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Witch Ripper – Through the Hourglass
🧿 Kurzfazit
Through the Hourglass ist ein erstaunlich rundes drittes Album: progressiv genug für offene Ohren, schwer genug für schmutzige Stiefel und melodisch genug, um sich auch jenseits des ersten Eindrucks festzusetzen.
🎯 Für wen?
Für Hörer, die bei Sludge Metal, Progressive Metal und Stoner Rock nicht zwischen Hirn und Bauch wählen wollen. Wer große Hooks, kluge Gitarrenarbeit und schweres Riffwerk liebt, bekommt hier sehr viel Futter.
🎧 Wie klingt das?
Breite Gitarren, saubere und raue Stimmen, massiver Groove, dazu immer wieder elegante melodische Bögen und ein Sinn für epische Zuspitzung. Nicht verkopft. Nicht dumpf. Sondern genau richtig zwischen Sternenstaub und Dreck.
💿 Highlights
The Portal, The Clock Queen, The Spiral Eye
⛔ Nichts für dich, wenn…
du entweder nur rohen Sludge ohne jeden Glanz willst oder Prog nur dann akzeptierst, wenn er komplett sauber und aufpoliert klingt.
⌛ Witch Ripper – Through the Hourglass: Als die Sanduhr plötzlich Zähne bekam
Wer nach zwei praktisch gegensätzlichen Alben einen Mittelweg bei Release #3 erwartet hat, kennt Witch Ripper schlecht. Das Quartett aus Seattle hat sich nach dem schwereren Homestead und dem deutlich ausgreifenderen The Flight after the Fall nicht für den lauen Kompromiss entschieden, sondern für die bessere Variante: Verdichtung ohne Selbstverrat. Through the Hourglass ist das dritte Album der Band, erscheint über Magnetic Eye Records und zieht die melodische, progressive Seite des Vorgängers enger an die erdige Wucht der frühen Jahre. Das Ergebnis klingt nicht nach Kompromiss, sondern nach Schärfung des eigenen Profils.
Was dieses Album so stark macht, ist seine Haltung. Witch Ripper wollen hier nicht bloß schwere Riffs stapeln und kunstvoll aus dem bunten Prog-Nebel winken. Sie bauen Songs, die beides können: drücken und erzählen. Die Platte wirkt deshalb größer als ihre knapp 44 Minuten, aber nie aufgeblasen. Sie hat Zug, Melodie, Schmutz und ein erstaunlich sicheres Gespür dafür, wann ein Song steigen muss und wann er lieber walzen sollte.
🎧 Was erwartet dich?
Genre(s): Progressive Metal, Sludge Metal, Stoner Metal, mit spürbarer Hard-Rock- und Space-Rock-Schlagseite.
Vergleichbar mit: dem Moment, in dem sich ein rostiger Raumfrachter und ein schwerer Road-Doom-Bolide dieselbe Garage teilen. Es gibt hier Grooves, die nach schmutziger Straße schmecken, und Melodien, die weit über dem weltlichen Asphalt ihre Runden drehen.
Klangfarbe: Through the Hourglass klingt warm, kräftig und erstaunlich offen. Die Gitarren haben genug Biss für Sludge und genug Schimmer für Prog, die mehrstimmigen Gesänge geben den Songs eine fast hymnische Weite, und die Produktion hält alles so klar zusammen, dass selbst die dichteren Passagen nicht zu Matsch werden. Das ist sehr schwere Musik mit viel Licht in den Fugen.
✨ Highlights
The Portal
So eröffnet man ein Album. The Portal kommt nicht als bloßer Türöffner, sondern als brachialer Auftakt mit spürbarem Gewicht. Das Schlagzeug setzt hart an, die Riffs packen sofort zu, und doch lebt der Song nicht nur von Druck, sondern von seiner melodischen Architektur. Genau darin liegt seine Stärke: Er ist schwer, aber nicht stumpf. Er trägt diese Platte nicht nur an, sondern erklärt in sechs Minuten bereits ihre ganze Idee. Große Hooks, böse Unterströmung, Gitarren, die zugleich schieben und singen. Ein Opener, der nicht einfach loslegt, sondern eine Welt aufzieht.
The Clock Queen
Hier zieht die Band das progressive Element stärker auf und macht genau das Richtige: nicht ziellos frickeln, sondern Spannung aufbauen. The Clock Queen wirkt anfangs leicht sperrig, gewinnt aber mit jedem Durchlauf, weil sich seine Melodien und Wendungen nicht brav ausbreiten, sondern langsam einhaken. Der Song zeigt, wie gut Witch Ripper inzwischen dosieren können. Synths und Gitarren schichten sich übereinander, der Refrain sorgt für Erdung, und darunter bleibt immer dieser feste Griff des Grooves. Ein sehr klug gebauter Brocken.
The Spiral Eye
Das Finale ist die Krönung. The Spiral Eye nimmt sich Zeit, ohne zur bloßen Länge zu werden, und zieht aus Melancholie, Druck und choraler Größe noch einmal alles heraus, was dieses Album so überzeugend macht. Gerade weil Witch Ripper hier nicht bloß auf Lautstärke setzen, sondern auf Steigerung, trifft der Song so sauber. Er klingt groß, aber nicht pompös. Emotional, aber nicht kitschig. Ein Schlusspunkt, der nicht ausfadet, sondern nachglüht. Für uns ist das die Stelle, an der die Band endgültig zeigt, dass sie nicht nur gute Ideen hat, sondern sie auch bis zum Ende tragen kann.
🎨 Artwork
Das Cover von Through the Hourglass ist herrlich überladen und gerade deshalb genau richtig. Eine skelettierte, fast königliche Gestalt mit wehenden Haarmassen, goldenen Ornamenten, Knochenarmen, Uhrwerksymbolik und einer zerbrechlich wirkenden Figur im Griff. Alles daran sieht aus, als hätten Art Nouveau, kosmischer Horror und düsterer Fantasy-Prog beschlossen, gemeinsam eine sehr schlechte Idee in ein sehr gutes Bild zu verwandeln.
Besonders stark ist daran die Balance zwischen Eleganz und Unruhe. Das Motiv ist fein gezeichnet, fast edel komponiert, kippt aber nie in dekorative Harmlosigkeit. Überall hängen Zahnräder, Knochen, Schleifen, Fäden und seltsame Details herum, als wolle das Bild selbst sagen, dass Zeit hier nicht vergeht, sondern frisst. Für ein Album namens Through the Hourglass ist das ein Volltreffer: nicht plump, nicht beliebig, sondern ein visuelles Versprechen von Schönheit mit eingebautem Schaden. Das Artwork stammt von Chris Panatier.
🪦 Besondere Momente
Die Platte lebt stark von ihrem Spannungsbogen. Odyssey in Retrograde ist als Intro keine bloße Pflichtübung, sondern der kurze Nebelschleier vor dem ersten eigentlichen Einschlag. Danach reiht die Band nicht einfach Riff an Riff, sondern arbeitet mit Abstufungen: der große Einstieg, die erdigere Schwere in der Mitte, die ausladenderen Stücke gegen Ende. Gerade dadurch wirkt das Album geschlossen, obwohl die Songs jeweils genug eigene Farbe behalten.
Ein weiterer Trumpf ist die Produktion. Matt Bayles hat das Album gemeinsam mit der Band produziert, aufgenommen und gemischt, Brad Boatright übernahm das Mastering. Das hört man. Die Songs haben Gewicht, aber auch Luft. Die Gitarren dürfen schichten, die Stimmen sitzen sauber im Bild, und selbst die größeren Arrangements kippen nie in undurchdringlichen Brei. Für eine Band, die so stark über Melodie und Wucht zugleich kommt, ist das Gold wert.
Und dann ist da noch diese seltene Qualität, dass die Platte zugleich emotional und griffig bleibt. Viele Bands können ausladend. Viele können schwer. Wenige schaffen es, beides mit echten Hooks zu verbinden. Witch Ripper kriegen das hier verblüffend selbstverständlich hin. Die Songs wirken detailreich, ohne den Hörer auszusperren. Genau deshalb ist das Album nicht bloß beeindruckend, sondern auch packend.
📜 Hintergrund
Witch Ripper wurden 2012 in Seattle gegründet und haben sich über die EP von 2012, das Debüt Homestead von 2018 und The Flight after the Fall von 2023 Schritt für Schritt zu einer Band entwickelt, die ihre stilistischen Widersprüche nicht glättet, sondern produktiv nutzt. Das dritte Album setzt diese Entwicklung fort und greift zugleich die erzählerische Linie des Vorgängers wieder auf: Dort suchte die Hauptfigur im Flug in ein Schwarzes Loch Ruhe, hier wacht sie in einer Welt ohne Zeit auf und wird erneut mit dunklen Resten ihrer Vergangenheit konfrontiert.
Das erklärt auch, warum Through the Hourglass so geschlossen wirkt. Die Platte ist kein starres Konzeptwerk, aber sie hat einen inneren roten Faden. Das Album denkt in Bildern, Übergängen und Zuständen. Es will nicht bloß sieben Songs aneinanderreihen, sondern einen ganzen kleinen Kosmos aufspannen. Und weil Witch Ripper dabei endlich die Songwriting-Stärken beider Vorgänger so konsequent zusammenführen, wirkt dieses dritte Album wie der Punkt, an dem die Band endgültig ganz bei sich angekommen ist.
🪓 Fazit: Wenn das Stundenglas den finalen Triumph abmisst
Through the Hourglass ist die Sorte drittes Album, auf die man bei einer Band wie Witch Ripper hofft und die man trotzdem nicht selbstverständlich erwarten darf. Es nimmt die Schwere des frühen Materials, die größere kompositorische Lust des Vorgängers und gießt beides in Songs, die hängenbleiben. Nicht jeder Takt muss hier revolutionär sein. Er muss nur sitzen. Und das tut er erstaunlich oft.
Für uns ist das kein hübscher Achtungserfolg, sondern ein echter Schritt nach vorn. Die Platte hat Biss, Gefühl, Riffkraft und genug melodische Höhe, um über bloßes Genre-Handwerk hinauszukommen. Wer wissen will, wie man Sludge, Prog, Stoner und hymnische Größe zusammenführt, ohne daraus eine ungenießbare Mischpampe zu kochen, bekommt hier eine sehr überzeugende Antwort. Witch Ripper liefern mit Through the Hourglass ihr bislang stärkstes Album ab.

| Künstler: | Witch Ripper |
| Albumtitel: | Through the Hourglass |
| Erscheinungsdatum: | 10. April 2026 |
| Genre: | Progressive Metal, Sludge Metal, Stoner Metal |
| Label: | Magnetic Eye Records |
| Spielzeit: | ca. 44 Minuten |
Trackliste:
Odyssey in Retrograde
The Portal
Symmetry of the Hourglass
Echoes and Dust
The Clock Queen
Proxima Centauri
The Spiral Eye
Offizielles Video
Offizielles Musikvideo zu „The Portal“ – ein dunkler, riffstarker Einstieg in die Zeitbruch-Welt von Through the Hourglass. Bereitgestellt vom offiziellen Magnetic Eye Records-Kanal auf YouTube:
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