Wolfbrigade – Howl From Underground (Review)

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Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Wolfbrigade – Howl From Underground

🧿 Kurzfazit
Howl From Underground ist ein knapp halbstündiger Rudelangriff aus D-Beat, Crust, Hardcore und metallischem Dreck, bei dem Wolfbrigade erstaunlich viel Melodie, Atmosphäre und Abwechslung zwischen die Zähne bekommen. Laut, wütend, präzise und erheblich lebendiger, als es das Dienstalter der Beteiligten vermuten ließe.

🧭 Für wen & vergleichbar mit
Für Freunde von Disfear, Skitsystem, Martyrdöd, Discharge und jener schwedischen Death-Metal-Schule, bei der Entombed und Dismember gelegentlich durch die Hintertür schauen. Wer D-Beat liebt, aber bei zwölf vollkommen gleichförmigen Prügeleien irgendwann einschläft, dürfte gerade an den melodischeren und schwärzeren Rändern dieser Platte seine Freude haben.

🎼 Highlights
Howl From Underground, When Dogs Cry, Cold War Bootlicker, Man Is Wolf to Man

⛔ Für wen eher weniger geeignet?
Wenn du deinen Metal hochglanzpoliert, technisch verschachtelt oder mit langen dramaturgischen Anläufen bevorzugst, bekommst du hier vermutlich Kreislaufprobleme. Wolfbrigade verschwenden wenig Zeit mit höflicher Annäherung, sondern konzentrieren sich auf nachhaltiges Arschtreten.

Schwarz-weißes Cover von Wolfbrigade – Howl From Underground mit einem geflügelten, drachenartigen Skelettwesen vor einem düsteren, grobkörnigen Untergrund. Auf dem Wesen sitzen mehrere menschliche Figuren. Oben steht groß das weiße Bandlogo, unten der Albumtitel.

🐺 Wolfbrigade – Howl From Underground: Heult leiser da unten

Nee, man muss sich um Wolfbrigade tatsächlich keine Sorgen machen. Andere Bands erreichen irgendwann ein Alter, in dem die Verstärker etwas leiser, die Interviews etwas philosophischer und die Jubiläumstourneen etwas länger werden. Bei den Schweden klingt Howl From Underground eher danach, als hätte jemand das Rudel versehentlich in einem Keller voller brummender Verstärker, rostiger Nägel und einem Haufen schlechter Nachrichten eingeschlossen.

Zwei Jahre nach Life Knife Death sind sie schon wieder da. Zwölf Songs, knapp 31 Minuten, kein überflüssiger Zierrat und Songtitel wie Caveman Motherfuck, Fat Man Hellscape oder Cosmic Meatgrinder. Manchmal erledigt eine Trackliste einen Teil der Rezension einfach ganz von selbst.

Dabei wäre es falsch, Howl From Underground auf stumpfe Geschwindigkeit und gepflegtes Gebrüll zu reduzieren. Wolfbrigade haben ihre alte Mischung aus D-Beat, Crust, Hardcore und metallischer Wucht erneut verschoben. Diesmal bekommen die Gitarren wieder mehr Raum für jene kalte skandinavische … na ja … Melancholie, die zwischen all den Stahlkappen plötzlich erstaunlich viel Atmosphäre erzeugt. Im hinteren Teil kriechen sogar schwarzmetallische Schatten aus dem Unterholz.

Und weil die Band ihren eigenen Stil seit Jahrzehnten mit einer gewissen Freude Lycanthro Punk nennt, können wir uns sämtliche mühsamen Wolfsmetaphern sparen und werfen mal einen Blick nach unten.

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🎧 Was erwartet dich?

Genre(s): Crust Punk, D-Beat, Hardcore Punk, Death Metal, Punk Metal

Musikalische Einordnung: Wolfbrigade haben ihr ureigenes Revier zwischen Punk und Metal längst so gründlich markiert, dass jede feinere Genrebestimmung ein bisschen nach Vermessungsamt klingt. Das Fundament bleibt D-Beat und Crust, darüber liegen metallische Gitarren, Death-Metal-Schmutz, Hardcore-Druck und immer wieder diese eigentümlich kalten Melodien, die verhindern, dass aus dem Album eine einzige halbstündige Geradeausfahrt wird.

Caveman Motherfuck eröffnet mit genau der Sorte kultivierter Grobmotorik, die der Titel erwarten lässt. Danach braucht Doomrunner gerade einmal 2:07 Minuten, um zu zeigen, wie effizient diese Band arbeiten kann. Das Titelstück zieht die melodische Schraube etwas stärker an, während Born to Rot seinen Namen geradezu dienstbeflissen erfüllt.

Die richtig interessante Seite des Albums zeigt sich allerdings dort, wo Wolfbrigade ihren Angriff mit Melancholie kreuzen. When Dogs Cry besitzt jene typisch nordische Gitarrenführung, die gleichzeitig treibt und einen grauen Himmel über alles zieht. Cold War Bootlicker wiederum ist ein herrlich giftiger Punk-Metal-Haken, dessen drei Minuten keinerlei Interesse daran haben, Freunde zu gewinnen.

Im letzten Drittel wird die Platte noch einmal dunkler. Man Is Wolf to Man holt sich einen kräftigen Hardcore-Schub, während die Gitarren zunehmend ins Schwarzmetallische kippen. Und mit Tangled Steel Mask gönnen sich Wolfbrigade ausgerechnet zum Schluss den längsten Song des Albums. Ganze 3:47 Minuten. Bei anderen Bands wäre das kaum genug für ein Intro.

Klangbild: Das Album hat einen bemerkenswert körperlichen Sound. Die Gitarren wirken breit und rau, das Schlagzeug drückt unmittelbar, und Micke Dahl steht mit seinem heiseren Organ mitten im Lärm, als müsste er gegen einen laufenden Presslufthammer anschreien und fände das grundsätzlich auch ganz in Ordnung.

Das hängt unmittelbar mit der diesmal veränderten Arbeitsweise zusammen. Nach Jahren der Eigenregie holten Wolfbrigade Lawrence Mackrory ins Necromorbus Studio und wollten die Band möglichst als zusammenhängende Einheit einfangen. Genau dieses Gefühl trägt die Aufnahme. Hier hört man fünf Musiker, die aufeinander reagieren, statt zwölf Songs sauber in Einzelteilen zusammenzuschrauben.

Dass trotzdem genug Klarheit vorhanden ist, damit die melodischen Gitarrenlinien wirken können, ist einer der großen Pluspunkte. Howl From Underground klingt massiv, aber nie zugemauert.

🎬 Offizielles Musikvideo

Im offiziellen Video zu Cold War Bootlicker zeigen Wolfbrigade, wie wenig Abstand zwischen D-Beat, metallischem Druck und gepflegter gesellschaftlicher Abneigung liegen kann.

🐺 Vier Bissspuren, die sich im Ohr entzünden können

Howl From Underground

Der Titelsong ist einer jener Momente, in denen Wolfbrigade ihre rohe D-Beat-Energie mit genau der richtigen Portion düsterer Melodik koppeln. Der Song rennt nach vorn, wirkt aber nie eindimensional, weil die Gitarren immer wieder diese kalten, skandinavischen Linien einziehen. Dadurch bekommt das Stück mehr Tiefe als die reine Abrissbirne vermuten lässt.

When Dogs Cry

Hier zeigt sich besonders schön, wie viel Melancholie unter der Kruste dieser Platte steckt. When Dogs Cry trägt den typischen Wolfbrigade-Schmutz im Fell, lässt aber zugleich deutlich mehr Weite und emotionale Färbung zu. Gerade dieses Wechselspiel aus Härte und nordischer Tristesse macht den Song zu einem der stärksten Stücke des Albums.

Cold War Bootlicker

Drei Minuten geballte Giftigkeit. Cold War Bootlicker ist kompakt, bissig und besitzt genau jene politische Wut, die bei Wolfbrigade seit jeher am stärksten funktioniert, wenn sie nicht erklärt, sondern zuschlägt. Der Song hat Drive, einen starken Refrain und diese wunderbar ruppige Direktheit, die sofort hängen bleibt.

Man Is Wolf to Man

Im hinteren Teil der Platte öffnet sich der Sound noch einmal etwas. Man Is Wolf to Man nimmt mehr Hardcore-Spannung auf und lässt zugleich dunklere, fast blackmetallische Gitarrenfarben einfließen. Dadurch wirkt das Stück wie ein kleiner Perspektivwechsel innerhalb des Albums und gibt dem letzten Drittel noch einmal zusätzlichen Nachdruck.

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🖼️ Artwork

Das Cover ist herrlich seltsam. Schwarz, Grau, grobkörnige Texturen, ein gewaltiges weißes Bandlogo und mitten darin ein geflügeltes, drachenartiges Skelettwesen, das offenbar beschlossen hat, seine Passagiere durch den Betonuntergrund zu transportieren.

Das wirkt gleichzeitig nach altem Punk-Flyer, Fantasy-Bestiarium und Fundstück aus irgendeinem verbotenen Kellerarchiv. Gerade dieser Zusammenprall passt erstaunlich gut zu Wolfbrigade. Die Band kommt aus dem Crust, trägt Death Metal im Fell und nennt ihre Musik selbst Lycanthro Punk. Natürlich darf dann auf dem Cover ein Monster durch den Untergrund flattern.

Besonders gelungen ist die Beschränkung auf Schwarz, Weiß und Grau. Dadurch bekommt das Motiv etwas Rohes und fast fotokopiertes, während die Fantasyfigur in der Mitte vollkommen selbstverständlich ihren Platz behauptet. Ein hübsches Bild wäre für diese Platte ohnehin verdächtig gewesen.

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✨ Besondere Momente

🐺 Lycanthro Punk ist hier mehr als ein Etikett

Der von Wolfbrigade selbst gepflegte Begriff beschreibt ziemlich gut, warum die Band noch immer so eigen klingt. D-Beat und Crust bilden das Fundament, doch dazu kommen Death-Metal-Schwere, kalte Melodien und diese kaum domestizierbare Rastlosigkeit, die tatsächlich etwas Tierisches besitzt. Das ist keine hübsche Marketingformel, sondern längst eine ziemlich brauchbare Selbstbeschreibung.

⛪ Eine Baptistenkirche voller D-Beat

Dass Howl From Underground im Necromorbus Studio entstand, ist mehr als eine nette Randnotiz. Die umgebaute Baptistenkirche liefert einen Ort, der schon atmosphärisch wunderbar zu diesem Album passt. Entscheidend ist aber, dass Wolfbrigade dort diesmal mit Lawrence Mackrory einen externen Blick zugelassen haben. Der Sound wirkt dadurch größer und körperlicher, ohne seine schmutzige Herkunft zu verlieren.

🥁 Die Rückkehr von Dadde Stark

David „Dadde“ Stark sitzt wieder hinter dem Schlagzeug, und diese Rückkehr bringt hörbar Bewegung ins Rudel. Die D-Beats wirken nicht bloß funktional, sondern treiben die Songs mit einer Direktheit, die viel zur enormen Spannung des Albums beiträgt. Gerade bei einer Platte, die fast vollständig von Momentum lebt, ist das entscheidend.

🌘 Melancholie unter der Kruste

Besonders stark wird Howl From Underground immer dann, wenn unter dem Abriss plötzlich diese typisch skandinavische Melancholie auftaucht. Die Gitarren erlauben sich kalte, dunkle Linien, und im letzten Drittel sickern sogar schwärzere Färbungen ins Material. Genau dadurch bekommt das Album eine Tiefe, die über bloße Aggression hinausgeht.

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📜 Hintergrund: Räudige Wölfe mit langer Geschichte

Wolfbrigade existieren in ihrer Geschichte bereits seit Mitte der Neunziger. Die ersten drei Langspieler erschienen noch unter dem Namen Wolfpack, bevor aus dem Rudel schließlich Wolfbrigade wurde. Zählt man diese Frühwerke mit, ist Howl From Underground bereits Album Nummer zwölf.

Der selbst gewählte Begriff Lycanthro Punk ist dabei mehr als bloß ein cooler Aufkleber. Die Band versteht darunter eine ungezähmte Kraft, die sich durch Mythologie, Folklore und Philosophie zieht – der Wolf als Sinnbild für etwas, das sich der Zivilisierung widersetzt. Man kann darüber lange philosophieren. Man kann aber auch Doomrunner aufdrehen und versteht, was gemeint ist.

Eine entscheidende Veränderung bei der neuen Platte war die Rückkehr von Schlagzeuger David „Dadde“ Stark, der bereits zwischen 2002 und 2015 Teil der Band gewesen ist. Gleichzeitig entschied sich die Gruppe erstmals seit langer Zeit wieder gegen vollständige Eigenproduktion. Lawrence Mackrory übernahm im Necromorbus Studio, einer umgebauten Baptistenkirche, in der zuvor bereits deutlich unheiligere musikalische Dinge geschehen sind.

Die Idee bestand darin, weniger Schicht für Schicht zu bauen und stärker das Zusammenspiel der kompletten Band einzufangen. Das war eine gute Entscheidung. Howl From Underground wirkt wie Musik, die tatsächlich gleichzeitig passiert.

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⚔️ Fazit: Dieses Rudel wird nie einen Maulkorb akzeptieren

Howl From Underground ist genau die Art Album, bei der die Laufzeit täuscht. 30:57 Minuten sehen auf dem Papier beinahe nach einer vergrößeren EP aus, fühlen sich hier aber wie ein vollständiges, erstaunlich abwechslungsreiches Statement an. Wolfbrigade verschwenden keinen Song, keine Minute und kaum ein Riff.

Der große Unterschied zu einer bloßen D-Beat-Dauerfeuersalve liegt in den vielen kleinen Verschiebungen. When Dogs Cry bringt Melancholie ins Rudel, das Titelstück arbeitet mit starken melodischen Linien, Cold War Bootlicker ist dreckiger Punk mit metallischen Stiefeln, und im letzten Drittel sickert immer mehr dunkle Atmosphäre in die Gitarren. Dadurch besitzt die Platte einen echten Verlauf.

Hinzu kommt dieser enorme physische Druck. Die Entscheidung, die Band stärker als gemeinsam spielende Einheit aufzunehmen, zahlt sich hörbar aus. Das Schlagzeug treibt, die Gitarren reißen, Micke Dahl klingt weiterhin wie der persönliche Feind sämtlicher HNO-Ärzte, und trotzdem bleibt genügend Luft zwischen den Instrumenten.

Natürlich revolutionieren Wolfbrigade 2026 weder Punk noch Metal. Nach drei Jahrzehnten wäre das auch eine reichlich alberne Erwartung. Beeindruckender ist, wie wenig Altersstaub auf dieser Platte liegt. Howl From Underground hat Biss, Haltung, Melodien und die Sorte Wut, die nicht nach notwendiger Pflichtübung klingt.

Zwölf Songs später ist der Keller verwüstet, das Rudel immer noch schlecht gelaunt und der Drache vom Cover vermutlich längst irgendwo durchs Mauerwerk verschwunden.

So muss es sein. Wooooooooooooooooooooooo!

Schwarz-weißes Cover von Wolfbrigade – Howl From Underground mit einem geflügelten, drachenartigen Skelettwesen vor einem düsteren, grobkörnigen Untergrund. Auf dem Wesen sitzen mehrere menschliche Figuren. Oben steht groß das weiße Bandlogo, unten der Albumtitel.

Künstler:

Wolfbrigade

Albumtitel:

Howl From Underground

Erscheinungsdatum:

9. Oktober 2026

Genre:

Crust Punk / D-Beat / Punk Metal

Label:

Metal Blade Records

Spielzeit:

ca. 31 Minuten

🎼 Trackliste:

Caveman Motherfuck – 2:38
Doomrunner – 2:07
Howl From Underground – 2:13
Born to Rot – 2:50
When Dogs Cry – 2:21
Cold War Bootlicker – 3:00
Fat Man Hellscape – 1:59
Headhunting – 2:56
Cosmic Meatgrinder – 2:17
Seeking Scapegoats – 2:14
Man Is Wolf to Man – 2:35
Tangled Steel Mask – 3:47

👥 Besetzung:
Micke Dahl – Gesang
Erik Norberg – Gitarre
Jocke Rydbjer – Gitarre
Johan Erken – Bass
David „Dadde“ Stark – Schlagzeug

🎚️ Produktion:
Lawrence Mackrory – Produktion / Aufnahme im Necromorbus Studio

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