Taufpatin – Les Malfaisances de la Taufpatin (Review)

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Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Taufpatin – Les Malfaisances de la Taufpatin

🧿 Kurzfazit
Les Malfaisances de la Taufpatin ist ein herrlich verschrobenes Black-Metal-Märchen, das seine alberne Grundidee mit erstaunlich viel musikalischem Ernst durchzieht. Kauzige Synthesizer, hymnische Melodien, rohe Gitarren, garstige Vocals und ein bewusst altmodischer Klang verwandeln den beleidigungsbedingten Nervenzusammenbruch einer Hexe in ein erstaunlich geschlossenes Debüt. Einige Passagen spielen musikalisch sicherer, als es das völlig enthemmte Konzept erwarten lässt, doch gerade der Kontrast zwischen echtem Black Metal und vergiftetem Feengebäck besitzt enormen Charme.

🧭 Für wen & vergleichbar mit
Für Freunde von französischem Black Metal, Dungeon Synth und jener eigentümlichen Ecke des Genres, in der Mittelalter, Folklore und verschrobene Figuren wichtiger sind als makellose Produktion. Wer Véhémence, Hanternoz, Möhrkvlth, ältere französische Black-Metal-Schulen oder generell Antiq-Veröffentlichungen mag, sollte hier dringend den Besen parken. Hilfreich sind außerdem Humor, Schokoladenaffinität und eine gewisse Toleranz gegenüber Feenverletzungen.

🎼 Highlights
L’Affront, La Colère de la Taufpatin, Opération Vengeance, Une sacrée fête de merde, Je reste la plus belle

⛔ Für wen eher weniger geeignet?
Wer Black Metal ausschließlich mit frostiger Ernsthaftigkeit, philosophischem Weltschmerz und streng rationierter Gesichtsmuskulatur konsumiert, könnte während der Vinted-Episode einen kleineren Systemfehler erleben. Ebenso wenig richtet sich die Platte an Hörer, die jeden Synthesizer sofort wegen mangelnder Trueheit aus dem Burgtor werfen.

Cover von Taufpatin – Les Malfaisances de la Taufpatin mit pink-violettem Nachthimmel, düsterem Schloss und mehreren Hexen, die auf Besen durch die Luft fliegen. Vor der Burg steht eine schwarz-weiß dargestellte Hexengestalt mit spitzem Hut. Oben links befindet sich das weiße Taufpatin-Logo, unten rechts der Albumtitel.

🧁 Taufpatin – Les Malfaisances de la Taufpatin: Kein Ball, kein Vinted, keine Gnade

Es gibt Kränkungen, über die man als erwachsener Mensch problemlos hinwegkommen sollte. Eine verpasste Einladung zum Beispiel. Oder ein Abend ohne Gesellschaft. Ein Kleid, das nun völlig sinnlos im Schrank hängt oder gar ein gelöschter Vinted-Account. Schokoladenflecken an Stellen, an denen definitiv keine hingehören.

Doch seid auf der Hut: La Taufpatin ist kein normaler, erwachsener Mensch. La Taufpatin ist eine Hexe.

Genauer gesagt eine dermaßen unausstehliche Hexe aus dem ostfranzösisch-elsässischen Raum, dass die Bevölkerung sie bereits im 18. Jahrhundert gemeinschaftlich auf einem Scheiterhaufen entsorgt haben soll. Dort hätte diese Geschichte vernünftigerweise enden können. Dummerweise ist La Taufpatin jetzt aber wieder da, wurde schon wieder nicht zum Feenball eingeladen und besitzt offenbar weder therapeutische Unterstützung noch eine gesunde Strategie zur Konfliktbewältigung.

Also gibt es Les Malfaisances de la Taufpatin.

Das Debüt von Taufpatin ist ein 42-minütiges Rachemärchen zwischen Black Metal, Dungeon Synth, mittelalterlicher Atmosphäre und dem emotionalen Zusammenbruch einer Frau, die nach einem sozialen Affront erst Schokolade braucht und anschließend zur chemischen Kriegsführung gegen Feen übergeht. Man möchte an verschiedenen Stellen einwerfen, dass eine kurze Nachricht in der WhatsApp-Gruppe für Geflügelte vielleicht gereicht hätte. Das Album sieht das allerdings ziemlich anders.

Und tatsächlich: Es hat verdammt gute Argumente.

Schmaler Crowbah Banner mit Crowbah und Grabhold vor dunkler Comic Stadt.

🎧 Was erwartet dich?

Genre(s): Post Metal, Progressive Metal, Atmospheric Metal, Post Rock, Blackgaze

Musikalische Einordnung: Das Überraschende an dieser vollkommen durchgeknallten Geschichte ist, wie unironisch gut die Musik funktioniert. Taufpatin hätte aus dem Konzept problemlos eine reine Comedy-Veranstaltung machen können. Stattdessen bekommt man überwiegend langsamen bis gemäßigt schnellen Black Metal mit starkem melodischem Fundament, mittelalterlicher Färbung, Dungeon-Synth-Nebel und einer Produktion, die lieber nach Keller, Holz und altem Mauerwerk klingt als nach klimatisiertem Studio.

Die Gitarren arbeiten häufig mit einfachen, gut greifbaren Melodien. Darüber liegen Synthesizer, die mal nach Burghof, mal nach verwunschenem Wald und gelegentlich nach einem Roland-Keyboard klingen, das seit 1997 niemand mehr aus dem Hexenkeller gelassen hat. Genau das steht dieser Platte tatsächlich hervorragend.

Der Gesang kreischt und keift passend zur ausgesprochen schlechten Laune der Hauptfigur. Dazu kommen gesprochene Passagen, eigenartige Stimmen, kleine theatralische Gesten und immer wieder Momente, in denen die Musik regelrecht hymnisch wird. Gerade Opération Vengeance zeigt, wie stark Taufpatin sein kann, wenn sich das Stück etwas größer aufrichtet.

Dabei rast das Album kaum. Seine Stärke liegt eher im Erzählen. Jeder Song schiebt die Geschichte ein Stück weiter, und weil die Songs melodisch genug voneinander abgesetzt sind, funktioniert das Ganze tatsächlich auch als Album erstaunlich gut, oder genauer: als Black-Metal-Hörspiel über eine toxische Feenfreundschaft.

Dafür gab es bislang vermutlich noch keine eigene Regalbeschriftung.

Klangbild: Der Sound ist bewusst roh gehalten. Die Gitarren besitzen Körnung, die Synthesizer dürfen eigenartig und manchmal fast naiv wirken, und die Vocals stehen mit genau jener unangenehmen Präsenz im Raum, die eine seit dreihundert Jahren nachtragende Hexe vermutlich verlangt.

Das Ganze klingt dadurch erstaunlich authentisch. Hochglanz hätte diese Musik ruiniert. La Taufpatin braucht keine klinisch getrennten Frequenzen. Sie braucht ein Kellergewölbe, einen Topf, zwei Kerzen und jemanden, der endlich aufhört zu fragen, warum es im Treppenhaus nach verbranntem Zucker riecht.

Trotzdem versinkt die Platte nie vollständig im Lo-Fi-Nebel. Melodien bleiben erkennbar, die Arrangements besitzen klare Konturen, und gerade deshalb wirken die kleinen kauzigen Details ganz großartig.

🎬 Offizielles Musikvideo

Offizielles Video von Taufpatin aus dem Album Les Malfaisances de la Taufpatin – inklusive jener wunderbar schiefen Hexenwelt, in der Feenbälle offenbar ernste diplomatische Folgen haben.

🧹 Fünf Schandtaten, für die man eigentlich interdimensionales Hausverbot bekommt

L’Affront

Alles beginnt mit Hoffnung. Ein Brief kommt. Vielleicht endlich die Einladung zum großen Feenball? Natürlich nicht. Es ist eien Mahnung vom Finanzamt. Damit steht L’Affront bereits nach wenigen Minuten als vielleicht realistischster Fantasy-Song des Jahres fest. Während ringsum vermutlich längst die guten Feen ihre Kleider bügeln, erkennt La Taufpatin langsam, dass niemand angerufen hat, niemand zurückruft und offenbar alle ohne sie feiern. Musikalisch baut das Stück genau die richtige Mischung aus Erwartung, Ärger und langsam aufsteigender Bosheit auf. Es ist die Geburt einer Rachegeschichte aus einem gesellschaftlichen Affront. Jane Austen hätte vermutlich anders reagiert.

La Colère de la Taufpatin

Nun ist Schluss mit gepflegter Zurückhaltung. La Taufpatin stellt fest, dass sie tatsächlich geghostet wurde, beschimpft praktisch sämtliche Beteiligten und erinnert sich nebenbei daran, wie viel gemeinsam über Baba Yaga und die Kobolde getratscht wurde. Das ist grandios, weil der Text die majestätische Hexenfigur mit vollkommen moderner sozialer Kränkung kollidieren lässt. Hier gibt es keine dunkle Prophezeiung aus einem vergessenen Manuskript. Hier ist jemand richtig sauer, weil die Freundinnen ohne sie losgezogen sind. Musikalisch bekommt die Wut genau den nötigen Schub. Melodische Black-Metal-Riffs und keifender Gesang tragen den Song, während der ganze Unsinn völlig selbstverständlich weiter eskaliert. Am Ende fährt sie Schokolade kaufen. Wie gesagt: Eskalation.

Opération Vengeance

Hier wird aus beleidigtem Herumfluchen endlich Projektmanagement. Opération Vengeance gehört zu den stärksten Stücken des Albums, weil Taufpatin die Musik größer und hymnischer aufzieht. Die Melodien bekommen beinahe heroischen Charakter, während die Hauptfigur ihre ausgesprochen fragwürdige Gegenoffensive organisiert. Genau solche Momente beweisen, dass hinter dem Konzept tatsächlich musikalische Substanz steckt. Das Stück könnte auch ohne den ganzen Feenwahnsinn funktionieren. Mit ihm wird es allerdings sehr viel lustiger. Eine Racheoperation wegen einer Partyabsage sollte eigentlich nicht derart majestätisch klingen. Hier tut sie es.

Une sacrée fête de merde

Nach all der Vorbereitung erreichen wir einen Punkt, an dem die diplomatischen Beziehungen zwischen Hexenwesen und Feenwelt offenbar endgültig zusammenbrechen. Schon der Titel – grob: eine verdammt beschissene Party – besitzt eine herrliche Fallhöhe zum mittelalterlich-märchenhaften Rahmen. Genau darin liegt ein großer Teil des Reizes dieses Albums. Hohe Fantastik begegnet sehr niedriger Impulskontrolle. Das Stück fühlt sich wie der Moment an, auf den das ganze Album zugelaufen ist. Der Ball, die Intrige, die vergifteten Köstlichkeiten und die schlechte Laune kollidieren. Was jahrhundertealte Hexenmagie nicht lösen konnte, erledigt nun die denkbar ungesündeste Variante von Party-Catering.

Je reste la plus belle

Natürlich endet diese Geschichte nicht mit irgendeiner Einsicht. Natürlich lernt La Taufpatin nichts. Und natürlich lautet die letzte Feststellung sinngemäß: Ich bleibe die Schönste. Das ist als Finale eigentlich perfekt. Nach 42 Minuten Rache, Schokolade, Gift, Kleidungsproblemen und gesellschaftlicher Totalzerstörung zieht die Hauptfigur genau jene Schlussfolgerung, die man von ihr erwartet. Keine Reue. Keine Läuterung. Schon gar keine Entschuldigungskarte. Nur Selbstbestätigung. Nee, Disney wird das vermutlich nicht verfilmen.

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🖼️ Artwork

Dieses Cover ist ein Ereignis für sich. Ein pink-violetter Himmel. Eine düstere Märchenburg. Hexen auf Besen. Eine weiß ausgeschnittene Hauptfigur, die vor dem Gebäude steht, als wäre sie versehentlich aus einem völlig anderen Jahrhundert und einem völlig anderen Grafikprogramm hineingeklebt worden. Dazu ein Logo, das aussieht, als hätte ein Black-Metal-Schriftzug einen Hexenhut gefressen.

Eigentlich müsste das furchtbar sein. Und irgendwie ist es großartig. Denn dieses Artwork versucht gar nicht erst, den üblichen prachtvollen Fantasy-Realismus zu bedienen. Es wirkt wie eine absichtlich überdrehte Collage aus Märchenbuch, frühen Photoshop Stempelexperimenten, Dungeon-Synth-Kassette, Hexenpostkarte und Flyer eines Dorffestes, bei dem nach Mitternacht Dinge geschehen, über die der Bürgermeister am nächsten Morgen nicht sprechen möchte.

Vor allem passt es exakt zu La Taufpatin selbst. Elegant sein wollen, vollkommen überzeugt vom eigenen Stil sein und dabei knapp an jeder Form gesellschaftlich akzeptierter Ästhetik vorbeifliegen. Man hätte dieses Album kaum besser bebildern können.

Düsterer Fantasy-Werbebanner für den fiktiven Energydrink „BLACK RUNE“. Rechts sitzt ein muskulöser Orkkrieger in abgenutzter Leder- und Metallrüstung in einem rauchigen Kriegslager, hält eine schwarze Getränkedose mit Runenzeichen und stützt sich neben einer großen Streitaxt ab. Links steht in großer schwarzer und roter Serifenschrift der Slogan: „BLACK RUNE verleiht Schädel.“

✨ Besondere Momente

🍫 Der Schokoladen-Zwischenfall

Dass ein Black-Metal-Konzeptalbum einen emotionalen Tiefpunkt über eine mit Schokolade ruinierte Abendgarderobe erreicht, muss man erst einmal schaffen. Ma Belle Robe au Placard besitzt dabei wahrscheinlich einen der schönsten absurden Texte des ganzen Albums. Die Dame hadert mit ihrer schönen Robe, ihrem Silberfuchs, ihrer Kränkung und schließlich damit, dass ihr auch noch der Vinted-Account gelöscht wurde. Dann landet Schokolade auf dem Kleid. Andere Black-Metal-Figuren beschwören das Ende der Welt. La Taufpatin erlebt es auf ihre eigene Art.

🧚 Feen als sozialer Endgegner

Sehr schön ist, dass die guten Feen in dieser Geschichte gar nicht besonders viel tun müssen. Sie laden La Taufpatin einfach nicht ein. Mehr braucht es nicht. Damit erzählt das Album neben all dem Blödsinn sogar etwas erstaunlich Menschliches: soziale Ausgrenzung, verletzte Eitelkeit, Freundschaft, Tratsch und das unangenehme Gefühl, dass alle anderen gerade irgendwo Spaß haben. Nur wird daraus normalerweise kein Giftanschlag. Das ist dann wieder Hexensache.

🏰 Mittelalter trifft Gegenwartsschrott

Einer der besten Gags liegt darin, wie selbstverständlich völlig moderne Dinge in die angeblich aus dem 18. Jahrhundert stammende Figurenwelt hineinbrechen. Vinted, Ghosting, Supermarkt, Schokoriegel – La Taufpatin hat offenbar mehrere Jahrhunderte verpasst und keinerlei Schwierigkeiten mit der digitalen Transformation. Diese Anachronismen geben dem Projekt seine besondere Komik. Die Figur darf gleichzeitig alte Hexe und ausgesprochen heutige Nervensäge sein.

🎹 Dungeon Synth ohne Ehrfurchtsstarre

Die Synthesizer funktionieren besonders gut, weil sie weder orchestralen Bombast vortäuschen noch jede Sekunde beweisen wollen, wie mittelalterlich die Sache ist. Manchmal klingen sie tatsächlich etwas billig, kauzig oder eigenartig. Perfekt. Das Album gewinnt dadurch Persönlichkeit. Ein Hexenschloss muss nicht nach Hans Zimmer klingen. Manchmal reicht ein Keyboard, das verdächtig danach klingt, als hätte man es hinter einem Gobelin gefunden.

🎭 Der große Witz funktioniert, weil die Musik ihn ernst nimmt

Das ist vielleicht der wichtigste Punkt des gesamten Albums. Taufpatin spielt nicht elf musikalische Sketche. Die Songs besitzen echte Melodien, brauchbare Spannungsbögen und eine ziemlich klare Vorstellung davon, was sie musikalisch sein wollen. Gerade deshalb darf die Geschichte derart albern werden. Wenn auch die Musik ständig zwinkern würde, wäre das nach drei Songs anstrengend. So steht ein erstaunlich ernst gemeinter Black-Metal-Unterbau unter einer Geschichte, in der eine Hexe wegen fehlender Partyeinladung vergiftete Kuchen backt. Die dunkle Musikwelt hat schon deutlich langweiligere Ideen hervorgebracht.

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📜 Hintergrund: Verbrannt, beleidigt, wieder da: Die Akte Taufpatin

Die offizielle Legende verortet La Taufpatin im 18. Jahrhundert irgendwo zwischen Ostfrankreich und dem Elsass. Eine ausgesprochen unangenehme Hexe, spezialisiert auf schreckliche Tränke und bösartige Zauber, bevorzugt eingesetzt gegen gute Feen und anständige Leute vom Land.

Irgendwann hatte die Bevölkerung genug.

Scheiterhaufen.

Applaus.

Ende.

Zumindest hätte das so laufen sollen.

2026 ist die Dame doch wieder aufgetaucht und veröffentlicht nun ausgerechnet über Antiq ihr Debüt. Dass dieses Label bei der Geschichte begeistert mitspielt, macht das Ganze noch schöner. Offiziell möchte Antiq mit den Attacken gegen gute Feen selbstverständlich nichts zu tun haben und behauptet, durch einen Zauber zur Veröffentlichung gezwungen worden zu sein.

Das passt erstaunlich gut zur Philosophie des französischen Labels. Antiq betrachtet Musik, Texte, Bildsprache, physische Veröffentlichung und Auftreten ohnehin als zusammengehöriges Konzept. Bei Taufpatin wird diese Haltung bis zur vollständigen Hexenbesessenheit durchgezogen.

Selbst die Figur bleibt dabei schön rätselhaft. Offiziell besteht das Line-up schlicht aus La Taufpatin. Wer dahinter musikalisch tatsächlich welchen Topf umrührt, wird nicht weiter offengelegt.

Man muss schließlich auch nicht alles wissen.

Gerade bei Giftmischern ist etwas berufliche Diskretion überaus sinnvoll.

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🧁 Fazit: Die schlechteste Feenparty des Jahres ist ein ziemlich gutes Album

Oh ja, man kann Les Malfaisances de la Taufpatin sehr leicht unterschätzen. Man sieht den Namen Taufpatin, schaut auf dieses unglaubliche Cover, liest etwas von einer Hexe, die wegen einer fehlenden Einladung einen Topf Schokolade verdrückt, und erwartet vollkommen zu Recht irgendeine Form musikalischen Kontrollverlusts.

Dann läuft die Platte. Und darunter steckt plötzlich ein wirklich gutes, melodisches, eigensinniges Black-Metal-Album. Taufpatin hat verstanden, dass ein Gag allein keine 42 Minuten trägt. Die Songs besitzen Atmosphäre, die Gitarren produzieren brauchbare Melodien, die Dungeon-Synth-Elemente geben dem Material Charakter, und der eher gemäßigte Albumfluss lässt der Geschichte genügend Platz. Gerade die hymnischeren Momente zeigen, dass hier sogar noch deutlich mehr möglich wäre.

Ganz ohne kleinere Schnitzer ist das Debüt trotzdem nicht. Manche Songs bleiben musikalisch konservativer, als es das vollkommen hemmungslose Konzept erwarten lässt. Gerade weil Opération Vengeance zeigt, wie gut größere, heroischere Melodien funktionieren, hätte man von dieser Sorte Wahnsinn gerne noch etwas mehr bekommen dürfen. Auch die theatralischen Stimmen, das Kichern und die kleinen absurden Einfälle könnten künftig ruhig häufiger durch die Songs spuken.

Aber vielleicht ist genau diese Zurückhaltung beim ersten Album gar nicht schlecht. Die Welt von La Taufpatin ist bereits so voller Feen, Flüche, Kleidungsprobleme und Süßwarenkatastrophen, dass musikalisch noch ein bisschen Platz zum Atmen bleibt.

Vor allem besitzt dieses Projekt etwas, das man nicht herstellen kann, indem man fünf erfolgreiche Bands studiert und anschließend einen Marketingplan schreibt: Persönlichkeit.

Dieses Album könnte kaum jemand anderes gemacht haben. Es ist albern. Es ist böse. Es ist kauzig. Es ist überraschend melodisch. Es sieht aus wie eine verfluchte Geburtstagskarte und klingt stellenweise wie ein mittelalterlicher Black-Metal-Zug, der versehentlich am Süßwarenregal gehalten hat.

Und am Ende muss man feststellen:

Die Feen hätten sie doch einfach einladen sollen.

Jetzt haben wir den Salat.

Und der ist vermutlich vergiftet.

Cover von Taufpatin – Les Malfaisances de la Taufpatin mit pink-violettem Nachthimmel, düsterem Schloss und mehreren Hexen, die auf Besen durch die Luft fliegen. Vor der Burg steht eine schwarz-weiß dargestellte Hexengestalt mit spitzem Hut. Oben links befindet sich das weiße Taufpatin-Logo, unten rechts der Albumtitel.

Künstler:

Taufpatin

Albumtitel:

Les Malfaisances de la Taufpatin

Erscheinungsdatum:

7. Oktober 2026

Genre:

Medieval Black Metal / Epic Black Metal / Dungeon Synth

Label:

Antiq

Spielzeit:

ca. 42 Minuten

🎼 Trackliste:

L’Attente – 2:41
L’Affront – 4:58
La Colère de La Taufpatin – 3:48
Ma Belle Robe au Placard – 3:53
Ne serais-je plus la Bienvenue – 5:34
Opération Vengeance – 5:43
L’Etrange Invitation – Le Grand Bal – 3:56
Jolis Gateaux Empoisonnés – 3:48
Arrivée des Invitées – 1:25
Une sacrée fête de merde – 3:16
Je reste la plus belle – 2:57

👥 Besetzung:
La Taufpatin – Identität und konkrete Instrumentierung werden nicht offengelegt

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