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Thy Killing Hand – Infernal Commands
🧿 Kurzfazit
Infernal Commands ist ein dreckiges, langsames und ritualhaftes Black-Metal-Debüt, das weniger unterhalten als befallen will.
🎯 Für wen?
Für Schwarzhörer, die Necromantia, Beherit, Master’s Hammer, frühen okkulten Black Metal und modrige Kellerliturgie mögen.
🎧 Wie klingt das?
Wie ein Ritual in einem Raum ohne Fenster: knochige Riffs, schwerer Bass, rumpelnde Drums, Synthdunst, choralartige Schatten und eine Atmosphäre, die definitiv noch nie gelüftet wurde.
🎼 Highlights
On a Silver Globe, To Receive the Final Task, Enter, Asmodeus
⛔ Nichts für dich, wenn…
du Black Metal nur magst, wenn er entweder sehr geschliffen produziert ist oder mit 280 km/h durch den Wald brettert.
🜏 Thy Killing Hand – Infernal Commands: Jetzt gibt der Keller die Befehle
Es gibt ja immer mehr dieser sehr gefälligen Black-Metal-Alben, die klingen, als wären sie nur dazu aufgenommen worden, um beifällig nickend bestaunt zu werden. Infernal Commands allerdings klingt eher, als hätte jemand eine Tür geöffnet, die seit 400 Jahren zugemauert war, und dahinter befand sich nicht etwa ein Schatz, sondern ein feuchter Raum mit verrotteten Kerzen, einer falsch herum aufgehängten Krone und einem Bassverstärker, der vermutlich schon weit vor Beginn der Elektrifizierung verflucht wurde.
Thy Killing Hand sind ein anonymes polnisches Duo, und das passt hier tatsächlich sehr gut. Diese Musik braucht nämlich keine Gesichter. Was sie braucht, sind Schatten, Mauerwerk, Modergeruch und eine gewisse Intoleranz gegenüber Tageslicht. Nach den beiden Kassetten-Demos Scarlet Ceremonies und Ixaxar liefert Infernal Commands nun das Debütalbum: neun Stücke Black Metal, der nicht rasen muss, um gefährlich rüberzukommen.
Das hier ist kein sauberer Hochgeschwindigkeitssturm, sondern eher ein langsamer Befehl aus der Gruft. Midtempo-Malice, knochige Gitarren, schwerer Bass, dumpfe Drums, Synthnebel, Choralspuren und dieser unangenehme Eindruck, dass unter der Musik jemand sehr ruhig eine Liste mit Namen vorliest. Necromantia, Beherit und Master’s Hammer blitzen als entfernte Verwandte durch den Schimmel, aber Thy Killing Hand machen daraus keine Zitatensammlung. Sie bauen eine eigene kleine Schimmelkapelle und stellen die Tür von innen zu.
🎧 Was erwartet dich?
Genre(s): Black Metal, Occult Black Metal, Dungeon Black Metal
Vergleichbar mit: Necromantia für den finsteren Bass- und Ritualcharakter, Beherit für den primitiven Dämonenstaub, Master’s Hammer für den eigenwilligen okkulten Spuk und frühe Cultes des Ghoules dort, wo Black Metal eher Beschwörung als regulärer Songbetrieb ist.
Klangfarbe: Infernal Commands klingt wirklich überhaupt nichtschön. Und das ist schön so. Die Platte ist rau, dumpf, muffig und bewusst schmucklos. Die Gitarren sägen nicht elegant, sie kratzen. Die Drums marschieren nicht sauber, sie treiben wie Schritte auf nassem Stein. Der Bass ist keine Hintergrundstütze, sondern ein bollernder schwarzer Ofen im Keller.
Auffällig ist das Tempo – oder eher – das Nicht-Tempo. Thy Killing Hand setzen nicht auf Dauerfeuer, sondern auf Druck durch Beharrlichkeit. Viele Passagen schleppen sich mit bösartiger Ruhe vorwärts. Dadurch bekommt das Album etwas Befehlsartiges. Kein Chaos, kein hysterischer Ausbruch, sondern eine Stimme aus der Tiefe, die nicht lauter werden muss, weil sie ohnehin weiß, dass man gehorcht.
🔥 Highlights
On a Silver Globe ist ein großartiger Einstieg, weil der Song sofort das gesamte Elend in voller Breite ausrollt. Siebeneinhalb Minuten, aber keine epische Heldenreise. Eher ein langsamer Abstieg in eine Mondlandschaft, in der jemand die Sterne gegen Ruß getauscht hat. Der Titel wirkt fast poetisch, die Musik beantwortet das mit Verwesung. Sehr schön, wenn man bei Schönheit grundsätzlich eher misstrauisch bleibt.
To Receive the Final Task setzt den zentralen Befehlston des Albums. Hier passt die Mischung aus Midtempo-Druck, okkulter Schwere und alter Kellerfeuchtigkeit besonders gut. Der Song wirkt, als würde man nicht gefragt, sondern eingeteilt. Keine große Geste, kein Pathos, sondern dieser trockene Moment, in dem das Ritual vom Gemurmel zur Aufgabe wird.
Enter, Asmodeus ist natürlich schon vom Titel her ein gefundenes Festessen für schlechte Entscheidungen. Musikalisch funktioniert der Track, weil er die dämonische Karte nicht als plumpen Effekt ausspielt. Stattdessen schiebt sich das Stück mit finsterer Geduld voran, als betrete nicht Asmodeus den Raum, sondern als merke man erst langsam, dass er schon die ganze Zeit starrend in der Ecke stand.
🎨 Artwork
Das Cover präsentiert sich wunderbar unangenehm. Ein gekrönter Mehrkopf hängt oder schwebt im Zentrum, halb Ikone, halb Albtraum, aus dem Hintergrund bricht ein greller Strahlenkranz hervor. Alles ist in dunklen, fast monochromen Tönen gehalten, als wäre das Bild mit Kohle, Staub und schlechtem Gewissen gezeichnet worden.
Besonders stark ist dieser religiöse Gegenlicht-Effekt. Das Motiv spielt mit Heiligenschein und Herrschaftssymbolik, aber statt Erlösung gibt es Entstellung. Die Krone sitzt nicht auf einem edlen Haupt, sondern auf einer Fratze aus mehreren Gesichtern. Das passt hervorragend zu Infernal Commands: Autorität als Fluch, Offenbarung als Befall, Liturgie als akustischer Schimmel. Das Cover schreit nicht. Es blickt uns finster an. Und genau deshalb funktioniert es.
🪦 Besondere Momente
Der Bass als Grabofen
Viele Black-Metal-Produktionen verlieren den oft Bass irgendwo im Sturm. Hier ist er spürbar, schwer und wichtig. Er macht die Musik körperlicher und älter, fast wie ein bebendes schwarzes Fundament unter der ganzen Beschwörung.
Midtempo als Drohung
Thy Killing Hand wissen, dass Langsamkeit böser sein kann als Raserei. Das Album lauert, stapft und drückt. Es rennt nicht weg, weil es keinen Grund sieht, sich zu beeilen.
Synths wie kalter Weihrauch
Die synthetischen Nebel sind sparsam, aber wirkungsvoll. Sie geben den Songs keinen Glanz, sondern diesen muffigen sakralen Überzug, der alles noch etwas falscher wirken lässt.
Die Titel sprechen in Befehlen
To Receive the Final Task, Enter, Asmodeus, I am Third Revelation, Enemy – das ist keine freundliche Trackliste, hier ist Imperativ Trumpf. Also eher wie ein beschädigtes Inhaltsverzeichnis aus einem Buch, das man besser nicht ausleiht.
Keine Szene-Kosmetik
Infernal Commands wirkt nicht wie ein Album, das sich groß einordnen möchte. Es klingt eigenbrötlerisch, streng und ziemlich unwillig, irgendwem einen leichten Zugang zu bauen. Sympathisch, auf seine eigene, unhöfliche Weise.
📜 Hintergrund
Thy Killing Hand stammen aus Polen und traten zunächst mit zwei Kassetten-Demos in Erscheinung: Scarlet Ceremonies von 2023 und Ixaxar von 2024. Schon diese Vorläufer deuteten an, dass hier kein moderner Hochglanz-Black-Metal entstehen sollte, sondern etwas Älteres, Schmutzigeres, Rituelleres.
Infernal Commands ist nun das erste vollständige Album und erscheint über EAL Productions, im Umfeld von NoEvDia. Diese Herkunft passt zur Ästhetik: kein Szene-Lächeln, keine dekorative Finsternis, sondern eine Platte, die sich wie ein Gegenstand aus einem okkulten Nebenraum anfühlt.
Die Band bleibt anonym. Das ist in diesem Fall keine Masche, sondern fast zwingend. Gesichter würden nur stören. Diese Musik will nicht biografisch erklärt werden. Sie will im Mauerwerk wohnen.
🪓 Fazit: Der Befehl kommt von unten
Infernal Commands ist nicht für den schnellen Kick tauglich. Wer Black Metal vor allem als Temporausbruch versteht, wird hier vermutlich ungeduldig im Kreidekreis stehen und nach einem Fenster suchen. Diese Platte arbeitet anders. Sie baut Druck durch Wiederholung, Schwere, Dreck und Atmosphäre auf.
Nicht jeder Song ist sofort greifbar, und genau darin liegt ein Teil des Reizes. Thy Killing Hand liefern keine Hits, sondern Befehle. Manche davon klingen, als kämen sie aus einer Gruft, manche aus einem schlechten Traum, manche aus einem Keller, in dem sehr alte Dinge erstaunlich lebendig geblieben sind. Leider lebendig im falschen Sinne.
Als Debüt ist Infernal Commands ziemlich überzeugend, weil es seine Grenzen kennt. Es will nicht alles gleichzeitig sein. Dabei ist es weder schön, auch nicht modern, kein bisschen virtuos oder zugänglich. Es will ein schwarzes Ritualalbum sein, knochig und feucht, mit genug eigener Stimme, um nicht nur als Rückgriff auf alte Vorbilder zu funktionieren.
Der Keller gibt die Befehle. Und irgendwer hat die Tür von der anderen Seite abgeschlossen.

| Künstler: | Thy Killing Hand |
| Albumtitel: | Infernal Commands |
| Erscheinungsdatum: | 12. Juni 2026 |
| Genre: | Black Metal, Occult Black Metal, Dungeon Black Metal |
| Label: | EAL Productions / NoEvDia |
| Spielzeit: | ca. 44 Minuten |
🎬 Offizieller Albumstream
Offizieller Albumstream zu „Infernal Commands“ – Black Metal aus Kellerluft, Bassdruck und jener Sorte Ritualnebel, die garantiert nicht nach Räucherstäbchen riecht:
🎼 Trackliste:
On a Silver Globe – 7:22
The Great Beyond – 4:40
Bones Resound – 3:04
To Receive the Final Task – 5:36
Enter, Asmodeus – 5:33
Dance, Anteser – 2:06
Trip of Divine Passion – 5:17
I am Third Revelation – 5:06
Enemy – 5:01
👥 Besetzung
unbekannt
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