Die Merkur-Lüge: Warum auf dem schwierigsten Planeten längst jemand wohnt
🧐 Im Fantasykosmos suchen
Morgen beginnt am Merkur ein Manöver, auf das Europa und Japan seit acht Jahren hinarbeiten. Die Raumsonde BepiColombo trennt am 3. September ihr Transfermodul ab und startet damit die eigentliche Ankunftsphase. Seit dem Start 2018 hat sie mehr als neun Milliarden Kilometer zurückgelegt und neun Vorbeiflüge an Erde, Venus und Merkur gebraucht, um überhaupt langsam genug für ihr Ziel zu werden. Am 21. November soll sie schließlich vom Merkur eingefangen werden; die wissenschaftliche Arbeit beginnt im April 2027.

Warum dieser Irrsinn? Weil der sonnennächste Planet ausgerechnet eines der schwierigsten Ziele im inneren Sonnensystem ist. Wer hinfliegt, wird von der Schwerkraft der Sonne immer schneller und muss diese Geschwindigkeit anschließend mühsam wieder loswerden. Dazu kommen Temperaturen von rund plus 450 bis minus 180 Grad Celsius, heftiger Sonnenwind und ein Magnetfeld, das die Forscher bis heute vor Rätsel stellt.
Das ist die offizielle Erklärung. In den Zwischenreichen heißt Merkur seit Jahrhunderten anders.
Weitgenug.
Und das erklärt eigentlich schon alles.
🏚️ Der Planet für Menschen, die wirklich ihre Ruhe haben wollen
Die ersten Siedler erreichten Weitgenug nach erhaltenen Aufzeichnungen bereits im späten Mittelalter. Es handelte sich überwiegend um Alchemisten, gescheiterte Adlige, drei Kaufleute mit erheblichen offenen Forderungen und einen Mann, der ausdrücklich „endlich irgendwo wohnen wollte, wo niemand unangemeldet vorbeikommt“.
Merkur erwies sich als ideal. Kein Wetter. Keine Durchgangsstraße. Keine Nachbarn vom Nachbarplaneten. Und wer zu Besuch kommen möchte, muss zunächst acht Jahre durchs Sonnensystem fliegen und dabei neunmal an anderen Himmelskörpern vorbeischrammen.
Das ist Privatsphäre.
Der erste Siedlungsprospekt soll lediglich einen Satz enthalten haben:
»Wenn deine Schwiegermutter hier auftaucht, schenken wir dir ein schwarzes Loch deiner Wahl.«
Sie kam natürlich nie. Und die Kolonie wuchs schnell.
🚀 BepiColombo hält die Anreise für Physik
Besonders amüsiert verfolgen die Bewohner von Weitgenug derzeit die europäischen Erklärungen über die komplizierte Flugbahn der Sonde. Neun Vorbeiflüge seien notwendig gewesen, um ausreichend Geschwindigkeit abzubauen.
Ja sicher. Auf Weitgenug nennt man das Besucherverkehrsberuhigung. Direkt anfliegen ist seit 1582 verboten. Gäste müssen zunächst einmal um die Erde, zweimal an der Venus und mehrfach am Merkur selbst vorbeifliegen, damit die Bewohner genügend Zeit haben, sich zu überlegen, ob sie überhaupt öffnen.
BepiColombo ist seit 2018 angekündigt. Inzwischen dürfte wirklich jeder Zeit gehabt haben, aufzuräumen.
🔍 Was man uns über Merkur ebenfalls verschweigt
Die Sonde soll einige der größten Rätsel des Planeten untersuchen.
Die Zwischenreiche haben die Antworten bereits gefunden.
🧲 Das rätselhafte Magnetfeld
Merkur besitzt als einziger Gesteinsplanet neben der Erde ein eigenes Magnetfeld. Gerade bei einem so kleinen Planeten wirft dessen Ursprung Fragen auf. Weitgenug nennt die Anlage: Zaun. Sie wurde 1644 installiert, nachdem zum dritten Mal innerhalb eines Monats fahrende Händler im Orbit auftauchten.
Die niedrige Stufe hält Sonnenwinde ab.
Die hohe Stufe hält Handelsvertreter ab.
Bei Zeugen Jehovas ist bislang kein zuverlässiger Wert bekannt.
🌡️ Die angeblich lebensfeindlichen Temperaturen
Tagsüber bis ungefähr 450 Grad, nachts bis minus 180. Diese Zahlen werden seit Jahrhunderten gezielt veröffentlicht. Sie stehen auch auf sämtlichen Tourismusportalen. Die bewohnten Bereiche liegen selbstverständlich darunter.
Wo genau? Schöne Frage.
Die Bewohner würden gerne wissen, weshalb du das wissen möchtest.
💨 Die mysteriösen Gase über der Oberfläche
Merkur besitzt keine richtige Atmosphäre, sondern lediglich eine extrem dünne Gashülle. BepiColombo soll unter anderem herausfinden, woher die Teilchen stammen, die von der Oberfläche abgegeben werden.
Das dürfte gegen 12.30 Uhr geklärt sein. Mittagessen. Die größte unterirdische Siedlung besitzt 34.000 Einwohner, neun Großküchen und seit 1721 einen Streit darüber, ob Abluftrohre bis zur Oberfläche als bauliche Veränderung genehmigungspflichtig sind.
Die Antwort lautet weiterhin: vorläufig nein.
🕳️ Die Krater
Die Wissenschaft führt sie überwiegend auf Einschläge zurück. Die meisten stimmen. Bei einigen allerdings würde der Moosverhetzer davon abraten, genau hineinzufotografieren. Vor allem bei Krater 77-C.
Dort befindet sich laut unseren Unterlagen ein Aufzug. Beim letzten unerlaubten Besucher öffnete sich die Tür, ein Uniformierter trat heraus, fragte nach dem Visum und schickte ihn umgehend zurück.
🛰️ Die 16 Bremsmanöver
Ab dem 21. November soll BepiColombo mit einer Serie von 16 Triebwerksmanövern seine endgültigen Umlaufbahnen erreichen. Sechzehn. Um einen Planeten herum. In Deutschland kennt man das von der täglichen Parkplatzssuche. Auf Weitgenug gehört das zum Anwohnerparken.
Fremdfahrzeuge dürfen sich dem inneren Orbit nur schrittweise nähern. Wer beim achten Manöver keinen gültigen Parkausweis vorjegen kann, muss wieder raus und ganz von vorne anfangen. Deshalb war bisher kaum jemand dort.
🏡 Warum die Besiedlung nie öffentlich wurde
Dafür gibt es keinen großen kosmischen Geheimbund. Die Bewohner wollten es einfach nicht.
Als sich im 17. Jahrhundert herumsprach, dass auf Weitgenug Grundstücke praktisch nichts kosteten, wurden sämtliche Hinweise auf die Siedlungen aus den zugänglichen Karten entfernt. Man hatte Angst vor genau dem, was überall passiert, sobald ein abgelegener Ort als Geheimtipp gilt:
Erst kommen Entdecker. Dann Reiseblogger. Danach jemand mit einem Tiny House. Und schließlich eröffnet ein Café, das für eine Tasse Kaffee sieben Goldstücke verlangt, weil man „die außergewöhnliche Lage mitbezahlt“.
Die Siedler handelten sofort. Seitdem gilt Merkur offiziell als lebensfeindliche, glühend heiße, luftleere und ausgesprochen schwer erreichbare Steinwüste.
Die Immobilienpreise blieben stabil.
👀 Jetzt kommt erstmals seit Langem wieder richtig Besuch
BepiColombo ist trotzdem eine faszinierende Mission. Zwei Orbiter sollen Merkur aus unterschiedlichen Bahnen untersuchen, seine Oberfläche vermessen, Magnetfeld und Sonnenwind beobachten und möglicherweise sogar erklären, warum sein Kern offenbar teilweise flüssig geblieben ist, obwohl er angesichts der geringen Planetengröße eigentlich längst stärker ausgekühlt sein müsste.
Die wissenschaftliche Phase startet im April 2027. Bis dahin haben die Bewohner von Weitgenug noch sieben Monate. Das reicht problemlos. Der Aufzug in Krater 77-C ist bereits außer Betrieb. Die Lüftung wird nur noch nachts eingeschaltet.
Und am Magnetfeld hängt seit gestern ein neuer Zettel. Darauf steht sinngemäß: Wir kaufen nichts.





