sind nicht einfach verzerrt, sie qualmen. Der Bass rollt nicht nur mit, er zieht Furchen. Das Schlagzeug hält die vier langen Stücke zusammen, ohne sie unnötig anzutreiben. Hier wird nicht gerannt. Hier wird geschoben, getragen, beschworen und manchmal einfach in den heißen Wind gestarrt.
Der Sound ist dabei erstaunlich klar für ein Album, das so sehr nach Staub, Ritual und dicker Luft riecht. Mix und Mastering geben den Songs genug Raum, damit sich die langen Riffs nicht gegenseitig die Roben anzünden. Die psychedelischen Elemente bleiben spürbar, aber sie übernehmen nicht die Macht. Diese Platte ist keine endlose Jam-Wolke. Sie hat Struktur, aber sie trägt sie unter einem Mantel aus Fuzz.
🔥 Highlights
Sumerian Nights beginnt mit Cello und Ritualstimmung, bevor der große Wüstengang einsetzt. Der Song ist der perfekte Opener, weil er die Grundidee des Albums direkt auf den Altar legt: alte Zivilisation, nächtliche Beschwörung, Fuzz-Gewicht, langsames Ausgreifen. Anna Carla Del Pretes Cello-Gastbeitrag wirkt nicht wie ein schönes Schmuckstück, sondern wie ein uralter Knochen, der vor dem ersten Riff aus dem Sand gezogen wird. Danach walzt die Nummer mit dieser Mischung aus Stoner-Schwere und okkulter Theatralik los, die King Potenaz von reiner Genreverwaltung trennt.
Lord Of The Rust ist der Titel, bei dem Fantasykosmos natürlich kurz den Kelch hebt. Der Rostfürst klingt nach einer Figur, die irgendwo zwischen Endzeitburg, Schrottplatz und Doom-Katakombe Hof hält. Musikalisch ist das Stück griffiger und direkter als der Opener, mit mehr Rock-Puls im Unterbau und genug Schmutz in den Kanten. Hier zeigt die Band, dass sie nicht nur lange Rituale kann, sondern auch Songs, die trotz aller Dunstschwere nach vorn drücken.
A Crack In The Void (The Empty Hand pt. 2) ist mit elf Minuten das Finale und zugleich der große Rauchabzug der Platte. Die Verbindung zum ersten Teil aus Vol. 1 gibt dem Stück einen schönen Seriencharakter: eine leere Hand, die weiter ins Nichts greift und diesmal offenbar etwas zurückzieht, das besser dort geblieben wäre. Musikalisch zieht der Song die psychedelische Seite stärker auf, ohne den Doom-Körper zu verlieren. Das ist breit, langsam, schwer und am Ende genau jener Abschluss, bei dem man nicht sicher ist, ob die Platte aufgehört hat oder nur der Raum anders klingt.
🎨 Artwork
Das Cover von Arcane Desert Rituals Vol. 2 ist ein herrlicher Unfall aus Wüstenfantasy, Stoner-Poster, Okkultcomic und Plattenladen-Wandbehang. Im Zentrum steht ein gepanzerter Ritter vor rotem Sonnenuntergang und Bergen, flankiert von Totenschädeln auf Speeren, während unten eine riesige blaue Schlange durchs Bild zischt. Der Rahmen wölbt sich wie ein psychedelisches Portal, oben prangt der Bandname, darunter steht die Ritualreihe wie eine Warnung an alle, die nüchtern kamen.
Das Ganze ist knalliger als die meisten Doom-Cover und gerade deshalb reizvoll. Kein grauer Friedhof, kein vager Nebel, kein weiteres Foto von totem Wald im Januar. King Potenaz setzen auf Comic-Mythologie: Wüste, Krieger, Schlange, Schädel, Sonne, Rost, Ritual. Man muss diesem Bild nicht glauben, um es zu mögen. Man muss nur akzeptieren, dass hier jemand die komplette Stoner-Fantasy-Kiste auf den Teppich gekippt und danach beschlossen hat: Ja, genau so.
Besonders schön ist die Mischung aus Ernst und Übermut. Der Ritter sieht aus, als würde er ein kosmisches Tor bewachen, aber die Farben schreien gleichzeitig nach 70er-Rock, Dungeon-Synth-Flyer und sehr fragwürdiger Kräutermischung. Das Cover verkauft nicht einfach Musik. Es verkauft eine kleine Welt, in der ein Rostfürst eine Schlange zum Haustier hat und jeder Verstärker gleichzeitig als Altar genutzt werden kann.
🪦 Besondere Momente
Ein Album wie ein Vierfach-Ritual:
Die Platte funktioniert nicht über viele kurze Nummern, sondern über vier Stationen. Das zwingt die Songs, wirklich zu tragen. Und meistens tun sie das. Jeder Track bekommt ein eigenes Gewicht, eine eigene Wüstentemperatur, eine eigene Art von Dunst.
Das Cello im Sand:
Der kurze Cello-Einsatz in Sumerian Nights ist ein kluger Schachzug. Er macht sofort klar, dass King Potenaz ihr Ritual nicht nur mit Fuzz und Schlagzeugkreis malen wollen. Da kommt ein Hauch alter Welt hinein, bevor die Verstärker das Tor schließen.
Der Rostfürst als heimlicher Star:
Lord Of The Rust ist nicht nur ein Songtitel, sondern ein halber Fantasyroman in vier Worten. Man sieht den Typen sofort: Metallkrone, Staubmantel, Thron aus Auspuffrohren. Solche Bilder helfen der Platte, weil sie den Doom nicht nur körperlich, sondern auch erzählerisch aufladen.
Die Leere bekommt Groove:
The Nothingness könnte mit diesem Titel leicht in bedeutungsschweren Leerlauf kippen. Tut es nicht. Der Song hält genug Bewegung im Körper, damit aus dem Nichts kein schwarzes Sofa wird.
Vol. 2 kennt Vol. 1, klebt aber nicht daran:
Mit A Crack In The Void (The Empty Hand pt. 2) wird die Verbindung zum ersten Teil deutlich, aber die Platte wirkt nicht wie ein Anhang. Eher wie die zweite Hälfte eines Rituals, bei dem man inzwischen merkt, dass der Priester die Sicherheitsregeln nur grob überflogen hat.
📜 Hintergrund
King Potenaz grüßen uns aus Fasano in Süditalien und wurden 2019 aus riffschweren Jam-Sessions von Giuseppe Guarini, Francesco Pensato und Piero Schiavone geboren. Die Band bewegt sich zwischen Occult Doom, Stoner Metal, Sludge, Psychedelic Rock und jener Sorte Wüstenfantasie, die nicht auf Landkarten angewiesen ist. Ihre eigenen Bezugspunkte reichen von Black Sabbath über Sleep und Kyuss bis Electric Wizard und Monster Magnet.
Nach Demo 6:66, dem Debüt Goat Rider und Arcane Desert Rituals Vol. 1 führt Arcane Desert Rituals Vol. 2 die okkulte Wüstenreise weiter. Das Album erscheint über Majestic Mountain Records und konzentriert sich auf vier ausgedehnte Stücke, die thematisch von sumerischen Ritualen über dunkle Fantasy bis zu kosmischer Leere und Rissen im Nichts reichen. Aufgenommen wurde im SudestStudio von Stefano Manca, Mix und Mastering übernahm Marc Urselli.
Die Besetzung bleibt klassisch reduziert: Giuseppe Guarini singt und spielt Gitarre, Francesco Pensato übernimmt den Bass, Piero Schiavone sitzt an Schlagzeug und Synths. Dazu kommt Anna Carla Del Prete mit Cello im Intro von Sumerian Nights. Das ist genau die richtige Größenordnung für diese Musik: drei Leute, ein Gastmoment, vier Rituale, keine unnötige Prozession im Beipackzettel.
🪓 Fazit: Der Sand ist heiß, der Kelch ist leer, das Riff bleibt schwer
Sorry für unsere Nicht-Ganz-Dicht-Kunst bei der Headline. Und jetzt das Fazit: Arcane Desert Rituals Vol. 2 ist keine Platte für Leute, die Stoner Doom nur als gemütliches Hintergrundbrummen beim Sortieren ihrer Lavalampe suchen. King Potenaz haben zwar den Fuzz, den Groove und die psychedelische Hitze, aber sie legen darüber eine eigene kleine Mythologie aus Rost, Schlangen, alten Nächten und kosmischem Risswerk.
Die große Stärke liegt in der Konsequenz. Vier lange Songs, keine Hast, kein hektisches Schielen auf Playlist-Logik. Das Album nimmt sich Raum und nutzt ihn. Nicht jeder Moment ist gleich zwingend, und wer mit endlosen Riffschleifen grundsätzlich fremdelt, wird hier natürlich nicht plötzlich zum Wüstenmönch. Aber innerhalb dieses Rahmens funktioniert die Sache prächtig.
King Potenaz klingen auf Arcane Desert Rituals Vol. 2 schwerer, dunkler und stärker in ihrer eigenen Welt angekommen. Das ist kein Stoner-Doom-Souvenir aus der Genre-Geschenkbude, sondern ein kleiner okkulter Comic-Tempel mit brummendem Fundament. Der Rostfürst hebt die Bong, die Schlange zischt, irgendwo reißt ein Tor zum Nichts auf. Und aus irgendeinem Grund groovt das alles ganz ausgezeichnet.

| Künstler: | King Potenaz |
| Albumtitel: | Arcane Desert Rituals Vol. 2 |
| Erscheinungsdatum: | 12. Juni 2026 |
| Genre: | Occult Doom, Stoner Doom, Psychedelic Doom, Sludge Rock |
| Label: | Majestic Mountain Records |
| Spielzeit: | ca. 36 Minuten |
🎬 Offizielles Video
Offizielles Musikvideo zu „Sumerian Nights“ – zehn Minuten okkulter Wüsten-Doom zwischen Sumer-Staub, Fuzz-Monolith und Ritualkreis unter sehr alten Sternen. Bereitgestellt vom offiziellen Majestic Mountain Records-Channel auf YouTube:
🎼 Trackliste:
Sumerian Nights – 10:48
Lord Of The Rust – 7:44
The Nothingness – 6:57
A Crack In The Void (The Empty Hand pt. 2) – 11:00
👥 Besetzung
Giuseppe Guarini – Gesang / Gitarre
Francesco Pensato – Bass
Piero Schiavone – Schlagzeug / Synths
👥 Gäste und Beiträge
Anna Carla Del Prete – Cello auf Sumerian Nights
Stefano Manca – Aufnahme
Marc Urselli – Mix / Mastering
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