Wer zu gründlich aufräumt, findet den Abgrund: HOARDER kommt 2027
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HOARDER setzt den Abstieg auf 2027
📰 Was ist los?
Awaken Realms und Byzel haben HOARDER auf 2027 terminiert und einen neuen Trailer veröffentlicht. Das Horror-Abenteuer beginnt als gewöhnliche Aufräumsimulation, bevor eine unmögliche Treppe zu einer unterirdischen Anlage und schließlich zur Erkundung des Tiefseebodens führt.
🐛 Was denken wir?
Der Genrewechsel ist weiterhin der große Reiz, aber interessanter ist, dass HOARDER seine eigenen Komfortmechaniken gegen den Spieler wenden will. Wenn Questmarker, Regeln und selbst die ursprüngliche Aufgabe zunehmend zerfallen, könnte daraus deutlich mehr werden als ein Cleaning-Sim mit überraschendem Horrorabschnitt.
🧹 Wer zu gründlich aufräumt, findet den Abgrund: HOARDER kommt 2027
Es gibt Aufräumspiele, bei denen unter einem Stapel alter Zeitungen vielleicht noch ein vergessener Teller liegt. In HOARDER kann darunter offenbar eine Treppe beginnen, deren architektonische Dimensionen vernünftige Menschen als Anlass verstehen würden, sofort das Haus zu verlassen. Vernünftige Menschen wären allerdings nach wenigen Minuten wieder im Urlaub. Neugierige Spieler steigen hinunter.

Awaken Realms und Entwickler Byzel haben jetzt bestätigt, dass das ungewöhnliche Horror-Abenteuer 2027 für PlayStation 5, Xbox Series X|S und PC erscheinen soll. Ein neuer Trailer rückt das Projekt des Teams um Darkwood-Mitschöpfer Gustaw Stachaszewski wieder ins Licht – wobei „Licht“ spätestens dann ein relativer Begriff wird, wenn das Spiel seine harmlose Aufräumsimulation gegen eine U-Boot-Fahrt durch die finstere Tiefsee eintauscht.
🧽 Am Anfang gibt es noch Checklisten
HOARDER beginnt absichtlich unspektakulär. Wir sollen das Haus eines Messie-Paares entrümpeln, Gegenstände sortieren und mit vertrauten Hilfen arbeiten: Aufgabenlisten, Questmarker, klare Ziele. Fast alles sieht zunächst nach jener angenehm überschaubaren Sorte Arbeitssimulation aus, bei der Chaos Stück für Stück einer ordentlich aufgeräumten Wohnung weicht.
Nur erzählt der Müll gleichzeitig etwas über die Menschen, die hier gelebt haben. Zwischen Gegenständen und Hinterlassenschaften entsteht langsam eine Geschichte darüber, was den früheren Bewohnern widerfahren ist. Wer diesem Rätsel nicht folgen möchte, muss das offenbar nicht einmal tun. Man kann schlicht genügend Geld mit dem Aufräumen verdienen, ein Ticket für den Traumurlaub kaufen und das Spiel damit beenden.
Das ist ein bemerkenswert guter Einfall, weil HOARDER seine eigene Horrorhandlung dadurch beinahe optional macht. Der vernünftige Ausgang ist vorhanden. Das Spiel setzt darauf, dass wir ihn trotzdem nicht wählen.
🎬 Vom Müllberg in die Tiefsee
Der neue Trailer zeigt HOARDERs drastischen Genrewechsel und bestätigt das Releasefenster 2027.
🪜 Irgendwann passt die Treppe nicht mehr ins Haus
Wer weiter sucht, entdeckt unter dem Gebäude einen Keller, der zunehmend aufhört, sich an vernünftige räumliche Regeln zu halten. Daraus führt eine gewaltige Treppe immer weiter hinab – und mit jedem Schritt beginnt HOARDER jene Sicherheiten abzubauen, die es zuvor selbst eingerichtet hat.
Questtexte verändern sich. Marker funktionieren nicht mehr zuverlässig. Die vertrauten Mechaniken der Reinigungssimulation verschwinden, und am unteren Ende wartet eine rätselhafte Anlage, die zum neuen Mittelpunkt des Spiels wird.
Genau hier liegt der interessantere Horroransatz. Byzel ersetzt nicht einfach Staubsauger durch Schrotflinte und lässt plötzlich Monster durchs Haus laufen. Das Spiel verändert vielmehr seine eigenen Regeln. Systeme, die zuvor Orientierung gegeben haben, werden Teil der Verunsicherung. Verdammte Axt! Ausgerechnet die Mechaniken, denen wir vertrauen gelernt haben, beginnen uns im Stich zu lassen.
🌊 Unter dem Keller liegt offenbar gleich die Tiefsee
Die Anlage bildet anschließend eine Basis für den zweiten großen Teil von HOARDER. Dort beginnt ein Tag-Nacht-Rhythmus, während sich Bereiche der Station durch unsere Handlungen verändern und nach und nach weitere Geheimnisse öffnen.
Tagsüber geht es hinaus, allerdings nicht an die frische Luft. Mit einem kleinen U-Boot erkunden wir einen Tiefseeboden, in den gewöhnliches Licht kaum vordringen kann. Die Umgebung wird deshalb mithilfe eines LiDAR-ähnlichen Scanners sichtbar gemacht. Aus der Dunkelheit entstehen nur jene Formen, die das System gerade erfasst.
Das klingt schon als technische Idee hervorragend für Horror. Unter Wasser ist ohnehin kaum etwas unangenehmer als nicht zu wissen, was sich außerhalb des Sichtfeldes befindet. HOARDER nimmt selbst dieses Sichtfeld weitgehend weg und ersetzt es durch ein abstraktes Abbild der Umgebung.
Dort unten werden Gegenstände und andere Funde geborgen, anschließend zurück zur Basis gebracht und sortiert. Manche dienen als verwertbares Material, andere öffnen neue Bereiche, ermöglichen Verbesserungen oder treiben die Geschichte voran.
Damit kehrt sogar das ursprüngliche Thema des Spiels in veränderter Form zurück. Wir sammeln weiterhin Dinge, prüfen ihren Wert und entscheiden, was behalten wird. Nur besteht der Haushalt inzwischen aus einer unmöglichen Anlage unter der Erde und der Keller aus einem Ozean.
📦 Der Messie steckt vielleicht längst im Spieler
Der Titel HOARDER bekommt dadurch eine zweite Bedeutung. Zu Beginn räumen wir den Besitz anderer Menschen weg. Später schleppen wir selbst immer neue Fundstücke aus einer Umgebung zurück, deren Geheimnisse uns eigentlich warnen sollten, nicht noch tiefer zu graben.
Byzel bezeichnet Neugier ausdrücklich als treibende Kraft und zugleich als Fluch. Die Geschichte soll nicht ständig erklären, wohin wir gehen müssen. Informationen liegen zwischen Gegenständen, Räumen und Fundstücken verborgen, während die Welt physisch stärker reagiert als in vielen klassischen Adventures: Gegenstände, die nicht befestigt sind, können aufgenommen, untersucht, geworfen oder miteinander kombiniert werden.
Das könnte zum wichtigsten Unterschied gegenüber gewöhnlichem narrativem Horror werden. HOARDER will offenbar nicht bloß eine Geschichte erzählen, die gelegentlich durch Reinigung und Erkundung unterbrochen wird. Das Horten, Sortieren, Wegwerfen und Untersuchen von Dingen soll selbst Teil der Erzählung sein. Und irgendwann könnte die Frage entstehen, warum wir eigentlich noch alles mitnehmen.
🌑 Ein anderer Horror aus der Darkwood-Ecke
Die Verbindung zu Darkwood macht das Projekt zusätzlich interessant, obwohl beide Spiele spielerisch kaum ähnlicher aussehen könnten. Gustaw Stachaszewski gehörte zu den Mitschöpfern des polnischen Horrorspiels und führt nun Byzel innerhalb von Awaken Realms Digital.
Darkwood funktionierte weniger über permanente Schockmomente als über Unsicherheit, unangenehme Regeln und eine Welt, in der man nie das Gefühl bekam, wirklich alles verstanden zu haben. HOARDER scheint einen verwandten Instinkt in eine völlig andere Form zu übertragen: Erst baut das Spiel Vertrauen in seine Systeme auf, anschließend beginnt es, genau dieses Vertrauen zu beschädigen.
Steam warnt durchaus vor Horror, verstörenden Bildern, Gore und Jump Scares. Trotzdem wirkt das bisher interessanteste Monster des Spiels eher konzeptionell: die eigene Neugier.
🕳️ 2027 dürfen wir endlich zu weit gehen
Ein genauer Termin steht noch nicht fest, aber mit dem neuen Trailer besitzt HOARDER jetzt zumindest ein Jahr. 2027 soll der Abstieg auf PC, PlayStation 5 und Xbox Series beginnen.
Bis dahin bleibt ausgerechnet die banalste Mechanik seine größte Stärke. Dieses Spiel zwingt niemanden, das Grauen zu finden. Man könnte das Haus tatsächlich aufräumen, bezahlt werden und verschwinden.
Doch irgendwo unter dem Müll ist diese Treppe.
Und jedes Horrorspiel weiß: Sobald eine Tür ausdrücklich niemals geöffnet werden darf, wird sie prompt geöffnet.







