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Django Wexler – Everybody Wants to Rule the World Except Me
📚 Kurzfazit
Everybody Wants to Rule the World Except Me ist ein herrlich schneller, böser und sehr witziger Abschluss der Dark Lord Davi-Dilogie. Monsterhorden, Zeitschleife, Anti-Heldin, Weltherrschaftsverweigerung. Oh ja! Das ist Fantasy als Burnout-Komödie mit Drachenrand.
😒 Was kratzt
Klaro: Band 2 bleibt eben immer Band 2. Wer How to Become the Dark Lord and Die Trying nicht kennt, steigt hier nicht elegant bei Tee und Einführungsbroschüre ein, sondern wird eher von einem Ork ins laufende Chaos geworfen. Band 1 ist hier 100 % Pflicht.
✨ Was funktioniert
Davi ist einfach stark, weil sie Macht nicht verklärt. Sie trägt den Titel Dark Lord, aber ihr eigentlicher Wunsch ist kein Thron, sondern ein Ausgang. Das macht den Roman deutlich witziger und menschlicher als viele Fantasy-Satiren, die nur mit Tropen jonglieren.
🧶 Welt und Stimmung
Die beste Idee bleibt die coole Umkehrung: Nicht die Heldin muss den Dunklen Lord besiegen. Die Heldin ist der Dark Lord und muss nun verhindern, dass alle anderen ausgerechnet ihre Rolle ernster nehmen als sie selbst.
🐦 Crowbah meint
Weltherrschaft klingt nur so lange attraktiv, bis man merkt, dass sie hauptsächlich aus Krisensitzungen, Monsterlogistik und schlecht gelaunten Untergebenen besteht. Dann wirkt ein mittlerer Schreibtischjob plötzlich fast idyllisch.
🐉 Django Wexler – Everybody Wants to Rule the World Except Me: Weltherrschaft ist nur Stress mit Monstern
Der schlechteste Job der Fantasy ist nicht Bauer im Grenzdorf, namenloser Wachsoldat vor dem Dämonentor oder Praktikant in einer Magierakademie mit mangelhaftem Brandschutz. Der schlechteste Job ist und bleibt ganz klar Dark Lord wider Willen.
Man bekommt eine Burg, einen Titel, Horden der Finsternis und irgendeinen sehr unbequemen Thron. Was man nicht bekommt: Feierabend, Tarifvertrag oder eine vernünftige Anleitung, wie man Monster, Menschen, Kriegsverbrecher, Prophezeiungen und den eigenen Nervenzusammenbruch gleichzeitig verwaltet. Davi wollte den Laden eigentlich retten, nicht regieren. Das unterscheidet sie angenehm von fast allen anderen in diesem Buch.
In Django Wexlers Everybody Wants to Rule the World Except Me ist der Weltuntergang längst nicht mehr nur eine düstere Drohung am Horizont, sondern eine Art schlecht geführtes Großprojekt mit Hörnerhelmen. Davi hat als Dark Lord versucht, die Horden der Finsternis nach Hause zu schicken. Schöner Plan. Leider sind Monsterhorden nicht gerade bekannt dafür, nach einem motivierenden Teammeeting in geordneten Reihen den Heimweg anzutreten. Nun braucht sie Frieden zwischen Menschen und Kreaturen, Kontrolle über ein entgleitendes Chaos und vor allem einen Ausweg aus jener Zeitschleife, die ihr Leben in eine mörderische Wiederholung mit Bonusfrust verwandelt.
Das ist der Reiz dieses Finales: Wexler schreibt keine Schurkengeschichte, sondern eine Anti-Machtfantasie. Alle wollen herrschen. Davi will nur noch raus.
🧭 Worum geht’s eigentlich?
Davi hat ein Problem. Genauer gesagt: Sie hat gleich mehrere. Sie sitzt in einer Zeitschleife fest, hat den Titel Dark Lord am Hals und versucht, eine Welt zu retten, die offenbar fest entschlossen ist, sich von möglichst vielen Seiten gleichzeitig ruinieren zu lassen.
Ihr ursprünglicher Plan war fast rührend vernünftig: Als Dark Lord übernimmt sie die Horden der Finsternis, schickt sie nach Hause und beendet den Krieg. Keine Eroberung. Keine finstere Weltherrschaft. Kein dramatisches Gelächter auf dem Balkon. Nur einmal kurz die Monsterverwaltung neu ordnen, bitte.
Natürlich funktioniert das nicht. Denn: Davi verliert die Kontrolle über die Kreaturen, die eigentlich unter ihrem Banner stehen sollten. Menschen und Monster stehen weiter am Rand des nächsten großen Gemetzels. Alte Machtinteressen, militärische Reflexe und persönliche Traumata machen jede Lösung schwerer. Und während alle Welt so tut, als sei Herrschaft ein erstrebenswertes Ziel, muss Davi herausfinden, wie man Frieden stiftet, wenn wirklich niemand gelernt hat, nicht sofort zum Schwert zu greifen.
Dazu kommt die Zeitschleife. Davi kennt Tod, Wiederholung, Scheitern und Neustart. Das macht sie nicht unverwundbar, sondern erschöpft. Ihre Stärke liegt gerade darin, dass sie diesen ganzen epischen Apparat längst durchschaut hat. Sie weiß, wie Heldengeschichten funktionieren. Sie weiß, wie Schurkenrollen funktionieren. Und sie hat zunehmend wenig Geduld für beides.
🔍 Stärken & Schwächen
🖋 Stil
Django Wexler schreibt hier mit Wexler-Tempo, Punch und einem sehr gesunden Misstrauen gegenüber klassischer Fantasy-Erhabenheit. Everybody Wants to Rule the World Except Me will nicht majestätisch über die Hügel reiten und vom Schicksal singen. Das Buch tritt die Tür auf, zeigt auf den brennenden Kontinent und fragt, wer diesen Irrsinn eigentlich genehmigt hat.
Der Humor funktioniert vor allem deshalb, weil er nicht bloß auf Klamauk setzt. Ja, das Buch ist sarkastisch, schnell, bewusst überdreht und voller Genre-Spott. Aber unter dem Witz liegt eine ziemlich klare Erkenntnis: Fantasy-Macht ist oft absurd. Armeen, Prophezeiungen, dunkle Titel, heroische Opfer, Königreiche, die unbedingt regiert werden wollen. All das sieht aus der Nähe weniger majestätisch aus als in der Ballade.
Wexler ist am besten, wenn er diese Mechanik auseinanderzieht. Ein Dark Lord ist hier nicht das Ende der Moral, sondern ein Verwaltungsalbtraum mit Symbolwirkung. Monster sind nicht nur Kanonenfutter. Menschen sind nicht automatisch die Guten. Krieg ist nicht romantisch. Und der Versuch, eine Welt aus alten Erzählmustern herauszuzwingen, ist vielleicht schwieriger als jeder Endkampf.
Manchmal schießt der Ton natürlich mit voller Absicht über die Brüstung. Diese Reihe lebt von Schnelligkeit, Spruchfeuer und popkultureller Energie. Wer stille, gravitätische Fantasy will, wird hier vermutlich schon nach zwanzig Seiten nach dem nächsten ehrwürdigen Stammbaum rufen. Wer aber Lust auf einen Erzähler hat, der Fantasyklischees kennt, benutzt und gleichzeitig in die Rippen tritt, bekommt zweifellos reichlich Futter.
🧍♂️ Figuren
Davi trägt diesen Roman, weil sie nicht die übliche Fantasy-Heldin im anderen Mantel ist. Sie ist zynisch, wütend, erschöpft, schlagfertig und oft erstaunlich klar in einer Welt, die ständig pathetisch werden möchte. Ihre Rolle als Dark Lord ist kein Machttraum, sondern eine Zumutung, in die sie hineingestoßen wurde und aus der sie nun irgendwie Sinn machen muss.
Gerade das macht sie sympathisch. Davi will nicht auf einem Berg aus Schädeln sitzen. Sie hasst es, von Horden angebetet werden. Sie möchte auch nicht die nächste große Herrscherin sein. Sie will, dass das Sterben aufhört endlich aus der Schleife raus, die jedes Scheitern noch einmal in den Hals zurückschiebt.
Diese Erschöpfung gibt dem Buch mehr Gewicht, als das grelle Cover und der Comedy-Ton zunächst vermuten lassen. Hinter den Gags steckt eine Figur, die zu oft verloren, zu oft neu begonnen und zu oft erlebt hat, wie aus guten Absichten blutige Katastrophen werden. Wexler lässt Davi witzig sein, aber nicht harmlos.
Die Monsterseite ist ebenfalls reizvoll, weil sie nicht nur als groteske Kulisse dient. Der Roman interessiert sich dafür, was passiert, wenn Kreaturen, die sonst als dunkle Masse in die Schlacht geschickt werden, plötzlich politisch, sozial und moralisch ernst genommen werden müssen. Das ist die eigentliche Fantasy-Pointe: Frieden mit Monstern ist komplizierter als jeder Krieg gegen sie.
Die Gegenspieler und Nebenfiguren leben vom Chaos dieser Welt. Nicht jeder bekommt große psychologische Tiefe, aber das passt zum Tempo. Wichtig ist: Sie alle spiegeln Davis Grundproblem. Überall wollen Leute Macht. Oder Rache. Oder Ordnung. Oder Kontrolle. Nur Davi sitzt mitten im Zentrum und denkt zunehmend: Bitte nicht schon wieder ein System, das jemanden frisst.
🕒 Tempo und Aufbau
Der Roman hat ordentlich Zug. Das muss er auch, denn diese Prämisse würde bei zu viel Stillstand schnell in reiner Gagverwaltung landen. Wexler hält die Geschichte in Bewegung: politische Katastrophen, Monsterprobleme, Zeitschleifenlogik, Friedensversuche, alte Feindschaften, neue Fehler. Davi bekommt kaum Raum zum Durchatmen, und genau so fühlt sich ihr Leben offenbar an.
Das Tempo ist einer der großen Pluspunkte. Everybody Wants to Rule the World Except Me liest sich nicht wie ein Roman, der erst drei Kapitel lang seine Schuhe bindet. Er rennt los, stolpert absichtlich über ein paar Genre-Säulen und nutzt den Schwung, um direkt in die nächste Eskalation zu krachen.
Das hat aber seinen Preis. Nicht jede Szene darf lange nachhallen. Nicht jede emotionale Wunde wird mit maximaler Ruhe ausgeleuchtet. Manches rauscht vorbei, weil der Roman lieber weiterwill. Das passt zum Ton, verhindert aber stellenweise, dass einzelne Momente ganz so tief schneiden könnten, wie sie es in einer ruhigeren Fassung täten.
Trotzdem: Für diese Art Buch ist das die richtige Entscheidung. Eine Dark-Lord-Zeitschleifen-Komödie über Monsterfrieden und Machtverweigerung braucht keinen feierlichen Marsch. Sie braucht Druck, Energie und die permanente Sorge, dass gleich jemand mit einer sehr schlechten Idee um die Ecke kommt.
✨ Atmosphäre und Welt
Die Atmosphäre ist laut, bunt, blutig und angenehm respektlos. Everybody Wants to Rule the World Except Me hat keine Ehrfurcht vor den üblichen Fantasy-Heiligtümern. Dark Lord? Jobtitel mit Folgeschäden. Monsterhorde? Sozialer Sprengstoff mit scharfen Zähnen. Heldentum? Oft nur eine andere Verpackung für Gewalt. Weltherrschaft? Verwaltungsdesaster mit besonders schlechtem Branding.
Gerade diese Entzauberung macht unglaublichen Spaß. Der Roman nimmt Fantasy nicht weniger ernst, weil er sie verspottet. Im Gegenteil: Er kennt die Mechanik so gut, dass er sie gezielt überdrehen kann. Davi bewegt sich durch eine Welt, in der die großen Symbole alle noch vorhanden sind — Burgen, Kreaturen, Schlachten, finstere Rollen, epische Erwartungen —, aber sie funktionieren nicht mehr sauber. Sie knarren. Sie nerven. Und sie produzieren viel zu viel Arbeit.
Das gibt dem Buch einen modernen, bissigen Ton. Es ist Fantasy für Menschen, die das Genre lieben, aber beim nächsten „Auserwählten mit Schwert und Schicksal“ trotzdem kurz in die Tischkante beißen möchten. Wexler liefert keine Anti-Fantasy, sondern eine liebevoll aggressive Genre-Komödie: mit Herz, Blut und reichlich schlechter Laune gegenüber Machtphantasien.
Am besten ist die Atmosphäre dort, wo das Monströse politisch wird. Wenn Monster nicht nur Gegner sind, sondern Teil einer Welt, die irgendwie Frieden lernen muss, gewinnt das Buch eine zweite, deutlich tiefgründigere Ebene. Dann geht es nicht mehr nur um Gags, sondern um die Frage, wer in Fantasywelten überhaupt als Person gilt. Und wer bloß als feindlicher Haufen im Kapitel vor der Schlacht auftauchen darf.
📜 Fazit: Der Dark Lord möchte bitte aus dem Verteiler genommen werden
Django Wexlers Everybody Wants to Rule the World Except Me ist ein starker Abschluss für Dark Lord Davi: schnell, böse, witzig und genau dann am besten, wenn er seine alberne Oberfläche mit echter Genre-Kritik unterfüttert. Das Buch weiß, wie lächerlich Weltherrschaft klingt, sobald man sie nicht aus Sicht eines wahnsinnigen Thronbesitzers betrachtet, sondern aus Sicht einer völlig überlasteten Frau, die eigentlich nur aus der Endlosschleife des Sterbens und Neustartens herauswill.
Davi ist dabei der klare Gewinn. Sie ist kein netter Gegenentwurf zum Dark Lord, sondern eine Figur, die verstanden hat, dass die Rolle selbst vergiftet ist. Wer herrscht, wird Teil der Maschine. Wer die Maschine sprengen will, muss aber erst einmal in ihr überleben. Genau diesen Widerspruch spielt Wexler mit viel Tempo und sehr gutem Gespür für absurde Machtlogik aus.
Natürlich ist das kein leiser, fein austarierter Roman. Everybody Wants to Rule the World Except Me ist laut, direkt, manchmal überdreht und sichtbar daran interessiert, seine Pointen nicht zu lange im Wartezimmer sitzen zu lassen. Nicht jeder Nebenweg ist gleich stark, nicht jede emotionale Szene bekommt den Raum, den sie vielleicht verdient hätte. Aber die Energie stimmt. Der Ton stimmt. Und der Grundwitz trägt: Ausgerechnet der Dark Lord ist die einzige Person, die keine Lust auf Weltherrschaft hat.
Für uns ist das ohne jede Frage genau der richtige Stoff: schräg, respektlos, genreverliebt und intelligent genug, um nicht bei bloßer Parodie stehen zu bleiben. Wexler nimmt die alte Fantasy-Frage „Wer darf die Welt beherrschen?“ und gibt die einzig vernünftige Antwort: Hoffentlich niemand, der sich freiwillig dafür meldet.
🌟 Bewertung
Varanthis-Skala: ★★★★☆
„Witzige Dark-Lord-Komödie über Monster, Macht und Zeitschleifenfrust. Laut, bissig, schnell und genau dann stark, wenn unter dem Chaos echte Genre-Kritik aufblitzt. Ein gelungener zweiter Teil und höchst würdiger Abschluss.“

Autor: Django Wexler
Titel: Everybody Wants to Rule the World Except Me
Reihe: Dark Lord Davi, Band 2
Verlag: Penhaligon Verlag
Übersetzung: Ruggero Leò
Seitenanzahl: 416 Seiten, broschiert
Erstveröffentlichung: 2026
ISBN: 978-3764533618
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