Warren Spector hört auf: Der Deus-Ex-Schöpfer beendet nach 44 Jahren seine Spielekarriere
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Der Mann der vielen Lösungswege wählt den Ausgang
📰 Was ist los?
Warren Spector zieht sich nach fast 44 Jahren aus der Spieleentwicklung zurück. Seine Laufbahn führte vom Tabletop über Ultima, System Shock und Thief bis zu Deus Ex; künftig möchte er unter anderem Bücher schreiben, lesen und Vorträge halten.
🐛 Was denken wir?
Es gibt Entwickler, die erfolgreiche Spiele gemacht haben, und Entwickler, die verändert haben, wie andere Entwickler über Spiele nachdenken. Spector gehört zur zweiten Gruppe. Dass er beim Abschied noch drei unfertige Spielideen erwähnt, ist allerdings beinahe grausam. Jetzt wissen wir wenigstens, welche Tür wir wahrscheinlich nie öffnen dürfen.
🎮 Warren Spector hört auf: Der Deus-Ex-Schöpfer beendet nach 44 Jahren seine Spielekarriere
Warren Spector hat Spielern jahrzehntelang beigebracht, dass es fast immer mehr als einen Ausgang gibt. Nun steht der Mann hinter einigen der einflussreichsten Rollenspiele und Immersive Sims selbst vor einer Tür, und diesmal sieht es tatsächlich so aus, als wolle er hindurchgehen.

Nach fast 44 Jahren zieht sich Spector aus der Spieleentwicklung zurück. Der 70-Jährige hat seinen Abschied selbst angekündigt und lässt dabei zwar eine winzige Hintertür offen, macht aber deutlich, dass er den Schritt diesmal ernst meint. Ganz verschwinden möchte er ohnehin nicht: Bücher, Lesen, Vorträge und möglicherweise Beratungsarbeit stehen bereits auf seiner Liste.
Und irgendwo wartet außerdem ein Klavier.
🎲 Bevor Deus Ex existierte, lagen Würfel auf dem Tisch
Spectors Karriere begann lange vor Deus Ex und sogar vor seiner Arbeit an Computerspielen. In den Achtzigern arbeitete er zunächst an Tabletop-Rollenspielen und Brettspielen, unter anderem bei Steve Jackson Games und später TSR. Danach wechselte er in die noch junge Computerspielbranche und landete bei Origin Systems.
Dort taucht sein Name bei einer bemerkenswerten Reihe von Klassikern auf: Ultima VI, Wing Commander, Ultima Underworld, Ultima VII: Serpent Isle und schließlich System Shock. Später folgten die Verbindung zu Looking Glass, Thief und der Wechsel zu Ion Storm.
Im Jahr 2000 erschien schließlich Deus Ex, eben jenes Spiel, mit dem Spector am stärksten verbunden bleibt. Statt Spielern ständig vorzuschreiben, welche Tür geöffnet und welcher Gegner erschossen werden musste, setzte das Spiel auf Systeme, Alternativen und Konsequenzen. Der Spieler bekam ein Problem. Die Lösung musste er gefälligst selbst finden.
🕶️ Eine Idee wurde größer als ein einzelnes Genre
Gerade darin steckt Spectors bleibender Einfluss. Ultima Underworld, System Shock, Thief und Deus Ex gehören zu den Grundpfeilern dessen, was später als Immersive Sim bezeichnet wurde: komplexe Spielwelten, miteinander reagierende Systeme und möglichst große Freiheit bei der Frage, wie der Spieler ein Problem löst. OtherSide beschreibt genau diese Tradition heute als Grundlage der eigenen Designphilosophie.
Spector selbst macht aus seiner Bilanz erstaunlich wenig Heldenepos. Er nennt ungefähr 17 komplette digitale Spiele, dazu rund neun Erweiterungen, Teams von einem Dutzend bis hin zu 800 Leuten und vor allem jene Entwickler, denen er im Laufe seiner Karriere helfen konnte. Letzteres bezeichnet er ausdrücklich als den wichtigsten Teil.
Dass einige seiner Spiele noch 15, 20 oder 30 Jahre später gespielt werden, erwähnt er beinahe beiläufig. Andere Leute schreiben so etwas normalerweise in Großbuchstaben auf die Rückseite ihrer Autobiografie.
💡 Drei Spiele lässt er auf dem Schreibtisch liegen
Ganz leicht fällt Spector der Abschied offenbar trotzdem nicht. Drei Spiele würde er nach eigener Aussage noch gerne entwickeln. Eines sei sehr groß, eines sehr klein – und bei einem wisse er nicht einmal, wie er es machen sollte. Gerade deshalb mache ihm diese Idee Angst.
Was hinter diesen Projekten steckt, verrät er nicht. Der entscheidendere Satz folgt unmittelbar danach. Die Spielebranche habe sich verändert und mache ihm nicht mehr so viel Freude wie früher. Gleichzeitig sieht Spector eine neue Generation von Entwicklern, die nun ihre eigene Zeit im Rampenlicht verdiene. Das klingt weniger nach verbittertem Abgang als nach jemandem, der merkt, dass 44 Jahre irgendwann tatsächlich 44 Jahre sind.
📚 Der nächste Warren Spector könnte im Bücherregal landen
Untätig werden möchte er jedenfalls nicht. Spector will Bücher schreiben, lesen, Vorträge halten und eventuell beraten. Selbst das Klavierspielen soll wieder mehr Raum bekommen. Welcher Art seine geplanten Bücher sein werden, hat er bislang nicht gesagt.
Für jemanden, dessen Karriere zwischen Pen-and-Paper, Fantasywelten, dystopischer Science-Fiction, Cyberpunk und jahrzehntelangen Gedanken über interaktive Geschichten verlief, ist das allerdings eine durchaus interessante Drohung an jedes zukünftige Bücherregal.
Seinen vielleicht besten Abschiedsgruß richtet Spector ohnehin an diejenigen, die nach ihm kommen. Spiele seien „not a solved problem yet“. Es gebe noch genügend Raum für Experimente und Innovation.
Nach Ultima, System Shock, Thief und Deus Ex klingt das fast wie eine letzte Questbeschreibung. Und logisch, den Lösungsweg hat Warren Spector natürlich wieder nicht markiert.






