Sleep – Hempispheres (Review)

🧐 Im Fantasykosmos suchen

Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Sleep – Hempispheres

🧿 Kurzfazit
Hempispheres ist kein Versuch, den klassischen Sleep-Sound ohne Matt Pike künstlich fortzuschreiben. Stattdessen entstehen fünf psychedelische Doom-Stücke, die stärker auf Bass, Groove, Space Rock und atmosphärische Bewegung setzen. Das Album verliert einen Teil der früheren gigantischen Wucht, gewinnt aber eine neue Leichtigkeit und einen eigenständigen Charakter.

🎯 Für wen?
Für Fans, die Sleep nicht ausschließlich mit Dopesmoker gleichsetzen und auch Cisneros’ Arbeit mit Om mögen. Wer an Hawkwind, alten Heavy-Psych-Sounds, langsamen Blues-Riffs, kosmischer Rhythmik und sehr viel Bass Freude hat, dürfte hier erstaunlich schnell mitreisen.

🎧 Vergleichbar mit
Natürlich bleibt Sleep die wichtigste Referenz, allerdings eher in der Entwicklung von The Sciences als in der monolithischen Phase von Dopesmoker. Dazu kommen deutliche Verbindungen zu Om, Hawkwind, Cactus, Deep Purple und stellenweise Wüstenrock à la Kyuss. No Ripcord beschreibt genau diese Mischung aus Doom, Drone, Acid Rock, Proto-Metal und spirituellerem Cisneros-Kosmos.

🎼 Highlights
Have Spacesuit Will Travel, Hempispheres, Arrival Of The Industry Ships

⛔ Für wen eher weniger geeignet?
Wer von Sleep vor allem jene gewaltige Gitarrenmasse erwartet, die Matt Pike über Jahrzehnte aufgebaut hat, wird diese Platte zunächst dünner empfinden. Hempispheres will nicht mehr der schwerste Gegenstand im Raum sein. Es schwebt lieber hindurch.

Albumcover von Grey Shores – Dark Waters of Night: Ein dunkles Schiff treibt in stürmischer See unter einem dramatisch rot-orange leuchtenden Himmel. Schwere Wolken und dunkle Wellen umgeben die Szene. Oben links steht das Bandlogo, unten rechts der Albumtitel in heller gotischer Schrift.

🌿 SleepHempispheres: Der Weedian wechselt die Umlaufbahn

Auch das noch: Achtung, der Marijuanaut ist wieder unterwegs. Auf dem Cover von Hempispheres steht er zwischen meterhohen Cannabispflanzen auf einer fremden Welt, den Helm geschlossen, die Schläuche am Raumanzug angeschlossen, hinter ihm eine kleine Landefähre mit leuchtenden Fenstern. Am Himmel hängen zwei dunkle Himmelskörper wie schwarze Scheiben vor einem Sternenmeer. Im Visier spiegeln sich Pflanzen. Selbst im interstellaren Vakuum scheint Sleep also zuverlässig das Wichtigste gefunden zu haben.

Das passt. Weniger selbstverständlich ist, wer diesmal mitfliegt. Denn Hempispheres ist das erste Sleep-Album ohne Matt Pike. Jenes Gitarrenmonster, das zusammen mit Al Cisneros über Jahrzehnte wesentlich dafür verantwortlich war, dass ein Riff bei dieser Band nicht einfach erklang, sondern tektonische Behörden einschalten musste. Pike ist weg. Jason Roeder ebenfalls. Geblieben ist Cisneros, der nun mit Dale Crover von den Melvins am Schlagzeug und Jon Bubba Dupree von Void an der Gitarre eine neue Version der Band aufstellt. Dass die erste neue Musik seit acht Jahren entsprechend sofort die Frage ausgelöst hat, ob das überhaupt noch Sleep sei, überrascht ungefähr so sehr wie Hanfblätter auf einem Sleep-Cover.

Die Antwort von Hempispheres lautet: Nicht mehr ganz so wie früher. Und genau deshalb lohnt sich die Reise tatsächlich. Diese fünf Stücke versuchen nicht, Matt Pikes Gitarrenwand mit einem ähnlich massiven Ersatzbau zu rekonstruieren. Stattdessen wird der Raum größer. Cisneros’ Bass übernimmt noch deutlicher das Zentrum, Crover bringt Bewegung in die Schwerkraft, und Dupree spielt sich nicht als neuer Pike auf, sondern als psychedelischer Gitarrist mit Blues, Acid Rock und deutlich mehr Luft zwischen den Tönen.

Das Ergebnis klingt stellenweise näher an Om, Hawkwind oder psychedelischem Hard Rock als an Dopesmoker.

Nur eben so, als hätte jemand Om leichtsinnigerweise eine Rakete geliehen.

Schmaler Crowbah Banner mit Crowbah und Grabhold vor dunkler Comic Stadt.

🎧 Was erwartet dich?

Genre(s): Stoner Doom, Psychedelic Doom, Space Rock, Heavy Psych, Drone

Musikalische Einordnung: Hempispheres markiert eine deutliche Verschiebung. Wo Sleep früher oft aus einem einzigen gigantischen Riff einen ganzen Kontinent formten, lebt dieses Album stärker von Bewegung innerhalb der Songs. Die Musik bleibt langsam, schwer und repetitiv, aber nicht mehr permanent monumental. Bass und Schlagzeug bekommen deutlich mehr Eigenleben, während Duprees Gitarre häufig als Farbe, Akzent oder psychedelische Spur eingesetzt wird.

Dadurch rückt Cisneros’ andere große musikalische Welt näher. Wer Om kennt, wird diesen Einfluss kaum überhören. Der Gesang ist weniger Growl als mantraartige Predigt, Basslinien tragen ganze Abschnitte, und manche Passagen wirken beinahe meditativ. Gleichzeitig bleibt der alte Doom-Unterbau erhalten. Tony Iommi steht weiterhin als imaginärer Schutzheiliger am Kontrollpult. No Ripcord fasst die neue Ausrichtung treffend als Verbindung zwischen Doom, Drone und einer spirituelleren, Om-nahen Seite zusammen.

Interessant ist dabei gerade die neue Balance. Hempispheres klingt nicht wie ein Om-Album mit zusätzlicher Gitarre und auch nicht wie eine halbierte Version von Sleep. Die Platte sitzt dazwischen. Der Titel passt deshalb fast verdächtig gut: zwei Hemisphären, die sich überlappen. Eine riecht nach Verstärkern. Ja, die andere auch. Nur steht dort zusätzlich ein Räuchergefäß.

Klangbild: Der Bass steht weit vorn. Mhm, wirklich sehr weit. Al Cisneros spielt nicht bloß Begleitung, sondern baut die eigentliche Landschaft. Seine tiefen, dröhnenden Linien bilden den Untergrund, auf dem Crover und Dupree arbeiten. Dale Crover bringt dazu eine erstaunlich bewegliche Rhythmik. Er spielt schwer, aber nicht unbeweglich. Seine Grooves atmen, schieben, verzögern und lassen die Songs an Stellen wachsen, an denen man früher eher den nächsten Gitarrenblock erwartet hätte.

Dupree vermeidet derweil jede Pike-Imitation. Das ist eine der wichtigsten Entscheidungen der Platte. Seine Gitarre klingt schlanker, psychedelischer und häufiger bluesorientiert. Soli winden sich durch die Songs, statt wie eine zusätzliche Wand daraufzufallen. Gerade dadurch entsteht diese spacige Offenheit. Die Musik verliert Masse, aber gewinnt Tiefe.

Die Produktion trägt diesen Wandel konsequent mit. Hempispheres besitzt weniger von jener alles verschluckenden Verzerrung früherer Sleep-Aufnahmen. Stattdessen bleiben Instrumente klarer voneinander getrennt, was besonders Crovers Schlagzeug und Cisneros’ Bass zugutekommt.

Das fühlt sich zunächst kleiner an. Nach mehreren Durchläufen wirkt es jedoch eher wie eine andere Art von Größe.

🎧 Direkt bei Bandcamp anhören

Sleep – Have Spacesuit, Will Travel (4:20 Flexi Edit)

Die Aufnahme kannst du direkt über Bandcamp anhören:

Sleep – Have Spacesuit, Will Travel (4:20 Flexi Edit) bei Bandcamp

🚀 Drei Flugkörper aus dem neuen Orbit

Have Spacesuit Will Travel

Der erste neue Sleep-Song seit acht Jahren war beinahe dafür geschaffen, die Fanbasis nervös zu machen. Die 4:20-Fassung wirkte zunächst merklich leichter als erwartet. Weniger Gitarrenwand, mehr Bass, mehr Raum, stärker chantender Gesang. Entsprechend schnell kam die Frage auf, ob diese Band ohne Pike noch dieselbe sei. No Ripcord beschreibt genau diese Irritation und bezeichnet die kurze Version rückblickend als unzureichenden Eindruck des vollständigen Stücks. Denn die Albumfassung funktioniert erheblich besser.

Sie nimmt sich am Anfang Zeit. Cisneros und Crover bauen zunächst gemeinsam den Untergrund, bevor Dupree überhaupt richtig einsetzt. Dadurch hört man sehr klar, was diese neue Besetzung will: Rhythmus zuerst, Masse danach. Wenn die Gitarre schließlich kommt, windet sie sich eher psychedelisch durch den Song, als ihn niederzuwalzen. Genau darin liegt der neue Reiz. Das Stück klingt nach Weltraum, Staub, alter Verstärkertechnik und einem Motor, der offenbar mit einer botanisch fragwürdigen Treibstoffmischung läuft. Inhaltlich bleibt dagegen alles völlig normal. Also nach Sleep-Maßstäben.

Der Marijuanaut verlässt die Erde, reist durch tiefen Raum und setzt seine kosmische Pilgerfahrt fort. Selbst Cygnus bekommt dabei seinen Anteil Gras. Die offizielle Flexi-Version führt Cisneros an Gesang, Bass und Moog, Dupree an der Gitarre und Crover am Schlagzeug.

Hempispheres

Der Titeltrack wirkt wie der Punkt, an dem das neue Trio vollständig zu sich findet. Crover spielt einen schweren, geduldigen Groove, Cisneros schiebt darunter seinen Bass, und Dupree bekommt mehr Raum für Gitarrenarbeit, die deutlich in Richtung Desert Rock und Heavy Psych kippt. No Ripcord hört hier sogar Kyuss-artige Gitarrentöne und hebt besonders Crovers Rhythmusarbeit hervor.

Gerade das längere Ende ist stark. Die Band beginnt regelrecht zu fahren. Nicht schnell, versteht sich. Klar, wir reden immer noch über Sleep. Aber plötzlich besitzt die Musik eine horizontale Bewegung, die bei früheren Platten weniger wichtig war. Dopesmoker war ein Berg. Hempispheres ist eher eine endlose Straße durch eine fremde Wüste. Beides kann tödlich enden. Nur sieht man hier dabei mehr Landschaft.

Arrival Of The Industry Ships

Der längste Song des Albums geht wieder tiefer in den Schlamm. Das Tempo sinkt, der Groove zieht sich, und die Musik wirkt zunächst wie ein sehr langsamer Blues-Jam, der während einer kosmischen Katastrophe vergessen wurde. Genau hier kommt die alte Sleep-Schwere am deutlichsten zurück, allerdings ohne Pikes frühere Gitarrenmasse.

Cisneros führt dabei seinen eigenen Mythos weiter. Asteroiden, Radarwarnungen, industrielle Schiffe, kosmische Bewegung – die Texte lesen sich längst weniger wie klassische Lyrics als wie Fragmente einer fortlaufenden Space-Doom-Saga. No Ripcord hebt gerade dieses Stück als besonders dreckig und schleppend hervor. Und hier schließt sich auch die Verbindung zum neuen Comic besonders schön. Denn Sleep schreiben inzwischen keine bloßen Songs mehr über ihren Kosmos. Sie betreiben Weltbau. Nur mit sehr langsamen Raumschiffen.


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🎨 Artwork

Das Cover von Hempispheres ist sofort als Sleep erkennbar, obwohl es eine neue Phase markiert. Links steht der Marijuanaut in einem massiven Raumanzug zwischen Cannabispflanzen. In seinem spiegelnden Visier liegt bereits das nächste Feld. Schläuche führen aus seinem Helm, Rauch steigt an der Seite auf, und am Arm sitzt ein Hanfblatt als Missionsabzeichen.

Die NASA würde vermutlich Formulare schicken. Rechts steht die Landefähre zwischen den Pflanzen. Orangefarbene Fenster leuchten in der Dunkelheit, während dahinter eine zerklüftete schwarze Landschaft aufragt. Zwei fast vollständig verdunkelte Himmelskörper hängen über der Szene und lassen nur schmale Lichtkanten erkennen.

Die Farbgebung ist auffallend kühl. Türkis, Schwarz und dunkles Blau dominieren, während Orange nur punktuell Wärme hineinbringt. Dadurch wirkt das Cover weniger wie klassisches Fantasy-Stoner-Artwork und stärker wie ein altes Science-Fiction-Comicpanel. Das passt perfekt zum neuen Album. Auch musikalisch zieht Sleep weiter hinaus aus der bekannten Wüste und stärker in den kosmischen Raum. Die Hanfpflanzen bleiben stehen. Man muss schließlich nicht alle Traditionen auf einmal abschaffen.

Düsterer Fantasy-Werbebanner für den fiktiven Energydrink „BLACK RUNE“. Rechts sitzt ein muskulöser Orkkrieger in abgenutzter Leder- und Metallrüstung in einem rauchigen Kriegslager, hält eine schwarze Getränkedose mit Runenzeichen und stützt sich neben einer großen Streitaxt ab. Links steht in großer schwarzer und roter Serifenschrift der Slogan: „BLACK RUNE verleiht Schädel.“

🪦 Besondere Momente

Matt Pike fehlt – und genau das soll man hören

Der wichtigste Punkt dieser Platte ist nicht, dass Bubba Dupree Matt Pike ersetzt. Er tut es nämlich nicht. Und das ist auch gut so. Dupree versucht gar nicht erst, Pikes gigantischen Gitarrenton nachzubauen. Dadurch entsteht kein Ersatzprodukt, sondern eine neue musikalische Balance. Diese Entscheidung ist riskanter, aber auch interessanter. Pike fehlt hörbar. Die Band tut nicht so, als wäre das anders. Gerade dadurch besitzt Hempispheres einen eigenen Grund.

Dale Crover verändert die Schwerkraft

Dale Crover ist nicht einfach ein neuer Schlagzeuger hinter einem bekannten Bandnamen. Seine Art zu spielen verändert die Songs. Er bringt jene Mischung aus Gewicht und Beweglichkeit mit, die man aus den Melvins kennt. Gerade im Titeltrack wird das deutlich: Statt bloß unter einem Riff zu liegen, formt das Schlagzeug aktiv die Bewegung des Stücks. Das macht die Platte weniger starr und gibt Cisneros’ Bass noch mehr Raum.

Aus Lyrics wird inzwischen ein eigenes Universum

Parallel zum Album erscheint das erste Sleep Comic Book, geschrieben von Al Cisneros und illustriert von Dave Kloc und Arik Roper. Darin reist der Marijuanaut nach Planet Iommia, begegnet dem Weedian und bewegt sich durch jene Mythologie, die Cisneros über Jahre in seinen Texten aufgebaut hat. Third Man beschreibt das ausdrücklich als Erweiterung des Universums der bisherigen Sleep-Diskografie. Das ist mehr als Merchandise. Der merkwürdige Cannabis-Space-Kosmos der Band wird damit erstmals konsequent als Welt behandelt. Was vermutlich irgendwann auch bedeutet, dass jemand eine Karte davon zeichnen muss.

Fünf Songs reichen vollkommen

Hempispheres enthält nur fünf Stücke. Und das ist hier genau richtig. Diese Musik lebt von Wiederholung, Groove und langsamer Entwicklung. Mehr Material hätte leicht dazu geführt, dass aus hypnotischer Wirkung Gewohnheit wird. Stattdessen bleibt das Album konzentriert und lässt jedem Stück genügend Platz. Bei Sleep waren fünf Songs früher allerdings teilweise auch nur eine kurze Aufwärmphase. Fortschritt ist ja immer relativ.

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📜 Hintergrund: Vom Riffmonolithen zum Raumgleiter

Sleep gehören zu den prägendsten Bands des Stoner Doom. Seit den frühen Neunzigern entwickelte die Gruppe einen Sound, der Black-Sabbath-Riffs, extreme Verzerrung, psychedelische Wiederholung und Cannabis-Mystik zu einer völlig eigenen Form verband. Alben wie Sleep’s Holy Mountain und besonders Dopesmoker wurden zu Referenzpunkten eines ganzen Genres.

Nach langen Unterbrechungen kehrte die Band 2018 mit The Sciences zurück. Dieses Album zeigte bereits eine hypnotischere und stellenweise offenere Seite. Hempispheres setzt diese Entwicklung nun wesentlich radikaler fort. Das ist ein weiterer Schritt weg von der monolithischen Dopesmoker-Ära und hin zu einer spirituelleren, psychedelischeren Verbindung aus Doom, Drone und Om-artigen Elementen.

Der entscheidende Bruch liegt in der Besetzung. Matt Pike ist nicht mehr Teil der Band. Al Cisneros bleibt als Bassist, Sänger und Gründungsmitglied zurück und arbeitet nun mit Dale Crover und Jon Bubba Dupree.

Die digitale Veröffentlichung von Hempispheres erfolgt am 3. September 2026, während die physische Ausgabe später über Third Man Records folgt.

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🌘 Fazit: Hallo, ist das hier noch Sleep?

Diese Frage hängt über Hempispheres wie einer der schwarzen Planeten auf dem Cover. Und sie lässt sich nicht vollständig wegdiskutieren. Matt Pike war über Jahrzehnte nicht nur Gitarrist dieser Band. Sein Ton gehörte zu ihrer Identität. Diese gigantischen, sägenden, fast körperlich spürbaren Gitarrenwände waren ein wesentlicher Bestandteil dessen, weshalb Sleep anders klangen als nahezu jede andere Doom-Band.

Hempispheres besitzt diese Wucht nicht mehr und wer genau deshalb Sleep hört, wird etwas vermissen. Aber die Musikgeschichte ist voll von Bands, die an dem Versuch gescheitert sind, den Klang einer vergangenen Besetzung künstlich zu konservieren. Genau das vermeidet diese Platte. Cisneros, Crover und Dupree versuchen nicht, eine Kopie des alten Trios zu bauen.

Sie verändern die Flugbahn. Das macht Hempispheres weniger monumental, aber interessanter, als eine bloße Wiederholung vermutlich gewesen wäre. Cisneros’ Bass tritt stärker hervor, Crover bringt einen neuen rhythmischen Charakter hinein, und Dupree öffnet die Gitarre in Richtung Psychedelic Rock, Blues und Space Rock. Die Musik wirkt dadurch beweglicher und gelegentlich sogar fast leichtfüßig.

Fast. Man sollte bei Sleep mit diesem Wort vorsichtig umgehen. Und ja, die Platte hat auch Schwächen. Arrival Of The Industry Ships verlässt sich sehr stark auf seinen Grundzustand und hätte ein paar zusätzliche Wendungen vertragen können. Und wer nach The Sciences eine weitere Steigerung der alten Lautstärke erwartet hat, wird womöglich zunächst enttäuscht sein.

Doch gerade der Mut zur Veränderung verhindert, dass Hempispheres zur nostalgischen Pflichtübung wird. Das ist weiterhin Doom. Da ist Cannabis, Weltraum auch und natürlich klingt der ewige Iommi durch. Aber die Koordinaten haben sich verschoben.

Der Weedian hat nicht aufgehört zu pilgern. Er hat nur die Umlaufbahn gewechselt.

Albumcover von Castle – Carrie Chains: Vor intensiv rotem Hintergrund hält eine Hand mehrere schwere silberne Kettenglieder fest. Schmuckringe sitzen an den Fingern, an einem Ring bricht helles Licht sternförmig auf. Rechts ist ein Teil eines nackten Arms zu sehen. Oben steht das cremefarbene Castle-Logo, unten der Albumtitel Carrie Chains.

Künstler:

Sleep

Albumtitel:

Hempispheres

Erscheinungsdatum:

3. September 2026

Genre:

Stoner Doom / Psychedelic Doom / Heavy Psych / Space Rock

Label:

Third Man Records

Spielzeit:

ca. 38 Minuten

🎼 Trackliste:

Have Spacesuit Will Travel
The Morrisist
Hempispheres
Arrival Of The Industry Ships
Whole Wheat Mountain / Well Baked

👥 Besetzung:

Al Cisneros – Gesang / Bass / Moog
Jon Bubba Dupree – Gitarre
Dale Crover – Schlagzeug

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