Orbita – Farewell to All We’ve Lost (Review)

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Grabhaold checkt das. Die Kurzzusammenfassung der Review. Mit Grabhod dem Kobold, der einen Zeigefinger in die Luft streckt.

Orbita – Farewell to All We’ve Lost

🧿 Kurzfazit
Farewell to All We’ve Lost präsentiert sich als starkes, sehr geschlossenes Doom-Debüt, das seine vier langen Stücke mit bemerkenswerter Sicherheit ausformt. Orbita verbinden dunkle Riffwucht, melancholische Weite und eine fast geisterhafte Melodik zu einem Album, das traurig, schwer und zugleich seltsam schön wirkt. Ein paar Passagen dürften künftig noch mutiger ausfransen, doch schon jetzt steht hier eine Platte, die genau weiß, wie man aus Niedergang Atmosphäre macht.

🧭 Für wen & vergleichbar mit
Empfehlenswert für Fans, die Doom nicht nur als Gewicht, sondern auch als Stimmung begreifen. Wer etwas mit Warning, Amenra, Bell Witch, den melancholischeren Seiten von Pallbearer oder auch postiger Schwerarbeit anfangen kann, dürfte hier schnell andocken. Ebenso geeignet für alle, die im Oktober ohnehin freiwillig am Fenster stehen und Regen analytisch betrachten.

🎼 Highlights
Rotten Flowers, Nèkyia, Marble Veil, The Spear

⛔ Für wen eher weniger geeignet?
Wer bei Doom vor allem den sofortigen Riffhaken sucht, sollte hier unbedingt Geduld mitbringen. Orbita bauen Stimmungen auf, lassen Räume offen und geben ihren Songs Zeit. Wer Musik am liebsten nebenbei konsumiert, während drei Tabs blinken und irgendwo noch Pasta kocht, wird diesem Album nicht gerecht.

Cover von Orbita – Farewell to All We’ve Lost mit verschneitem, blau-grauem Wald, kahlen Birken und dunklen Tannen. Im Vordergrund liegt ein dunkler Körper halb im Boden, umgeben von kleinen violett-pinken Blumen. Oben links steht das weiße Orbita-Logo, unten der handschriftliche Albumtitel.

🥀 Orbita – Farewell to All We’ve Lost: Wenn aus Verlust noch Blumen wachsen

Der Oktober hat ja mitunter seine sehr eigene Art, einem Dinge mitzuteilen. Er tut das selten laut, bedient sich jedoch gerne sehr besonderer Bilder. Oft reicht ihm ein nasser Weg, ein früher Abend, ein leerer Park und dieses diffuse Gefühl, dass das Jahr zwar noch da ist, innerlich aber schon ein mächtiges Stück zurückweicht. Genau in diese Zone stößt Farewell to All We’ve Lost hinein.

Das Debüt von Orbita besteht aus gerade einmal vier Songs und einer Laufzeit von knapp vierzig Minuten, fühlt sich dabei aber größer an als manch doppelt so langes Album. Die Italiener machen Doom, klar, aber sie machen ihn nicht als bloßes Herumliegen unter schwarzem Samt. Hier geht es um Schwere mit innerer Bewegung, um Verlust mit Nachhall, um Langsamkeit, die nie einfach nur langsam sein will. Diese Musik zieht, drückt, öffnet und verdunkelt zugleich.

Schon nach wenigen Minuten wird deutlich, dass Orbita ihre Stoner-Wurzeln zwar nicht völlig verleugnen, aber längst in ein anderes Gelände abgebogen sind. Farewell to All We’ve Lost lebt von dunklen Riffs, wehenden Melodien, einer starken melancholischen Gesangslinie und diesem eigentümlichen Gefühl, dass man beim Hören gleichzeitig begraben und getröstet wird. Das ist für einen Herbstrelease natürlich fast schon unverschämt passend. Darum haben wir da auch mal ein bisschen genauer reingehört.

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🎧 Was erwartet dich?

Genre(s): Dark Doom Metal, Atmospheric Doom, Doom/Sludge, Post-Metal, Stoner Doom

Die große Stärke von Orbita liegt darin, dass sie ihre Schwere nicht monoton verwalten. Natürlich gibt es Riffs, die tief in den Boden schlagen, natürlich hängen Wolken über diesen Songs, und natürlich wirkt manches so, als hätte es die Sonne nur noch aus zweiter Hand in Erinnerung. Gleichzeitig besitzt Farewell to All We’ve Lost ein feines Gespür für Bewegung. Die Stücke kippen nie in bloßes Stehenbleiben.

Rotten Flowers eröffnet die Platte mit jener Mischung aus Wucht und trauriger Schönheit, die den Rest des Albums prägt. Nèkyia taucht tiefer in den inneren Abstieg ein und arbeitet stärker mit Verdichtung. Marble Veil nimmt Gewicht heraus, ohne an Intensität zu verlieren, und lässt postige Luft in das Gemäuer. The Spear schließlich funktioniert wie das große Schlusspanorama, in dem sich alle Fäden noch einmal zusammenziehen.

Dazu kommt ein Gesang, der nicht dominieren muss, um hängen zu bleiben. Er wirkt klagend, müde, aufgewühlt, manchmal fast entrückt. Gerade dadurch bekommt das Album emotionale Kontur. Die Musik walzt nicht einfach, sie erinnert sich. Sie schleppt etwas mit sich herum.

Klangbild: Der Sound von Farewell to All We’ve Lost ist dicht, aber nicht zugeschnürt. Die Gitarren drücken schwer, die Drums arbeiten bodennah und konzentriert, der Gesang schwebt mit angenehmer Klarheit über dem Material. Besonders gut gelingt Orbita die Balance zwischen Direktheit und Atmosphäre. Man hört genug Kontur, um die Songs greifen zu können, und genug Nebel, damit alles seine bedrückende Aura behält.

Gerade in den leiseren oder offeneren Passagen zeigt sich, dass diese Platte nicht bloß auf Lautstärke baut. Es geht um Nachhall, um das, was in den Zwischenräumen passiert, um Spannung, die nicht ständig mit dem Hammer markiert werden muss. Enrico Baraldi hat der Band im Vacuum Studio genau den richtigen Rahmen gebaut: tragfähig, schwer, melancholisch und niemals steril.

🎬 Full-Album-Stream

Der komplette Albumstream zu Farewell to All We’ve Lost von Orbita. Der Stream wird am 7. Oktober 2026 freigeschaltet – zwei Tage vor dem offiziellen Release über Aural Music.

🌫️ Vier Stücke für den langsamen Untergang

Rotten Flowers

Ein Album mit diesem Titel und einem Opener namens Rotten Flowers signalisiert schon früh, dass hier keine ausgelassene Weinwanderung geplant ist. Der Song beginnt schwer, zieht einen sofort in seine Stimmung und beweist sehr schnell, dass Orbita ein gutes Gespür für lange Spannungsbögen besitzen. Die Riffs tragen Gewicht, der Gesang legt Melancholie darüber, und mit jeder weiteren Minute wächst das Gefühl, dass diese Platte nicht nur dunkel sein will, sondern auch tragisch schön. Als Auftakt funktioniert das hervorragend, weil der Song das gesamte Koordinatensystem des Albums bereits offenlegt.

Nèkyia

Der Titel verweist auf den Abstieg in die Unterwelt, und genau so fühlt sich dieses Stück auch an. Nèkyia wirkt tiefer, bedrängender und innerlich noch stärker aufgewühlt als der Opener. Hier wird der emotionale Kern von Farewell to All We’ve Lost besonders greifbar. Orbita verdichten ihre Atmosphäre, ohne in theatralisches Übermaß zu kippen. Das Stück besitzt Gravitation, und man merkt, wie gut der Band längere Formen liegen. Diese Musik will nicht gefallen. Sie will hinein.

Marble Veil

Die vermutlich spannendste Verschiebung des Albums. Marble Veil nimmt Druck aus dem Kessel und gewinnt gerade dadurch an Wirkung. Postige Offenheit, fast schwebende Melancholie und ein kontrolliertes Maß an Zurücknahme geben dem Song eine andere Temperatur. Er wirkt wie der kalte Raum nach einem heftigen Gespräch, in dem noch alles in der Luft hängt. Gerade weil das Album vorher so konsequent auf Verdichtung setzt, kommt diese Art von Ausdünnung genau richtig.

The Spear

Vierzehn Minuten sind immer eine kleine Ansage. Zum Glück benimmt sich The Spear nicht wie ein Song, der bloß seine eigene Länge ausstellen will. Er bündelt vielmehr alles, was Orbita auf diesem Debüt interessant macht: schwere Riffs, dunkle Melodik, zähe Spannungsarbeit und eine fast cineastische Vorstellung von Doom. Das Finale trägt den Albumschluss mit Würde und Wucht. Gerade hier zeigt sich, dass die Band nicht nur Stimmung kann, sondern auch Form. Ein echter Höhepunkt.

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🖼️ Artwork

Ja bitte, das Cover ist großartig. Ein winterlicher Wald, schräg fallender Schnee, ausgekühlte Blautöne, kahle Stämme und inmitten dieser Kälte ein dunkler Körper im Boden, umgeben von kleinen violett-pinken Blüten. Das sieht nicht bloß gut aus, das erzählt das Album bereits, bevor der erste Ton läuft.

Benjamin Königs Gemälde trifft die Musik von Orbita erstaunlich präzise. Hier geht es um Verlust, um Verwüstung, um Verblassen. Gleichzeitig wächst da noch etwas. Klein, verletzlich, vielleicht unvernünftig – aber da. Genau das macht das Artwork so stark. Es illustriert keine plumpe Finsternis, sondern einen Zustand, in dem Schmerz und Schönheit denselben Boden teilen.

Und ganz ehrlich: Wenn eine Doom-Platte im Oktober so aussieht, gewinnt sie bei uns schon beim Aussteigen aus der Verpackung einen ganzen Laubhaufen an Sympathiepunkten.

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✨ Besondere Momente

🍂 Doom mit Jahreszeitengefühl

Es gibt Alben, die theoretisch zu jeder Zeit funktionieren. Farewell to All We’ve Lost funktioniert sicher auch im Mai, aber im Oktober läuft es einfach ein kleines bisschen richtiger. Diese Musik hat Wetter. Sie hat Nebel, Bodenfrost und die Art von Licht, bei der man schon mittags das Gefühl bekommt, der Tag hätte überhaupt keine Lust gehabt, mit irgendwas Hellem anzufangen.

🕯️ Vier Songs, kein Leerlauf

Viele Debütalben wollen zeigen, was alles geht, und schütten dabei lieber zu viel als zu wenig hinein. Orbita machen das klüger. Vier Stücke, knapp vierzig Minuten, keine unnötigen Zwischenspiele, kein ornamentales Herumgeistern. Das Material wirkt konzentriert, und gerade diese Reduktion gibt der Platte zusätzliche Stärke.

🌌 Melancholie mit Zug

Spannend ist, dass das Album nie in bloßem Weltschmerz versackt. Die Traurigkeit hier hat Richtung. Selbst die langsameren Passagen fühlen sich an, als würde etwas weiterarbeiten, zerfallen, sich neu ordnen oder noch einmal aufbäumen. Das verleiht den Songs deutlich mehr Leben als manch andere Veröffentlichung aus dem schweren Fach.

🪦 Ein Debüt mit bemerkenswerter Reife

Für ein erstes Album klingt das erstaunlich sortiert. Orbita wissen bereits ziemlich genau, welche Art von Dunkelheit sie erzeugen wollen und welche Mittel ihnen liegen. Da ist noch Entwicklungspotenzial, klar, aber die entscheidende Grundlage steht schon jetzt: Identität, Atmosphäre und ein gutes Gefühl für Dramaturgie.

🌸 Schönheit an den falschen Orten

Die kleinen Blüten auf dem Cover sind mehr als nur hübsches Beiwerk. Sie passen ideal zu dieser Platte, weil auch die Songs ihre Schönheit oft an Stellen entfalten, an denen man sie zunächst nicht vermuten würde: mitten in der Schwere, im Ausklingen, in brüchigen Melodien, in dem Moment kurz nach dem inneren Einschlag.

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📜 Hintergrund: Aus dem Schatten gewachsen

Orbita stammen aus Italien und haben sich seit 2020 Schritt für Schritt aus einer eher traditionellen Stoner-Doom-Basis in dunklere, emotional dichtere Regionen bewegt. Die frühen Wurzeln sind noch zu erahnen, doch Farewell to All We’ve Lost will längst mehr als groovenden Kellerdunst. Das Debüt arbeitet bewusster mit Atmosphäre, psychischer Aufladung und einem stärkeren Hang zu introspektivem Songwriting.

Aufgenommen und gemischt wurde das Album im Vacuum Studio von Enrico Baraldi. Das hört man der Platte positiv an. Sie besitzt genug Schwere für Doom, genug Luft für Nachhall und genug Kontur, damit die Stücke nicht in einem undurchdringlichen Nebelblock verschwinden.

Besonders schön ist die thematische Klammer. Farewell to All We’ve Lost kreist um Verlust, Auflösung und die mühsame Bewegung danach. Das macht die Songs verbindend, ohne sie zu bloßen Kapiteln eines aufdringlich ausformulierten Konzeptalbums zu machen. Die Platte wirkt geschlossen, weil sie dieselbe innere Wunde aus mehreren Richtungen betrachtet.

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🌒 Fazit: Vier lange Schatten und ein starkes Debüt

Farewell to All We’ve Lost ist eines dieser Alben, die keine großen Gesten brauchen, um sich festzusetzen. Orbita bauen keine künstliche Dramatik auf und verstecken sich auch nicht hinter einer undurchdringlichen Wand aus Genreformeln. Sie schreiben vier lange, schwere, melancholische Songs, die genau wissen, wie viel Raum sie brauchen und wann ein Riff, eine Gesangslinie oder ein atmosphärischer Aufbruch reichen muss.

Die Platte lebt von ihrer absoluten Geschlossenheit. Jeder Song hat eine klare Funktion, jeder trägt zur Gesamtstimmung bei, und doch wirkt nichts wie bloße Pflichtübung. Besonders schön ist, dass Orbita ihre Dunkelheit nie flach verwalten. Diese Musik hat Tiefe, weil sie innerlich arbeitet. Sie ist bedrückend, aber nie leblos. Sie ist traurig, aber nie langweilig. Und sie ist schwer, ohne in selbstzufriedener Behäbigkeit zu versacken.

Ganz am Ende bleibt vor allem der Eindruck, dass hier eine Band ihre eigentliche Form erst gefunden hat. Wenn Orbita diesen Weg weitergehen und ihre offenen, atmosphärischen Seiten künftig noch ein bisschen entschlossener gegen die Schwere reiben, kann das noch richtig groß werden. Schon dieses Debüt ist nach unserer Meinung stark genug, um im herbstlichen Stapel der Neuerscheinungen sehr weit oben liegen zu können. Ein richtig fettes Debutalbum!

Cover von Orbita – Farewell to All We’ve Lost mit verschneitem, blau-grauem Wald, kahlen Birken und dunklen Tannen. Im Vordergrund liegt ein dunkler Körper halb im Boden, umgeben von kleinen violett-pinken Blumen. Oben links steht das weiße Orbita-Logo, unten der handschriftliche Albumtitel.

Künstler:

Orbita

Albumtitel:

Farewell to All We’ve Lost

Erscheinungsdatum:

9. Oktober 2026

Genre:

Dark Doom Metal / Atmospheric Doom / Doom/Sludge / Post-Metal / Stoner Doom

Label:

Aural Music

Spielzeit:

ca. 40 Minuten

🎼 Trackliste:

Rotten Flowers – 9:45
Nèkyia – 9:10
Marble Veil – 6:53
The Spear – 14:11

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