Atronos – Gram (Review)

Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Atronos – Gram

🧿 Kurzfazit
Mit Gram stellt sich ein treibendes, melodisches und kampflustiges Black-Metal-Album mit deutlicher Pagan-Kante vor. Atronos verbinden teutonische Härte, heroische Melodik, deutsche Texte und ordentlich Vorwärtsdrang zu einem Werk, das seine Schwertpose kennt, aber genug Feuer unter den Stiefeln hat, um nicht zur reinen Kulisse zu erstarren.

🎯 Für wen?
Für Dunkelseelen, die deutschen Black Metal mit Melodie, Pathos und Druck mögen. Wer bei Mavorim, Eisenkult, Ad Mortem, Asenheim oder klassischem Pagan-Black-Metal nicht sofort die Fackel löscht, dürfte sich hier schnell zurechtfinden.

🎧 Wie klingt das?
Wie ein Friedhofsmarsch, der nach drei Minuten enthüllt, dass er eigentlich ein Angriff ist. Atronos setzen auf schnelle, treibende Songs mit melodischer Führung, rauem Gesang, schneidenden Gitarren und einem heroischen Grundton, der nie ganz frei von Schlachtfeldromantik ist. Der Sound ist nicht roh im Sinne von verwahrlost, sondern direkt, klar und druckvoll genug, damit die Melodien nicht im Nebel verschwinden.

🎼 Highlights
Geisterflug, Ein Raunen im Sturm, Richtschwert deiner Sünde

⛔ Nichts für dich, wenn…
du bei deutschsprachigem Black Metal mit erhobener Faust, Stahlvokabular und Pagan-Pathos sofort innerlich die Tür abschließt. Gram will nicht klein sein. Diese Platte bringt Schwert, Schatten und reichlich Graberde mit.

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⚔️ AtronosGram: Teutonischer Black Metal mit Richtschwert und Grabnebel

Gram steht nicht lange vor dem Friedhofstor herum, um erst einmal bedeutungsvoll in den Nebel zu schauen. Diese Platte tritt es auf, marschiert zwischen die Grabsteine und hebt das Richtschwert, als hätte jemand dem deutschen Black Metal gerade wieder erlaubt, Pathos, Druck und schlechte Laune gleichzeitig zu tragen.

Atronos spielen auf ihrem dritten Album keinen asketischen Keller-Black-Metal, der nur aus Kälte, Staub und schlecht gelaunten Gitarren besteht. Gram ist melodischer, breiter, heroischer und deutlich beweglicher. Die Songs haben Zug nach vorn, die Riffs wollen nicht nur schneiden, sondern mitreißen, und über allem liegt diese spezifisch deutsche Mischung aus Sturm, Stahl, Ahnenbild, Friedhofsgrün und erhobenem Kinn.

Das kann sehr schnell albern werden. Vor allem, wenn Songtitel wie Mit Hass im Aug’ und Stahl im Blut, Richtschwert deiner Sünde oder Titanisches Erbe aufmarschieren, als hätten sie vor der Aufnahme noch kurz im Requisitenraum von Walhall Inventur gemacht. Aber Atronos retten diese Pose durch Energie. Gram nimmt sich ernst, ja. Aber es steht nicht steif in der Landschaft. Es rennt. Es hämmert. Es reißt die melodischen Linien hoch und lässt sie über treibende Drums stolpern, bis aus Pathos Bewegung wird.

Das ist der entscheidende Punkt: Diese Platte will nicht geheimnisvoll in der Ecke schimmern. Sie will mit gezückter Klinge durch den Grabnebel gleiten und sieht dabei ziemlich elegant aus.

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🎧 Was erwartet dich?

Genre(s): Black Metal, Pagan Black Metal, Teutonic Black Metal

Vergleichbar mit: einem alten Schlachtlied, das sich nachts auf einem Friedhof verläuft, dort einen seltsamen Kapuzenmann trifft und daraufhin beschließt, deutlich schneller zu werden.

Klangfarbe: Gram klingt dunkel, stählern und erdig. Nicht urban, nicht kosmisch und gewiss nicht philosophisch entrückt. Diese Musik steht mit beiden Stiefeln in feuchtem Boden und schaut dabei trotzdem gern in Richtung alter Hallen, alter Götter und alter Rechnungen. Die Gitarren tragen das Album. Sie liefern nicht nur Härte, sondern auch Melodie, und genau daraus entsteht der Sog. Das Schlagzeug hält die Platte nach vorn gedrückt, während der Gesang rau genug bleibt, um die heroischen Momente nicht zu glatt werden zu lassen.

🔥 Highlights

Geisterflug ist der richtige Auftakt, weil der Song sofort klarmacht, dass Atronos keine lange Beschwörung brauchen. Der Titel klingt nach Spuk, Aufbruch und nächtlicher Bewegung, und genau das setzt das Stück um: Es hebt schnell ab, treibt nach vorn und verbindet Melodie mit jener ruppigen Energie, die Gram durch weite Strecken trägt. Stark ist, dass Geisterflug nicht nur ein Einstieg mit Tempo ist. Der Song öffnet direkt den emotionalen Raum der Platte: Grabnebel, Bewegung, Unruhe, ein Hauch Pathos, aber kein langes Herumstehen im Mondlicht. Hier wird nicht erst ein Altar aufgebaut. Hier fliegt der Geist los, und die Band rennt hinterher.

Ein Raunen im Sturm zeigt die melodische Seite des Albums besonders gut. Schon der Titel hat dieses schöne alte Black-Metal-Versprechen: Irgendwo spricht etwas im Wetter, und natürlich ist es nichts Vernünftiges. Atronos machen daraus einen Song, der nicht nur drückt, sondern schiebt, zieht und in seinen stärksten Momenten tatsächlich diese stürmische Weite erreicht, die viele Bands nur behaupten. Das Stück lebt von seinem Spannungsverhältnis aus Härte und Erhebung. Die Melodien wirken nicht weich, sondern kämpferisch. Der Sturm ist hier keine romantische Tapete, sondern Bewegung. Genau dadurch funktioniert der Song: Er hat Größe, aber er verliert nicht den Boden.

Richtschwert deiner Sünde ist der Titel, bei dem man fast automatisch ein wenig grinsen muss. Das klingt nach schwarzem Tribunal, schwerem Mantel und sehr ernster Stirnfalte. Aber musikalisch sitzt das Stück, weil Atronos die Dramatik nicht nur behaupten, sondern mit ausreichend Druck unterfüttern. Der Song bringt die schneidendere, strafendere Seite von Gram gut auf den Punkt. Hier passt das Pathos, weil die Musik genug Zug besitzt. Das Richtschwert hängt nicht dekorativ an der Wand. Es wird geschwungen. Vielleicht etwas theatralisch, möglicherweise mit etwas zu großem Schattenwurf, aber genau das gehört bei dieser Platte zum Reiz.

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🎨 Artwork

Das Cover von Gram sieht aus wie ein Friedhof, der beschlossen hat, selbst eine Band zu gründen. Ein geisterhaftes Totenschädelgesicht hängt im Nebel, die Augenhöhlen dunkel, der Mund verwischt, als würde der Tod gerade durch feuchte Luft sprechen. Rechts steht eine verhüllte Gestalt mit Sense, nicht als greller Schockeffekt, sondern als klassischer Todesbote im grünlich-schwarzen Dämmerlicht. Links und im Hintergrund: kahle Bäume, Grabsteine, Nebel, Erde, Verfall.

Das ist kein origineller Motivbruch, aber ein sehr passendes Bild. Gram will nicht modern irritieren oder ästhetisch ausweichen. Es setzt auf genau jene Symbolik, die zu dieser Musik gehört: Tod, Nebel, Friedhof, Kapuze, Sense, Schädel. Der Trick ist, dass das Cover nicht zu sauber wirkt. Es hat eine matte, schmutzige, leicht ausgewaschene Atmosphäre, die gut zur Platte passt. Man schaut darauf und hört fast schon den ersten deutschen Black-Metal-Reim über Sturm, Grab und Blut im Gebüsch rascheln. Und ja: Genau dafür ist es da.

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🪦 Besondere Momente

Pathos mit Puls

Atronos bedienen große Bilder, aber sie lassen sie nicht nur herumstehen. Gram funktioniert, weil die Songs in Bewegung bleiben. Das Pathos bekommt Beine, und das rettet viele Momente vor steifer Feierlichkeit.

Deutsche Sprache als Klinge

Die deutschen Texte geben der Platte Profil. Natürlich ist manches Vokabular sehr schwer bewaffnet, aber gerade das gehört hier zur Identität. Atronos klingen nicht wie eine Band, die englische Black-Metal-Formeln übersetzt. Sie setzen bewusst auf diesen kantigen, direkten Ton. Wir mögens.

Melodie statt bloßes Marschieren

Der größte Gewinn liegt in den Gitarrenmelodien. Gram wäre deutlich schwächer, wenn es nur auf Wucht und Haltung setzen würde. Die melodischen Linien geben dem Album Wiedererkennungswert und sorgen dafür, dass die Songs nicht ineinanderfallen.

Kompakt, aber nicht klein

Zehn Stücke, knapp fünfzig Minuten, keine endlose Selbstumkreisung. Das Album hat genug Raum für Atmosphäre, bleibt aber meistens straff. Gerade diese Mischung aus Breite und Vorwärtsdrang tut dem Material gut.

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📜 Hintergrund

Atronos sind eine deutsche Black-Metal-Band, die auf Gram in stabiler Dreierbesetzung arbeitet: Baptist verantwortet Texte und Gesang, Valfor sitzt am Schlagzeug, Henker schreibt die Musik und spielt Gitarren, Bass sowie Backing Vocals. Gram ist das dritte Album der Band und erschien am 30. April 2026. Nach dem Vorgänger Erwachen rückt die Band wieder stärker zu einer feurigeren, treibenderen Form zurück, ohne die melodische und heroische Weite aufzugeben. Das Ergebnis ist ein Album, das zwischen klassischem Black Metal, Pagan-Anklängen und deutscher Kampfesromantik steht.

Die zehn Songs tragen Titel, die das Feld klar abstecken: Geister, Sturm, Knochen, Stahl, Erbe, Schuld, Ketten, Zorn. Das ist nicht subtil, aber konsequent. Atronos wissen, welches Banner sie tragen. Und auf Gram lassen sie es ordentlich im Wind knattern.

🪓 Fazit: Wenn das Schwert im Nebel nicht nur Deko ist

Gram ist ein Album, das seine Mittel offen auf den Tisch legt. Grabnebel. Richtschwert. Deutsche Wucht. Pagan-Melodik. Heroischer Black Metal. Dazu ein Cover mit Schädel, Sense und Friedhof. Man muss nicht lange rätseln, aus welcher Gruft diese Platte steigt. Die Frage ist auch eher: Trägt das musikalisch? Ja, das tut es meistens tatsächlich. Atronos haben genug Energie, um die großen Gesten nicht leer wirken zu lassen. Die Songs sind druckvoll, melodisch und zielstrebig gebaut. Gerade Geisterflug, Ein Raunen im Sturm und Richtschwert deiner Sünde zeigen, dass diese Band nicht nur mit Begriffen wie Stahl, Zorn und Sünde hantiert, sondern auch Songs schreiben kann, die hängen bleiben.

Natürlich ist Gram keine Platte für Hörer, die bei jeder Schwertmetapher sofort Schnappatmung bekommen. Diese Musik lebt von genau dieser Überhöhung. Sie will kein Alltagsprotokoll sein, sondern ein nächtlicher Aufmarsch im Schatten alter Symbole. Manchmal ist das nah an der Grenze zum sehr breit aufgestellten Heldenpathos. Aber Atronos gehen mit genug Ernst, Tempo und melodischem Geschick darüber, dass man ihnen den Mantel nicht vom Rücken ziehen möchte.

Das Album ist vielleicht nicht revolutionär, aber es ist stark in dem, was es sein will: deutschsprachiger, melodischer Black Metal mit Pagan-Zug, Graberde unter den Fingernägeln und einer Faust am Schwertgriff. Gram hebt das Richtschwert nicht unbedingt spektakulär, aber es hebt es mit einigem Nachdruck. Insgesamt ein schönes Album.

Albumcover von Atronos – Gram: Düsteres grünlich-schwarzes Friedhofsartwork mit einem großen geisterhaften Totenschädel im Nebel, kahlen Bäumen, Grabsteinen und einer verhüllten Gestalt mit Sense auf der rechten Seite. Im unteren Bereich steht das weiße Bandlogo, darunter der Albumtitel Gram.
Künstler:Atronos
Albumtitel:Gram
Erscheinungsdatum:30. April 2026
Genre:Black Metal / Pagan Black Metal / Teutonic Black Metal
Label:Purity Through Fire
Spielzeit:ca. 49 Minuten

🎬 Full Album Stream

Der Full-Album-Stream zu Gram zeigt Atronos in voller Länge: deutscher Black Metal mit Pagan-Melodik, Grabnebel, Richtschwert-Pathos und genug Vorwärtsdrang, damit aus der Friedhofspose ein echter nächtlicher Angriff wird.

🎼 Trackliste:

Geisterflug – 5:19
Ein Raunen im Sturm – 5:37
Kummertreiben – 4:31
Knochen – 3:32
Mit Hass im Aug’ und Stahl im Blut – 4:54
Titanisches Erbe – 4:34
Richtschwert deiner Sünde – 5:22
Stolz – 5:03
In Ketten – 5:15
Zorn – 4:58

👥 Besetzung

Baptist – Texte / Gesang
Valfor – Schlagzeug
Henker – Musik / Gitarre / Bass / Backing Vocals

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