Rundfunkbeitrag jetzt online: Diese geheimen ÖR-Funktionen wurden uns verschwiegen
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Deutschland hat einen weiteren Schritt in Richtung digitale Verwaltung geschafft: Wer Rundfunkbeitrag zahlt, kann seit September seinen persönlichen Kontostand online überprüfen. Nach Eingabe der neunstelligen Beitragsnummer und des Geburtsdatums zeigt der Beitragsservice, ob das Konto ausgeglichen ist, ein Rückstand besteht oder versehentlich sogar zu viel gezahlt wurde. Auch kommende Zahlungstermine lassen sich einsehen. Registrierung, Brieftaube und persönlich vorgesprochener Sachbearbeiter entfallen.
Das klingt zunächst nach einem kleinen, vernünftigen Service.
Der Arkane Moosverhetzer hat allerdings länger auf der Seite herumgeklickt. Und dabei festgestellt: Der Kontostand ist nur das langweilige Menü.
Wer seine Beitragsnummer dreimal falsch eingibt, anschließend zweimal auf „Zahlungstermine“ klickt und während des Ladekreises leise „Mainzelmännchen“ flüstert, gelangt in einen Bereich, über den ARD, ZDF und Deutschlandradio bislang auffällig schweigen.
Willkommen im Beitragszahler-Kontrollzentrum. Hier erfährt man endlich, wofür die 18,36 Euro wirklich gut sind.

🌴 ZDF-Fernsehgarten: Endlich die Gästeliste selbst zusammenklicken
Diese Funktion hätte man den Deutschen nicht seit Jahrzehnten vorenthalten dürfen. Statt sich sonntagmorgens überraschen zu lassen, welche Mischung aus Schlager, Sommerhit und Mann mit weißer Hose diesmal hinter einer Topfpflanze hervorkommt, dürfen Beitragszahler das Programm selbst konfigurieren.
Zur Auswahl stehen derzeit unter anderem die Mutter von Sid Vicious, eine finnische Doom-Jazz-Kapelle mit ausschließlich verstorbenen Gründungsmitgliedern und BIGFOOT, eine Southern-Rock-Band, deren Leadgitarrist auf allen Pressebildern vollständig behaart ist und in Interviews ausschließlich durch dreimaliges Klopfen gegen Baumstämme beantwortet.
Weitere buchbare Gäste sind ein pensionierter Death-Metal-Flötist aus Bottrop und Rüdiger vom Bühnenbau, der aufgrund eines Datenbankfehlers inzwischen als „Singer-Songwriter mit authentischer Bodenhaftung“ geführt wird. Besonders gelungen ist der Schieberegler „Schlageranteil reduzieren“. Bei maximaler Einstellung verschwindet alle 20 Minuten ein Interpret geräuschlos hinter der Hecke. Logisch, dass hier niemand fragt wohin.
🔪 Tatort: Täter schon um 19.47 Uhr festlegen
Das sonntägliche Rätselraten hat ein Ende. Im versteckten Menü darf jeder Beitragszahler vor Beginn der Folge selbst bestimmen, wer diesmal der Mörder ist. Zur Auswahl stehen zuverlässig der arrogante Unternehmer, dessen schweigsamer Bruder, ein Lokalpolitiker mit Immobilieninteressen und die einzige Figur, die in den ersten 40 Minuten sympathisch wirkte. Wer „Kommissar selbst“ anklickt, erhält zwölf Bonuspunkte und wird automatisch in die Drehbuchdatenbank des nächsten Saarbrücken-Tatorts aufgenommen.
Zusätzlich lässt sich der Grad der atmosphärischen Finsternis einstellen. Stufe eins bedeutet Tageslicht und normale Wohnungen. Bei Stufe fünf besitzen sämtliche Räume nur noch eine einzelne Tischlampe. Stufe zehn besteht aus Regen, Sichtbeton und einem Verhörraum, dessen Architekt offenkundig etwas gegen Fenster hatte. Die höchste Einstellung heißt lediglich: „Münster im November.“ Sie wird aus Gründen des Jugendschutzes erst nach 22 Uhr freigeschaltet.
🚢 Das Traumschiff: Reiseziel endlich selbst bestimmen
Auch hier haben Beitragszahler viel zu lange keinerlei Mitspracherecht gehabt. Wer genug von weißen Stränden, türkisfarbenem Wasser und Gästen hat, die irgendwo zwischen Teneriffa und Mauritius ihre Ehe neu bewerten, kann das Schiff ab sofort eigenständig umleiten. Im Basismenü stehen Duisburg-Ruhrort, Helgoland im Februar und ein Gewerbehafen bei Regen zur Verfügung. Fortgeschrittene Nutzer können außerdem Mordor auswählen. Der Landgang dauert dort von 14.30 bis 17 Uhr; festes Schuhwerk wird empfohlen, Rückkehr zum Schiff spätestens 16.45 Uhr, weil der Kapitän mit den Orks keinen Ärger mehr möchte.
Besonders beliebt ist die Option „Nordsee, Windstärke 11“. Sie reduziert romantische Seitengeschichten um 83 Prozent und erhöht gleichzeitig die Zahl der Schauspieler, die sich während eines Liebesgeständnisses an einem Handlauf festklammern müssen. Wer „Überraschungsreise“ wählt, erfährt das Ziel gemeinsam mit der Schiffsführung. Das Format gewinnt dadurch erheblich an Spannung.
🩺 Der Bergdoktor: Erkrankung auf „Erkältung“ herunterstufen
Seit Jahren leiden Menschen in Bergarztserien unter Krankheiten, von denen selbst internationale Fachkongresse erst nach 35 Minuten Laufzeit erfahren. Ein leichtes Kribbeln im Arm entwickelt sich zuverlässig zu einer Stoffwechselstörung, die bislang lediglich bei drei peruanischen Bergziegen und einem Förster aus Quebec dokumentiert wurde.
Damit ist jetzt Schluss. Im Beitragszahler-Menü kann die Diagnose manuell verändert werden. Zur Auswahl stehen Erkältung, Verspannung, zu wenig geschlafen und die revolutionäre medizinische Kategorie „geht morgen wahrscheinlich wieder“.
Der Effekt ist enorm. Wird „Erkältung“ gewählt, endet eine durchschnittliche Folge bereits nach neun Minuten. Der Patient bekommt Tee, legt sich hin und erfährt niemals, dass sein behandelnder Arzt vor 18 Jahren beinahe seine Tante geheiratet hätte. Das ZDF bittet darum, diese Funktion nur gelegentlich zu benutzen. Andernfalls ließe sich eine komplette Staffel noch vor dem Mittagessen abwickeln.
🧌 Markus Lanz: Gesprächspartner durch Troll ersetzen
Diese Funktion befindet sich offiziell noch im Beta-Test, erzielt aber bereits beeindruckende Ergebnisse. Wenn ein Studiogast seit mehr als sieben Minuten dieselbe Antwort in leicht veränderter Reihenfolge wiederholt, erscheint unten rechts ein kleines Trollsymbol. Ein Klick genügt. Der betreffende Gast wird gegen einen ausgewachsenen Troll aus den Zwischenreichen ausgetauscht.
Der Troll hat das Thema meist nur oberflächlich verstanden, hört dafür aufmerksam zu und beantwortet tatsächlich die gestellte Frage. Nach ersten Testläufen stieg dadurch die durchschnittliche Informationsdichte der Sendung messbar an. Für 2,99 Euro Zusatzbeitrag lässt sich die Premiumoption „Troll widerspricht höflich“ freischalten. Dann wartet das Wesen geduldig, bis der nächste Monolog beendet ist, räuspert sich und sagt: »Ich glaube, die Frage war eine andere.«
Anschließend herrscht im Studio für etwa drei Sekunden vollständige Stille. Techniker arbeiten derzeit daran, diesen Zustand länger stabil zu halten.
🚨 Im Menü gibt es noch einen großen roten Knopf
Ganz unten befindet sich außerdem eine Funktion, die bislang keinem bestimmten Format zugeordnet werden konnte. Sie besteht lediglich aus einem großen roten Knopf.
Darunter steht:
„ES REICHT.“
Wird er gedrückt, unterbricht das System sämtliche laufenden öffentlich-rechtlichen Unterhaltungssendungen für exakt vier Minuten und spielt eine historische Motörhead-Liveaufnahme ein.
Danach läuft das ursprüngliche Programm weiter.
Das Ministerium für behutsame Veränderung hält vier Minuten für ausreichend. Schließlich müsse man die Bevölkerung langsam an Neuerungen gewöhnen.
Bei erneuter Betätigung erscheint eine Warnung. Beim dritten Mal kommt ein sehr wütender Lemmy aus dem Jenseits zurück.
🖥️ Offiziell existiert das alles natürlich überhaupt nicht
Der Beitragsservice nennt als Funktionen seines neuen Onlineangebots lediglich Kontostand, Rückstände oder Überzahlungen sowie kommende Zahlungstermine. Die Abfrage ist kostenlos, rund um die Uhr möglich und soll vor allem jene Anfragen ersetzen, bei denen Menschen bislang telefonisch wissen wollten, ob auf ihrem Beitragskonto noch etwas offensteht
Von Fernsehgarten-Gästelisten, Tatort-Mördern, medizinischer Selbstbedienung und Trollen im Talkstudio ist offiziell keine Rede.
Das überrascht uns wenig. Seit gestern steht bei der internen Fernsehgarten-Planung nämlich BIGFOOT auf der Gästeliste. Zwei Bandmitglieder sind bereits eingetroffen. Vom Leadgitarristen gibt es bislang allerdings nur Fußspuren.






