Lies diese Geistergeschichte besser nicht: Seeker Eye will den Spieler selbst heimsuchen

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Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

MAGES. schaut hinter die Wissenschaft

📰 Was ist los?
MAGES. hat Seeker Eye angekündigt, ein neues Occult-Suspense-Adventure für PS5 und Switch. Mehrere Entwickler aus dem Science Adventure-Umfeld wechseln darin von wissenschaftlich erklärbaren Rätseln zu ausdrücklich unerklärlichen übernatürlichen Phänomenen.

🐛 Was denken wir?
Der starke Einfall ist The Red Roof House: Eine bereits seit 2024 existierende Geistergeschichte wird nachträglich zum Einfallstor des Spiels und soll sogar den realen Leser in den Horror einbeziehen. Wenn MAGES. daraus mehr als einen cleveren Marketingtrick macht, könnte hier eine ausgesprochen interessante Meta-Horror-Visual-Novel entstehen.

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🏚️ Lies diese Geistergeschichte besser nicht: Seeker Eye will den Spieler selbst heimsuchen

Normalerweise ist eine Geistergeschichte vergleichsweise ungefährlich, solange man sie nur liest. Bildschirm an, Geschichte durch, Bildschirm aus. MAGES. möchte mit Seeker Eye genau an dieser beruhigenden Trennung herumstochern: Was passiert, wenn das Lesen selbst bereits der Fehler war?

Ein düsteres altes Haus mit leuchtend rotem Dach steht unter einer gewaltigen dunklen Mondscheibe, umgeben von kahlen schwarzen Ästen.
Alles beginnt mit dem Haus mit dem roten Dach – und Seeker Eye behauptet, dass bereits das Hinsehen Folgen haben könnte. © MAGES.

Das japanische Studio hinter der Science Adventure-Familie hat in der Nacht sein neues Occult-Suspense-Adventure enthüllt. Seeker Eye erscheint diesen Winter zunächst in Japan für PlayStation 5 und Nintendo Switch und führt mehrere Entwickler aus dem Umfeld von Steins;Gate 0 und CHAOS;CHILD in eine Richtung, die beinahe programmatisch das Gegenteil ihrer bisherigen Arbeit sein soll. Wo vorher Logik und Wissenschaft den Weg durch scheinbar unmögliche Phänomene öffneten, soll diesmal etwas übrig bleiben, das sich eben nicht wegerklären lässt. Im Zentrum steht eine Geistergeschichte namens The Red Roof House. Und die wurde nicht eigens für die Ankündigung erfunden.

👁️ MAGES. nennt es ausdrücklich „Non-Science“

Das ist vielleicht der interessanteste Teil der gesamten Vorstellung. Steins;Gate und seine Verwandten haben immer wieder mit Verschwörungen, Wahrnehmung, Technologie und Dingen gespielt, die zunächst völlig unmöglich erscheinen. Der besondere Reiz lag jedoch häufig darin, das Unbegreifliche irgendwann wieder mit Regeln, Theorien und einer zumindest innerhalb der Geschichte nachvollziehbaren Logik einzufangen. Seeker Eye soll diese Sicherheit bewusst aufgeben.

MAGES. spricht selbst von einem „Non-Science“-Occult-Suspense-Adventure. Die beteiligten Entwickler wechseln damit nicht einfach von Science-Fiction zu Horror und tauschen Labore gegen Spukhäuser. Sie nehmen vielmehr ihre bisherige Methode ins Visier: Dieses Mal soll es Phänomene geben, für die keine wissenschaftliche Tür aus dem Raum führt.

Gerade bei einer Visual Novel ist das eine reizvolle Ansage. Das Genre lebt davon, dass wir Informationen sammeln, Zusammenhänge erkennen und aus Textfragmenten irgendwann ein größeres Bild bauen. Seeker Eye verspricht nun eine Geschichte, bei der möglicherweise gerade das genaue Hinsehen zum Problem wird.

🎬 Nicht ins rote Haus schauen

Der erste Teaser zu Seeker Eye führt direkt in MAGES.‘ neuen „Non-Science“-Horror und macht das verbotene Hinsehen selbst zum Motiv.

🏚️ Das rote Dach existiert schon seit 2024

Die Grundlage dafür hat MAGES. erstaunlicherweise bereits vor zwei Jahren gelegt. The Red Roof House wurde 2024 über den eigenen Horror-Kanal als eigenständige Geistergeschichte veröffentlicht. Damals musste niemand wissen, dass daraus einmal der Ausgangspunkt eines größeren Spiels werden würde. Nun wird genau diese Erzählung zum Eintrittstor in Seeker Eye.

Innerhalb des neuen Spiels genügt es offenbar nicht, dass Figuren mit der Geschichte in Kontakt kommen. MAGES. formuliert den Ansatz ausdrücklich so, dass auch der reale Spieler durch das Lesen vom Übernatürlichen erfasst wird. Eine Geschichte, die zunächst als Unterhaltung auf einem Bildschirm erscheint, soll dadurch ihre sichere Begrenzung verlieren.

Das ist Meta-Horror mit einer hübsch unangenehmen Konsequenz: Wer The Red Roof House schon 2024 gesehen hat, hat innerhalb der Logik des neuen Spiels womöglich längst den ersten Fehler gemacht.

Und wer sie jetzt aus Neugier nachholt, kann zumindest nicht behaupten, man hätte ihn nicht gewarnt.

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📖 Die vierte Wand bekommt diesmal ein Auge

Noch wissen wir kaum etwas über klassische Spielfiguren, Entscheidungen oder den konkreten Aufbau. Der erste Teaser konzentriert sich stattdessen auffällig auf Beobachtung, Spiegel, Augen, Dunkelheit und das verbotene Hinsehen. Selbst der japanische Titel 覗怪 spielt mit der Vorstellung, etwas Übernatürliches zu beobachten beziehungsweise hineinzuspähen.

Das passt zum eigentlichen Konzept. Visual Novels besitzen ohnehin eine seltsame Nähe zwischen Spieler und Figur: Wir sehen häufig genau das, was eine Figur sieht, lesen innere Gedanken und entscheiden darüber, was als Nächstes geschieht. Seeker Eye scheint diese Nähe absichtlich gegen den Spieler wenden zu wollen.

Wenn eine Geistergeschichte innerhalb der Fiktion gefährlich ist, wird plötzlich auch die Benutzeroberfläche interessant. Ist ein Text nur Information? Ist ein Bild nur ein Bild? Ist eine Entscheidung wirklich außerhalb der Geschichte getroffen worden? MAGES. verrät noch nicht, wie weit diese Idee mechanisch geht. Gerade deshalb funktioniert der Teaser so gut: Er stellt die unangenehme Frage, bevor er die Regeln dazu erklärt.

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🧠 Die Leute hinter Steins;Gate verzichten auf ihre bequemste Erklärung

Auch personell ist Seeker Eye keine lose Nebenproduktion mit bekanntem Firmennamen. Mehrere zentrale Beteiligte kommen unmittelbar aus dem Science Adventure-Umfeld. Darunter befinden sich Leute aus Konzeption, Szenario, Musik und Serienaufsicht von Steins;Gate, Steins;Gate 0 und CHAOS;CHILD.

Das macht den Wechsel ins Übernatürliche besonders interessant. Diese Entwickler kennen Geschichten, die ihre Figuren mit Realitätsebenen, Wahrnehmung und scheinbar unmöglichen Ereignissen konfrontieren. Nun wollen sie ausgerechnet den Teil entfernen, der irgendwann wieder festen Boden unter die Füße bringt.

Damit könnte Seeker Eye stärker vom psychologischen Horror eines CHAOS;CHILD profitieren als von klassischem Spukhaus-Horror. Wenn Realität und Wahrnehmung bereits unsicher sind, braucht es nicht unbedingt einen Geist, der plötzlich durchs Zimmer fliegt. Manchmal genügt der Verdacht, dass der Text gerade etwas über den Menschen vor dem Bildschirm weiß.

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❄️ Diesen Winter beginnt der Spuk – vorerst nur in Japan

Seeker Eye soll noch diesen Winter für PlayStation 5 und Nintendo Switch erscheinen. Bislang betrifft diese Ankündigung ausschließlich Japan; ein westlicher Termin oder eine englische Fassung wurden noch nicht bestätigt.

Entsprechend befindet sich das Projekt noch in einer ausgesprochen frühen Informationsphase. Wir kennen seine Grundidee, die kreativen Köpfe dahinter und die Geistergeschichte, mit der alles beginnt. Charaktere, genauer Aufbau und mögliche spielerische Tricks hält MAGES. dagegen noch weitgehend verborgen.

Normalerweise wäre das für eine neue Visual Novel ziemlich wenig.

Bei Seeker Eye reicht allerdings bereits die Vorstellung, dass eine seit zwei Jahren öffentlich herumliegende Geistergeschichte nun rückwirkend zum Bestandteil eines Meta-Horrors wird, der den Leser selbst in seine Fiktion hineinziehen möchte.

Vielleicht war das rote Haus also nie nur Werbung für ein Spiel. Vielleicht war es die Einladung.

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