Von wegen umstritten: Fünf Bauwerke, gegen die Hamburgs Elphi wie ein billiges Bushäuschen wirkt

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🏛️ Von wegen umstritten: Fünf Bauwerke, gegen die Hamburgs Elphi wie ein billiges Bushäuschen wirkt


Die Elbphilharmonie steht in einem Ranking der „umstrittensten Gebäude der Welt“ auf Platz 8. Das ist nett. Wirklich. In der Oberwelt reicht es offenbar schon, wenn ein Konzerthaus grotesk teuer wird, Jahre zu spät fertig ist und am Ende trotzdem so hübsch glitzert, dass alle den ursprünglichen Zorn in Hafenromantik umdeuten.

Sorry, da lachen beim Moosverhetzer nicht mal mehr die Hühner.

Denn das ist nicht umstritten. Das ist nur teuer mit Aussicht.

In den Zwischenreichen beginnt architektonische Umstrittenheit erst dort, wo ein Bauwerk mindestens einen Bürgerkrieg verschärft, seinen Architekten seelisch zerlegt oder noch nach Jahrhunderten Beschwerden, Flüche und Formulare aus dem Mauerwerk hustet. Gegen solche Maßstäbe ist die Elphi kein Skandalbau. Sie ist ein sehr erfolgreicher Fall von nachträglich akzeptierter Glasarroganz.

Kurz gesagt: Die ganze Liste ist Blech.

Damit die Oberwelt versteht, was ein wirklich problematisches Gebäude ist, legt der Moosverhetzer nach. Hier sind fünf Bauwerke aus den Zwischenreichen, gegen die die Elbphilharmonie aussieht wie ein ambitionierter Warteunterstand mit Konzertsaal.

🗼 Der Turm der 900 Anbauten von Schlotterfels

Begonnen wurde er als Wachturm. Danach wurde er Kloster, Zollstelle, Flucharchiv, Pilzspeicher, Sternwarte, Steueramt, Wehrküche und später ein Weinlokal mit Andachtsnische. Jeder Herrscher fügte etwas hinzu. Niemand nahm etwas weg. Heute ist der Turm das einzige bekannte Bauwerk, das gleichzeitig unter Denkmalschutz, Belagerung und diversen Eigenbedarfsklagen steht.

Umstritten ist er vor allem deshalb, weil bis heute niemand sagen kann, wo das Gebäude eigentlich endet. Manche Bewohner zahlen Miete im Ostflügel und entdecken erst nach Jahren, dass ihre Küche verwaltungstechnisch bereits zum Westturm der alten Bußmönche gehört. Einmal tagte dort sechs Wochen lang versehentlich ein Stadtrat im ehemaligen Taubenschacht, ohne den Irrtum zu bemerken. Das ist Architektur mit echtem Folgeschaden.

🅿️ Das Tränenparkhaus von Nargwold

Ein siebenstöckiges Parkhaus aus schwarzem Basalt, gebaut über einer heiligen Quelle und gegen den ausdrücklichen Rat von fünf Sehern, zwei Statikern und einem magisch begabten Maultier, das sich schon beim ersten Spatenstich weigerte weiterzugehen. Der Bauherr sprach von Fortschritt. Die Bevölkerung befürchtete bereits in der frühen Bauphase Gotteslästerung mit Auffahrtsrampe.

Bis heute ist ungeklärt, ob das Gebäude brutalistisch, dämonisch oder einfach nur boshaft ist. Wer dort parkt, findet sein Fahrzeug meist wieder, aber selten im selben geistigen Zustand. Das dritte Untergeschoss gilt seit Jahrzehnten als theologisches Problem. Im Winter weint das Mauerwerk salzhaltige Tropfen, weshalb das Gebäude im Volksmund nur „die Garage der Reue“ heißt. Dagegen wirkt Hamburgs Elphi wie ein freundlicher Fehler mit Elbblick.

Fünf bizarre und düstere Bauwerke der Zwischenreiche ragen als problematische Monumente in einer finsteren Fantasystadt auf, während im Hintergrund eine harmlose gläserne Konzerthalle fast verloren wirkt.
So sieht wahre Umstrittenheit aus: In den Zwischenreichen beginnt architektonischer Ärger erst dort, wo Gebäude aktiv zurückärgern.

🛍️ Die Elfenbeinpassage zu Kummerhall

Offiziell handelt es sich um eine luxuriöse Einkaufsgalerie. Tatsächlich ist es ein marmorner Irrgarten, errichtet von einem Herzog, der beweisen wollte, dass Konsum und metaphysische Verzweiflung ein natürliches Paar bilden. Das Ergebnis sind endlose Arkaden, Spiegelgänge, zwölf identische Parfümerien und ein zentraler Brunnen, der nur bei finanzieller Selbstüberschätzung zu rauschen beginnt.

Die Passage ist bis heute umstritten, weil sie drei Dinge gleichzeitig leistet: Sie ruiniert Familienvermögen, zerfrisst Orientierung und erzeugt in Besuchern das intensive Bedürfnis, plötzlich sehr teure Handschuhe besitzen zu müssen. Jährlich verschwinden dort Hunderte Menschen für Stunden, manche für Tage, und tauchen später mit überladenen Tüten und leerem Blick wieder auf. Kein Bauwerk der Oberwelt hat je so elegant bewiesen, dass Architektur aktiv feindlich sein kann.

🛁 Das Volksbad der letzten Argumente

Die Idee war denkbar einfach und daher von Anfang völlig katastrophal: politische Konflikte sollten künftig in einem monumentalen Thermalbad beigelegt werden. Richter, Kläger, Stadträte, Schuldner und beleidigte Nachbarn sollten gemeinsam baden, diskutieren und sich am Ende gereinigt einigen. Das Ergebnis waren 83 Jahre Rechtschaos, aufgeweichte Urkunden und ein Aufstand der sämtlicher Handtuchzünfte.

Das Gebäude selbst ist ein marmorner Albtraum aus Dampf, Säulen, Akustikfehlern und zu vielen Becken mit zu ähnlichen Namen. Mehrfach wurden Urteile versehentlich im Warmbecken verkündet und später von der Schaumlage angefochten. Noch heute streiten Historiker darüber, ob das Volksbad ein Verwaltungsgebäude, ein Spa oder eine besonders ehrgeizige Form kollektiver Demütigung werden sollte. Das nennt man wirklich umstritten. Nicht ein Konzerthaus, das nach ein paar Jahren doch noch ein bisschen gemocht wird.

⛪ Die Große Schwebesakristei von Bad Mumpf

Ein Tempelbau, der aus Prestigegründen einen Meter über dem Boden schweben sollte. Das tut er bis heute. Das Problem ist nur: nie ganz gleich hoch. Mal sind es neunzig Zentimeter, mal eins dreißig, an Feiertagen auch einmal erschütternde siebzehn. Gläubige nennen das Wunder. Die Goblin-Wolken-Ingenieure nennen es eine Beleidigung ihres Berufsstandes.

Die Schwebesakristei ist seit Generationen Gegenstand erbitterter Auseinandersetzungen. Die eine Seite fordert Stabilisierung, die andere mehr Glauben. Dazwischen stehen Pilger, die beim Betreten nie sicher sind, ob sie gleich gesegnet oder abgewiesen werden. Dreimal wurde versucht, das Gebäude durch diskrete Ketten zu beruhigen. Dreimal riss es sich nachts wieder los. Kein Mensch mit Restvernunft würde dieses Bauwerk nur „umstritten“ nennen. Es ist ein fortdauernder Angriff auf jeden Gedanken von Ruhe, Statik und Besitzrecht.

🪓 Was die Oberwelt „umstritten“ nennt, wird im Zwischenreich als einschläfernd betrachtet

Genau das ist der Witz an solchen Listen. Sie tun so, als sei jede große Kostenexplosion, jede Geschmacksdebatte und jede Bauverzögerung schon ein weltgeschichtlicher Architekturskandal. Dabei handelt es sich meist nur um Prestigeprojekte mit Nachbearbeitungszeit. Erst schimpfen alle. Dann kommen Touristen. Dann leuchtet das Ding hübsch. Dann wird aus Zorn ganz schnell Stadtmarketing.

Die Elbphilharmonie ist dafür das perfekte Beispiel. Zu teuer, zu spät, zu groß, zu eitel — und am Ende doch so erfolgreich im Nachglänzen, dass man sie heute schon fast als moralisch aufgelöste Affäre betrachten soll. Genau das macht die Liste der Oberwelt so harmlos wie belanglos. Sie verwechselt nachträglich befriedete Bauprotzerei mit echter architektonischer Eskalation.

Die Zwischenreiche kennen da härtere Fälle. Bauwerke, die nicht nur debattiert, sondern gefürchtet werden. Fassaden, die Regierungen beschädigten. Hallen, in denen Zuständigkeiten starben. Türme, die bis heute niemand vollständig verwalten kann.

Das sind tatsächlich umstrittene Gebäude.

Nicht ein teurer Glasdom, den inzwischen alle fotografieren.
Sondern Architektur, die Gesellschaften spaltet, Besuchern misstraut und selbst Jahrhunderte später noch den Charakter eines Fehlers mit Eigenleben trägt.

Dagegen ist die Elphi bestenfalls Platz 114.

Weit hinter dem Tränenparkhaus.
Und nur ein kleines Stück vor der Oper von Drosselquarn, die nur bei Vollmond Karten verkauft und trotzdem jedes Jahr aufs Neue Fördermittel erhält.

Episches Fantasy-Banner im Stil von Gandalf: Ein weißbärtiger Zauberer blockiert mit erhobenem Stab den Weg und ruft ‚Du kannst nicht vorbei!‘. Darunter der Zusatz: ‚Es sei denn, du abonnierst unseren Newsletter!‘. Rechts unten ein glühender, magischer Button mit der Aufschrift: ‚Lass mich rein, du Narr!
Sepia-Banner: Verfallenes Haus im Hintergrund, vorne Grabhold und Crowbah mit Koffer. Links die Überschrift „Crowbah & Grabhold: Finstere Faxen!“, rechts ein gerolltes Ribbon mit „JETZT LESEN!“.

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