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Lord Of The Lost – Opvs Noir Vol. 2 (Kurzcheck)
🧿 Kurzfazit
Opvs Noir Vol. 2 ist kein Bonus Anhängsel, sondern der richtige zweite Akt eines überlangen Dark-Metal-Musicals. Weniger bunt als Blood & Glitter, kompakter als Vol. 1 und mit ein paar Feature Brechern, die dich direkt ins schwarze Herz des Projekts ziehen.
🎯 Für wen?
Für Hörer, die Gothic-Metal, Dark-Metal und Industrial-Pop mögen, aber weder auf Stadion-Pathos noch auf peinliche Vampir-Posen stehen. Ideal für alle, die Blood & Glitter zu karnevalesk fanden und sich eine dunklere, aber immer noch hymnische Version der Band wünschen.
🎧 Wie klingt das?
Breite Riffwände, dicke Drums, viel Klavier, orchestrale Layer, die eher Film Soundtrack als Symphonic-Bombast sind, dazu der typische Chris-Harms-Mix aus Crooner-Bariton und Metal-Shouts. Elektronik und Industrial Puls sind präsenter, geraten aber selten zur Neon-Disco, eher zu düsteren EBM Schatten an der Wand.
💿 Highlights
Would You Walk With Me Through Hell, Raveyard, What Have We Become, Sharp Edges
⚠️ Nichts für dich, wenn…
du von Lord Of The Lost nur bunte ESC-Hooks erwartest oder allergisch auf Gastfeatures, Genre-Mixe und große Gesten bist.
👑 Zwischen Höllenfeuer und Schlagermove: Lord Of The Lost – Opvs Noir Vol. 2
Wenn eine Band nach ESC Finale, Nummer eins Album und Dauertour ausgerechnet ein dreiteiliges Dark-Metal-Epos ankündigt, riecht das schnell nach Größenwahn. Bei Lord Of The Lost heißt dieses Projekt ** Opvs Noir ** und Vol. 2 liefert den Mittelteil eines 33 Song Zyklus, der die eigene Bandpsyche auseinander nimmt und wieder zusammensetzt. Nach dem farbsatten Glitter Angriff von Blood & Glitter ziehen die Hamburger hier erneut die Vorhänge zu und lassen nur noch Kerzenlicht auf die Barockmöbel fallen. Vol. 2 soll laut Konzept die Idee von Hoffnung in dieses Dunkel tragen. Die Frage ist: gelingt das, ohne die schwarze Samtdecke zu lüften? Wir haben mal druntergehorcht.
🎧 Was erwartet dich?
Genre: Dark-Metal, Gothic-Metal, Industrial-Rock mit Pop- und Alternative-Einschlag
Vergleichbar mit: moderner Dark-Metal, der irgendwo zwischen ernst gemeintem Gothic-Musical, industrial gefärbtem Stadionrock und ESC-erprobtem Düster-Pop landet, große Refrains, viel Pathos, aber klar dunkler Grundton
Klangfarbe: Fette Gitarrenwände, druckvolle Drums, viel Klavier und orchestrale Layer, dazu elektronische Puls-Linien und EBM-Schatten. Chris Harms’ Stimme pendelt zwischen tiefem Crooner und bissigen Shouts, Chöre und Backings stapeln sich wie Kirchenbänke bis zur Decke.
Struktur: Elf Songs im Bereich von vier bis fünf Minuten, kaum Füllmaterial. Die Spannweite reicht von schweren Dark-Metal-Balladen bis zu fast clubtauglichen Tracks wie Raveyard. Opvs Noir Vol. 2 wirkt fokussierter als Vol. 1: klarer Spannungsbogen vom wuchtigen Einstieg The Fall From Grace bis zum Finale Sharp Edges.
✨ Highlights
Would You Walk With Me Through Hell (feat. Lena Scissorhands)
Die Kollaboration mit der Infected Rain Frontfrau ist der logische Hit-Kandidat dieses Albums. Lena bringt ihre typische Mischung aus harschen Screams und klarer Rockröhre mit, Chris setzt den melodischen Gegenpol. Der Song beginnt fast unscheinbar, steigert sich dann über Strophe und Pre-Chorus in einen Refrain, der mehr nach düsterem Duett in einem verfallenen Theater klingt als nach Feature für den Algorithmus. Wenn beide Stimmen im Finale übereinander liegen, bekommt die Höllenwanderung eine erstaunlich romantische Note.
Raveyard (feat. Käärijä)
Hier wird es mutig. Käärijä, der finnische ESC Publikumsliebling, verwandelt den Friedhof in eine rave-taugliche Tanzfläche. Industrial-Groove, stampfender Beat, finnische Rap Parts und ein Refrain, der irgendwo zwischen EBM Keller und Festival Hauptbühne schwebt. Der Punkt ist: das funktioniert, gerade weil der Song sich nicht für seine Eingängigkeit entschuldigt. Zwischen all den barocken Chören fühlt sich Raveyard wie ein neongrüner Farbfleck auf schwarzer Leinwand an.
What Have We Become (feat. IAMX)
Der emotionale Tiefpunkt, im positiven Sinn. Die Kollaboration mit IAMX zieht die Lautstärke deutlich runter und lässt zwei angeschlagene Stimmen über elektronisch flackerndem Untergrund kollidieren. Die Nummer bewegt sich nah an der Dark-Pop Grenze, lebt aber von der Chemie der beiden Sänger. Wo andere Balladen auf dieser Platte auf große Orchester setzen, bleibt dieser Song intimer, fast klaustrophobisch, wie ein Gespräch im Halbdunkel über eine Beziehung, die schon längst verbrannt ist.
🎨 Artwork
Herzschloss im Sternenstaub: Das Cover von Opvs Noir Vol. 2 zeigt vor tiefschwarzem Grund nur ein einziges Motiv – ein altmodisches Vorhängeschloss, in weißer Kreideoptik gezeichnet, mitten im Bild. Oben in der Bügelrundung steht elegant geschwungen „NOIR“, darunter bildet die Frontplatte des Schlosses ein Herz, dessen Zentrum zum Schlüsselloch wird. Die Linien wirken bewusst unperfekt, fast so, als hätte jemand das Symbol im Proberaum auf eine Tafel gekritzelt, um klarzumachen, worum es geht: verschlossene Gefühle, ein dunkles Herz, das nur mit dem passenden Schlüssel aufgeht. Sehr, sehr hübsch.
Die minimalistische Gestaltung passt perfekt zum Konzept. Kein Bandlogo, keine Ornamente, nur ein Herzschloss in einem Feld aus feinem Staub, das wie ein kleines Emblem für das ganze Opvs wirkt. Wer aufdringliche Metal Cover gewohnt ist, bekommt hier eher ein elegantes Siegel als eine Illustration.
🪦 Besondere Momente
Konzept Hoffnung in der Dunkelkammer
Vol. 2 soll ausdrücklich den Aspekt Hoffnung in die bereits mit Vol. 1 aufgebaute Dunkelpanorama Welt bringen. Das spürt man vor allem in den Refrains, die sich immer wieder in helle Melodiebögen retten, selbst wenn die Strophen aus Schuld, Verfall und Selbstkritik bestehen. The Last Star und Scarlight sind dafür Paradebeispiele, bei denen die Harmonien kurz aus dem Kellerfenster schauen, bevor die Schatten wieder übernehmen.
ESC Nachhall ohne Peinlichkeit
Nach dem ESC Jahr 2023 und Blood & Glitter hätte es nahegelegen, den Sound komplett auf Stadionchor und Neon-Pathos zu trimmen. Opvs Noir Vol. 2 spielt zwar weiterhin mit großen Hooks, klinkt sich aber eher in eine eigene, dunklere Ästhetik ein. Der Einfluss zeigt sich eher im Selbstbewusstsein, mit dem Lord Of The Lost hier Pop-Melodien in einen Gothic-Rahmen presst, ohne in ironische Distanz zu flüchten.
Gastfeatures als echte Szenen, nicht bloße Cameos
Alle vier Gäste sind sinnvoll in den dramaturgischen Verlauf eingebaut. Lena Scissorhands übernimmt die Höllenführung, Käärijä reißt eine Partygrube in die Mitte der Platte, IAMX setzt das melancholische Gegengewicht, Anna Brunner sorgt in Please Break The Silence für den dramatischen Endspurt kurz vor dem Finale Sharp Edges. Nichts davon wirkt nach Copy-Paste Feature Politik, eher wie bewusst gesetzte Kapitelmarken.
📜 Hintergrund
Lord Of The Lost haben sich in den letzten Jahren von einer Szene Gothic-Rock Band zu einem der größten Dark-Metal Exporte aus Deutschland hochgezogen. Spätestens mit Blood & Glitter und dem ESC Finale 2023 war die Band im Mainstream angekommen.
Opvs Noir ist ihr Gegenentwurf dazu, angelegt als dreiteilige Reise in die eigenen Abgründe. Vol. 1 legte im Sommer den Grundstein, Vol. 2 folgt nun mit elf weiteren Songs, Vol. 3 ist bereits für 2026 in Aussicht gestellt. Zusammengehalten wird das Projekt von einer einheitlichen Visualität, dem Fokus auf dunkler Lyrik und der Produktion im eigenen Bandkosmos, was erklärt, warum trotz der Features alles nach Lord Of The Lost klingt.
🪓 Fazit
Opvs Noir Vol. 2 ist kein Überraschungsalbum, aber ein erstaunlich schlüssiger Mittelteil eines Überprojekts, das auf dem Papier völlig überzogen wirkt. Die Platte liefert genau das, was das Konzept verspricht: dunkle, opulente Songs, die zwischen Gothic-Metal, Dark-Metal und Industrial-Pop pendeln, dazu Features, die tatsächlich Mehrwert bringen.
Wer mit Vol. 1 schon warm geworden ist, bekommt hier den konzentrierteren, vielleicht sogar stärkeren zweiten Akt. Wer Lord Of The Lost bisher nur als bunte ESC Truppe auf dem Radar hatte, kann mit Opvs Noir Vol. 2 testen, ob hinter dem Glitter tatsächlich Substanz steckt. Unsere Antwort: Ja, und zwar mehr als einem lieb ist, wenn dein persönlicher Ohrwurm nachts um drei wieder den Höllenwalzer lostritt.

| Künstler: | Lord Of The Lost |
| Albumtitel: | Opvs Noir Vol. 2 |
| Erscheinungsdatum: | 12. Dezember 2025 |
| Genre: | Dark-Metal, Gothic-Metal, Industrial-Rock |
| Label: | Napalm Records |
| Spielzeit: | ca. 45 Minuten |
The Fall From Grace
Would You Walk With Me Through Hell (feat. Lena Scissorhands)
One Of Us Will Be Next
Walls Of Eden
Raveyard (feat. Käärijä)
The Last Star
What Have We Become (feat. IAMX)
Winter’s Dying Heart
Scarlight
Please Break The Silence (feat. Anna Brunner)
Sharp Edges
🎬 Offizielles Video – „Raveyard“
Offizielles Musikvideo zu „Raveyard“ von Lord Of The Lost, veröffentlicht über den Napalm Records YouTube Kanal. Friedhof, Neon und Dark-Metal-Rave in einem einzigen Höllenstück.
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