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🏛️ The Daily Meme #128 – Fantasy Technikgeschichte: Der erste Goblin-Passagierflieger


Boneys Technik-Logbuch-Eintrag
Position: Höhlenwerft 3B unter Schrottgrat, Fertigungsbereich der Gobwing-Flugwerke, direkt zwischen Nietregen, Ölgestank und gewagter Luftfahrtgeschichte.
Wetter: Unterirdisch, rußwarm, metallisch. In der Luft liegen Funken, Schmieröl und jenes leise Unbehagen, das immer entsteht, wenn jemand das Wort „Passagierkomfort“ in einem Goblinbetrieb ausspricht.
Lagebericht
Es gibt Flugzeuge.
Es gibt schlechte Flugzeuge.
Und dann gibt es den ersten Goblin-Passagierflieger, also den Moment, in dem jemand in den Zwischenreichen einen Haufen Altmetall ansah und ernsthaft fragte, ob man daraus nicht einen Linienbetrieb machen könne.
Die Antwort lautet leider: ja.
Vor uns steht der Prototyp eines Luftfahrzeugs, das nach allem aussieht, nur nicht nach Vertrauen. Die Außenhaut ist nicht gebaut, sondern zusammenargumentiert. Platte auf Platte, Niete auf Niete, Flickstück an Flickstück. Wo andere Hersteller auf Aerodynamik setzen, setzt Gobwing auf Behauptungskraft.
Und trotzdem muss man neidlos anerkennen:
Es sieht genau so aus, wie der erste Goblin-Passagierflieger aussehen muss.
Nämlich wie eine Idee, der niemand rechtzeitig widersprochen hat.
Flugtechnische Einordnung
In den Werkarchiven der Gobwing-Flugwerke gilt dieses Modell als Beginn der sogenannten Low-Fly-Tech-Ära. Das Grundprinzip war ebenso kühn wie billig:
- Man nehme ausrangierte Bleche
- Man niete sie in ungefähr flugfähiger Reihenfolge zusammen
- Man lasse mehrere Goblins mit erstaunlich wenig Angst daran arbeiten
- Und am Ende erkläre man das Ergebnis zum Fortschritt
Offiziell sollte der Flieger den Personenverkehr zwischen mehreren schwer erreichbaren Schrottsiedlungen revolutionieren. Inoffiziell sollte er vor allem beweisen, dass auch Goblins das Recht haben, große technische Fehler mit industrieller Entschlossenheit zu begehen.
Der Name des Prototyps ist in den Akten nicht ganz eindeutig überliefert. Am häufigsten tauchen die Bezeichnungen GOBWING P-1, Schrottlerche und Passagiermodul A, bitte nicht anlehnen auf.
Boneys Urteil
Ein Meilenstein der zweifelhaften Mobilität.
Rumpf: zusammengefunden.
Verarbeitung: energisch.
Sicherheitsgefühl: nicht vorhanden.
Wartungsteam: erstaunlich motiviert.
Markenauftritt: mutig.
Gesamteindruck: fliegt vielleicht, beruhigt aber niemanden.
Und trotzdem muss man sagen: Als Parodie funktioniert der erste Goblin-Passagierflieger hervorragend. Das Ding sieht aus, als hätte man eine Bruchlandung vor dem Erstflug schon fest mit eingepreist.
Genau so muss Low-Fly-Tech aus den Zwischenreichen aussehen: laut, grob, voller Funken und an jeder Stelle von der Überzeugung getragen, dass sich Physik schon irgendwie aushandeln lässt.
Abschließende Notiz an euch chronisch fehlgeleitete Luftfahrtromantiker
Wenn ein Passagierflugzeug in einer Höhlenwerft aus Restblech zusammengenietet wird und das Vertrauen bereits am Boden vollständig verbraucht ist, handelt es sich nicht mehr um zivilen Luftverkehr.
Dann handelt es sich um aeronautischen Goblinmut mit Nietenantrieb.
Morgen wiederkommen.
Dann öffnen wir die nächste Akte aus den Werkhallen der Zwischenreiche und prüfen, welches Verkehrsmittel als Nächstes zu früh in Betrieb genommen wurde.






