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🏛️ The Daily Meme #124 – Reisetipps, die keiner wollte: Sommerfrische am Finsterstrand von Mordor


Boneys Tourismus-Logbuch-Eintrag
Position: Finsterstrand von Mordor, zweite Liegestuhlreihe hinter der Aschekante, direkt zwischen Schwefelbrise und touristischer Verzweiflung.
Wetter: Warm, rußig, vulkanisch angespannt. Leichter Glutflug aus Südost. Sicht gut, sofern man das Flimmern aus Lavaspalten nicht als romantische Unschärfe verbucht.
Lagebericht
Es gibt Reisetipps, die helfen.
Es gibt Reisetipps, die niemand braucht.
Und dann gibt es den Finsterstrand von Mordor. Das ist jener Ort, an dem offenbar jemand in einer Reiseabteilung der Finsternis beschlossen hat, man könne eine lodernde Endzeitküste mit genug Werbesprache, zwei Liegestühlen und einem halbwegs freundlichen Slogan als Sommerziel verkaufen.
Das Ergebnis liegt nun vor uns.
Zwei Urlauber aus dem erweiterten Ork und Goblinmilieu sitzen friedlich im Schwarzsand, haben die Arme hinter dem Kopf verschränkt und blicken mit jener beneidenswerten Ruhe aufs Meer, die man entweder aus tiefer Gelassenheit gewinnt oder aus völliger geistiger Aufgabe.
Vor ihnen: Wasser, Rauch, ein Vulkan mit deutlich erhöhter Mitteilungsfreude und im Hintergrund eine Landschaft, die bei normalen Reiseveranstaltern allenfalls als Warnhinweis durchginge.
Hier aber heißt es:
Fast schon wie Urlaub.
Finsterstrand für Fortgeschrittene
Besonders stark ist an dieser Anzeige natürlich der Kontrast.
Die beiden Urlauber benehmen sich, als säßen sie an irgendeinem entspannten Küstenabschnitt zwischen Cocktailbar und Tauchschule. Strohhut, Schnorchel, Strandtasche, Badelatschen: Alles ist da. Nur eben in einer Weltgegend, in der „Badeurlaub“ eher nach letzter Maßnahme klingt.
Gerade das macht den Witz so gut. Die Szene übernimmt die Bildsprache klassischer Reiseanzeigen fast vollständig und kippt sie dann mit voller Absicht in die Finsternis.
Wo sonst türkisfarbenes Wasser und harmloser Himmel locken, gibt es hier dunkle Fluten und ein vulkanisches Zorngebirge.
Wo andere mit Entspannung werben, ruht man hier in Sichtweite einer geologischen Drohung.
Und wo normale Strandziele Erholung versprechen, liefert Mordor vor allem die Gewissheit, dass das Ende wenigstens schön ausgeleuchtet sein wird.
Boneys Urteil
Ein Paradebeispiel für Tourismuswerbung, die jeder Vernunft mit Anlauf widerspricht.
Strand: schwarz.
Luft: schwefelig.
Panorama: brandgefährlich.
Unterkünfte: fragwürdig.
Erholungswert: überraschend hoch, wenn man ohnehin keinen Wert auf Zukunft legt.
Trotzdem muss man es anerkennen: Als Reiseanzeige funktioniert das erschreckend gut. Der Prospektblick sitzt, die Pointe auch, und irgendwo zwischen Liegestuhl, Lavakegel und Werbespruch wächst für einen kurzen Moment tatsächlich der Gedanke, dass man dort vielleicht zwei Tage aushalten könnte.
Genau da liegt das Problem.
Abschließende Notiz an euch chronisch fehlinformierte Sommerfrischler
Wenn ein Reiseziel nur deshalb reizvoll wirkt, weil der Vulkan im Hintergrund das Licht so schön auf dem Wasser verteilt, handelt es sich nicht mehr um Fernweh.
Dann handelt es sich um touristische Selbstgefährdung mit Prospektcharme.
Morgen wiederkommen.
Dann öffnen wir den nächsten Reiseführer aus den Zwischenreichen und prüfen, welcher Ort als Nächstes mit freundlicher Schrift und fragwürdigen Versprechen an den Mann gebracht werden soll.





