
Six Feet Under – Next To Die
🧿 Kurzfazit
Next To Die ist kein neuer Klassiker, aber ein solides Six-Feet-Under-Album mit starkem Sound, gutem Artwork, brauchbaren Grooves und klar hörbaren Schwächen bei Stimme und Songwriting. Nicht schönreden, nicht beerdigen: Passt und gut!
🎯 Für wen?
Für alle, die Six Feet Under nicht wegen technischer Feinarbeit auflagen, sondern wegen schwerer Riffs, morbidem Groove und diesem speziellen Gefühl, dass Death Metal manchmal einfach wie ein alter Leichenwagen mit Motorschaden klingen darf.
🎧 Wie klingt das?
Tief, fleischig, trocken, schwer. Die Produktion ist deutlich stärker als manches Material darunter. Gitarren und Drums drücken ordentlich, der Bass schiebt von unten, und Mark Lewis gibt der Platte genau den körperlichen Druck, den Six Feet Under brauchen.
💿 Highlights
Mister Blood And Guts, Mutilated Corpse In The Woods, Unmistakable Smell Of Death, Grasped From Beyond
⛔ Nichts für dich, wenn…
du beim Namen Chris Barnes sofort innerlich den Notarzt rufst oder von Six Feet Under im Jahr 2026 plötzlich messerscharfen, modernen Death Metal erwartest. Das hier ist eine verdammte Knochenmühle, kein poliertes Präzisionslabor.
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🪦 Six Feet Under – Next To Die: Weil der Friedhof immer noch groovt
Six Feet Under veröffentlichen mit Next To Die ihr 15. Studioalbum. Die Platte erscheint am 24. April 2026 über Metal Blade Records, umfasst zwölf Songs und wurde von Jack Owen und Chris Barnes produziert. Mark Lewis übernahm Mix und Mastering, das herrlich modrige Retro-Death-Metal-Artwork stammt von Sandy Rezalmi. Die aktuelle Besetzung: Chris Barnes, Jack Owen, Ray Suhy, Jeff Hughell und Marco Pitruzzella.
Ein neues Six-Feet-Under-Album ist längst kein normaler Death-Metal-Release mehr, sondern eine kleine Gerichtsverhandlung mit Grablichtern. Auf der einen Seite steht die Geschichte dieser Band: Groove, Tod, Knochen, stumpfe Wucht, Barnes als ehemalige Urgewalt. Auf der anderen Seite steht die Gegenwart: ein Sänger, dessen Stimme nicht mehr das Monster von früher ist, und eine Band, die trotzdem noch genau weiß, wie man einen rostigen Todespanzer durch den Grabesmatsch fährt.
Next To Die ist deshalb weder Triumphzug noch Totalschaden. Es ist ein ordentliches, schweres, phasenweise ziemlich effektives Spätwerk einer Band, die ihre Grenzen kennt — und manchmal trotzdem gegen mit voller Wuch gegen sie donnert.
🎧 Was erwartet dich?
Genre(s): Death Metal, Groove Death Metal, Old-School Death Metal
Vergleichbar mit: Six Feet Under in ihrer klassischen Grobschlächter-Logik; frühe Groove-Death-Schwere mit modernerer Produktion; Cannibal-Corpse-Abstammung ohne deren aktuelle Präzisionsraserei; ein bisschen Friedhof, ein bisschen Schlachthaus, ein bisschen schlecht belüfteter Proberaum mit sehr teurem Mischpult.
Klangfarbe: Ein Album mit dem Klang eines Sargs, der über groben Kies gezogen wird. Nicht elegant, nicht filigran, aber richtig schwer. Die Gitarren stehen dunkel und breit im Raum, die Drums haben erfreulich viel Leben, und der Bass sorgt dafür, dass Next To Die nicht nur nach altem Knochenstaub klingt, sondern auch nach echter Körpermasse. Der Sound ist der klare Gewinner des Albums: warm, druckvoll, organisch und deutlich besser, als einige Songs es kompositorisch verdient hätten.
✨ Highlights
Mister Blood And Guts
Der Titel klingt wie eine angschlagene Death-Metal-Konzert-Bootleg-VHS-Kassette aus einem Kellerregal, und genau darin liegt sein Charme. Mister Blood And Guts ist Six Feet Under in brauchbarer Form: stumpf genug, um nicht künstlich zu wirken, aber mit genug Druck, um nicht bloß herumzustehen. Der Song hat diese grobe Horrorhost-Atmosphäre, die zur Band passt wie Modergeruch zum offenen Grab.
Mutilated Corpse In The Woods
Einer der stärkeren schnellen Momente des Albums. Hier merkt man, dass Jack Owen im Uptempo deutlich wacher wirkt. Das Riffing hat mehr Biss, der Song läuft nicht nur, er greift auch. Barnes bleibt natürlich Barnes in heutiger Form, aber der Track kaschiert seine Schwächen besser, weil die Instrumentalfraktion genügend Bewegung erzeugt.
Unmistakable Smell Of Death
Als Single logisch gewählt: direkt, griffig, nicht zu verkopft, mit einer ordentlichen Mischung aus Tempo und Stop-and-go-Schwere. Der Song zeigt, was Next To Die im besten Fall kann: klassische Six-Feet-Under-DNA mit etwas mehr Attacke verbinden. Kein Wunderwerk, aber ein brauchbarer Beweis, dass diese Band noch nicht nur aus Nostalgie besteht.
Grasped From Beyond
Ein später Album-Moment, der erstaunlich gut funktioniert, weil hier Groove und Atmosphäre besser zusammenfallen. Grasped From Beyond klingt nicht wie ein Pflichtstück auf dem Weg zur Tracklist-Vollständigkeit, sondern wie ein Song, der tatsächlich noch einmal Gewicht aufbauen will. Einer der Momente, in denen das Album kurz die Schultern breiter macht.
🎨 Artwork
Das Cover von Next To Die ist einer der klaren Pluspunkte. Sandy Rezalmi liefert kein digitales Plastikgrab und keine müde Schockpose, sondern ein schön kratziges, altmodisch finsteres Death-Metal-Bild: Sensenmann, Skelette, Laterne, Ruinen, rote Augen, dreckige Linien, wenig Trost. Das sieht aus, als hätte jemand eine vergessene Grabplatte aus den Neunzigern ausgegraben und die verwitterte Schrift mit frischem Blut nachgezogen.
Genau das passt zu Six Feet Under. Diese Band braucht keine Hochglanzhölle und keine modernen Designer-Schädel. Sie braucht ein Cover, das nach Gruft, Riff und abgestandenem Todesgeruch aussieht. Next To Die bekommt das. Nach mehreren fragwürdigen Cover-Phasen wirkt dieses Bild endlich wieder wie ein richtiges Death-Metal-Artwork: grob, düster, leicht trashig, aber mit Stil.
🪦 Besondere Momente
Der interessanteste Punkt an Next To Die ist die angekündigte Mischung aus schnellerem Death-Metal-Material und groovigeren Nummern im alten Six-Feet-Under-Stil. Genau diese Idee hört man dem Album tatsächlich an. Die schnelleren Stücke funktionieren oft besser, weil sie mehr Druck erzeugen und Barnes weniger Raum geben, die Songs nach unten zu ziehen. Die groovigeren Momente passen natürlich zur Bandhistorie, geraten aber gelegentlich zu träge.
Und damit sind wir beim zentralen Thema: Chris Barnes. Man muss seine aktuelle Stimme nicht lächerlich machen, um ehrlich zu sein. Barnes ist eine Death-Metal-Legende. Ohne ihn gäbe es diese Band nicht in dieser Form, und seine frühere Bedeutung steht nicht zur Debatte. Aber auf Next To Die ist seine Stimme nicht mehr die alte Abrissmaschine. Sie knurrt, sie gurgelt, sie schiebt sich durch die Songs — doch Druck, Tiefe und Variation sind einfach mittlerweile begrenzt.
Das Album profitiert davon, dass Barnes nicht ständig gegen seine Grenzen anbrüllt. Er wirkt weniger verkrampft als auf einigen schwächeren Momenten der jüngeren Vergangenheit. Trotzdem bleibt sein Gesang der wackligste Teil der Platte. Man hört hier keine peinliche Katastrophe, aber man hört Verschleiß. Und dieser Verschleiß prägt das Album stärker als jede Riffidee.
📜 Hintergrund
Six Feet Under wurden Anfang der Neunziger als Death-Metal-Nebenprojekt von Chris Barnes gegründet und wurden nach seinem Abschied bei Cannibal Corpse zur Hauptband. Der frühe Reiz lag nie in technischer Überwältigung, sondern in schwerem Groove, morbider Direktheit und Barnes’ unverwechselbarem Organ. Haunted, Warpath und Maximum Violence stehen für eine Phase, in der Six Feet Under eine eigene Nische besetzten: weniger klinisch, weniger hektisch, dafür walzend, stumpf, finster und sofort erkennbar.
Die späteren Jahre wurden schwieriger. Alben kamen, Besetzungen wechselten, Barnes’ Stimme wurde zum Dauerthema, und nicht jede Veröffentlichung half dem Bandnamen. Killing For Revenge war 2024 immerhin wieder ein Schritt in eine stabilere Richtung. Next To Die knüpft daran an, wirkt aber weniger wie ein echter Sprung nach vorn als wie eine sauber produzierte Standortbestimmung.
Die Band ist eingespielt, der Sound stimmt, die Gitarrenarbeit hat Momente, und die Platte hat genug Substanz, um nicht als Pflichtübung durchzugehen. Aber der ganz große Biss fehlt. Six Feet Under sind noch lange nicht tot. Sie stehen eben nur nicht mehr besonders schnell auf.
🪓 Fazit: Eine offene Klinge statt eines Grabsteins
Next To Die ist ein Album, das man leicht zu hart bestrafen könnte. Natürlich ist Barnes nicht mehr der Sänger, der einst wie ein urzeitliches Monster durch den Death Metal walzte. Natürlich sind manche Riffs zu schlicht. Und ja, es gibt Songs, die mehr Gewicht als Idee besitzen. Aber Six Feet Under waren nie eine Band für Feingeister mit Notizbuch. Sie waren immer dann am besten, wenn sie grob, dunkel und körperlich klangen. Und genau das gelingt hier noch oft genug.
Das Album hat einen starken Sound, ein gelungenes Artwork und einige Songs, die den alten Six-Feet-Under-Groove mit brauchbarer Energie verbinden. Es hat aber auch Leerlauf, begrenzte vokale Ausdruckskraft und zu wenig wirklich zwingende Momente, um mehr als solides Spätwerk zu sein.
Ein Verriss wäre wohlfeil. Ein Lobgesang kompletter Quatsch. Next To Die liegt genau dazwischen: ein respektables, schweres, manchmal erfreulich dreckiges Death-Metal-Album mit deutlichen Altersrissen.

| Künstler: | Six Feet Under |
| Albumtitel: | Next To Die |
| Erscheinungsdatum: | 24. April 2026 |
| Genre: | Death Metal, Groove Death Metal |
| Label: | Metal Blade Records |
| Spielzeit: | ca. 47 Minuten |
Trackliste:
Approach Your Grave
Destroyed Remains
Mister Blood And Guts
Mutilated Corpse In The Woods
Unmistakable Smell Of Death
Wrath And Terror Takes Command
Skin Coffins
Mind Hell
Naked And Dismembered
Grasped From Beyond
Next To Die
Ill Wishes
🎬 Offizielles Video
Offizielles Video zu „Mutilated Corpse In The Woods“ – ein grober, finsterer Vorgeschmack auf Next To Die. Bereitgestellt vom offiziellen Metal Blade Records-Channel auf YouTube:
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